Die Zahlen, auf die der Markt eine Woche lang gewartet hat, sind da – und sie sind besser als erwartet. Nvidia meldete für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz von 96,2 Mrd. USD (+106 % gegenüber Vorjahr) und übertraf den Konsens von 92,2 Mrd. USD damit um rund 4 Mrd. USD. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag mit 2,22 USD über den erwarteten 2,09 USD, das Data-Center-Geschäft steuerte 89,0 Mrd. USD bei (+117 %). Die Aktie steigt heute um 7,56 % auf 225,52 USD.
Entscheidend waren aber zwei andere Zahlen. Erstens die Bruttomarge: 75,0 % – genau die Marke, an der sich im Vorfeld die Geister schieden. Zweitens der Ausblick von 108 Mrd. USD für das laufende Quartal, rund 4 Mrd. USD über der Erwartung. Bemerkenswert dabei: In dieser Prognose ist kein einziger Dollar Data-Center-Umsatz aus China unterstellt. Rubin läuft nach Unternehmensangaben in die Serienproduktion, erste Racks stehen bei CoreWeave, Google Cloud, Microsoft Azure, Oracle und Nebius.
Der Haken für die Skeptiker steckt im Detail: Die Margenprognose für das laufende Quartal liegt bei 74,0 % – einen Prozentpunkt unter dem Ist-Wert. Und die Reaktion der Branche fällt uneinheitlich aus. Broadcom (+3,64 %) und TSMC (+1,87 %) ziehen mit, AMD (−1,00 %), Micron (−2,45 %) und ASML (−1,07 %) geben dagegen nach. In Japan verlor Advantest 3,05 %, in Korea gewannen SK Hynix 2,49 % und Samsung 1,72 %. Es ist also kein Flächenbrand nach oben, sondern eine sehr gezielte Bewegung. An der Wall Street führt der Nasdaq Composite mit +1,23 %, der Dow folgt mit nur +0,34 %.
Asien reagierte auf die Nvidia-Zahlen gespalten – und das ist die eigentliche Nachricht. Wer einen einheitlichen Jubel erwartet hätte, wurde enttäuscht. Südkorea und Festlandchina legten deutlich zu, Japan und Hongkong schlossen dagegen leicht im Minus. Der Kospi gewann 1,53 % auf 6.912,37 Punkte, getragen von SK Hynix (+2,49 % auf 1.730.000 Won) und Samsung Electronics (+1,72 % auf 266.000 Won) – die beiden Speicherhersteller sind die direktesten Nutznießer eines anziehenden KI-Investitionszyklus. Der Shanghai Composite stieg 44,05 Punkte bzw. 1,13 % auf 3.956,57.
In Tokio gab der Nikkei 225 dagegen 139,10 Punkte bzw. 0,21 % auf 66.121,85 ab – ausgerechnet Advantest verlor 3,05 %, der Halbleiter-Testspezialist, der im Vorfeld am stärksten gelaufen war. Das ist ein klassisches „sell the news" nach einem starken Vorlauf, kein Zweifel an den Nvidia-Zahlen. Hongkong schloss 0,3 % schwächer.
Der Zinsentscheid des Tages kam aus Seoul: Die Bank of Korea hob den Leitzins zum zweiten Mal in Folge an – von 2,75 % auf 3,00 %. Begründet wurde der Schritt mit anhaltenden Inflationsrisiken; einzelne Ratsmitglieder halten laut Sedaily mittelfristig bis zu 3,50 % für möglich. Bemerkenswert: Der Kospi stieg trotz der Zinserhöhung deutlich – der Halbleiterzyklus überlagerte die Geldpolitik.
Kospi-Punktstand von der Korea Times; die Punktveränderung wird dort nicht ausgewiesen und ist rechnerisch abgeleitet. Nikkei, Hang Seng und Shanghai über MarketScreener bzw. Trading Economics, alle drei Rechenproben gegen die Vortagesschlüsse bestätigt. Die Kursbewegungen von Tokyo Electron und SoftBank waren heute nicht belastbar zu ermitteln und bleiben deshalb unerwähnt.
Der Mittwoch endete so, wie er verlaufen war: ohne Richtung. Alle vier Leitindizes schlossen nahe der Nulllinie – der Nasdaq 100 mit 15,29 Punkten bzw. 0,05 % im Plus, der S&P 500 mit 1,58 Punkten praktisch unverändert, der Nasdaq Composite 21,10 Punkte bzw. 0,08 % schwächer, der Dow 113,52 Punkte bzw. 0,21 % im Minus. Niemand wollte vor der Bekanntgabe Position beziehen. Nvidia selbst schloss bei 209,66 USD.
Dann kamen die Zahlen um 22:20 Uhr MESZ – und die Aktie sprang nachbörslich zunächst rund 4 bis 6 % nach oben. Diese Bewegung hat sich im heutigen regulären Handel nicht nur gehalten, sondern ausgeweitet. Zur Einordnung: Der Optionsmarkt hatte im Vorfeld eine Bewegung von 5,6 % eingepreist, und in den vier Quartalen davor war die tatsächliche Reaktion jedes Mal negativ ausgefallen. Diese Serie ist damit gebrochen.
Alle vier Schlussstände sind Kassa-Indexstände; die Rechenproben gegen die Dienstagsschlüsse (7.677,28 / 26.151,30 / 29.209,23 / 53.577,40) gehen exakt auf. Die nachbörsliche Kursspanne von Nvidia stammt aus einer einzigen Quelle und ist naturgemäß ein Momentwert.
(a) Verlauf: Der DAX hat die Nvidia-Vorlage angenommen, aber nicht in Euphorie umgesetzt. Kurz vor dem Xetra-Schluss stand er bei 26.339,81 Punkten, 53,83 Punkte bzw. 0,20 % im Plus. Die Tagesspanne reichte von 26.241,77 bis 26.402,81 Punkten – der Index war also zwischenzeitlich deutlich weiter oben und hat einen Teil wieder abgegeben. Auffällig ist die Spreizung darunter: Der TecDAX legte mit 1,48 % gut siebenmal so stark zu wie der Leitindex. Der Technologieimpuls war präzise, der breite Markt blieb zurückhaltend.
(b) Einzelwerte – die Rotation dreht sich um: Vorne standen am Vormittag Infineon mit +3,88 % (57,33 €) als direkter Nutznießer des Halbleiterimpulses, Siemens Energy mit +3,16 % (155,88 €) und Rheinmetall mit +2,99 % (1.172,80 €). Auf der Verliererseite standen Deutsche Telekom (−2,00 %), Heidelberg Materials (−1,44 %) und Siemens Healthineers (−1,35 %). Bemerkenswert ist Heidelberg Materials: Der Baustoffkonzern war gestern mit über 5 % größter DAX-Gewinner und gibt heute wieder ab. Die Rotation der Vortage – raus aus Technologie, rein in Substanz – hat sich nach den Nvidia-Zahlen umgekehrt.
(c) Termine und Meldungen aus Deutschland: Berichtet haben heute unter anderem Fielmann, Gerresheimer (vorläufige Quartalszahlen), Delivery Hero und die Landesbank Hessen-Thüringen mit Halbjahreszahlen. Bei Volkswagen ging die Reihe der Betriebsversammlungen in Chemnitz und Dresden weiter, nachdem Konzernchef Oliver Blume am Mittwoch in Emden und Zwickau vier Standorte ohne wettbewerbsfähige Belegung in den 2030er-Jahren benannt hatte.
(d) Devisen und Anleihen: Der Euro gab leicht auf 1,1639 USD nach (−0,13 %). Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg auf 4,669 % (+3 Basispunkte) – die starken Arbeitsmarktdaten und die hawkishen Töne aus Jackson Hole wirkten in dieselbe Richtung. Die zehnjährige Bundrendite liegt bei rund 3,25 %.
Der DAX-Stand von 17:16 Uhr ist der letzte belastbare Wert vor der Schlussauktion, nicht der offizielle Schlussstand; die Rechenprobe gegen den Mittwochsschluss von 26.285,96 Punkten geht auf. MDAX, TecDAX und Euro Stoxx 50 stammen jeweils aus nur einer Quelle und mit unterschiedlichen Zeitstempeln – der MDAX-Wert wurde nach Xetra-Schluss abgegriffen und dürfte einen nachbörslichen Stand abbilden. Die Gewinner- und Verliererliste ist eine Momentaufnahme von 11:22 Uhr; der DAX-Handel war heute von starker Rotation geprägt, die Reihenfolge zum Schluss kann davon abweichen. Zum Stoxx Europe 600 lag heute kein belastbarer Tagesstand vor. Die 30-jährige US-Rendite war heute nicht verifizierbar.
Eine sauber gestaffelte Erleichterungsrally. Zum Notierungszeitpunkt zwischen 17:24 und 17:29 Uhr MESZ (11:24–11:29 Uhr ET) steht der Nasdaq Composite mit 321,93 Punkten bzw. 1,23 % auf 26.452,13 an der Spitze, der S&P 500 gewinnt 48,27 Punkte bzw. 0,63 % auf 7.723,97, der Dow legt 180,01 Punkte bzw. 0,34 % auf 53.643,89 zu.
Die Reihenfolge ist die Aussage: Je höher der Technologieanteil, desto stärker der Anstieg. Der Dow, der breiteste und am wenigsten technologielastige der drei, kommt auf gut ein Viertel der Nasdaq-Bewegung. Das deckt sich mit dem Bild aus der Vorbörse, wo die Nasdaq-Futures um 11:00 Uhr MESZ bereits gut 1 % vorne lagen, während die Dow-Futures praktisch unverändert notierten. Nur Indexstände, keine Einzelwerte.
S&P 500, Nasdaq Composite und Dow als Kassa-Indexstände von Google Finance mit sekundengenauem Zeitstempel; alle drei Rechenproben gegen die Mittwochsschlüsse gehen auf. Für den Nasdaq 100 war heute intraday kein belastbarer Kassa-Indexstand zu ermitteln – deshalb steht an dieser Stelle der Kassa-ETF QQQ (Stand 11:06 Uhr ET) statt einer Kontraktnotierung. Weitere Gegenproben: SPY +0,60 % (11:01 Uhr ET), DIA +0,24 % (10:57 Uhr ET).
Der Ölpreis holt einen Teil des Einbruchs zurück. Nachdem Brent am Mittwoch auf ein Zweiwochentief gefallen war – Auslöser war der vorläufige Rahmen zwischen Iran und Oman zur Wiederaufnahme der Schifffahrt durch die Straße von Hormus – zieht die Notierung heute wieder an: Brent gewinnt rund 1,66 % auf etwa 89,30 USD, WTI 0,90 % auf rund 82,97 USD. Am frühen Morgen hatten beide Sorten noch leicht im Minus gelegen. Neue Nachrichten zu Hormus gab es heute nicht – die Erholung wirkt damit eher wie eine Gegenbewegung auf einen zu schnellen Rückgang als wie eine Neubewertung der Lage.
Die Edelmetalle bewegen sich kaum: Gold liegt mit 4.648,90 USD 0,1 % schwächer, Silber mit 68,99 USD 0,1 % fester, Platin bei 1.844,30 USD praktisch unverändert. Das ist bemerkenswert: An einem Tag, an dem Aktien deutlich steigen und die Anleiherenditen anziehen, hätte man beim Gold einen klareren Rücksetzer erwarten können. Es hält sich – die Nachfrage nach Absicherung bleibt also bestehen, auch wenn die Aktienmärkte feiern.
Der Goldwert stammt vom Dezember-Future und ist damit eine Näherung an den Spotpreis, kein reiner Spotkurs; Silber als Spotkurs von Yahoo Finance (8:17 Uhr ET). Platin sowie Brent und WTI jeweils aus nur einer Quelle. Zum Vergleich: Am Mittwoch war Brent hier als Spanne von 86 bis 87 USD ausgewiesen worden, weil vier Quellen vier verschiedene Niveaus lieferten – der heutige Prozentwert bezieht sich auf die Vortagesbasis der heutigen Quelle, nicht auf diese Spanne.
| Datum | Ereignis | Ist | Erwartung | Vorher |
|---|---|---|---|---|
| Do 27.08. | US Erstanträge Arbeitslosenhilfe ★ Hohe Relevanz | 203.000 | 208.000 | 207.000 |
| Do 27.08. | DE Erzeugerpreise Juli, y/y ★ Hohe Relevanz | +3,0 % | +2,5 % | +1,8 % |
| Do 27.08. | DE Erzeugerpreise Juli, m/m | +1,1 % | +0,6 % | — |
| Do 27.08. | Bank of Korea · Leitzins ★ Hohe Relevanz | 3,00 % | — | 2,75 % |
| Do 27.08. | EZB-Protokoll der Juli-Sitzung | hawkish | — | — |
| Do 27.08. | Nvidia Q2 FY2027 · Umsatz (gestern Abend gemeldet) | 96,2 Mrd. $ | 92,2 Mrd. $ | 46,7 Mrd. $ |
| Fr 28.08. | Jackson Hole: Keynote von Fed-Chef Kevin Warsh ★ Hohe Relevanz | 16:00 Uhr | — | — |
| Fr 28.08. | DE Arbeitsmarktdaten · US Chicago PMI · Uni Michigan · FR Verbraucherpreise | — | — | — |
Alle Uhrzeiten in MESZ. Die beiden Datenpunkte des Tages ziehen in dieselbe Richtung: Der US-Arbeitsmarkt ist mit 203.000 Erstanträgen robuster als erwartet, und die deutschen Erzeugerpreise sind mit +3,0 % deutlich stärker gestiegen als die prognostizierten +2,5 % – Haupttreiber waren Vorleistungsgüter (+5,4 %) und Energie (+3,8 %). Beides spricht gegen baldige Zinssenkungen dies- wie jenseits des Atlantiks. Zur Erinnerung: Bei der Fed steht nicht eine Senkung, sondern eine mögliche Erhöhung zur Debatte; der Markt preist derzeit rund 45 % Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt nach oben bis Dezember ein. Die US-Großhandelslagerbestände und die EZB-Geldmenge M3 waren zum Redaktionsschluss nicht mit belastbaren Werten verfügbar.
Keine Börsenfeiertage. NYSE, Nasdaq, Xetra, Euronext, LSE, Tokio, Hongkong, Schanghai und Sydney handelten am Donnerstag, 27.08.2026, regulär. Der nächste Feiertag an einem großen Handelsplatz ist der Summer Bank Holiday am Montag, 31.08., an dem die Londoner Börse geschlossen bleibt; danach folgt der US Labor Day am Montag, 07.09.
Nach Nvidia kommt Marvell. Der zweitwichtigste Halbleitertermin der Woche steht heute nach US-Börsenschluss an. Die Aktie notiert im Vorfeld bei 245,27 USD nahezu unverändert (+0,07 %) – der Markt traut sich nach der Nvidia-Vorlage offenbar keine Vorwegnahme zu.
Die heutigen Berichte lieferten ein gemischtes Bild. Klare Gewinner waren Autodesk mit +5,04 % (267,62 USD) nach übertroffenen Erwartungen und angehobener Prognose, Workday mit +3,80 % (198,00 USD) und vor allem Dollar General mit +5,11 % (129,06 USD): Der Discounter meldete ein Flächenumsatzwachstum von 3,5 % und hob die Jahresprognose auf 2,5 bis 2,9 % an, vorbörslich stand die Aktie zeitweise 8 % im Plus. Auf der anderen Seite verlor Dollar Tree zeitweise rund 7 % – der Jahresumsatz wurde zwar bestätigt, der Quartalsgewinnausblick blieb aber hinter den Erwartungen zurück. Ulta Beauty gab 1,92 % auf 532,77 USD ab.
Für Autodesk, Workday und Ulta Beauty lagen zum Redaktionsschluss nur die Kursreaktionen belastbar vor, nicht die Detailzahlen zu Umsatz und Ergebnis. Bei beiden Discountern enthalten die Ergebnisprognosen Sondereffekte aus Zollerstattungen – rund 25 Cent je Aktie bei Dollar General, rund 60 Cent bei Dollar Tree.
Live-Kurse (Crypto.com, Stand 17:37 Uhr MESZ): Der Kryptomarkt dreht deutlich ins Plus. Bitcoin gewinnt 3,24 % auf 80.488 $ und hat die Marke von 80.000 Dollar damit zurückerobert, Ethereum steigt 3,25 % auf 2.523 $. Die 24-Stunden-Spanne von Bitcoin reicht von 77.849 bis 80.807 $ – der Tiefpunkt lag also noch unter dem gestrigen Stand, die Bewegung setzte erst mit den Nvidia-Zahlen ein.
Deutlich heraus sticht Solana mit +11,80 % auf 107,13 $ – der Sprung von einem Tagestief bei 95,46 $ auf 107,98 $ entspricht rund 13 % Spanne innerhalb eines Tages. Das ist ein Vielfaches der Bewegung von Bitcoin und Ethereum und lässt sich mit dem allgemeinen Risikoappetit allein nicht erklären. Ein konkreter Auslöser für diese Outperformance war aus den heute verfügbaren Quellen nicht zu belegen – wir weisen die Bewegung deshalb aus, ohne sie zu deuten.
| Sektor | Bewertung | Momentum |
|---|---|---|
| Halbleiter | teuer | gespalten (Nvidia +7,6 %, AMD −1,0 %) |
| Technologie | teuer | stark (Nasdaq Comp. +1,2 %) |
| Software | teuer | fest (Autodesk +5,0 %, Workday +3,8 %) |
| Speicher / Memory | fair | uneinheitlich (SK Hynix +2,5 %, Micron −2,5 %) |
| Energietechnik | fair | stark (Siemens Energy +3,2 %) |
| Rüstung | teuer | stark (Rheinmetall +3,0 %) |
| Telekommunikation | günstig | schwach (Dt. Telekom −2,0 %) |
| Baustoffe / Bau | fair | Rücksetzer (Heidelberg Mat. −1,4 %) |
| Banken / Finanzen | fair | gestützt (Renditen steigen) |
| Gesundheit | günstig | schwach (Healthineers −1,4 %, Ulta −1,9 %) |
| Energie / Öl | fair | Gegenbewegung (Brent +1,7 %) |
| Edelmetalle | teuer | seitwärts trotz Risikofreude |
Zur Orientierung: Die Rotation der Vortage hat sich heute umgekehrt. Was am Montag und Dienstag gefragt war – Baustoffe, Stahl, Substanz – gibt heute ab; was abgegeben wurde, führt. Das ist die typische Reaktion auf ein aufgelöstes Ereignisrisiko: Das Kapital, das vor den Nvidia-Zahlen in Sicherheit gebracht wurde, fließt zurück. Wichtig ist dabei die Spaltung innerhalb der Halbleiter: Nvidia, Broadcom und TSMC steigen, AMD, Micron und ASML fallen. Ein guter Nvidia-Bericht hebt eben nicht alle Boote – er verschiebt Marktanteilserwartungen. Auffällig bleibt das seitwärts laufende Gold: An einem Tag mit steigenden Aktien und steigenden Renditen wäre ein klarerer Rücksetzer die Lehrbuchreaktion gewesen. Keine Anlageberatung.
Der Umsatz im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 lag bei 96,2 Mrd. USD (+106 % gegenüber Vorjahr) gegenüber einem Konsens von 92,2 Mrd. USD, das bereinigte Ergebnis je Aktie bei 2,22 USD statt erwarteter 2,09 USD. Das Data-Center-Geschäft steuerte 89,0 Mrd. USD bei (+117 %). Die Bruttomarge erreichte 75,0 % – exakt jene Marke, deren Halten im Vorfeld der zentrale Streitpunkt war. Für das laufende Quartal stellt das Unternehmen 108 Mrd. USD in Aussicht (±2 %) gegenüber erwarteten rund 104 Mrd. USD, allerdings bei einer auf 74,0 % sinkenden Margenprognose. In der Guidance ist kein Data-Center-Umsatz aus China unterstellt. Rubin läuft in die Serienproduktion.
SEC-Pflichtmitteilung / StockTitanNvidia steigt 7,56 % auf 225,52 USD, Morgan Stanley hob das Kursziel von 235 auf 250 USD an. Mitgezogen werden aber nur Teile der Branche: Broadcom +3,64 % (Kursziel dort ebenfalls angehoben, von 409 auf 443 USD) und TSMC +1,87 %. Dagegen fallen AMD 1,00 %, Micron 2,45 % und ASML 1,07 %. In Japan verlor Advantest 3,05 %, in Korea gewannen SK Hynix 2,49 % und Samsung 1,72 %, in Deutschland stieg Infineon 3,88 %. Ein starkes Nvidia-Quartal verschiebt offenbar Marktanteilserwartungen, statt den ganzen Sektor zu heben.
stockanalysis.com / Korea Times / comdirectDie südkoreanische Notenbank hob den Leitzins von 2,75 % auf 3,00 % an und begründete den Schritt mit anhaltenden Inflationsrisiken. Einzelne Ratsmitglieder halten laut Sedaily mittelfristig einen Satz von bis zu 3,50 % für möglich. Der Kospi stieg trotzdem um 1,53 % – der Halbleiterzyklus überlagerte die geldpolitische Straffung.
Bloomberg / CNBC / Korea TimesDas Symposium läuft bis Samstag unter dem Thema „Financial Innovation: Implications for Payments and Policy". Jeffrey Schmid (Kansas City Fed) nannte die Inflation „still stubborn and it's still sticky" und hält das aktuelle Zinsniveau von 3,50 bis 3,75 % für nicht ausreichend restriktiv. Austan Goolsbee (Chicago Fed) bezeichnete die fünfjährige Phase oberhalb des Zielwerts als teils „disturbing", hielt aber fest, der Zins „could be lowered over time", sofern sich die Inflation dem Ziel nähere. Die Keynote von Fed-Chef Kevin Warsh am Freitag um 16:00 Uhr MESZ ist sein Debüt als Vorsitzender; Beobachter erwarten eher strukturelle Ausführungen als eine Festlegung auf Zinsschritte.
Yahoo Finance / Axios / FoxBusinessDas heute veröffentlichte Protokoll der Juli-Sitzung zeigt eine einstimmige Entscheidung, die Zinsen unverändert zu lassen. Einzelne Ratsmitglieder hätten eine Erhöhung jedoch nicht abgelehnt. Die Gesamtinflation ist auf 2,8 % gesunken (von 3,2 % im Mai), die Kernrate auf 2,4 % (von 2,6 %). Für September gibt es keine Festlegung, das Signal lautet aber: eine weitere Erhöhung sei „wahrscheinlich notwendig", falls sich der Inflationsausblick nicht deutlich verbessere. Der Euro reagierte kaum.
EZB / FXStreetDie US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen auf 203.000 und lagen damit unter dem Konsens von 208.000 und unter dem revidierten Vorwochenwert von 207.000. In Deutschland stiegen die Erzeugerpreise im Juli um 3,0 % gegenüber Vorjahr – erwartet worden waren 2,5 %, im Juni hatte der Anstieg noch 1,8 % betragen. Auf Monatssicht ergab sich ein Plus von 1,1 % statt erwarteter 0,6 %. Haupttreiber waren Vorleistungsgüter (+5,4 %) und Energie (+3,8 %). Beide Datensätze sprechen gegen baldige Zinssenkungen.
US Department of Labor / DestatisZwei Discounter derselben Branche, zwei gegensätzliche Reaktionen. Dollar General stieg 5,11 % auf 129,06 USD – das Flächenumsatzwachstum lag bei 3,5 %, die Jahresprognose wurde auf 2,5 bis 2,9 % angehoben, vorbörslich stand die Aktie zeitweise 8 % im Plus. Dollar Tree verlor zeitweise rund 7 %: Der Jahresumsatz wurde bestätigt, der Gewinnausblick für das laufende Quartal blieb aber hinter den Erwartungen zurück. Beide Prognosen enthalten Sondereffekte aus Zollerstattungen.
BNN Bloomberg / stockanalysis.comBrent gewinnt rund 1,66 % auf etwa 89,30 USD, WTI 0,90 % auf rund 82,97 USD. Am Mittwoch war der Preis eingebrochen, nachdem sich Iran und Oman auf einen vorläufigen Rahmen zur Wiederaufnahme der Schifffahrt durch die Straße von Hormus verständigt hatten. Neue Meldungen dazu gab es heute nicht – die Erholung wirkt damit technisch getrieben. Am frühen Morgen hatten beide Sorten noch leicht im Minus notiert.
Trading Economics / RTEMontag (24.08.): Rotation aus Technologie in Substanzwerte; Bessent stellte am Abend das Iran-Sanktionspaket vor, chinesische Staatsbanken blieben unbenannt.
Dienstag (25.08.): Der deutsche Datentag – ifo-Geschäftsklima 88,8 und BIP-Revision auf +0,3 %. In den USA erholten sich die Halbleiter, Nvidia beendete eine siebentägige Verlustserie.
Mittwoch (26.08.): US-PCE-Preisindex knapp über Erwartung (3,7 %), Kernrate mit 3,3 % im Rahmen. Öl fiel auf ein Zweiwochentief nach dem Iran-Oman-Rahmen. Am Abend die Nvidia-Zahlen.
Donnerstag (27.08.): Nvidia übertrifft auf ganzer Linie – der Nasdaq führt mit +1,2 %. Bank of Korea erhöht auf 3,00 %, das EZB-Protokoll bleibt hawkish, die US-Erstanträge fallen auf 203.000. Jackson Hole startet. Nachbörslich Marvell.
Freitag (28.08.): Der Höhepunkt – die Keynote von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole gegen 16:00 Uhr MESZ, sein erster großer Auftritt als Notenbankvorsitzender, 19 Tage vor der FOMC-Sitzung. Dazu deutsche Arbeitsmarktdaten, der Chicago PMI, das Uni-Michigan-Verbrauchervertrauen und französische Verbraucherpreise.
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