Der Markt richtet alles auf morgen aus. Die Fed entscheidet am Mittwoch um 20:00 Uhr MESZ über den Leitzins, und der Markt preist inzwischen zu rund 92 Prozent eine Anhebung um 25 Basispunkte ein – aus dem aktuellen Zielband von 3,50 bis 3,75 Prozent heraus. Vor drei Wochen war das noch eine Münzwurf-Frage. Entsprechend hat sich die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf rund 5,02 Prozent geschoben, den höchsten Stand seit 2007. Am Montag hatte sie noch bei 4,97 Prozent geschlossen.
Der zweite Treiber liegt am Persischen Golf. Der Konflikt mit dem Iran ist am heutigen Dienstag im Tag 200 und eskaliert weiter: Nach Berichten kontrollieren Huthi-Kräfte inzwischen die Inseln Groß- und Klein-Hanish nahe der Meerenge Bab al-Mandab und damit weite Teile der jemenitischen Rotmeerküste. Durch die Straße von Hormus laufen derzeit rund vier Frachtschiffe pro Tag – vor dem Krieg waren es über hundert. Brent sprang am Vormittag auf 108,27 USD, ein Viermonatshoch, und kam bis zum Abend auf rund 105,33 USD zurück. Die Erleichterung nach dem Iran-Oman-Rahmen von Ende August ist damit vollständig verflogen.
Beides zusammen ergibt einen klaren Risk-off-Tag. Der Dow verliert 0,91 Prozent, der Nasdaq Composite 0,68 Prozent. Der DAX hat sich dagegen bemerkenswert erholt: Er startete rund 0,8 Prozent im Minus und stand um 15:30 Uhr nur noch 0,07 Prozent tiefer. Zusätzlichen Druck auf die Halbleiterwerte übte ein Aufsatz von Anthropic-Chef Dario Amodei vom Wochenende aus, der für eine Verlangsamung der KI-Modellentwicklung plädiert; Sam Altman und Elon Musk äußerten sich zustimmend. Am Montag kostete das Micron 5,6 Prozent und SK Hynix 7,4 Prozent.
Asien zeigte sich uneinheitlich und deutlich robuster als Europa und die USA. Tokio führte mit einem Plus von 0,8 Prozent auf 63.993,22 Punkte, Festlandchina lag leicht vorn, Hongkong leicht hinten, Seoul praktisch unverändert. Von einem globalen Ausverkauf kann also keine Rede sein – der Druck baute sich erst im europäischen und amerikanischen Handel auf, als die Zinserwartungen und der Ölpreis in den Vordergrund rückten.
Der auffälligste Einzelwert war SoftBank mit einem Sprung von rund 8 Prozent. Auslöser war ein Signal von OpenAI-Chef Sam Altman, den geplanten Börsengang möglicherweise auf 2027 zu verschieben – für SoftBank als Großinvestor offenbar eher eine Entlastung als ein Rückschlag. In einem Umfeld, in dem KI-Werte sonst unter Druck stehen, war das der Lichtblick des Tages.
Aus China kamen gemischte Konjunkturdaten: Die Industrieproduktion beschleunigte auf 5,2 Prozent gegenüber Vorjahr, die Einzelhandelsumsätze verlangsamten sich dagegen auf 0,4 Prozent. Die Industrie läuft, der Konsum nicht – ein Muster, das China seit Monaten begleitet.
Die vier Indexstände stammen aus einer einzigen Quelle (AP) und sind Sitzungs- bzw. Vormittagsstände, keine offiziellen Schlussstände; eine zweite Quelle bestätigte nur die Richtung, nicht die Punktwerte. Offizielle Tagesschlusskurse waren zum Redaktionsschluss nicht auffindbar. Die Punktveränderungen werden in der Quelle nicht ausgewiesen, deshalb stehen hier nur die Prozentwerte.
Schon der Montag stand im Zeichen der beiden Themen, die heute dominieren. Alle vier Leitindizes gaben nach, und zwar gestaffelt nach Technologieanteil: Der Dow verlor 152,09 Punkte bzw. 0,29 Prozent, der S&P 500 37,02 Punkte bzw. 0,48 Prozent, der Nasdaq Composite 146,62 Punkte bzw. 0,56 Prozent und der Nasdaq 100 mit 241,28 Punkten bzw. 0,82 Prozent am deutlichsten.
Der Auslöser für die Schwäche im Technologiesegment war der bereits erwähnte Aufsatz zur KI-Sicherheit: Micron verlor 5,6 Prozent, SK Hynix 7,4 Prozent, Nvidia 2,8 Prozent. Dazu kam der Renditedruck – die zehnjährige Rendite schloss am Montag bei 4,97 Prozent und damit bereits auf einem Mehrjahreshoch. Wachstumswerte, deren Bewertung auf weit in der Zukunft liegenden Gewinnen beruht, reagieren auf steigende Diskontsätze am empfindlichsten.
Alle vier Schlussstände sind Kassa-Indexstände und wurden aus zwei unabhängigen Quellen bestätigt; die Rechenproben gegen die Freitagsschlüsse gehen auf. Eine dritte Quelle hatte abweichende, deutlich niedrigere Werte gemeldet (S&P 500 bei 7.597,83) – diese ließen sich nicht bestätigen und wurden verworfen.
(a) Verlauf – die eigentliche Geschichte des Tages ist die Erholung: Der DAX eröffnete bei 25.230,01 Punkten – gemessen am Montagsschluss rund 0,83 Prozent im Minus. Zur Mittagszeit hatte er das Minus auf 0,28 Prozent eingegrenzt (25.369,39 Punkte), und um 15:30 Uhr stand er bei 25.423,47 Punkten – nur noch 17,34 Punkte bzw. 0,07 Prozent unter dem Montagsschluss von 25.440,81. Über den Tag hat der Index also gut 190 Punkte zurückgeholt. Angesichts eines Ölpreises auf Viermonatshoch und einer US-Rendite von 5 Prozent ist das bemerkenswert stabil.
(b) Einzelwerte – Rüstung vorn, Zykliker hinten: An der Spitze stand Rheinmetall mit +3,04 Prozent (1.027,00 €) – der Rüstungskonzern profitiert unmittelbar von der Eskalation im Nahen Osten. Es folgten MTU Aero Engines mit +1,65 Prozent (333,60 €) und Fresenius Medical Care mit +0,88 Prozent (39,91 €). Auf der Verliererseite standen Brenntag mit −2,32 Prozent (59,70 €), die Deutsche Bank mit −2,23 Prozent (33,39 €) und BASF mit −1,66 Prozent (51,51 €). Die beiden Chemiewerte leiden unter den gestiegenen Energiekosten, die Deutsche Bank gibt trotz steigender Zinsen nach – ein Hinweis darauf, dass der Markt hier eher das Konjunkturrisiko als die Zinsmarge einpreist.
(c) Meldungen: Aus Deutschland war die Nachrichtenlage dünn; bestätigt ist eine Kaufempfehlung der UBS für RWE mit einem Kursziel von 68 Euro. In Frankreich fand der Investorentag der Axa SA statt.
(d) Devisen und Anleihen: Der Euro notiert bei 1,1543 USD (−0,05 Prozent, Stand 16:59 Uhr) – der Dollar bleibt durch die Zinsfantasie gestützt. Die zehnjährige US-Rendite liegt bei rund 5,02 Prozent nach 4,97 Prozent am Montagsschluss.
Der offizielle Xetra-Schlussstand von 17:30 Uhr war zum Redaktionsschluss in keiner Quelle belastbar auffindbar; die Kurswidgets mehrerer Portale lieferten widersprüchlich gecachte Momentwerte. Der hier ausgewiesene Stand von 15:30:14 Uhr ist der letzte Wert, dessen Rechenprobe gegen den Montagsschluss exakt aufgeht. MDAX, TecDAX und Euro Stoxx 50 sind Eröffnungsstände aus einer einzigen Quelle – spätere Verläufe ließen sich nicht verifizieren; für den MDAX deutet eine Indikation am Abend auf ein deutlich größeres Minus hin. Wichtig zu den Prozentwerten dieser Quelle: Für den DAX wies sie zur Eröffnung −1,15 Prozent aus; gegen den bestätigten Montagsschluss von 25.440,81 ergibt der Eröffnungsstand jedoch −0,83 Prozent. Die Quelle rechnet also offenbar gegen eine andere Vortagesbasis. Wir weisen deshalb den selbst nachgerechneten Wert aus; die Prozentangaben zu MDAX, TecDAX und Euro Stoxx 50 stammen aus derselben Quelle und sind mit demselben Vorbehalt zu lesen – belastbar sind dort die Punktstände, nicht die Prozentwerte. Die Gewinner- und Verliererliste ist ein Mittagsstand von 12:09 Uhr, kein Schlussstand. Zum Stoxx Europe 600 lag kein heutiger Wert vor. Die zehnjährige Bundrendite und die 30-jährige US-Rendite waren für heute nicht verifizierbar.
Die Wall Street baut ihre Verluste im Verlauf aus. Zum Notierungszeitpunkt um 18:01:54 Uhr MESZ (12:01:54 Uhr ET) verliert der Dow 478,26 Punkte bzw. 0,91 Prozent auf 51.942,94, der Nasdaq Composite 177,64 Punkte bzw. 0,68 Prozent auf 26.008,78. Zehn Minuten früher hatten die Kassa-ETFs SPY und QQQ noch Rückgänge von 0,48 bzw. 0,55 Prozent angezeigt – der Verkaufsdruck hat sich im Vormittagsverlauf also verstärkt.
Bemerkenswert ist die Reihenfolge: Der Dow verliert heute mehr als der Nasdaq. Das ist das Gegenteil des Musters, das man bei einem reinen Zinsschock erwarten würde, und deutet darauf hin, dass der Ölpreis und die Konjunktursorge schwerer wiegen als der Diskontsatz-Effekt. Vorbörslich hatten die Futures sogar noch etwas tiefer gestanden. Nur Indexstände, keine Einzelwerte.
Dow und Nasdaq Composite als Kassa-Indexstände von Google Finance mit sekundengenauem Zeitstempel; beide Rechenproben gegen die Montagsschlüsse gehen auf. Für den S&P 500 und den Nasdaq 100 war heute intraday kein belastbarer Kassa-Indexstand zu ermitteln – an ihrer Stelle stehen deshalb die Kassa-ETFs SPY und QQQ (jeweils 11:51 Uhr ET) statt Kontrakt- oder CFD-Notierungen. Die Zeitstempel der vier Kacheln liegen damit rund zehn Minuten auseinander.
Der Ölmarkt ist der Schauplatz des Tages. Brent sprang am Vormittag auf 108,27 USD und damit auf ein Viermonatshoch, kam bis 18:33 Uhr aber auf 105,33 USD zurück – immer noch 1,14 Prozent über dem Vortagesschluss. WTI legt mit 3,15 Prozent auf 105,07 USD prozentual deutlich stärker zu. Hintergrund sind die Berichte über die Eskalation am Roten Meer und am Golf: der Transit durch die Straße von Hormus auf rund vier Schiffe pro Tag eingebrochen, Angriffe auf Schiffe nahe der Insel Hengam, die saudische Ost-West-Pipeline gesperrt und die Bestände in Yanbu auf eine Reichweite von fünf bis sieben Tagen gefallen. In den USA hat der Dieselpreis mit 6,23 USD je Gallone ein Rekordniveau erreicht.
Die Edelmetalle geben nach – und das passt ins Bild. Gold verliert 0,33 Prozent auf 4.284,76 USD, Silber 2,39 Prozent auf 62,87 USD, Platin liegt bei 1.775,00 USD nahezu unverändert. Auf den ersten Blick überrascht das an einem Kriegstag. Der Grund ist der Zins: Bei einer zehnjährigen Realrendite auf Mehrjahreshoch verliert ein zinsloses Metall im Vergleich an Attraktivität. Der Zinseffekt überlagert den Krisenaufschlag.
Die Rohstoffpreise stammen jeweils aus nur einer Quelle und mit unterschiedlichen Zeitstempeln (Gold 13:49 Uhr, Silber 14:55 Uhr, WTI 16:07 Uhr, Brent 18:33 Uhr, Platin 07:09 Uhr) – die Prozentwerte sind deshalb nicht auf denselben Zeitpunkt bezogen. Auffällig ist, dass WTI hier fast auf demselben Niveau notiert wie Brent; üblicherweise liegt Brent spürbar darüber. Ob es sich um eine tatsächliche Verengung der Preisdifferenz oder um einen Datenartefakt der Quelle handelt, ließ sich nicht klären – wir weisen die Werte deshalb mit diesem ausdrücklichen Vorbehalt aus. Eine frühere Momentaufnahme am Vormittag nannte Brent bei 106,92 und WTI bei 102,77 USD.
| Datum | Ereignis | Ist | Erwartung | Vorher |
|---|---|---|---|---|
| Di 15.09. | DE ZEW-Konjunkturerwartungen ★ Hohe Relevanz | 34,7 | 39,8 | 34,2 |
| Di 15.09. | DE ZEW-Lageindikator | −47,1 | −52,0 | −61,1 |
| Di 15.09. | DE Großhandelspreise August, y/y ★ Hohe Relevanz | +6,8 % | — | — |
| Di 15.09. | Eurozone Handelsbilanz Juli | +14,2 Mrd. € | — | +7,2 Mrd. € |
| Di 15.09. | CN Industrieproduktion / Einzelhandel, y/y | +5,2 % / +0,4 % | — | — |
| Di 15.09. | US Empire-State-Index September | offen | 14,1–15,0 | 20,6 |
| Mi 16.09. | FOMC-Zinsentscheid · 20:00 Uhr MESZ ★ Hohe Relevanz | — | +25 Bp (92 %) | 3,50–3,75 % |
| Mi 16.09. | US Einzelhandelsumsätze August ★ Hohe Relevanz | — | −0,9 % | −0,6 % |
| Do 17.09. | US Baubeginne · Erstanträge (Prognose 206.000) · Bank of England | — | — | — |
| Fr 18.09. | US Industrieproduktion August | — | +1,0 % | +1,1 % |
Alle Uhrzeiten in MESZ. Das ZEW-Bild ist gespalten: Die Erwartungskomponente stieg mit 34,7 nur minimal und verfehlte die Prognose von rund 39,8 deutlich – die Anleger trauen dem Aufschwung also nicht. Der Lageindikator verbesserte sich dagegen von −61,1 auf −47,1 und damit stärker als erwartet. Deutlich unangenehmer sind die Großhandelspreise mit +6,8 Prozent, dem stärksten Anstieg seit Anfang 2023 – hier schlagen die Energiekosten voll durch, und sie werden mit Verzögerung auf die Verbraucherpreise wirken. Der Ist-Wert des Empire-State-Index war zum Redaktionsschluss nicht verifizierbar; auch die Prognose wird von Quellen unterschiedlich mit 14,1 bzw. 15,0 angegeben.
Keine Börsenfeiertage. NYSE, Nasdaq, Xetra, Euronext, LSE, Tokio, Hongkong und Schanghai handelten am Dienstag, 15.09.2026, regulär. Der letzte Feiertag war der US Labor Day am 7. September. Als Nächstes steht in Japan der Respect-for-the-Aged-Day am Montag, 21.09. an, an dem die Börse Tokio geschlossen bleibt; kurz darauf folgt dort die herbstliche Tagundnachtgleiche.
Die Woche ist berichtsarm – die Aufmerksamkeit liegt vollständig auf der Fed. Ein vollständiger Terminkalender für die Woche ließ sich nicht belastbar verifizieren. Bestätigt sind der Investorentag der Axa SA in Frankreich und die Kaufempfehlung der UBS für RWE mit Kursziel 68 Euro.
Die kursrelevanteste Unternehmensmeldung kam aus Tokio: SoftBank legte rund 8 Prozent zu, nachdem OpenAI-Chef Sam Altman einen möglichen Aufschub des Börsengangs auf 2027 in Aussicht gestellt hatte.
Zu Nvidia: Die Aktie notiert bei 212,22 USD und damit 0,60 Prozent im Plus (Stand 17:56 Uhr MESZ) – sie hält sich heute also besser als der breite Markt, nachdem sie am Montag 2,8 Prozent verloren hatte. Die 52-Wochen-Spanne reicht von 164,27 bis 236,54 USD; der Kurs liegt damit klar unter dem Jahreshoch. Das im Sommer verhängte US-Exportverbot für KI-Chips nach China wirkt nach einer Analyse vom 11. September weniger schädlich als befürchtet: China machte zuletzt weniger als ein Prozent des Rechenzentrumsumsatzes aus, während die chinesischen Wettbewerber Huawei und Cambricon ihre Preise wegen knapper Speicherchips um bis zu 50 Prozent anheben mussten.
Live-Kurse (Crypto.com, Stand 18:08 Uhr MESZ): Der Kryptomarkt gibt geschlossen nach. Bitcoin verliert 2,67 Prozent auf 76.371 $, Ethereum 3,40 Prozent auf 2.421 $, Solana 2,81 Prozent auf 99,08 $. Die 24-Stunden-Spanne von Bitcoin reicht von 75.588 bis 79.615 $ – über 4.000 Dollar Schwankung, der Rückgang verlief also in einer klaren Abwärtsbewegung und nicht als Seitwärtszittern.
Das Muster ist dasselbe wie an den Aktienmärkten: Eine bevorstehende Zinserhöhung ist für zinslose Anlagen das denkbar ungünstigste Umfeld. Wenn eine als risikofrei geltende zehnjährige US-Anleihe 5 Prozent abwirft, steigt die Hürde für jede Anlage, die keinen laufenden Ertrag liefert. Ethereum gibt dabei stärker nach als Bitcoin – die typische Reihenfolge, wenn Risiko abgebaut wird.
| Sektor | Bewertung | Momentum |
|---|---|---|
| Rüstung | teuer | sehr stark (Rheinmetall +3,0 %) |
| Luftfahrt-Zulieferer | fair | fest (MTU +1,7 %) |
| Energie / Öl | fair | stark (Brent +1,1 %, WTI +3,2 %) |
| Chemie | günstig | schwach (BASF −1,7 %, Brenntag −2,3 %) |
| Banken / Finanzen | günstig | schwach (Dt. Bank −2,2 %) |
| Halbleiter | fair | schwach (Micron −5,6 % am Vortag) |
| Technologie | fair | unter Renditedruck |
| Industrie / Zykliker | fair | Dow −0,9 % |
| Gesundheit | günstig | defensiv gesucht (FMC +0,9 %) |
| Transport / Luftfahrt | fair | Kerosinkosten belasten |
| Edelmetalle | fair | Zinsdruck schlägt Krisenaufschlag |
| Anleihen (Duration) | günstig | Renditen auf Hoch seit 2007 |
Zur Orientierung: Dieser Tag hat eine einzige Trennlinie – wer vom Krieg profitiert, gewinnt; wer Energie einkauft oder auf niedrige Zinsen angewiesen ist, verliert. Rüstung und Öl führen, Chemie und Banken bilden das Schlusslicht. Die interessanteste Anomalie ist die Deutsche Bank: Steigende Zinsen sind für Banken normalerweise gute Nachrichten, hier gibt die Aktie dennoch 2,2 Prozent ab. Der Markt preist offenbar nicht die Zinsmarge, sondern das Kreditrisiko einer Volkswirtschaft, die einen Ölpreisschock und einen Zinsanstieg gleichzeitig verkraften muss. Ebenso lehrreich sind die Edelmetalle: Ein Kriegstag mit fallendem Goldpreis zeigt, dass der Realzins derzeit das stärkere Argument ist als der sichere Hafen. Keine Anlageberatung.
Der Offenmarktausschuss gibt seine Entscheidung am Mittwoch um 20:00 Uhr MESZ bekannt. Der Markt rechnet mit einer Anhebung um 25 Basispunkte aus dem Zielband von 3,50 bis 3,75 Prozent heraus; die eingepreiste Wahrscheinlichkeit ist binnen eines Tages von 85 auf rund 92 Prozent gestiegen. Der Weg dorthin war kurz: Ende August galt der Schritt noch als Münzwurf. Auslöser waren die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole, in der er seine Inflationswarnung verschärfte, sowie Inflationsdaten vom vergangenen Freitag, die über den Erwartungen lagen. Bei der Juli-Sitzung war der Satz mit 9:3 Stimmen unverändert geblieben – die drei Gegenstimmen von Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan votierten bereits damals für eine Erhöhung.
CME FedWatch / TheStreet / CNBCDie Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe stieg auf rund 5,02 Prozent nach 4,97 Prozent zum Montagsschluss. Ein solches Niveau gab es zuletzt vor der Finanzkrise. Für den Aktienmarkt ist das in zweifacher Hinsicht relevant: Es erhöht den Diskontsatz, mit dem künftige Gewinne bewertet werden, und es schafft eine als risikoarm geltende Alternative, die mit Dividendenrenditen konkurriert. Besonders betroffen sind Wachstumswerte und zinslose Anlagen wie Gold und Kryptowährungen.
TheStreet / techi.comNach Berichten haben Huthi-Kräfte die Inseln Groß- und Klein-Hanish nahe der Meerenge Bab al-Mandab eingenommen und kontrollieren damit weite Teile der jemenitischen Rotmeerküste. Durch die Straße von Hormus laufen derzeit rund vier Frachtschiffe täglich gegenüber mehr als hundert vor dem Krieg; zwei Schiffe wurden nahe der Insel Hengam getroffen. Die saudische Ost-West-Pipeline ist gesperrt, die Bestände in Yanbu reichen noch fünf bis sieben Tage. In den USA hat der Dieselpreis mit 6,23 USD je Gallone ein Rekordniveau erreicht. Die Ende August gemeldete vorläufige Einigung zwischen Iran und Oman zur Wiederaufnahme der Schifffahrt ist damit gegenstandslos.
globalsecurity.org / CNBC / Al JazeeraDer Ölpreis sprang am Vormittag auf 108,27 USD je Barrel und damit auf den höchsten Stand seit vier Monaten, gab bis zum Abend aber auf rund 105,33 USD nach – ein Plus von 1,14 Prozent gegenüber dem Vortag. WTI legt mit 3,15 Prozent auf 105,07 USD prozentual stärker zu. Zur Einordnung: Ende August hatte Brent nach der Meldung über den Iran-Oman-Rahmen binnen Tagen rund acht Dollar verloren. Der Markt reagiert derzeit auf jede einzelne Schlagzeile aus der Region.
onvista / finanzen.netEin am Wochenende veröffentlichter Aufsatz von Anthropic-Chef Dario Amodei, der für eine Verlangsamung der Entwicklung neuer KI-Modelle plädiert, hat die Halbleiterwerte weltweit unter Druck gesetzt – Sam Altman und Elon Musk äußerten sich zustimmend. Am Montag verlor Micron 5,6 Prozent, SK Hynix 7,4 Prozent und Nvidia 2,8 Prozent. Heute zeigt sich eine leichte Erholung: Nvidia notiert mit 212,22 USD 0,60 Prozent im Plus. Für einen Sektor, dessen Bewertung auf einem ungebremsten Investitionszyklus beruht, ist eine ernsthafte Verlangsamungsdebatte ein neuer Risikofaktor.
Motley Fool / Yahoo FinanceDie ZEW-Konjunkturerwartungen stiegen im September nur minimal von 34,2 auf 34,7 Punkte und verfehlten die Prognose von rund 39,8 deutlich. Besser als erwartet fiel dagegen der Lageindikator aus: Er verbesserte sich von −61,1 auf −47,1 Punkte. Deutlich unangenehmer ist die Preisseite – die Großhandelspreise stiegen im August um 6,8 Prozent gegenüber Vorjahr und damit so stark wie seit Anfang 2023 nicht mehr. Hier schlägt der Energiekostenschock durch, der mit Verzögerung auf die Verbraucherpreise durchwirken wird.
ZEW / DestatisDie Aktie legte rund 8 Prozent zu, nachdem OpenAI-Chef Sam Altman einen möglichen Aufschub des Börsengangs auf 2027 in Aussicht gestellt hatte. Für SoftBank als einen der größten Investoren bedeutet das mehr Zeit statt eines verpassten Fensters. Der Wert war damit der auffälligste Gewinner in Asien und half dem Nikkei zu einem Plus von 0,8 Prozent, während Europa und die USA nachgaben.
AP / clickondetroit.comDie Eurozone verzeichnete im Juli einen Überschuss von 14,2 Mrd. Euro nach 7,2 Mrd. Euro im Juni. Die Exporte stiegen um 9,0 Prozent auf 276,0 Mrd. Euro, die Importe um 7,9 Prozent auf 261,8 Mrd. Euro. Die Außenhandelsseite ist damit der derzeit stabilste Teil der europäischen Konjunktur – ein Kontrast zu den schwachen Erwartungskomponenten der Stimmungsindikatoren.
EurostatMontag (14.09.): Auftakt mit Risikoabbau – alle vier US-Leitindizes im Minus, angeführt vom Nasdaq 100 mit −0,82 %. Die Debatte um das Tempo der KI-Entwicklung kostete Micron 5,6 % und SK Hynix 7,4 %.
Dienstag (15.09.): Der Doppelschlag – die zehnjährige US-Rendite erreicht mit 5,02 % den höchsten Stand seit 2007, Brent springt kriegsbedingt auf 108 $. Das ZEW enttäuscht bei den Erwartungen, die deutschen Großhandelspreise springen auf +6,8 %.
Mittwoch (16.09.): Der Zinsentscheid der Fed um 20:00 Uhr MESZ – erwartet wird eine Anhebung um 25 Basispunkte, die erste unter Kevin Warsh. Entscheidend wird weniger der Schritt selbst als die Formulierung zum weiteren Pfad. Davor um 14:30 Uhr die US-Einzelhandelsumsätze, für die ein Rückgang von 0,9 % erwartet wird.
Donnerstag (17.09.): Nachlauf der Fed-Reaktion, dazu US-Baubeginne und Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Prognose 206.000). Am Mittag entscheidet die Bank of England über ihren Leitzins.
Freitag (18.09.): US-Industrieproduktion für August mit einer Prognose von +1,0 % nach +1,1 % im Vormonat. Danach richtet sich der Blick auf die Frage, wie viel Konjunktur ein Leitzins von 4 Prozent und ein Ölpreis über 100 Dollar gemeinsam aushalten.
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