Heute Abend um 20:00 Uhr MESZ entscheidet die Fed, um 20:30 Uhr folgt die Pressekonferenz von Kevin Warsh. Es wäre die erste Zinserhöhung seit 2023, auf ein Zielband von 3,75 bis 4,00 Prozent, und der Markt preist sie mit rund 92,5 bis 92,7 Prozent ein. Bemerkenswert: Diese Wahrscheinlichkeit ist gegenüber Montag leicht gesunken, nicht gestiegen. Entscheidend wird ohnehin nicht der Schritt selbst, sondern ob er der Auftakt einer Serie ist oder eine einmalige Vorsichtsmaßnahme. Antwort darauf gibt heute erstmals wieder ein aktualisierter Dot Plot.
Bis dahin passiert wenig – und genau das ist die Nachricht. Der DAX steht mit rund 25.493 Punkten leicht im Plus, die Wall Street eröffnete freundlich, und die zehnjährige US-Rendite konsolidiert knapp über 5 Prozent, statt weiter zu steigen. Nach dem Sprung auf 5,04 Prozent am Dienstag ist das eine Beruhigung.
Zwei Datenpunkte stechen dennoch heraus, und sie widersprechen sich. Die US-Einzelhandelsumsätze für August legten um 1,2 Prozent zu – der stärkste Monatsanstieg seit fünf Monaten und deutlich über der Konsenserwartung von 0,8 Prozent; die Kerngruppe ohne Autos, Benzin, Baumaterial und Gastronomie stieg sogar um 1,4 Prozent statt der erwarteten 0,4 Prozent. Der amerikanische Verbraucher ist also robuster als gedacht, was das Argument für eine Zinserhöhung stützt. Gleichzeitig ist der Empire-State-Index für September auf 7,6 Punkte eingebrochen, von rund 20,7 im August und weit unter der Erwartung von 14 bis 15. Der Konsum trägt, die Industrie schwächelt.
Asien erholte sich – getragen von genau den Werten, die zu Wochenbeginn am härtesten getroffen worden waren. Der Kospi gewann 1,4 Prozent auf 6.717,97 Punkte und machte damit einen Großteil des Einbruchs von 3,3 Prozent am Montag wett, der auf die Debatte um eine Verlangsamung der KI-Entwicklung zurückging. Vorne standen die Speicherhersteller: SK Hynix +4,1 Prozent, Samsung Electronics +2 Prozent, dazu Tokyo Electron +2,1 Prozent. Schanghai legte 0,7 Prozent zu, Hongkong 0,2 Prozent.
Beim Nikkei widersprechen sich die Quellen, und wir lösen das nicht auf. Eine Agenturmeldung nennt einen Schluss von 63.923,00 Punkten und ein Plus von 0,7 Prozent, eine zweite 63.462,01 Punkte und ein Minus von 0,03 Prozent – also gegensätzliche Vorzeichen. Aufschlussreich ist die Rechenprobe: Beide implizieren einen Dienstagsschluss von rund 63.479 Punkten. Die Quellen sind sich über den Vortag also einig und nur über den heutigen Tag uneins. Wir weisen deshalb die Spanne aus, statt eine Zahl zu wählen.
Gegen die Erholung standen die japanischen Exportwerte – hier wirkt bereits die Sitzung der Bank of Japan am 17. und 18. September, auf der eine Anhebung auf 1,25 Prozent erwartet wird; ein stärkerer Yen belastet die Exporteure. Dazu meldete Japan den vierten Monat in Folge ein Handelsbilanzdefizit: 1,106 Billionen Yen, bei Exporten von +19,3 und Importen von +28 Prozent gegenüber Vorjahr. Schwächer notierten SoftBank (−1,5 Prozent) und Kioxia (−1,9 Prozent).
Kospi und Shanghai Composite stammen aus nur einer Quelle (AP), ebenso die japanischen und koreanischen Einzelwerte. Beim Hang Seng nennt eine zweite Quelle 24.616,87 Punkte, eine Abweichung von rund 0,4 Prozent ohne Prozentangabe – die Richtung ist unstrittig. Die beiden Nikkei-Werte sind oben ausdrücklich als Widerspruch ausgewiesen; ein Schiedsrichter ließ sich nicht finden.
Der Dienstag endete geschlossen im Minus, aber weniger schlimm, als es zwischenzeitlich aussah. Der Dow verlor 328,09 Punkte bzw. 0,63 Prozent auf 52.093,11 – im Tagesverlauf hatte er zeitweise 0,91 Prozent im Minus gelegen und einen Teil davon zum Handelsschluss zurückgeholt. Der S&P 500 gab 34,25 Punkte bzw. 0,45 Prozent auf 7.585,73 ab, der Nasdaq 100 189,32 Punkte bzw. 0,65 Prozent, der Nasdaq Composite mit 204,84 Punkten bzw. 0,78 Prozent am deutlichsten.
Damit hat sich das Muster gegenüber dem Vormittag gedreht: Bis Mittag hatte der Dow am stärksten verloren, zum Schluss lag die Technologiebörse vorn. Treiber blieben die Rendite auf Mehrjahreshoch und der Ölpreis über 100 Dollar.
Alle vier Schlussstände sind offizielle Kassa-Schlusskurse; die Rechenproben gegen die Montagsschlüsse (7.619,98 / 52.421,20 / 29.127,16 / 26.186,41) gehen auf. Im gestrigen Bericht waren an dieser Stelle Intraday-Stände von 18:02 Uhr MESZ ausgewiesen – dort hatte der Dow 0,91 Prozent verloren. Der endgültige Schluss liegt darüber.
(a) Verlauf – ein ruhiger Tag mit enger Spanne: Der DAX eröffnete bei 25.515,96 Punkten und bewegte sich den ganzen Vormittag in einem Band zwischen rund 25.400 und 25.520 Punkten. Um 14:42 Uhr stand er bei rund 25.493 Punkten, gemessen am Dienstagsschluss von 25.423,47 also 0,27 Prozent im Plus. Vor einem Zinsentscheid dieser Tragweite ist das exakt das erwartbare Verhalten: Niemand baut Position auf, niemand verkauft in Panik.
(b) Einzelwerte – Halbleiter erholen sich, Autos stehen unter Druck: Auf der Gewinnerseite standen Hochtief, Siemens Energy und Infineon mit bis zu +2,5 Prozent. Rückenwind kam von der Bank of America, die ihre Prognose für den weltweiten Halbleitermarkt 2030 auf 3,2 Billionen US-Dollar anhob. Noch deutlicher fiel die Erholung in der zweiten Reihe aus: Elmos Semiconductor +4,9 Prozent nach einer Hochstufung durch Metzler von „Hold" auf „Buy", dazu Aixtron, Süss Microtec, Siltronic und Jenoptik mit Aufschlägen zwischen 2,5 und 4 Prozent.
Klares Schlusslicht war der Automobilsektor: Volkswagen Vorzüge −2,9 Prozent als schwächster DAX-Wert, Mercedes-Benz −2,6 Prozent, BMW −1,6 Prozent, Porsche AG −1,0 Prozent. Ein einzelner Auslöser war in den Meldungen nicht auszumachen; das Muster passt zu allgemeinen Zins- und Konjunktursorgen vor dem Fed-Entscheid, die kapitalintensive und absatzzyklische Branchen zuerst treffen.
(c) Devisen und Anleihen: Der Euro notiert bei 1,1538 USD (−0,01 Prozent, Stand 15:37 Uhr) und damit praktisch unverändert. Die zehnjährige US-Rendite konsolidiert knapp über 5 Prozent, nachdem sie am Dienstag bei 5,04 Prozent ein Hoch seit 2007 markiert hatte. Die zehnjährige Bundrendite liegt bei rund 3,51 bis 3,55 Prozent.
Alle europäischen Werte sind Intraday-Stände, keine Schlussstände – der Xetra-Schluss um 17:30 Uhr lag nach Redaktionsschluss. Der DAX-Punktstand von 14:42 Uhr ist gerundet; die Quelle wies dazu +0,4 Prozent aus, rechnet dabei aber gegen eine Vortagesbasis von rund 25.402 statt gegen den dpa-AFX-Schluss von 25.423,47 – wir weisen den selbst nachgerechneten Wert von +0,27 Prozent aus. Bei MDAX und TecDAX gehen die Rechenproben gegen die jeweiligen Vortagesschlüsse (31.129,76 und 3.977,04) auf. Zum Euro Stoxx 50 lag nur eine Prozentangabe ohne Punktstand vor, zum Stoxx Europe 600 gar kein heutiger Wert. Die Gewinner- und Verliererliste ist eine Momentaufnahme von 14:42 Uhr. Die 30-jährige US-Rendite war heute nicht verifizierbar; die Bundrendite stammt aus zwei Quellen mit unklarer Zeitzone.
Die Wall Street startete freundlich – und wieder einmal klar gestaffelt nach Technologieanteil. Zwölf Minuten nach Handelsbeginn, um 15:42 Uhr MESZ (9:42 Uhr ET), lag der Nasdaq 100 bei rund 29.160 Punkten und damit 0,77 Prozent im Plus, der Nasdaq Composite bei rund 26.168 Punkten (+0,72 Prozent), der S&P 500 bei rund 7.609 Punkten (+0,31 Prozent) und der Dow bei rund 52.195 Punkten (+0,20 Prozent). Die Erholung der Halbleiterwerte aus Asien setzte sich damit an der Wall Street fort.
Der Vorsprung schmolz allerdings im Verlauf. Eine Stunde später zeigten die Kassa-ETFs ein deutlich blasseres Bild: QQQ noch +0,73 Prozent, SPY nur noch +0,24 Prozent, und der DIA als Dow-ETF war mit −0,18 Prozent bereits ins Minus gedreht. Der anfängliche Optimismus hielt also nicht durch – je näher der Entscheid rückt, desto weniger Risiko will der Markt tragen. Nur Indexstände, keine Einzelwerte.
Die vier Indexstände sind Kassa-Werte, aber gerundet auf volle Punkte; die Prozentangaben sind deshalb selbst gegen die Dienstagsschlüsse nachgerechnet und weichen um bis zu einen Zehntelpunkt von den Angaben der Quelle ab (dort +0,2 bis +0,7 Prozent). Die Gegenprobe über die Kassa-ETFs stammt von stockanalysis.com: SPY 759,17 $ (+0,24 %) und QQQ 709,71 $ (+0,73 %) sowie DIA 520,31 $ (−0,18 %), Zeitstempel 10:11 bis 10:52 Uhr ET. Kontrakt- oder CFD-Notierungen wurden nicht verwendet.
Gold dreht – und das ist die eigentliche Rohstoffnachricht des Tages. Gestern war das Metall an einem Kriegstag gefallen, weil der Realzins den Krisenaufschlag überlagerte. Heute, da die Renditen knapp über 5 Prozent konsolidieren statt weiter zu steigen, kehrt sich das um: Gold legt um 0,8 bis 1,3 Prozent auf rund 4.371 bis 4.389 USD zu, Silber sogar um 2,23 Prozent auf 65,28 USD. Der Zusammenhang ist derselbe wie gestern, nur mit umgekehrtem Vorzeichen.
Der Ölpreis gibt leicht nach, bleibt aber strukturell hoch. Brent verliert 0,6 bis 0,9 Prozent auf rund 108 USD, WTI 0,9 bis 1,8 Prozent auf rund 104 bis 105 USD. Beide Sorten bleiben klar über der Marke von 100 Dollar. Der Grund für das hohe Niveau ist neben der anhaltenden Hormus-Blockade eine Entwicklung, die im gestrigen Bericht noch nicht erfasst war: Die saudische Ost-West-Pipeline, die die Straße von Hormus gerade umgehen soll, wurde in der Woche um den 11. bis 14. September durch einen Angriff beschädigt. Die Unsicherheit über ihren Wiederanlauf hält den Preis oben.
Bei Gold, Brent und WTI liefern die Quellen unterschiedliche Momentwerte, deshalb stehen hier Spannen statt Punktwerte. Silber und Platin stammen aus jeweils nur einer Quelle; Platin notiert bei 1.761,63 USD (−1,21 %), der Zeitstempel dieser Notierung ist allerdings unplausibel und wird deshalb hier nicht als Kachel geführt. Ein Hinweis zur Vergleichbarkeit: Die heutigen Quellen implizieren für Brent einen Dienstagsschluss von rund 108,7 USD – im gestrigen Bericht war an dieser Stelle ein Abendkurs von 105,33 USD aus einer einzigen Quelle ausgewiesen. Die Vortagesbasis der beiden Tage ist damit nicht deckungsgleich. Eine tagesaktuelle Zahl zum Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus lag für heute nicht vor; der letzte belastbare Stand waren rund vier Schiffe pro Tag.
| Datum | Ereignis | Ist | Erwartung | Vorher |
|---|---|---|---|---|
| Mi 16.09. | US Einzelhandelsumsätze August, m/m ★ Hohe Relevanz | +1,2 % | +0,8 % | −0,5 % |
| Mi 16.09. | US Einzelhandel · Kerngruppe ★ Hohe Relevanz | +1,4 % | +0,4 % | — |
| Mi 16.09. | FOMC-Zinsentscheid · 20:00 Uhr, PK 20:30 Uhr ★ Hohe Relevanz | nach Redaktionsschluss | +25 Bp (≈92,6 %) | 3,50–3,75 % |
| Di 15.09. | US Empire-State-Index September (nachgereicht) | 7,6 | 14,1–15,0 | ≈20,7 |
| Mi 16.09. | UK Verbraucherpreise August, y/y | offen | +3,1 % | +2,9 % |
| Mi 16.09. | Eurozone Industrieproduktion Juli, m/m | offen | −0,4 % | 0,0 % |
| Do 17.09. | Eurozone Verbraucherpreise August, y/y ★ Hohe Relevanz | — | +3,3 % | — |
| Do 17.09. | US Baubeginne · Erstanträge (207.000) · Philly-Fed (34,0) | — | — | — |
| Fr 18.09. | Bank of Japan · Zinsentscheid ★ Hohe Relevanz | — | 1,25 % | 1,00 % |
Alle Uhrzeiten in MESZ. Die beiden US-Datenpunkte erzählen gegensätzliche Geschichten. Der Einzelhandel ist mit +1,2 Prozent so stark gewachsen wie seit fünf Monaten nicht, die Kerngruppe übertraf die Erwartung sogar um einen ganzen Prozentpunkt – der Verbraucher hält die Konjunktur. Der Empire-State-Index für die Industrie im Bundesstaat New York fiel dagegen um rund 13 Punkte auf 7,6 und blieb damit weit hinter der Erwartung zurück; der Sechs-Monats-Erwartungsindex liegt mit 29,0 allerdings weiter klar im positiven Bereich. Wichtig zur Einordnung des Einzelhandelswerts: Die Konsenserwartung lag nach den heute auffindbaren Quellen bei +0,8 Prozent. Die im gestrigen Bericht genannte Prognose von −0,9 Prozent ließ sich in keiner Quelle bestätigen und ist nach heutiger Prüfung nicht haltbar. Der Vormonatswert von Juli wurde von −0,6 auf −0,5 Prozent revidiert. Die Ist-Werte zu den britischen Verbraucherpreisen, zur europäischen Industrieproduktion sowie zu mehreren kleineren US-Terminen (Hypothekenanträge, Export- und Importpreise, Lagerbestände, NAHB-Index) lagen zum Redaktionsschluss nicht vor.
Keine Börsenfeiertage. NYSE, Nasdaq, Xetra, Euronext, LSE, Tokio, Hongkong und Schanghai handelten am Mittwoch, 16.09.2026, regulär; auch für Donnerstag und Freitag sind keine Schließungen vorgesehen. Der nächste reguläre Feiertag an einem der großen Handelsplätze ist in Japan die herbstliche Tagundnachtgleiche. Diese Einschätzung stützt sich auf den Standardkalender – eine tagesaktuelle Bestätigung war heute nicht abrufbar.
Die Woche bleibt berichtsarm, die Aufmerksamkeit liegt bei der Fed. Aus Europa meldete MFE MediaForEurope Halbjahreszahlen. In den USA fanden der Investorentag von Salesforce und der Financial Analyst Day von On Semiconductor statt. Deutsche DAX-Konzerne berichteten heute nicht.
Die interessanteste Einzelmeldung kam von Intel. Die Aktie legte 3,84 Prozent zu, nachdem über Gespräche zur Fertigung von Speicherchips für SK Hynix berichtet worden war – eine Nachricht, die in Seoul mitgeholfen hat, SK Hynix um 4,1 Prozent nach oben zu ziehen. Daneben wurde bekannt, dass OpenAI eine Finanzierungsrunde mit einer Bewertung von über 1,2 Billionen US-Dollar erwägt, nachdem der Börsengang zuvor auf unbestimmte Zeit verschoben worden war.
Die Meldungen zu Intel und OpenAI stammen jeweils aus einer einzigen Quelle.
Live-Kurse (Crypto.com, Stand 16:56 Uhr MESZ): Der Kryptomarkt gibt erneut nach, aber deutlich moderater als gestern. Bitcoin verliert 0,28 Prozent auf 75.647 $, Ethereum 0,51 Prozent auf 2.388 $, Solana 1,54 Prozent auf 96,97 $. Zum Vergleich: Am Dienstag hatte Bitcoin 2,67 und Ethereum 3,40 Prozent verloren.
Auffällig ist die Spanne: Bitcoin bewegte sich zwischen 74.951 und 77.346 $, immerhin fast 2.400 Dollar, und liegt am unteren Ende dieses Bands. Das Bild passt zu den Aktienmärkten – die anfängliche Erholung wurde im Verlauf abgegeben. Vor einem Zinsentscheid, der den risikofreien Zins erhöhen dürfte, geht kaum jemand mit einer offenen Position in den Abend.
| Sektor | Bewertung | Momentum |
|---|---|---|
| Halbleiter | fair | Erholung (SK Hynix +4,1 %) |
| Speicher / Memory | fair | stark (Intel-SK-Hynix-Gespräche) |
| Technologie | fair | fest (Nasdaq 100 +0,8 %) |
| Energietechnik | fair | stark (Siemens Energy) |
| Bau / Infrastruktur | fair | fest (Hochtief) |
| Automobil | günstig | schwach (VW Vz. −2,9 %) |
| Edelmetalle | fair | dreht (Gold +1 %, Silber +2,2 %) |
| Energie / Öl | fair | hoch, aber leicht rückläufig |
| Banken / Finanzen | günstig | abwartend vor der Fed |
| Industrie / Zykliker | fair | Empire State bricht auf 7,6 ein |
| Einzelhandel / Konsum | fair | Umsätze +1,2 % über Erwartung |
| Anleihen (Duration) | günstig | Rendite konsolidiert über 5 % |
Zur Orientierung: Der Tag ist eine Gegenbewegung, keine Trendwende. Was am Montag und Dienstag abverkauft wurde – Halbleiter, Speicher, Technologie – führt heute; was zuletzt trug, pausiert. Der Auslöser ist weniger eine gute Nachricht als das Ausbleiben einer schlechten: Die Rendite steigt nicht weiter, und das reicht dem Markt für zwei Stunden Erleichterung. Die interessanteste Spannung liegt zwischen Konsum und Industrie: Einzelhandelsumsätze von +1,2 Prozent und ein Empire-State-Index von 7,6 an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zeichnen keine einheitliche Konjunktur, sondern eine zweigeteilte. Beim Automobilsektor ist die Bewertung seit langem günstig, das Momentum aber heute wieder klar negativ – günstig allein ist eben kein Kaufargument. Keine Anlageberatung.
Der Entscheid kommt um 20:00 Uhr MESZ, die Pressekonferenz von Kevin Warsh um 20:30 Uhr. Erwartet wird eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent, eingepreist mit rund 92,5 bis 92,7 Prozent – etwas weniger als zu Wochenbeginn. Heute erscheint außerdem eine aktualisierte Projektionsübersicht samt Dot Plot; Marktpreise deuten auf eine weitere Anhebung 2026 und ein bis zwei weitere 2027 hin. Analysten erwarten keine wesentlichen Änderungen am Statement, sondern eine stärkere Betonung der eingehenden Daten und weniger Vorausorientierung. Die eigentliche Frage ist nicht der Schritt, sondern ob er der Beginn einer Serie ist.
CME FedWatch / Kiplinger / TheStreetDie Einzelhandelsumsätze stiegen im August um 1,2 Prozent gegenüber Vormonat und lagen damit klar über der Konsenserwartung von 0,8 Prozent; im Juli hatte es noch ein Minus von 0,5 Prozent gegeben. Noch deutlicher fiel die Kerngruppe aus: +1,4 Prozent statt erwarteter 0,4 Prozent – sie schließt Autos, Benzin, Baumaterial und Gastronomie aus und geht direkt in die Berechnung des Bruttoinlandsprodukts ein. Der amerikanische Verbraucher ist damit robuster, als die Prognosen unterstellt hatten. Für die Fed ist das ein Argument, das eher für als gegen eine Anhebung spricht.
US Census Bureau / ReutersDer Konjunkturindex der New Yorker Fed für das verarbeitende Gewerbe fiel im September um rund 13 Punkte auf 7,6 und blieb damit weit hinter der Erwartung von 14 bis 15 Punkten zurück; im August hatte er noch bei rund 20,7 gelegen. Der Wert war bereits am Dienstag veröffentlicht worden. Der Sechs-Monats-Erwartungsindex liegt mit 29,0 zwar weiter deutlich im positiven Bereich, gab aber ebenfalls nach. Zusammen mit den starken Einzelhandelsdaten ergibt sich das Bild einer zweigeteilten Konjunktur: Der Konsum trägt, die Industrie schwächelt.
Federal Reserve Bank of New YorkNach der Verkaufswelle zu Wochenbeginn drehte der Sektor heute geschlossen ins Plus. In Seoul gewann SK Hynix 4,1 Prozent, Samsung Electronics 2 Prozent, in Tokio Tokyo Electron 2,1 Prozent. In Deutschland legte Infineon bis zu 2,5 Prozent zu, in der zweiten Reihe Elmos Semiconductor 4,9 Prozent nach einer Hochstufung durch Metzler. Nvidia notiert bei 215,33 USD und damit 1,49 Prozent im Plus. Rückenwind gab die Bank of America, die ihre Prognose für den weltweiten Halbleitermarkt im Jahr 2030 auf 3,2 Billionen US-Dollar anhob. Die Belastung durch die Debatte um eine Verlangsamung der KI-Entwicklung setzt sich damit heute nicht fort.
AP / ariva.de / stockanalysis.comBrent verliert 0,6 bis 0,9 Prozent auf rund 108 USD, WTI 0,9 bis 1,8 Prozent auf rund 104 bis 105 USD. Der Rückgang ändert nichts am hohen Niveau. Neben der anhaltenden Blockade der Straße von Hormus wirkt eine zusätzliche Belastung: Die saudische Ost-West-Pipeline wurde in der Woche um den 11. bis 14. September durch einen Angriff beschädigt. Diese Route dient gerade dazu, die Meerenge zu umgehen – solange ihr Wiederanlauf offen ist, fehlt dem Markt das wichtigste Ventil.
CNN / Al Jazeera / HandelsblattNach dem Hoch von 5,04 Prozent am Dienstag – dem höchsten Stand seit 2007 – gibt die Rendite heute leicht nach und hält sich knapp über der Marke von 5 Prozent. Für den Markt ist das die eigentliche Entlastung des Tages: Nicht dass etwas Gutes passiert wäre, sondern dass der Anstieg aufgehört hat. Genau darauf beruhen die Erholung bei Gold und bei den Technologiewerten.
CNBC / HandelsblattDer Entscheid wird für Freitag erwartet, die Prognose lautet auf eine Anhebung des Leitzinses von 1,00 auf 1,25 Prozent. Die Aussicht auf einen stärkeren Yen belastet bereits heute die japanischen Exportwerte. Dazu meldete Japan den vierten Monat in Folge ein Handelsbilanzdefizit, zuletzt 1,106 Billionen Yen; die Exporte stiegen um 19,3 Prozent gegenüber Vorjahr, die Importe jedoch um 28 Prozent.
Business Recorder / financecalendar.comWährend der Gesamtmarkt leicht zulegte, standen die Automobilwerte geschlossen auf der Verliererseite: Volkswagen Vorzüge −2,9 Prozent, Mercedes-Benz −2,6 Prozent, BMW −1,6 Prozent, Porsche AG −1,0 Prozent. Ein konkreter Auslöser war in den Meldungen nicht auszumachen. Das Muster passt zu Zins- und Konjunktursorgen vor dem Fed-Entscheid, die kapitalintensive und absatzzyklische Branchen zuerst treffen – ein Sektor, der seine Kunden finanziert, reagiert auf jede Zinserwartung doppelt.
ariva.de / onvistaMontag (14.09.): Risikoabbau auf breiter Front – alle vier US-Leitindizes im Minus, angeführt vom Nasdaq 100. Die Debatte um das Tempo der KI-Entwicklung kostete Micron 5,6 % und SK Hynix 7,4 %, der Kospi verlor 3,3 %.
Dienstag (15.09.): Der Doppelschlag – die zehnjährige US-Rendite erreicht mit 5,04 % den höchsten Stand seit 2007, Brent springt kriegsbedingt auf 108 $. Der Empire-State-Index bricht auf 7,6 ein. Alle vier US-Indizes schließen im Minus.
Mittwoch (16.09.): Der Zinsentscheid um 20:00 Uhr MESZ – erwartet wird die erste Anhebung seit 2023, auf 3,75 bis 4,00 %. Davor überraschten die Einzelhandelsumsätze mit +1,2 %, und die Halbleiterwerte erholten sich weltweit.
Donnerstag (17.09.): Nachlauf der Fed-Reaktion – erfahrungsgemäß sagt der zweite Tag mehr aus als der erste. Dazu die Verbraucherpreise der Eurozone (Erwartung +3,3 %), US-Baubeginne, Erstanträge (207.000) und der Philadelphia-Fed-Index (34,0 nach 47,4).
Freitag (18.09.): Die Bank of Japan entscheidet, erwartet wird eine Anhebung auf 1,25 %. Damit würden binnen 48 Stunden zwei der drei großen Notenbanken straffen – eine Konstellation, die es seit Jahren nicht gab und die vor allem für den Yen und die japanischen Exportwerte zählt.
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