Gestern Abend um 20:00 Uhr MESZ hat der Offenmarktausschuss den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben – die erste Zinserhöhung seit 2023. Bemerkenswert ist nicht der Schritt, der zu über 90 Prozent eingepreist war, sondern das Stimmverhältnis: 12 zu 0, einstimmig, keine einzige Gegenstimme. Im Juli hatten noch drei Regionalpräsidenten gegen die damalige Pause votiert; diesmal gab es keinen Dissens in die andere Richtung.
Fed-Chef Kevin Warsh ließ in einer ungewöhnlich kurzen Pressekonferenz von rund 30 Minuten – nach zwei Quellen der kürzesten seit 2011 – keinen Zweifel an der Richtung: „Die schlichte Tatsache ist, dass die Inflation zu hoch ist und es zu lange war." Und weiter: „Wir müssen zuversichtlich sein, dass sich die zugrundeliegende Inflation klar und mit ausreichender Geschwindigkeit auf unser Ziel zubewegt – dieser Maßstab ist nicht erfüllt." Dazu der Satz, der die Märkte am stärksten bewegte: Es falle ihm schwer, die Finanzierungsbedingungen als restriktiv zu bezeichnen.
Der Dot Plot zeigt für 2026 einen Median von 4,1 Prozent – also noch einen Schritt – und für 2027 erneut 4,1 Prozent. Das ist die eigentliche Botschaft: eine kurze Serie, dann ein Plateau, kein langer Straffungszyklus. Die Wall Street las das gestern trotzdem als Belastung und drehte in der letzten Handelsstunde deutlich ins Minus, angeführt vom Dow mit −1,21 Prozent. Heute folgt die Gegenbewegung: Der Nasdaq 100 gewinnt 1,59 Prozent, der S&P 500 1,00 Prozent, der DAX rund ein halbes bis dreiviertel Prozent, und die Halbleiterwerte laufen heiß – AMD +5,75, Micron +5,47 Prozent.
Asien reagierte gespalten – und die Trennlinie verläuft entlang der Währung. Tokio schloss mit einem Plus von 0,33 Prozent auf 64.136,25 Punkte, weil der nach dem Fed-Entscheid schwächere Yen die Exporteure stützt; Mitsubishi Heavy legte rund 3 Prozent zu. Seoul blieb mit −0,04 Prozent praktisch unverändert, obwohl ausländische Anleger per saldo Papiere für 1,6 Mrd. US-Dollar abgaben. Deutlich schwächer zeigten sich dagegen Hongkong mit −0,73 Prozent und Schanghai mit −0,36 Prozent – für Märkte, deren Währungen eng am Dollar hängen, ist ein stärkerer Dollar bei höheren US-Renditen unmittelbar belastend.
Eine Nachbemerkung zum gestrigen Bericht: Dort mussten wir den Nikkei als Spanne von 63.462 bis 63.923 Punkten ausweisen, weil zwei Agenturen sich im Vorzeichen widersprachen. Der heutige Stand löst das auf: 64.136,25 Punkte bei einem Plus von 0,33 Prozent ergeben rechnerisch einen Mittwochsschluss von rund 63.925 Punkten. Das bestätigt die höhere der beiden Angaben; die Meldung mit 63.462 Punkten war falsch.
Der Nikkei-Schluss stammt von Boursorama; eine zweite Quelle nannte mit 64.100,55 Punkten (+0,27 %) einen leicht abweichenden Momentwert. Hang Seng und Shanghai Composite sind Mittagsstände aus einer Quelle, keine reinen Schlussmeldungen. Die Rechenproben gegen die Vortagesschlüsse gehen bei Hang Seng (24.713,78) und Kospi (6.717,97) auf.
Die Spreizung des gestrigen Tages ist bemerkenswert und erklärt sich fast vollständig aus der Zinssensitivität. Der Entscheid fiel um 14:00 Uhr ET, also zwei Stunden vor Handelsschluss, die Pressekonferenz begann um 14:30 Uhr. Bis dahin hatte der S&P 500 noch mit rund 0,4 Prozent im Plus gelegen. Danach drehte der Markt: Der Dow verlor 631 Punkte bzw. 1,21 Prozent auf 51.461,90, der S&P 500 gab 0,45 Prozent ab – während der Nasdaq Composite mit −0,01 Prozent und der Nasdaq 100 mit +0,02 Prozent praktisch unverändert schlossen.
Das ist genau umgekehrt zum Lehrbuch. Bei einem Zinsschock müssten die Wachstumswerte am stärksten leiden. Stattdessen traf es den Dow mit seinen Finanz-, Industrie- und Konsumwerten, also jene Unternehmen, deren Geschäft unmittelbar an den Finanzierungskosten der Realwirtschaft hängt. Die Technologiebörse hielt sich, weil einzelne KI-Werte gegen den Trend stiegen – Lumentum etwa um 9,6 Prozent.
Der Dow-Schluss ist über drei Quellen bestätigt; eine vierte nannte mit −622 Punkten bzw. −1,19 Prozent einen leicht abweichenden Wert. Beim S&P 500 differieren die Quellen zwischen rund 7.551,5 und 7.552 Punkten, deshalb steht hier ein gerundeter Wert. Die Rechenproben gegen die Dienstagsschlüsse (7.585,73 / 25.981,57 / 28.937,84 / 52.093,11) gehen auf.
(a) Verlauf – Europa nimmt die Fed gelassener als die Wall Street: Der DAX stand um 13:59 Uhr bei 25.718,06 Punkten und damit klar im Plus. Wie klar genau, lässt sich heute nicht sauber sagen – dazu unten mehr. Der TecDAX führte mit +1,01 Prozent, angeführt von Nemetschek (+4,14 Prozent) und Qiagen (+3,24 Prozent). Der Stoxx Europe 600 gewann 2,91 Punkte bzw. 0,46 Prozent auf 637,09.
(b) Einzelwerte – die Autowerte drehen komplett: Gestern waren sie das Schlusslicht, heute führen sie. Volkswagen Vorzüge gewinnen 3,98 Prozent auf 81,40 Euro, nachdem sie am Mittwoch 2,7 Prozent verloren hatten; BMW legt 3,19 Prozent auf 63,70 Euro zu. An der Spitze steht allerdings Siemens Energy mit +4,25 Prozent auf 141,34 Euro – der Konzern plant die Abspaltung des Bereichs „Transformation of Industries" samt Wasserstoffgeschäft, was der Markt als Chance auf bessere Margen liest. Größter Verlierer war Fresenius Medical Care mit −2,29 Prozent auf 39,00 Euro.
(c) Meldungen: Im Fokus bleibt der Übernahmeprozess von UniCredit bei der Commerzbank; die Aktie notiert nahe ihrem Hoch seit 15 Jahren, die Freigabe der EZB liegt vor. Auffällig war ein Kurseinbruch bei Bilfinger um rund 16 Prozent, zu dem sich kein Grund belegen ließ.
(d) Devisen und Anleihen: Der Euro notiert bei rund 1,1465 USD, nachdem er gestern Abend nach dem Entscheid bis auf 1,1456 gefallen war – der Dollar hat also zugelegt. Die zehnjährige US-Rendite gibt auf 4,95 Prozent nach, nachdem sie unmittelbar nach dem Entscheid kurzzeitig über 5 Prozent gesprungen war. Die zehnjährige Bundrendite liegt bei rund 3,51 Prozent.
Zum DAX gibt es heute ein Problem, das wir offenlegen statt glätten: Für den Mittwochsschluss nennen zwei Quellen 25.558,88 bzw. 25.537,75 Punkte, eine Differenz von 21 Punkten. Der aktuelle Stand von 25.718,06 ergibt gegen diese beiden Werte +0,62 bzw. +0,71 Prozent – die Quelle selbst weist jedoch +0,87 Prozent aus, was einen dritten Vortagesschluss von rund 25.496 Punkten unterstellt. Keine der drei Varianten ließ sich als maßgeblich bestätigen, deshalb steht in der Kachel eine Spanne statt eines Prozentwerts; belastbar ist der Punktstand. MDAX, TecDAX und Euro Stoxx 50 stammen aus derselben Quelle und tragen denselben Vorbehalt. Von den drei größten DAX-Verlierern ließ sich nur einer zweifelsfrei ermitteln. Die 30-jährige US-Rendite lag nur in einer Quelle vor, die sich zudem selbst widersprach, und wird deshalb nicht ausgewiesen. Der Euro-Kurs stammt von 08:10 Uhr.
Die Wall Street holt sich den gestrigen Abend zurück – und wieder gestaffelt, diesmal in die Gegenrichtung. Zum Notierungszeitpunkt zwischen 17:27 und 17:29 Uhr MESZ (11:27 bis 11:29 Uhr ET) gewinnt der Nasdaq 100 459,50 Punkte bzw. 1,59 Prozent auf 29.404,56, der Nasdaq Composite 399,86 Punkte bzw. 1,54 Prozent auf 26.378,28, der S&P 500 75,16 Punkte bzw. 1,00 Prozent auf 7.626,97 und der Dow 274,56 Punkte bzw. 0,53 Prozent auf 51.736,46.
Die Lesart ist konsistent: Was am Mittwochabend am stärksten abverkauft wurde – die zinssensitiven Dow-Werte – erholt sich am zögerlichsten und kommt auf rund ein Drittel der Nasdaq-Bewegung. Die Technologie, die gestern kaum nachgegeben hatte, führt heute. Der Markt hat den Dot Plot offenbar als Entwarnung verstanden: ein weiterer Schritt, dann Plateau. Nur Indexstände, keine Einzelwerte.
Alle vier Stände sind Kassa-Indexstände und jeweils über zwei unabhängige Quellen bestätigt; die Rechenproben gegen die Mittwochsschlüsse (7.551,81 / 25.978,42 / 28.945,06 / 51.461,90) gehen bei allen vier exakt auf. Weder ETFs noch Kontrakt- oder CFD-Notierungen wurden verwendet. Ein Hinweis zur Methode: Mehrere Kursportale lieferten zunächst zwischengespeicherte Stände der Vortagessitzung, die in sich völlig schlüssig aussahen – auffällig wurde das erst an der impliziten Vortagesbasis, die beim Dow um 631 Punkte danebenlag. Jeder hier ausgewiesene Wert wurde deshalb gegen den bekannten Mittwochsschluss zurückgerechnet.
Der Ölpreis fällt deutlich – und zum ersten Mal seit Wochen aus einem guten Grund. Die Vereinigten Staaten haben in Aussicht gestellt, dass die beschädigte saudische Ost-West-Pipeline binnen weniger Tage wieder anläuft. Diese Route ist deshalb so wichtig, weil sie die Straße von Hormus umgeht – sie war am 11. September durch einen Angriff außer Betrieb gesetzt worden und hatte die Preise seither getrieben. Brent verliert 2,23 Prozent auf 103,47 USD, WTI 1,88 Prozent auf 100,50 USD und nähert sich damit wieder der psychologisch wichtigen Marke von 100 Dollar.
Gold und Silber ziehen dagegen kräftig an – Gold um 1,62 Prozent auf 4.332,40 USD, Silber um 1,94 Prozent auf 64,19 USD, Platin liegt mit 1.785,00 USD nahezu unverändert. Das passt zum Muster der vergangenen Tage: Sobald die Renditen nachgeben, steigt Gold. Die zehnjährige US-Rendite ist von über 5 auf 4,95 Prozent zurückgekommen, und genau das reicht.
Alle fünf Rohstoffpreise stammen aus einer einzigen Quelle mit Zeitstempel 15:13 Uhr MESZ. Eine frühere Meldung des Vormittags nannte Brent noch bei 105,70 USD – der Rückgang hat sich im Tagesverlauf also verstärkt. Die Meldung über den bevorstehenden Neustart der Pipeline ließ sich nur über Überschrift und Vorschautext bestätigen, der vollständige Artikel war nicht abrufbar. Zum Vergleich mit gestern: Die heutige Quelle nennt als Vortageswert für Gold 4.263,50 USD, während im gestrigen Bericht eine Spanne von 4.371 bis 4.389 USD aus anderen Quellen ausgewiesen war – die Datenreihen sind nicht deckungsgleich.
| Datum | Ereignis | Ist | Erwartung | Vorher |
|---|---|---|---|---|
| Mi 16.09. | FOMC · Leitzins ★ Hohe Relevanz | 3,75–4,00 % | +25 Bp | 3,50–3,75 % |
| Mi 16.09. | FOMC · Abstimmung ★ Hohe Relevanz | 12 : 0 | — | 9 : 3 (Juli) |
| Mi 16.09. | Dot Plot · Median Leitzins 2026 / 2027 ★ Hohe Relevanz | 4,1 % / 4,1 % | — | — |
| Mi 16.09. | SEP · PCE-Inflation 2026 / 2027 | 3,7 % / 2,3 % | — | — |
| Mi 16.09. | SEP · BIP 2026 / Arbeitslosenquote 2026 | 2,3 % / 4,1 % | — | — |
| Do 17.09. | US Erstanträge Arbeitslosenhilfe ★ Hohe Relevanz | 196.000 | 207.000 | 206.000 |
| Do 17.09. | US Philadelphia-Fed-Index September ★ Hohe Relevanz | 37,8 | 34,0 | 47,4 |
| Do 17.09. | US Baubeginne Einfamilienhäuser, m/m | +7,6 % | — | — |
| Do 17.09. | US Baugenehmigungen Einfamilienhäuser, m/m | −1,8 % | — | — |
| Do 17.09. | Eurozone Verbraucherpreise August, y/y (endgültig) | offen | +3,3 % | +3,3 % (vorl.) |
| Fr 18.09. | Bank of Japan · Zinsentscheid ★ Hohe Relevanz | — | 1,25 % | 1,00 % |
Alle Uhrzeiten in MESZ. Der Dot Plot ist die wichtigste Zahl der Woche. Ein Median von 4,1 Prozent für 2026 bedeutet genau einen weiteren Schritt um 25 Basispunkte; derselbe Wert für 2027 bedeutet, dass die Fed danach ein Plateau erwartet, und erst für 2028 sieht sie mit 3,9 Prozent wieder eine leichte Lockerung. Langfristig liegt die Projektion bei 3,2 Prozent. Die Inflationsprojektion von 3,7 Prozent für dieses Jahr fällt erst 2027 auf 2,3 Prozent – die Fed rechnet also selbst mit einem langen Weg. Nach den Terminmärkten liegt die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Anhebung im Oktober bei rund 40 Prozent, bis Dezember kumuliert bei über 80 Prozent. Die beiden US-Konjunkturdaten des Tages stützen die Fed: Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen auf 196.000 und damit 10.000 unter den Vorwochenwert; der Vierwochendurchschnitt sank auf 203.250. Der Philadelphia-Fed-Index kam mit 37,8 klar über der Erwartung von 34,0 herein, wenn auch unter dem Augustwert von 47,4. Das ist bemerkenswert im Kontrast zum Empire-State-Index, der am Dienstag auf 7,6 eingebrochen war: Die beiden regionalen Industrieumfragen laufen derzeit weit auseinander – ein Grund, aus keiner von beiden allein auf die US-Industrie zu schließen. Ein starker Arbeitsmarkt und eine robuste Industrie in Pennsylvania sind jedenfalls keine Argumente gegen weitere Zinsschritte. Nicht verifizierbar war der endgültige Ist-Wert der Eurozone-Verbraucherpreise; die Erwartungswerte zu den Baudaten lagen ebenfalls nicht vor. Der Rückgang der Baugenehmigungen deutet darauf hin, dass die Verbesserung bei den Baubeginnen vorübergehend sein dürfte – die Hypothekenzinsen stehen auf dem höchsten Stand seit über einem Jahr.
Keine Börsenfeiertage. NYSE, Nasdaq, Xetra, Euronext, LSE, Tokio, Hongkong und Schanghai handelten am Donnerstag, 17.09.2026, regulär. Der nächste Feiertag an der Frankfurter Börse ist der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober, an der NYSE erst Thanksgiving am 26. November.
Heute Abend kommen zwei aussagekräftige Berichte. Nach US-Börsenschluss melden sich FedEx und Lennar – der Logistikkonzern gilt als Frühindikator für die Warenströme der Weltwirtschaft, der Hausbauer als direkter Gradmesser dafür, was Hypothekenzinsen auf Mehrjahreshoch im Markt anrichten. Einen Tag nach einer Zinserhöhung ist diese Kombination besonders interessant. Vorbörslich hatte bereits Darden Restaurants berichtet.
Aus Deutschland lagen keine Quartalszahlen vor. Im Mittelpunkt stand weiter der Übernahmeprozess von UniCredit bei der Commerzbank.
Zu Darden Restaurants deutete eine einzelne Quelle auf einen vorbörslichen Kursrückgang von rund 4 Prozent hin; die zugrundeliegenden Zahlen ließen sich nicht verifizieren.
Live-Kurse (Crypto.com, Stand 17:10 Uhr MESZ): Der Kryptomarkt dreht ins Plus. Solana gewinnt 3,36 Prozent auf 100,59 $ und erobert damit die Marke von 100 Dollar zurück, Ethereum 2,42 Prozent auf 2.452 $, Bitcoin 0,82 Prozent auf 76.368 $. Bitcoin durchlief dabei eine Spanne von 75.040 bis 77.167 Dollar.
Die Reihenfolge ist aufschlussreich: Je kleiner und riskanter, desto stärker der Anstieg. Genau so sieht es aus, wenn nach einem Ereignis Risiko zurückgekauft wird. Bemerkenswert ist das trotzdem – der risikofreie Zins ist gestern gestiegen, was für zinslose Anlagen strukturell negativ bleibt. Der Markt handelt hier offenbar die Erleichterung darüber, dass der Dot Plot nur einen weiteren Schritt zeigt, und nicht das höhere Zinsniveau selbst.
| Sektor | Bewertung | Momentum |
|---|---|---|
| Halbleiter | fair | sehr stark (AMD +5,8 %, Micron +5,5 %) |
| Technologie | fair | stark (Nasdaq 100 +1,6 %) |
| Automobil | günstig | Gegenbewegung (VW Vz. +4,0 %) |
| Energietechnik | fair | sehr stark (Siemens Energy +4,3 %) |
| Software | teuer | stark (Nemetschek +4,1 %) |
| Banken / Finanzen | günstig | gespalten (Dow-Schwäche vs. Zinsmarge) |
| Industrie / Zykliker | fair | Dow verlor gestern 1,2 % |
| Energie / Öl | fair | Brent −2,2 % auf Pipeline-Meldung |
| Edelmetalle | fair | stark (Gold +1,6 %, Silber +1,9 %) |
| Gesundheit | günstig | uneinheitlich (Qiagen +3,2 %, FMC −2,3 %) |
| Bau / Immobilien | günstig | Genehmigungen −1,8 %, Hypothekenzins hoch |
| Anleihen (Duration) | günstig | Rendite von über 5 % auf 4,95 % |
Zur Orientierung: Der Markt hat den Entscheid in zwei Etappen verdaut – erst Schreck, dann Entwarnung. Am Mittwochabend traf es die zinssensitiven Realwirtschaftswerte im Dow, heute erholen sich genau diese und die Technologie zieht vorneweg. Der Auslöser ist der Dot Plot: Ein Median von 4,1 Prozent für 2026 und 2027 bedeutet einen weiteren Schritt und danach Stillstand – für einen Markt, der eine ganze Serie gefürchtet hatte, ist das eine gute Nachricht. Am aufschlussreichsten ist der Automobilsektor: gestern das Schlusslicht, heute unter den Gewinnern, ohne dass sich fundamental irgendetwas geändert hätte. Solche Ausschläge in beide Richtungen binnen 24 Stunden sagen mehr über die Positionierung als über die Unternehmen. Beim Bausektor zeigt der Rückgang der Genehmigungen um 1,8 Prozent bei gleichzeitig steigenden Baubeginnen, wo die Zinserhöhung wirklich ankommt. Keine Anlageberatung.
Der Offenmarktausschuss hob den Leitzins gestern Abend um 25 Basispunkte an, und zwar einstimmig mit 12 zu 0 Stimmen. Im Juli hatte das Gremium bei 9 zu 3 noch pausiert, damals mit drei Stimmen für eine Anhebung. Fed-Chef Kevin Warsh begründete den Schritt deutlich: „Die schlichte Tatsache ist, dass die Inflation zu hoch ist und es zu lange war." Man müsse zuversichtlich sein, dass sich die zugrundeliegende Inflation klar und schnell genug auf das Ziel zubewege – „dieser Maßstab ist nicht erfüllt". Zudem falle es ihm schwer, die Finanzierungsbedingungen als restriktiv zu bezeichnen. Die Pressekonferenz dauerte rund 30 Minuten und war damit nach zwei Quellen die kürzeste seit 2011.
Federal Reserve / CNBC / Yahoo FinanceDie aktualisierte Projektionsübersicht weist für 2026 einen Median von 4,1 Prozent aus, was genau einer weiteren Anhebung um 25 Basispunkte entspricht. Für 2027 steht dort erneut 4,1 Prozent, für 2028 dann 3,9 Prozent und langfristig 3,2 Prozent. Die Fed erwartet also eine kurze Serie und danach Stillstand, keinen langen Straffungszyklus. Die Inflationsprojektion liegt für dieses Jahr bei 3,7 Prozent (Kernrate 3,4 Prozent) und sinkt erst 2027 auf 2,3 Prozent. Das Wachstum wird mit 2,3 Prozent für 2026 und 2,4 Prozent für 2027 veranschlagt, die Arbeitslosenquote in beiden Jahren mit 4,1 Prozent. An den Terminmärkten liegt die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Schritt im Oktober bei rund 40 Prozent, bis Dezember kumuliert bei über 80 Prozent.
Federal Reserve (SEP) / CME FedWatchZwei Stunden vor Handelsschluss kam der Entscheid, eine halbe Stunde später begann Warsh zu sprechen – und der Markt drehte. Der Dow verlor 1,21 Prozent, der S&P 500 0,45 Prozent, während der Nasdaq Composite mit −0,01 Prozent und der Nasdaq 100 mit +0,02 Prozent praktisch unverändert schlossen. Diese Spreizung ist das Gegenteil des Lehrbuchs: Nicht die Wachstumswerte litten, sondern die Finanz-, Industrie- und Konsumwerte des Dow, deren Geschäft direkt an den Finanzierungskosten der Realwirtschaft hängt. Heute dreht sich das Bild: Der S&P 500 gewinnt 1,00 Prozent, der Nasdaq 100 sogar 1,59 Prozent.
Yahoo Finance / investing.comDie Vereinigten Staaten stellten in Aussicht, dass die Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien binnen weniger Tage wieder anläuft. Die Leitung war am 11. September durch einen Angriff außer Betrieb gesetzt worden – sie ist deshalb so wichtig, weil sie die blockierte Straße von Hormus umgeht. Brent fiel um 2,23 Prozent auf 103,47 USD, WTI um 1,88 Prozent auf 100,50 USD. Es ist die erste echte Entspannungsmeldung seit Wochen. Sie ist allerdings eine Ankündigung, keine vollzogene Tatsache, und an der Lage in der Straße von Hormus ändert sie nichts.
CNBCDie Gegenbewegung vom Mittwoch setzt sich heute nicht nur fort, sie verstärkt sich. AMD gewinnt 5,75 Prozent auf 541,95 USD, Micron 5,47 Prozent auf 977,20 USD, Broadcom 2,89 Prozent auf 349,31 USD und Nvidia 2,43 Prozent auf 219,09 USD. Damit hat der Sektor den Rücksetzer vom Wochenbeginn, der auf die Debatte um eine Verlangsamung der KI-Entwicklung zurückging, binnen zwei Handelstagen mehr als aufgeholt – und das, obwohl die Fed zwischenzeitlich den Leitzins erhöht hat.
stockanalysis.comDie Aktie gewann 4,25 Prozent auf 141,34 Euro. Der Konzern plant, den Bereich „Transformation of Industries" samt Wasserstoffgeschäft abzuspalten; der Markt liest das als Chance auf höhere Margen im verbleibenden Geschäft. Dahinter folgten die Automobilwerte, die ihre Vortagesverluste mehr als wettmachten: Volkswagen Vorzüge +3,98 Prozent auf 81,40 Euro nach einem Minus von 2,7 Prozent am Mittwoch, BMW +3,19 Prozent. Größter Verlierer war Fresenius Medical Care mit −2,29 Prozent.
wallstreet-online.deUnmittelbar nach dem Entscheid stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kurzzeitig über 5 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2007. Noch stärker reagierte das kurze Ende: Die zweijährige Rendite legte rund 7 Basispunkte auf etwa 4,74 Prozent zu – ein klassisches Signal dafür, dass der Markt weitere Schritte einpreist. Heute gibt die zehnjährige Rendite auf 4,95 Prozent nach. Der Dollar legte zu, der Euro fiel gestern Abend bis auf 1,1456 USD und notiert heute bei rund 1,1465.
Saxo Bank / CNBC / tradingeconomics.comDie japanische Notenbank hat noch nicht entschieden; der Beschluss wird für Freitag erwartet. Die Prognose lautet auf eine Anhebung von 1,00 auf 1,25 Prozent. Damit würden binnen 48 Stunden zwei der großen Notenbanken straffen. Für den Nikkei ist das zweischneidig: Der heute noch schwächere Yen hat die Exporteure gestützt, eine Zinserhöhung würde diesen Effekt umkehren.
Reuters / Börsen-ZeitungMontag (14.09.): Risikoabbau auf breiter Front – alle vier US-Leitindizes im Minus. Die Debatte um das Tempo der KI-Entwicklung kostete Micron 5,6 % und SK Hynix 7,4 %, der Kospi verlor 3,3 %.
Dienstag (15.09.): Der Doppelschlag – die zehnjährige US-Rendite erreicht mit 5,04 % den höchsten Stand seit 2007, Brent springt kriegsbedingt auf 108 $. Der Empire-State-Index bricht auf 7,6 ein.
Mittwoch (16.09.): Vormittags überraschten die Einzelhandelsumsätze mit +1,2 %. Abends dann die Zinserhöhung – und ein Markt, der in der letzten Handelsstunde drehte: Dow −1,21 %.
Donnerstag (17.09.): Die Entwarnung. Der Dot Plot zeigt nur einen weiteren Schritt, die Renditen kommen von über 5 auf 4,95 % zurück, der Ölpreis fällt auf die Pipeline-Meldung. Der Nasdaq 100 gewinnt 1,59 %. Dazu starke Arbeitsmarktdaten (196.000 Erstanträge) und ein Philly-Fed-Index über Erwartung. Aktien, Edelmetalle und Krypto steigen gemeinsam. Nachbörslich berichten FedEx und Lennar.
Freitag (18.09.): Die Bank of Japan entscheidet, erwartet wird eine Anhebung auf 1,25 %. Damit hätten binnen 48 Stunden zwei der großen Notenbanken gestrafft – für den Yen und die japanischen Exportwerte der wichtigere Termin der Woche.
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