Die Bank of Japan hat den Leitzins von 1,00 auf 1,25 Prozent angehoben und damit auf den höchsten Stand seit 1995. Gouverneur Ueda sprach von einem geldpolitischen „Regimewechsel". Die Währung reagierte in die Gegenrichtung: USD/JPY stieg auf 157,78, der Yen verlor also 1,2 Prozent. Eine Notenbank strafft auf ein 31-Jahres-Hoch, und ihre Währung wird schwächer – das ist das Paradox dieses Handelstages.
Die Mechanik dahinter hat zwei Teile. Erstens war der Schritt vollständig eingepreist. Zweitens fiel die Abstimmung mit 7 zu 2 aus: Toichiro Asada und Ayano Sato stimmten dagegen, Wirtschaft und Preise seien für eine weitere Straffung nicht stark genug. Zusammen mit dem Umstand, dass Ueda keinerlei Hinweis auf das weitere Tempo gab, las der Markt das als taubenhaft. Hinzu kommt der Zinsabstand: Nach dem Fed-Schritt vom Mittwoch liegen zwischen Washington und Tokio mehr als zweieinhalb Prozentpunkte.
Der Rest des Tages ist scharf dreigeteilt. Asien schloss geschlossen fester – der Kospi mit +2,66 Prozent, der Nikkei mit +1,38 Prozent. Europa brach ein: Der DAX verlor 1,61 Prozent auf 25.302,23 Punkte, nur drei der vierzig Indexwerte schlossen im Plus. Die Wall Street startete freundlich und drehte im Verlauf ins Minus. Zwei Gründe dafür: Die US-Renditen ziehen wieder an – die zehnjährige steht bei 4,99 Prozent –, und heute ist großer Verfallstag an den Terminbörsen, was die Kursbewegungen zusätzlich verzerrt.
Asien hat die Zinserhöhung als gute Nachricht gelesen – alle vier Leitindizes schlossen fester. Am stärksten legte Südkoreas Kospi mit 2,66 Prozent auf 6.894,23 Punkte zu, getragen von den Speicherherstellern: SK Hynix +6,42 Prozent, Samsung Electronics +3,37 Prozent. In Tokio stieg der Nikkei um 1,38 Prozent auf 65.018,95 und markierte im Tageshoch kurzzeitig 65.314 Punkte.
Dass ausgerechnet Japan nach einer Zinserhöhung steigt, liegt am Yen. Eine schwächere Währung verbessert die Erlöse der Exporteure in heimischer Rechnung – und weil die taubenhafte Lesart des Entscheids den Yen gedrückt hat, profitierten sie doppelt. Auffällig waren daneben die Technologiewerte: Kioxia +9,4 Prozent, Lasertec rund +9 Prozent, Advantest +7,2 Prozent, Tokyo Electron +4,4 Prozent. Am japanischen Anleihemarkt fielen die Renditen am kurzen Ende (zwei Jahre 1,835 Prozent, fünf Jahre 2,265 Prozent), während sie bei zwanzig und dreißig Jahren stiegen – der Markt preist also weniger kurzfristige Straffung, aber mehr langfristige Inflations- und Haushaltsrisiken ein.
Nikkei, Hang Seng und Shanghai Composite stammen aus einer Quelle; beim Kospi bestätigen zwei Quellen denselben Wert. Eine zweite Quelle nennt für den Nikkei 65.018,73 Punkte, eine Abweichung von 0,22 Punkten bei identischer Prozentangabe. Zu SoftBank widersprechen sich die Quellen erheblich – eine nennt +1,09, eine andere +5 Prozent; der Wert bleibt deshalb hier unerwähnt. Die JGB-Renditen stammen aus einer einzigen Quelle.
Der Donnerstag endete noch stärker, als er am Nachmittag ausgesehen hatte. Im gestrigen Bericht standen hier die Stände von 17:27 Uhr MESZ – S&P 500 +1,00, Nasdaq Composite +1,54, Dow +0,53 Prozent. Bis zum Schluss legten alle drei noch zu: Der S&P 500 gewann 85,91 Punkte bzw. 1,14 Prozent auf 7.637,72, der Nasdaq Composite 439,88 Punkte bzw. 1,69 Prozent auf 26.418,30, der Dow 317,95 Punkte bzw. 0,62 Prozent auf 51.779,85.
Der Grund lag am Anleihemarkt: Die Renditen gaben im Tagesverlauf nach – die zehnjährige um sieben Basispunkte auf 4,94 Prozent –, und das trug die Technologiewerte. Die größten Einzelbewegungen kamen von Generac mit +21,35 Prozent nach einem Großauftrag von Amazon, Moderna mit +9,39 Prozent auf Daten zu einem Krebsimpfstoff und HPE mit +7,44 Prozent. Auf der Verliererseite standen Fluence Energy (−16,85 Prozent nach Prognosesenkung) und CoreWeave (−4,69 Prozent).
Die Rechenproben gegen die Mittwochsschlüsse (7.551,81 / 25.978,42 / 51.461,90) gehen bei S&P 500, Nasdaq Composite und Dow exakt auf. Der Nasdaq-100-Schluss ist der einzige abgeleitete Wert im Bericht: Kein Portal wies ihn direkt aus, er ergibt sich aus dem heutigen Intraday-Stand abzüglich der gemeldeten Tagesveränderung und ist deshalb mit „ungefähr" gekennzeichnet. Die Gegenprobe stimmt – der gestern ausgewiesene 17:27-Stand von 29.404,56 passt exakt auf dieselbe Basis.
(a) Verlauf – der schwächste Tag der Woche: Der DAX eröffnete bei 25.596,46 Punkten und baute seine Verluste über den ganzen Tag aus. Zum Xetra-Schluss stand er bei 25.302,23 Punkten, 414,48 Punkte bzw. 1,61 Prozent unter dem Donnerstagsschluss von 25.716,71. Die Rechenprobe geht exakt auf. Der Stoxx Europe 600 verlor 1,16 Prozent auf 635,12. Marktbeobachter führen die Schwäche ausdrücklich auch auf den großen Verfallstag zurück – heute ist der dritte Freitag im Quartal, an dem Optionen und Futures an Eurex und den US-Terminbörsen gleichzeitig verfallen.
(b) Einzelwerte – ein außergewöhnlich einseitiges Bild: Von vierzig DAX-Werten schlossen nur drei im Plus. Vorne lag Infineon mit +2,54 Prozent, nachdem Oddo BHF die Aktie von „Neutral" auf „Outperform" hochgestuft hatte; es folgten Hochtief (+0,31 Prozent) und RWE (+0,02 Prozent). Am anderen Ende standen Volkswagen mit −5,54 Prozent, Mercedes-Benz mit −4,91 Prozent und die Deutsche Telekom mit −4,61 Prozent.
Die Autowerte haben damit ihre gestrige Bewegung vollständig umgekehrt – Volkswagen war am Donnerstag mit knapp vier Prozent Plus noch unter den Gewinnern und ist heute größter Verlierer. Bei der Deutschen Telekom lässt sich der Rückgang benennen: Eine negative Analystenstudie zum französischen Wettbewerber Orange drückte den Kurs auf den tiefsten Stand seit Anfang August, bei zugleich höchstem Tagesumsatz im Index.
(c) Weitere Meldungen: Deutlich fester zeigten sich Siltronic mit rund +8 Prozent nach einem UBS-Kursziel von 120 Euro und Renk mit gut +4 Prozent nach einer Hochstufung durch Goldman Sachs auf „Buy". Auch Jenoptik, Süss Microtec und Aixtron erholten sich. Schwach dagegen die Deutsche Bank mit −3,37 Prozent.
(d) Devisen und Anleihen: Der Euro notiert bei 1,1465 USD (−0,1 Prozent), USD/JPY bei 157,78 (+1,2 Prozent). Die zehnjährige US-Rendite steigt um 4 Basispunkte auf 4,99 Prozent und damit wieder an die Marke von 5 Prozent, die zweijährige um 4 Basispunkte auf 4,73 Prozent. Die zehnjährige Bundrendite legt 5 Basispunkte auf 3,526 Prozent zu.
Der DAX-Schlussstand, die Gewinner- und Verliererliste und der Stoxx Europe 600 stammen jeweils aus einer Quelle, die Rechenproben gegen die Vortagesschlüsse gehen jedoch exakt auf. Der MDAX-Wert ist ein Stand von 16:14 Uhr, kein Schlussstand. Zum Euro Stoxx 50 lag nur eine Prozentangabe ohne Punktstand vor, zum TecDAX kein belastbarer Punktstand. Für den Kurssturz bei Volkswagen und Mercedes-Benz ließ sich keine tagesaktuelle Einzelmeldung finden – naheliegend sind Sektor- und Verfallstagseffekte, belegen lässt sich das nicht. Die 30-jährige US-Rendite war heute nicht verifizierbar; rechnerisch ergäbe sich aus dem Donnerstagsschluss von 5,29 Prozent ein Wert um 5,33 Prozent, das ist aber eine Ableitung und keine Messung.
Die Wall Street ist freundlich in den Verfallstag gestartet und im Verlauf ins Minus gedreht. Um 15:44 Uhr MESZ (9:44 Uhr ET), also vierzehn Minuten nach Handelsbeginn, lagen noch alle vier Indizes im Plus: Dow 51.795 (unverändert), S&P 500 7.649 (+0,2 Prozent), Nasdaq Composite 26.539 (+0,5 Prozent), Nasdaq 100 29.552 (+0,4 Prozent). Im weiteren Verlauf kippte das Bild: Der Dow fiel auf 51.571 und damit 0,40 Prozent ins Minus, der S&P 500 auf 7.624 (−0,17 Prozent), während der Nasdaq 100 mit 29.442 praktisch unverändert blieb (−0,02 Prozent).
Der Grund ist derselbe wie in Europa, nur deutlicher: Die US-Renditen ziehen wieder an. Die Entlastung vom Donnerstag, als die zehnjährige Rendite sieben Basispunkte verlor, ist damit vollständig zurückgenommen. Die Struktur ist erneut aufschlussreich – der Dow verliert am meisten, die Technologie hält sich. Auf Wochensicht steht der Dow 1,9 Prozent im Minus, der Nasdaq 100 dagegen 0,3 Prozent im Plus. Nur Indexstände, keine Einzelwerte.
Alle Werte sind Kassa-Indexstände aus Nachrichtenagenturmeldungen (Dow Jones Newswires und dpa-AFX); weder ETFs noch Kontrakt- oder CFD-Notierungen wurden verwendet. Die Rückrechnung der impliziten Vortagesbasis geht bei jedem einzelnen Wert auf. Zur Einschränkung: Die Nachmittagsstände tragen in der Quelle keine ausgewiesene Uhrzeit – sie sind deshalb nur als „Nachmittag" gekennzeichnet. Für den Nasdaq Composite lag kein Nachmittagswert vor, weshalb dort der Stand von 15:44 Uhr steht; die Kachel zeigt also bewusst einen früheren Zeitpunkt als die drei anderen. Fünf große Kursportale wurden heute verworfen, weil ihre Rückrechnung nicht aufging – in einem Fall lag die implizite Vortagesbasis 148 Punkte daneben, in einem anderen rund 980 Punkte. Ein Portal blendete selbst einen Hinweis auf verzögerte Marktdaten ein.
Beim Öl geht es den dritten Tag in Folge abwärts – und der Grund ist konkret geworden. Die am 11. September durch einen Angriff beschädigte saudische Ost-West-Pipeline soll rund zur Hälfte binnen weniger Tage wieder in Betrieb gehen, vollständig in etwa sechs Wochen. Die Leitung bringt Rohöl von den Ostfeldern zu den Terminals am Roten Meer und umgeht damit die Straße von Hormus. Brent notiert bei 104,49 USD (−0,3 Prozent), WTI bei 103,21 USD. Wichtig für die Einordnung: Der Markt preist hier nicht das Ende des Ausfalls ein, sondern eine kürzere Ausfalldauer. Solange die Leitung nicht läuft, müssen die Mengen weiter durch das Nadelöhr Hormus.
Die Edelmetalle ziehen geschlossen an – Gold um 0,28 Prozent auf 4.353,00 USD, Silber um 1,62 Prozent auf 66,15 USD, Platin um 1,41 Prozent auf 1.792,00 USD, Palladium um knapp 2 Prozent. Das ist bemerkenswert, weil die Renditen heute steigen – nach dem Muster der vergangenen Tage hätte Gold nachgeben müssen. Offenbar wiegt an einem Tag mit Verfallstermin, Zinserhöhung in Japan und ungelöstem Nahostkonflikt das Absicherungsmotiv schwerer.
Die Edelmetallpreise stammen von Kitco (17:32 Uhr), Gold zusätzlich durch eine zweite Quelle gestützt. Beim Öl liegt ein ungelöster Quellenwiderspruch vor: Eine zweite Quelle nennt Brent bei 102,41 USD (−2,30 Prozent) und WTI bei 100,04 USD (−1,84 Prozent) – also nicht nur tiefere Werte, sondern beim WTI auch ein umgekehrtes Vorzeichen. Wir weisen die Werte der Agenturquelle mit Zeitstempel 15:44 Uhr aus, die Größenordnung ist in beiden Fällen Brent gut 100 und WTI um 100 bis 103 USD. Zum Vergleich: Goldman Sachs und JPMorgan hatten vor der Beschädigung der Pipeline beide 80 USD für das vierte Quartal prognostiziert.
| Datum | Ereignis | Ist | Erwartung | Vorher |
|---|---|---|---|---|
| Fr 18.09. | Bank of Japan · Leitzins ★ Hohe Relevanz | 1,25 % | 1,25 % | 1,00 % |
| Fr 18.09. | Bank of Japan · Abstimmung ★ Hohe Relevanz | 7 : 2 | — | — |
| Fr 18.09. | DE Erzeugerpreise August, y/y ★ Hohe Relevanz | +4,6 % | +4,3 % | +3,0 % |
| Fr 18.09. | DE Erzeugerpreise August, m/m | +1,1 % | +0,9 % | — |
| Fr 18.09. | JP Kernverbraucherpreise August, y/y | +1,7 % | +1,8 % | +1,8 % |
| Fr 18.09. | US Industrieproduktion August, m/m | 0,0 % | +0,3 % | — |
| Mi 23.09. | Einkaufsmanagerindizes DE / Eurozone / USA ★ Hohe Relevanz | — | — | — |
| Do 24.09. | ifo-Geschäftsklima · Riksbank · SNB · Nike, Costco ★ Hohe Relevanz | — | — | — |
| Fr 25.09. | US Auftragseingang langlebige Güter · Verbrauchervertrauen | — | — | — |
Alle Uhrzeiten in MESZ. Die deutschen Erzeugerpreise sind die unangenehmste Zahl des Tages: +4,6 Prozent gegenüber Vorjahr nach +3,0 Prozent im Juli und deutlich über der Erwartung von +4,3 Prozent. Der Treiber ist die Energie mit +8,3 Prozent, und darin besonders die Mineralölerzeugnisse mit +40,5 Prozent – das Statistische Bundesamt begründet das ausdrücklich mit den Kriegshandlungen im Iran und Nahen Osten. Ohne Energie liegt der Anstieg bei +3,1 Prozent, der Preisdruck ist also überwiegend, aber nicht ausschließlich importiert. Bemerkenswert am japanischen Entscheid: Die Kerninflation fiel am selben Tag erstmals seit vier Monaten und blieb mit 1,7 Prozent unter der Erwartung – sie liegt den achten Monat in Folge unter dem Zielwert. Die BoJ-Mehrheit stützte sich stattdessen auf die Rate ohne Lebensmittel und Energie, die mit 1,9 Prozent ein Dreimonatshoch erreichte. Die US-Industrieproduktion stagnierte bei erwarteten +0,3 Prozent. Die Ist-Werte zu den US-Frühindikatoren, zur Bauproduktion der Eurozone und zu den britischen Daten lagen zum Redaktionsschluss nicht vor.
Heute keine Feiertagsschließung – USA, Deutschland und Japan handelten regulär. In der kommenden Woche bleibt die Börse Tokio jedoch an drei Tagen geschlossen: Montag, 21.09. (Respect for the Aged Day), Dienstag, 22.09. (Brückentag) und Mittwoch, 23.09. (Herbst-Tagundnachtgleiche) – die sogenannte Silver Week. Die USA und Deutschland handeln durchgehend.
Diese Konstellation verdient Beachtung: Drei Handelstage ohne japanischen Kassamarkt unmittelbar nach einer Zinserhöhung bedeuten dünne Liquidität und breitere Geld-Brief-Spannen im Yen und in japanbezogenen Werten. Wer dort positioniert ist, sollte mit größeren Ausschlägen rechnen als die Nachrichtenlage allein rechtfertigt.
Eine Korrektur vorweg: Im gestrigen Bericht stand, FedEx und Lennar würden am Donnerstagabend berichten. Das war in beiden Fällen falsch. FedEx berichtet erst am 28. Oktober, und Lennar hatte bereits am Mittwoch, dem 16. September, gemeldet – ausgerechnet am Tag des Fed-Entscheids.
Die Lennar-Zahlen sind trotzdem hochrelevant, weil sie zeigen, was Hypothekenzinsen auf Mehrjahreshoch im Wohnungsbau anrichten. Der Hausbauer verfehlte die Erwartungen auf ganzer Linie: Ergebnis je Aktie 1,19 statt erwarteter 1,29 USD, Umsatz 8,05 statt 8,37 Mrd. USD und damit 8,7 Prozent unter Vorjahr, Neuaufträge 20.879 Häuser und damit 9 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Jahresprognose wurde gesenkt. Das Management verwies auf „Erschwinglichkeitsbeschränkungen und höhere Hypothekenzinsen".
Die Personalie des Tages kommt aus Omaha: Warren Buffett gibt den Verwaltungsratsvorsitz bei Berkshire Hathaway ab, sein Sohn übernimmt. Die Aktie reagierte mit −0,4 Prozent gelassen. Deutlich heftiger fiel die Reaktion bei Netflix aus, das nach einer Herabstufung durch Wells Fargo auf „Underweight" bis zu 5,4 Prozent verlor. Auffällig fest waren dagegen die kryptonahen Werte: Coinbase legte 10,61 Prozent zu, Robinhood 7,76 Prozent. Unter Druck stand der Stahlsektor mit Nucor und Steel Dynamics um jeweils rund 5 Prozent im Minus.
Die Lennar-Zahlen stammen aus einer einzigen Quelle, das Berichtsdatum ist durch mehrere Vorschauartikel gestützt. Die heutige Kursreaktion der Aktie ließ sich nicht verifizieren – die abgefragte Kursseite lieferte einen über fünf Wochen alten Stand. Eine Meldung, die FedEx-Quartalszahlen für gestern auswies, war in sich widersprüchlich und wurde verworfen.
Live-Kurse (Crypto.com, Stand 17:44 Uhr MESZ): Der Kryptomarkt ist der klare Gewinner des Tages. Solana springt 9,12 Prozent auf 110,42 $, Bitcoin 5,10 Prozent auf 80.700 $, Ethereum 4,19 Prozent auf 2.575 $. Bitcoin durchlief dabei eine Spanne von 76.239 bis 81.173 Dollar, also fast 5.000 Dollar, und notiert am oberen Rand.
Bemerkenswert ist, dass diese Bewegung gegen die Zinsen läuft. Die zehnjährige US-Rendite steht wieder bei 4,99 Prozent, und für zinslose Anlagen ist das eigentlich das denkbar schlechteste Umfeld. Zugleich sind die kryptonahen Aktien heute mit zweistelligen Zuwächsen die stärkste Gruppe an der Wall Street – Coinbase +10,61 Prozent, Robinhood +7,76 Prozent. Beide Bewegungen stützen sich also gegenseitig. Ein konkreter Auslöser für den Sprung war aus den heute verfügbaren Quellen nicht zu belegen; wir weisen ihn deshalb aus, ohne ihn zu deuten.
| Sektor | Bewertung | Momentum |
|---|---|---|
| Halbleiter | teuer | sehr stark (SK Hynix +6,4 %, Kioxia +9,4 %) |
| Speicher / Memory | fair | sehr stark (SanDisk +6,5 %) |
| Krypto-nahe Werte | teuer | sehr stark (Coinbase +10,6 %) |
| Rüstung | teuer | fest (Renk +4 % nach Hochstufung) |
| Automobil | günstig | sehr schwach (VW −5,5 %, Mercedes −4,9 %) |
| Telekommunikation | günstig | schwach (Dt. Telekom −4,6 %) |
| Banken / Finanzen | günstig | schwach (Dt. Bank −3,4 %) |
| Stahl / Grundstoffe | günstig | schwach (Nucor rund −5 %) |
| Bau / Immobilien | günstig | Lennar verfehlt, Prognose gesenkt |
| Energie / Öl | fair | dritter Verlusttag in Folge |
| Edelmetalle | teuer | fest trotz steigender Renditen |
| Anleihen (Duration) | günstig | Rendite zurück Richtung 5 % |
Zur Orientierung: Die Erholung dieser Woche hat sich auf einen einzigen Sektor verengt. Halbleiter gehen in die vierte Sitzung im Plus, und zwar unabhängig voneinander in allen drei Regionen – SK Hynix und Kioxia in Asien, Infineon und Siltronic in Europa, SanDisk und Micron in den USA. Alles andere gibt nach. Besonders deutlich ist die Spreizung im DAX: Von vierzig Werten schlossen drei im Plus, und der stärkste davon ist ein Halbleiterwert. Das Warnsignal steckt ausgerechnet bei Nvidia, das heute trotz der Ankündigung des Firmenchefs, die Chipverkäufe binnen eines Jahres zu verdoppeln, um die Nulllinie pendelt. Wenn eine solche Aussage den Kurs nicht mehr trägt, ist viel davon bereits eingepreist. Bemerkenswert ist außerdem das gleichzeitige Plus bei Edelmetallen und Krypto bei steigenden Renditen – beides sind zinslose Anlagen, beide laufen heute gegen das Zinsargument. Keine Anlageberatung.
Es ist die zweite Anhebung in diesem Jahr und das höchste Zinsniveau seit 1995. Die Abstimmung fiel mit 7 zu 2 aus: Toichiro Asada und Ayano Sato stimmten dagegen, Wirtschaft und Preise seien für eine weitere Straffung nicht stark genug. Gouverneur Ueda erklärte, die Rahmenbedingungen der Geldpolitik hätten sich geändert, und sprach von einem Regimewechsel – gab aber keinerlei Hinweis auf das weitere Tempo. Genau diese Kombination aus zwei Gegenstimmen und fehlender Orientierung las der Markt als taubenhaft.
Bank of Japan / dpa-AFX / CNBC / BloombergUSD/JPY stieg auf 157,78, der Yen verlor damit 1,2 Prozent – unmittelbar nach dem Entscheid hatte er bei rund 157,1 gestanden und sich im Tagesverlauf weiter abgeschwächt. Die Ursache ist der Zinsabstand: Nach dem Fed-Schritt vom Mittwoch auf 3,75 bis 4,00 Prozent liegen zwischen beiden Notenbanken mehr als zweieinhalb Prozentpunkte. Analysten warnen vor einem Kreislauf: Ein schwächerer Yen verteuert die Importe und treibt damit genau die Inflation, die die Bank of Japan bekämpfen will.
Dow Jones Newswires / Korea Times / Al JazeeraDer 18. September ist der dritte Freitag im Quartal – an Eurex und den US-Terminbörsen verfallen gleichzeitig Optionen und Futures auf Indizes und Einzelwerte. Marktbeobachter führen die auffällige Volatilität und besonders die DAX-Schwäche ausdrücklich mit darauf zurück. In solchen Phasen versuchen große Marktteilnehmer, Kurse kurzfristig in die für ihre Positionen günstige Richtung zu bewegen. Für die Einordnung heißt das: Ein Teil der heutigen Bewegungen ist technischer Natur und sagt wenig über die Lage der Unternehmen aus.
dpa-AFX / HandelsblattDie deutschen Erzeugerpreise legten im August um 4,6 Prozent gegenüber Vorjahr zu, nach 3,0 Prozent im Juli und deutlich über der Erwartung von 4,3 Prozent. Auf Monatssicht ergab sich ein Plus von 1,1 Prozent. Treiber war die Energie mit +8,3 Prozent, und darin besonders die Mineralölerzeugnisse mit +40,5 Prozent – das Statistische Bundesamt begründet das ausdrücklich mit den Kriegshandlungen im Iran und Nahen Osten. Ohne Energie lag der Anstieg bei 3,1 Prozent. Damit ist messbar, wie der Nahostkonflikt über den Ölpreis in die deutsche Preisstatistik durchschlägt.
Statistisches BundesamtDer Leitindex schloss bei 25.302,23 Punkten und damit 414,48 Punkte tiefer. Das Bild darunter ist außergewöhnlich einseitig: Lediglich Infineon (+2,54 Prozent nach einer Hochstufung durch Oddo BHF), Hochtief (+0,31 Prozent) und RWE (+0,02 Prozent) schlossen im Plus. Größte Verlierer waren Volkswagen mit −5,54 Prozent, Mercedes-Benz mit −4,91 Prozent und die Deutsche Telekom mit −4,61 Prozent, letztere nach einer negativen Analystenstudie zum Wettbewerber Orange. Die Autowerte hatten am Donnerstag noch die Gewinnerliste angeführt.
MarketScreener / dpa-AFXDie Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg um 4 Basispunkte auf 4,99 Prozent, die zweijährige ebenfalls um 4 Basispunkte auf 4,73 Prozent. Damit ist die Entlastung vom Donnerstag, als die zehnjährige Rendite sieben Basispunkte verloren hatte, vollständig zurückgenommen. Die Nachrichtenagenturen nennen das als unmittelbaren Grund für das Abrutschen der Wall Street: Steigende Renditen schmälern das Interesse an Aktien. Auch die zehnjährige Bundrendite legte um 5 Basispunkte auf 3,526 Prozent zu.
Dow Jones Newswires / MarketScreenerDie am 11. September durch einen Angriff beschädigte Ost-West-Pipeline soll nach jüngsten Angaben zu rund der Hälfte ihrer Kapazität binnen weniger Tage wieder in Betrieb gehen, vollständig in etwa sechs Wochen. Die Leitung umgeht die Straße von Hormus. Der Ölpreis fällt daraufhin den dritten Tag in Folge, Brent auf 104,49 USD. Entscheidend für die Einordnung: Der Markt preist eine kürzere Ausfalldauer ein, nicht dessen Ende – solange die Leitung stillsteht, müssen die Mengen weiter durch das Nadelöhr.
CNBC / financefeedsNach Jahrzehnten an der Spitze zieht sich Warren Buffett vom Vorsitz des Verwaltungsrats zurück, sein Sohn übernimmt. Die Aktie reagierte mit einem Minus von lediglich 0,4 Prozent bemerkenswert gelassen – ein Zeichen dafür, wie gründlich der Übergang vorbereitet war. Deutlich heftiger fiel die Reaktion bei Netflix aus, das nach einer Herabstufung durch Wells Fargo auf „Underweight" bis zu 5,4 Prozent verlor.
Dow Jones Newswires / dpa-AFXMontag (21.09.): China setzt die Referenzzinsen fest, in den USA erscheint der Chicago-Fed-Index. Die Börse Tokio bleibt geschlossen (Respect for the Aged Day).
Dienstag (22.09.): Vorläufiges Verbrauchervertrauen der Eurozone, EZB-Haupttender. Tokio erneut geschlossen (Brückentag).
Mittwoch (23.09.): Der Datentag der Woche – die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für Frankreich, Deutschland, die Eurozone und Großbritannien am Vormittag, die US-Werte um 15:45 Uhr. Erste Messung, wie Industrie und Dienstleister auf die Zinserhöhung und den Ölpreis reagieren. Tokio bleibt zum dritten Mal geschlossen (Herbst-Tagundnachtgleiche).
Donnerstag (24.09.): ifo-Geschäftsklima um 10:00 Uhr, dazu die Zinsentscheide von Riksbank und Schweizerischer Nationalbank. Aus den USA Erstanträge, Neubauverkäufe und Leistungsbilanz. Quartalszahlen von Nike und Costco.
Freitag (25.09.): US-Auftragseingang für langlebige Güter und Verbrauchervertrauen, dazu Geldmenge und Kreditvergabe der EZB. Nach drei Feiertagen kehrt Tokio an den Markt zurück – bei einer frischen Zinserhöhung im Rücken und entsprechend dünner Liquidität davor.
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