Am Montag markierte der Nasdaq Composite mit 27.122,09 Punkten einen Rekordschluss, der Nasdaq 100 gewann 2,83 Prozent. Heute passiert fast nichts mehr: Der DAX schloss mit 25.600,01 Punkten nur 25 Punkte bzw. 0,10 Prozent höher, der S&P 500 steht am Nachmittag praktisch unverändert, der Dow sogar leicht im Minus. Die Rally hat nicht gedreht – sie hält den Atem an.
Der Grund sind zwei Termine in dieser Woche. Erstens hat Iran angeboten, die Straße von Hormus wieder zu öffnen, falls die USA die Blockade iranischer Häfen aufheben; Präsident Pezeshkian spricht morgen vor der UN-Vollversammlung. Zweitens trifft Xi Jinping am Donnerstag in Washington ein – der erste Besuch eines chinesischen Staatspräsidenten im Weißen Haus seit über einem Jahrzehnt, mit einem Staatsbankett, zu dem die Spitzen der US-Technologiebranche geladen sind. Trump sprach heute vor der Vollversammlung von einer „big decision" zum Iran.
Am Ölmarkt schlägt das bereits durch. Der Preis fiel den fünften Handelstag in Folge – Brent auf rund 99 US-Dollar, WTI auf rund 91 Dollar. Bemerkenswert ist der Tagesverlauf: Am Morgen zog der Preis nach einem erneuten Schiffsangriff in der Straße von Hormus noch an, der DAX startete mit 0,4 Prozent im Minus. Erst am frühen Nachmittag, als die Diplomatiesignale aus Teheran durchkamen, kippte der Ölpreis und die europäischen Märkte drehten ins Plus.
Was der Markt dabei übersieht: Das Verbrauchervertrauen der Eurozone fiel im September auf −16,5 nach −15,5 und damit erstmals nach vier Anstiegen in Folge – ausgerechnet begründet mit den hohen Kraftstoffpreisen der Vorwochen. Die Entlastung beim Öl kommt für diese Erhebung zu spät, wirkt aber in die kommenden Monate hinein.
Asien hat die Wall-Street-Rally nicht übernommen. Der Kospi eröffnete mehr als zwei Prozent im Plus und gab fast alles wieder ab – er schloss mit 7.017,91 Punkten nur 10,19 Punkte bzw. 0,15 Prozent höher. Der Grund ist banal und wichtig zugleich: Vor dem Chuseok-Feiertag am Donnerstag und Freitag nahmen Privatanleger Gewinne mit, netto für 1,61 Billionen Won. Ausländer kauften mit 76,2 Milliarden Won dagegen – ein Zehntel des Volumens.
Bei den Halbleitern ging die Schere auf: Samsung Electronics stieg 0,91 Prozent auf 276.500 Won, SK Hynix fiel dagegen 1,50 Prozent auf 1.840.000 Won. Nach dem Sprung vom Montag ist das eine schlichte Gewinnmitnahme, aber sie zeigt, dass die Chipeuphorie in Asien schneller ermüdet als in New York.
China bewegte sich kaum. Der Hang Seng gewann 45,04 Punkte bzw. 0,18 Prozent auf 25.087,75, der Shanghai Composite 2,22 Punkte bzw. 0,06 Prozent auf 3.952,13. Gefragt waren Energiewerte – PetroChina +1,12 Prozent, China Shenhua +1,52 Prozent –, schwach dagegen Optikzulieferer. Im Hintergrund signalisierte der US-Handelsbeauftragte Greer die Bereitschaft, den im November auslaufenden Handelsburgfrieden um drei bis sechs Monate zu verlängern.
Tokio bleibt den dritten Tag geschlossen – Respect for the Aged Day, Brückentag und morgen die Herbst-Tagundnachtgleiche. Der japanische Kassamarkt öffnet erst am Donnerstag; der letzte Nikkei-Schluss vom Freitag steht bei 65.018,95 Punkten.
Der Montag war deutlich stärker, als er am Nachmittag ausgesehen hatte. Im gestrigen Bericht standen hier die Stände von 18:01 Uhr MESZ – S&P 500 +1,13, Nasdaq 100 +2,22, Dow +0,43 Prozent. Bis zum Schluss legten alle vier noch zu: Der S&P 500 gewann 114,20 Punkte bzw. 1,49 Prozent auf 7.764,70, der Nasdaq Composite 599,55 Punkte bzw. 2,26 Prozent auf 27.122,09 – ein Rekordschluss –, der Nasdaq 100 838,18 Punkte bzw. 2,83 Prozent auf 30.482,35 und der Dow 366,19 Punkte bzw. 0,71 Prozent auf 52.048,83.
Der größte Einzelbeitrag kam von Meta mit einem Sprung um 11,4 Prozent, nachdem die neue KI-App „Muse" auf Platz eins der App-Store-Charts geklettert war. Dahinter die Chipwerte: AMD rund 9 bis 10 Prozent mit zeitweise einer Billion Dollar Börsenwert, Intel rund 10 Prozent, Nvidia 2,3 Prozent, Tesla 3,0 Prozent. Schlusslicht war Labcorp mit rund 6 Prozent Minus nach Anpassungen bei den Medicare-Erstattungen. Kommunikations- und Technologiewerte führten, Energie und Grundstoffe blieben zurück – exakt das Muster, das ein fallender Ölpreis erzeugt.
(a) Verlauf – ein Tag in zwei Hälften: Der DAX startete 0,4 Prozent im Minus bei rund 25.484 Punkten, weil die Ölpreise nach einem erneuten Schiffsangriff in der Straße von Hormus wieder anzogen. Ab etwa 14 Uhr drehte das Bild, als die iranischen Diplomatiesignale den Ölpreis kippen ließen; zwischenzeitlich lag der Index deutlich über 25.700 Punkten. Halten ließ sich das nicht: Zum Xetra-Schluss standen 25.600,01 Punkte, 25,00 Punkte bzw. 0,10 Prozent über dem Montagsschluss von 25.575,01. Die Rechenprobe geht exakt auf.
Die zweite Reihe war deutlich stärker als der Leitindex. Der MDAX gewann 304,60 Punkte bzw. 0,98 Prozent auf 31.546,56, der TecDAX 37,21 Punkte bzw. 0,93 Prozent auf 4.048,73. Das ist die Umkehr des gestrigen Bildes und ein gesundes Zeichen: Wenn die Breite anzieht, während der Leitindex stillsteht, verteilt sich der Anstieg. Der Euro Stoxx 50 legte 14,00 Punkte bzw. 0,22 Prozent auf 6.332,20 zu; der FTSE 100 stand am Nachmittag mit 10.747,45 Punkten 0,08 Prozent im Plus, der CAC 40 bewegte sich um die Nulllinie.
(b) Gewinner und Verlierer: Vorn lagen Zalando mit +3,71 Prozent, Infineon mit +3,16 Prozent und die GEA Group mit +2,82 Prozent. Bei Zalando ließ sich kein konkreter Nachrichtenauslöser finden – nach einem Minus von gut vier Prozent auf Wochensicht und 18 Prozent auf Jahressicht spricht vieles für eine technische Gegenbewegung. Infineon profitierte von den US-Chipvorgaben, GEA und die Konsumwerte vom billigeren Öl.
Am Ende des Index stand die Allianz mit −3,35 Prozent und brach damit ihre 50-Tage-Linie bei rund 439 Euro; eine Abstufung ließ sich dafür nicht finden, als Begründung genannt werden die zwischenzeitlich gestiegenen Ölpreise und die Erwartung einer länger restriktiven US-Geldpolitik. Dahinter Rheinmetall mit −1,90 Prozent – Rüstungswerte leiden unter jeder Entspannungsmeldung aus dem Nahen Osten – und die Deutsche Bank mit −1,66 Prozent.
(c) Weitere Meldungen: Die Immobilienwerte bleiben unter dem Eindruck der Berlin-Wahl. Vonovia verlor weitere 1,66 Prozent auf 17,19 Euro – Exane BNP Paribas senkte das Kursziel auf 16 Euro –, TAG Immobilien und LEG gaben je knapp zwei Prozent nach. TUI fiel rund zwei Prozent, weil die Sommerbuchungen fünf Prozent unter Vorjahr liegen. Im TecDAX führten SMA Solar mit +5,04 Prozent und Nemetschek mit +4,31 Prozent. Europaweit war Kingfisher mit rund +8 Prozent nach angehobener Prognose der Tagessieger, gefolgt von Prosus mit +5,5 Prozent.
(d) Devisen und Anleihen: Der Euro gab auf rund 1,1443 US-Dollar nach (−0,2 Prozent) – belastet vom schwachen Verbrauchervertrauen –, USD/JPY notierte nahezu unverändert bei rund 157,27. Die zehnjährige US-Rendite lag mit 4,96 Prozent auf dem Montagsniveau, die dreißigjährige fiel um gut einen Basispunkt auf 5,28 Prozent. Die zehnjährige Bundrendite gab leicht auf knapp 3,45 Prozent nach.
Die Wall Street steht praktisch still – aber nicht einheitlich. Der S&P 500 lag um 17:05 Uhr MESZ mit 7.765,44 Punkten 0,74 Punkte über dem Montagsschluss, also exakt auf der Nulllinie. Der Nasdaq Composite gewann 94,00 Punkte bzw. 0,35 Prozent auf 27.216,09 und markierte dabei im Tagesverlauf ein neues Intraday-Allzeithoch. Der Nasdaq 100 stand rund 0,43 Prozent im Plus bei etwa 30.614 Punkten, während der Dow Jones mit rund 51.847 Punkten 0,39 Prozent verlor.
Die Spreizung des Vortages setzt sich also fort, nur in kleinerem Maßstab: Technologie hält die Gewinne, die Industrie gibt sie ab. Der Volatilitätsindex VIX bewegte sich mit rund 14,9 kaum – der Markt preist also keine Nervosität ein, sondern schlicht Abwarten. Nur Indexstände, keine Einzelwerte.
Der Ölpreis fällt den fünften Handelstag in Folge – und der Auslöser ist neu. Iran hat angeboten, die Straße von Hormus wieder zu öffnen, wenn die USA im Gegenzug die Blockade iranischer Häfen beenden. Marktberichte sprechen von einer möglichen Öffnung „innerhalb einer Woche". Brent notiert bei rund 99 US-Dollar, WTI bei rund 91 Dollar – die amerikanische Sorte ist damit auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Eskalation.
Der Tagesverlauf war zweigeteilt und verdient Beachtung. Im asiatischen Handel stieg der Preis noch – Brent zeitweise über 102 Dollar –, nachdem ein weiteres Schiff in der Straße von Hormus angegriffen worden war. Erst am frühen Nachmittag drehte der Markt auf die Meldung aus Teheran. Wer heute nur den Schlusskurs sieht, übersieht, dass derselbe Markt binnen weniger Stunden zwei gegensätzliche Nachrichten verarbeitet hat. Entsprechend vorsichtig äußerten sich Händler zur Nachhaltigkeit des Rückgangs.
Die Lage bei den Destillaten bleibt das ungelöste Problem. Während Rohöl fällt, sind Diesel und Kerosin weltweit knapp – die Preise für Mitteldestillate liegen weiter auf Rekordniveau. Der Rohölpreis entspannt sich also, ohne dass der Verbraucher an der Zapfsäule oder die Luftfahrt davon bereits etwas merkt.
Bei den Edelmetallen zeigt sich dasselbe Muster wie gestern: Gold gibt rund 0,4 Prozent auf etwa 4.325 US-Dollar nach, Silber 0,6 Prozent auf 65,49 Dollar. Ein festerer Dollar und restriktive Fed-Kommentare wiegen schwerer als die Entlastung durch Öl und Renditen. Gegen den Trend legte Platin 1,17 Prozent auf 1.817,00 Dollar zu – ein Industriemetall, das eher von der Konjunkturhoffnung als von der Krisenprämie lebt.
| Datum | Ereignis | Ist | Erwartung | Vorher |
|---|---|---|---|---|
| Di 22.09. | Eurozone · Verbrauchervertrauen September, vorläufig ★ Hohe Relevanz | −16,5 | −16,0 | −15,5 |
| Di 22.09. | US · Fed-Redner Williams, Jefferson, Barkin | — | — | — |
| Di 22.09. | US · Richmond-Fed Verarbeitendes Gewerbe | — | 5 | — |
| Mi 23.09. | Einkaufsmanagerindizes DE / Eurozone / UK / USA ★ Hohe Relevanz | — | — | — |
| Mi 23.09. | OECD-Zwischenbericht Wirtschaftsausblick | — | — | — |
| Do 24.09. | ifo-Geschäftsklima · SNB · Riksbank · Norges Bank ★ Hohe Relevanz | — | — | — |
| Do 24.09. | US Erstanträge · Neubauverkäufe · Leistungsbilanz · Costco Q4 | — | — | — |
| Fr 25.09. | GfK-Konsumklima DE · EZB-Geldmenge M3 | — | — | — |
| Fr 25.09. | US Auftragseingang langlebige Güter · Uni Michigan | — | — | — |
Die einzige harte Zahl des Tages ist unangenehm. Das Verbrauchervertrauen der Eurozone fiel im September auf −16,5 und damit unter die Erwartung von −16,0 sowie deutlich unter die −15,5 vom August. Es ist der erste Rückgang nach vier Anstiegen in Folge, und die EU-Kommission nennt als Hauptgrund ausdrücklich die hohen Kraftstoffpreise. Damit hat der Nahostkonflikt den europäischen Verbraucher erreicht – und zwar mit der Verzögerung, die für solche Erhebungen typisch ist. Der Indikator liegt weiter klar unter seinem langfristigen Durchschnitt. Der Datentag der Woche ist morgen: Die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes zeigen erstmals, wie Industrie und Dienstleister auf Energiepreise und Zinsniveau reagiert haben.
Die Börse Tokio bleibt heute den zweiten und morgen den dritten Tag geschlossen (Brückentag und Herbst-Tagundnachtgleiche) – die japanische „Silver Week". Der Kassamarkt öffnet am Donnerstag, 24. September, wieder. Dann beginnt die nächste Lücke: Seoul handelt wegen des Chuseok-Festes am Donnerstag und Freitag nicht, Shanghai bleibt am Freitag geschlossen. Deutschland, Großbritannien, Frankreich, die Schweiz und die USA handeln durchgehend.
Ein Blick voraus: In der kommenden Woche schließt Shanghai zur „Golden Week" am 1. und 2. Oktober, Hongkong am 1. Oktober, Seoul am 5. Oktober. Die asiatische Liquidität bleibt also bis weit in den Oktober hinein löchrig – ausgerechnet in den Tagen rund um den Trump-Xi-Gipfel und die anschließenden Verhandlungen.
AutoZone hat das Quartal vorgelegt – mit einem aufschlussreichen Bruch. Das Ergebnis je Aktie lag mit 56,05 US-Dollar über den erwarteten 54,14 Dollar, der Umsatz verfehlte mit 6,59 Milliarden die erwarteten 6,71 Milliarden Dollar. Der Ergebnisüberschuss stammt also nicht aus dem Geschäft, sondern maßgeblich aus Zollrückerstattungen und nicht zahlungswirksamen Lagerbewertungseffekten. Gewachsen ist das Gewerbegeschäft in den USA mit 8,6 Prozent auf 1,91 Milliarden Dollar. Nachbörslich berichtet unter anderem der Hausbauer KB Home.
Im Chipsektor dominiert die Politik. Xi Jinping trifft am Donnerstag in Washington ein – Trump empfängt ihn abweichend vom Protokoll persönlich auf der Andrews Air Force Base. Zum Staatsbankett geladen sind unter anderem Sam Altman, Jensen Huang, Tim Cook, Satya Nadella und Cristiano Amon. Verhandelt wird über gegenseitige Zollsenkungen auf Güter im Volumen von rund 30 Milliarden Dollar. Nvidias leistungsstärkste Chips bleiben vorerst beschränkt: Je freigegebenem Käufer sind bis zu 75.000 H200 erlaubt, die tatsächlichen Lieferungen liegen bislang weit darunter.
Heute kam die Gegenbewegung aus Peking. Alibaba legte vorbörslich rund 3,1 Prozent zu, nachdem der Konzern Chinas bislang leistungsstärksten heimischen KI-Chip angekündigt hatte – ausdrücklich als Nvidia-Alternative. Die amerikanischen Chipwerte gaben im Gegenzug einen Teil der Montagsgewinne ab: ARM, Intel und AMD notierten vorbörslich je rund ein Prozent im Minus. Im Handelsverlauf stabilisierte sich das Bild, Nvidia notierte mit 227,90 Dollar 0,23 Prozent fester, AMD mit 614,92 Dollar praktisch unverändert und einer Börsenbewertung von gut einer Billion Dollar.
Novo Nordisk bekommt die Rechnung für den Kapitalmarkttag. Nach dem Einbruch vom Montag senkten heute mehrere Häuser die Kursziele: Deutsche Bank auf 245 dänische Kronen mit Verkaufsempfehlung, JP Morgan und Jefferies auf 260 bis 275 Kronen mit Halteempfehlung. Das Medianziel fiel auf 308,89 Kronen, 16 von 24 Analysten empfehlen inzwischen nur noch Halten. Kritisiert werden die Margenziele, die fehlende Klarheit zum Patentablauf bei Semaglutid und die dünne Pipeline jenseits der Abnehmpräparate. Bemerkenswert dagegen: Roche legte positive Phase-II-Daten zu Enicepatide vor – alle primären Endpunkte erreicht – ohne nennenswerte Kursreaktion.
Morgen berichten H&M und KWS Saat, dazu stehen der Investor Day von McDonald's, eine Unternehmenspräsentation von Adidas und die Entwicklerkonferenz Meta Connect an – letztere mit besonderer Aufmerksamkeit, nachdem die KI-App „Muse" die Aktie am Montag um 11,4 Prozent nach oben getrieben hat.
Live-Kurse (Crypto.com, Stand 17:13 Uhr MESZ): Nach zwei sehr starken Tagen legt der Kryptomarkt eine Pause ein. Bitcoin steht mit 86.244 $ nur 0,49 Prozent höher, Ethereum gibt 0,15 Prozent auf 2.744,80 $ ab, Solana verliert 1,38 Prozent auf 117,10 $. Bitcoin hatte im Tagesverlauf 87.411 Dollar erreicht – den höchsten Stand seit Januar – und die Spitze nicht gehalten.
Das Muster ist dasselbe wie an den Aktienmärkten: Die Bewegung kommt zum Stillstand, ohne zu drehen. Die zehnjährige US-Rendite verharrt bei 4,96 Prozent – der Rückenwind vom Montag wirkt also weiter, liefert aber keinen neuen Impuls. Dass Solana als volatilster der drei Werte am stärksten nachgibt, ist nach einem Plus von fast neun Prozent am Vortag die erwartbare Gegenbewegung.
| Sektor | Bewertung | Momentum |
|---|---|---|
| Halbleiter | teuer | Gewinnmitnahmen (SK Hynix −1,5 %, AMD flach) |
| Internet / Plattformen | teuer | sehr stark (Meta +11,4 % am Montag) |
| Nebenwerte (MDAX/TecDAX) | günstig | stark (+0,98 % / +0,93 %) |
| Konsum / Handel | günstig | fest (Kingfisher +8 %, Zalando +3,7 %) |
| Energie / Öl | günstig | fünfter Verlusttag in Folge |
| Destillate (Diesel/Kerosin) | teuer | weiter Rekordniveau trotz fallendem Rohöl |
| Rüstung | teuer | schwach (Rheinmetall −1,90 %) |
| Versicherungen | fair | schwach (Allianz −3,35 %, 50-Tage-Linie gebrochen) |
| Banken / Finanzen | günstig | schwach (Dt. Bank −1,66 %) |
| Immobilien | günstig | schwach (Vonovia −1,66 %, TAG/LEG je −2 %) |
| Pharma / Abnehmpräparate | fair | Kurszielsenkungen bei Novo Nordisk |
| Edelmetalle | teuer | Gold und Silber zweiten Tag schwächer |
Zur Orientierung: Die Rotation, die gestern begann, setzt sich heute sauber fort. Alles, was von einem hohen Ölpreis und einem heißen Nahostkonflikt gelebt hat, gibt nach – Rüstung, Energie, Edelmetalle. Alles, was darunter gelitten hat, zieht an – Handel, Konsum, Reise, Nebenwerte. Der wichtigste Unterschied zu gestern ist die Breite: MDAX und TecDAX gewinnen rund ein Prozent, während der DAX stillsteht. Das ist die gesündere Variante einer Aufwärtsbewegung. Der Widerspruch, den man im Auge behalten sollte, steckt bei den Destillaten: Rohöl fällt den fünften Tag, Diesel und Kerosin bleiben auf Rekordniveau. Solange sich diese Schere nicht schließt, ist die Inflationsentlastung durch billigeres Öl eher eine Erzählung für die Börse als eine für den Verbraucher – das Verbrauchervertrauen der Eurozone hat das heute bestätigt. Bei der Allianz ist der Bruch der 50-Tage-Linie ohne Unternehmensnachricht ein rein charttechnisches Ereignis; solche Bewegungen kehren sich häufiger um als fundamental begründete. Keine Anlageberatung.
Teheran hat angeboten, die Straße von Hormus wieder zu öffnen, falls die USA im Gegenzug die Blockade iranischer Häfen aufheben. Marktberichte sprechen von einer möglichen Öffnung innerhalb einer Woche. Brent fiel daraufhin auf rund 99 US-Dollar, WTI auf rund 91 Dollar – der fünfte Verlusttag in Folge. Präsident Pezeshkian spricht morgen vor der UN-Vollversammlung. Zur Vorsicht mahnt der Tagesverlauf selbst: Am Morgen war in derselben Meerenge ein weiteres Schiff angegriffen worden, der Ölpreis stieg da noch. Zwischen Angebot und Umsetzung liegt in diesem Konflikt erfahrungsgemäß viel.
Trading Economics / dpa-AFX / CMC MarketsDer Nasdaq Composite schloss am Montag bei 27.122,09 Punkten und damit 2,26 Prozent höher – ein Rekordschluss; der Nasdaq 100 gewann 2,83 Prozent, der S&P 500 1,49 Prozent, der Dow 0,71 Prozent. Der größte Einzelbeitrag kam von Meta mit +11,4 Prozent, nachdem die neue KI-App „Muse" auf Platz eins der App-Store-Charts geklettert war. Dahinter die Chipwerte mit AMD und Intel um jeweils rund zehn Prozent im Plus. Heute markierte der Composite im Verlauf ein neues Intraday-Allzeithoch, kam aber nur noch 0,35 Prozent voran.
AP / TheStreet / Motley FoolDas vorläufige Verbrauchervertrauen der Eurozone sank im September auf −16,5 nach −15,5 im August und verfehlte damit die Erwartung von −16,0. Es ist der erste Rückgang nach vier Anstiegen in Folge. Die EU-Kommission nennt als Hauptgrund ausdrücklich die hohen Kraftstoffpreise. Damit ist messbar, wie der Nahostkonflikt über den Ölpreis beim europäischen Verbraucher ankommt – mit der für solche Erhebungen typischen Verzögerung. Der Indikator liegt weiterhin klar unter seinem langfristigen Durchschnitt.
EU-Kommission / dpa-AFXAlibaba legte vorbörslich rund 3,1 Prozent zu, nachdem der Konzern den bislang leistungsstärksten heimischen KI-Chip Chinas angekündigt hatte, ausdrücklich als Alternative zu Nvidia. Zwei Tage später trifft Xi Jinping in Washington ein – der erste Besuch eines chinesischen Staatspräsidenten im Weißen Haus seit über einem Jahrzehnt. Beim Staatsbankett am Donnerstag sind Sam Altman, Jensen Huang, Tim Cook, Satya Nadella und Cristiano Amon geladen. Verhandelt wird über gegenseitige Zollsenkungen auf Güter im Volumen von rund 30 Milliarden Dollar; der US-Handelsbeauftragte Greer signalisierte Bereitschaft, den im November auslaufenden Burgfrieden um drei bis sechs Monate zu verlängern.
dpa-AFX / Business Standard / Barron'sDie Allianz verlor 3,35 Prozent und war damit mit Abstand der schwächste DAX-Wert; der Kurs fiel unter die 50-Tage-Linie bei rund 439 Euro. Eine Abstufung oder Unternehmensmeldung ließ sich dafür nicht finden. Als Begründung genannt werden die zwischenzeitlich wieder gestiegenen Ölpreise und die Erwartung einer länger restriktiven US-Geldpolitik. Die Analystenziele spannen sich von 325 Euro bei Jefferies bis 495 Euro bei der DZ Bank – eine Bandbreite, die für sich spricht. Dahinter verloren Rheinmetall 1,90 Prozent im Sog der Entspannungssignale und die Deutsche Bank 1,66 Prozent.
finanznachrichten.de / finanzen.netZwei Tage nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin bleiben die Immobilienwerte unter Druck. Vonovia verlor weitere 1,66 Prozent auf 17,19 Euro und notiert damit so tief wie zuletzt im Juni 2023; Exane BNP Paribas senkte das Kursziel auf 16 Euro. TAG Immobilien und LEG gaben je knapp zwei Prozent nach. Vonovia bietet der künftigen Landesregierung Kooperation an und verweist auf Berliner Durchschnittsmieten von 8,26 Euro je Quadratmeter im Bestand gegenüber einem stadtweiten Median von 15,78 Euro; statt Enteignung schlägt der Konzern den Neubau von 1.000 Einheiten vor. Der Wettbewerber Heimstaden erklärte, sein Vertrauen in den Schutz des Eigentums bleibe ungebrochen. Branchenvertreter sehen das größte Risiko nicht im Bestand, sondern im Neubau.
Tagesspiegel / ms-aktuell / wallstreet-onlineNach dem Einbruch vom Montag infolge des Londoner Kapitalmarkttags senkten heute mehrere Häuser ihre Ziele: Deutsche Bank auf 245 dänische Kronen mit Verkaufsempfehlung, JP Morgan und Jefferies auf 260 bis 275 Kronen mit Halteempfehlung. Das Medianziel fiel auf 308,89 Kronen; 16 von 24 Analysten raten nur noch zum Halten. Kritisiert werden die Margenziele, die fehlende Klarheit zum Semaglutid-Patentablauf Anfang der 2030er Jahre und die dünne Pipeline jenseits der Abnehmpräparate. Auf Jahressicht steht die Aktie rund 34 Prozent im Minus. Gegenstimme: Ålandsbanken hält den Abverkauf für übertrieben.
wallstreet-online / dpa-AFXDer US-Autoteilehändler meldete für das vierte Geschäftsquartal ein Ergebnis je Aktie von 56,05 US-Dollar gegenüber erwarteten 54,14 Dollar, verfehlte beim Umsatz mit 6,59 Milliarden Dollar aber die erwarteten 6,71 Milliarden. Bemerkenswert ist die Zusammensetzung: Der Gewinnüberschuss stammt maßgeblich aus Zollrückerstattungen und nicht zahlungswirksamen Lagerbewertungseffekten, nicht aus dem operativen Geschäft. Gewachsen ist das US-Gewerbegeschäft mit 8,6 Prozent auf 1,91 Milliarden Dollar; für Aktienrückkäufe wurden 697,5 Millionen Dollar eingesetzt.
AutoZone / 24-7 Wall St.Mittwoch (23.09.): Der Datentag der Woche – die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für Frankreich, Deutschland, die Eurozone und Großbritannien am Vormittag, die US-Werte am Nachmittag. Dazu der OECD-Zwischenbericht zum Wirtschaftsausblick. An den Unternehmensterminen: H&M, KWS Saat, der Investor Day von McDonald's, eine Adidas-Präsentation und die Entwicklerkonferenz Meta Connect. Politisch spricht Irans Präsident Pezeshkian vor der UN-Vollversammlung. Tokio bleibt geschlossen.
Donnerstag (24.09.): Der Tag der Woche. Xi Jinping trifft in Washington ein, abends das Staatsbankett mit der US-Technologiespitze. In Deutschland das ifo-Geschäftsklima, dazu die Zinsentscheide von SNB, Riksbank und Norges Bank. Aus den USA Erstanträge, Neubauverkäufe und Leistungsbilanz, Quartalszahlen von Costco. Tokio kehrt zurück, Seoul bleibt wegen Chuseok geschlossen.
Freitag (25.09.): GfK-Konsumklima für Deutschland, Geldmenge M3 und Kreditvergabe der EZB, aus den USA der Auftragseingang für langlebige Güter und die zweite Lesung des Michigan-Verbrauchervertrauens. Seoul und Shanghai bleiben geschlossen.
Worauf es ankommt: Diese Woche entscheidet sich an zwei Verhandlungstischen, nicht an Konjunkturdaten. Wird aus dem iranischen Angebot zur Hormus-Öffnung eine Umsetzung, fällt der Ölpreis weiter und trägt Aktien wie Anleihen; scheitert es, kommt die Risikoprämie binnen Stunden zurück. Und liefert das Treffen mit Xi Jinping im Chipstreit, trägt das den Sektor, der die Rally derzeit praktisch allein stemmt. Die Einkaufsmanagerindizes am Mittwoch sind der erste harte Test, ob die Realwirtschaft mit dieser Erzählung Schritt hält – das heutige Verbrauchervertrauen spricht eher dagegen.
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