Der Datentag hat geliefert, und zwar in die falsche Richtung für die Börsen. Der US-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor stieg im September auf 58,7 nach erwarteten 56,0, die Industrie auf 57,0 statt 53,6, der Gesamtindex auf 58,4 – der höchste Stand seit 62 Monaten. In Europa fiel das Bild ähnlich: Der Composite-Index der Eurozone kletterte auf 53,1 und damit auf den höchsten Stand seit April 2023, Deutschland erreichte mit 53,8 ein Elfmonatshoch.
Die Marktreaktion war eindeutig und lehrbuchmäßig. Eine überhitzte Konjunktur bedeutet Inflationsdruck, Inflationsdruck bedeutet höhere Zinsen: Die zehnjährige US-Rendite sprang um rund sieben Basispunkte über die Fünf-Prozent-Marke auf 5,04 Prozent, die zehnjährige Bundrendite auf 3,52 Prozent. Der Markt preist inzwischen wieder rund 60 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Zinserhöhung im Oktober ein. Entscheidend ist dabei ein Detail, das in den Schlagzeilen untergeht: Laut S&P Global stiegen die Einkaufspreise der Unternehmen so stark wie seit vier Jahren nicht mehr – der höchste Stand seit Oktober 2022, getrieben von Energie- und Transportkosten. Gold brach 1,60 Prozent ein, Silber 3,47 Prozent, Platin 4,09 Prozent, der DAX rutschte von einem Tageshoch bei 25.729 auf 25.442,94 Punkte, und an der Wall Street verlor der Nasdaq 100 nach der Veröffentlichung 1,1 Prozent.
Dazu kommt die zweite Wende des Tages: Der Ölpreis ist gedreht. Nach fünf Verlusttagen in Folge liegt Brent wieder bei 101,18 US-Dollar (+1,87 Prozent), WTI bei 91,79 Dollar (+1,40 Prozent). Auslöser waren der Beschuss eines weiteren Frachters in der Straße von Hormus und die Blockade des libyschen Ölfelds El Sharara. Die Entlastung, die den Markt seit Freitag getragen hatte, ist damit binnen eines Tages zurückgenommen.
Die Nachrichtenlage bleibt dabei ausdrücklich zweiseitig. Trump sprach von einem „sehr produktiven" dreistündigen Treffen amerikanischer und iranischer Vertreter am Rande der UN-Vollversammlung; ein hoher iranischer Regierungsvertreter stellte in Aussicht, die Straße von Hormus binnen sieben Tagen zu öffnen, wenn Washington den militärischen Druck reduziert. Morgen trifft zudem Xi Jinping in Washington ein. Es sind also zwei Verhandlungen offen, und der Markt bewegt sich derzeit mit jeder einzelnen Schlagzeile.
Südkorea war erneut der starke Markt. Der Kospi gewann 63,01 Punkte bzw. 0,90 Prozent auf 7.080,92 und damit deutlich mehr als am Vortag. Getragen hat ihn wieder ein einzelner Wert: Samsung Electronics stieg 3,25 Prozent auf 285.500 Won, SK Hynix legte 1,20 Prozent auf 1,862 Millionen Won zu. Im Verlauf hatte der Index zeitweise über 7.100 Punkten gelegen und gab am Nachmittag rund die Hälfte der Gewinne ab. Rückenwind kam zusätzlich von der OECD, die ihre Wachstumsprognose für Südkorea auf 3,7 Prozent anhob.
China ging den umgekehrten Weg. Der Hang Seng verlor 215 Punkte bzw. 0,86 Prozent auf rund 24.873, nachdem Anleger nach drei Gewinntagen bei den Technologiewerten Kasse machten – Tencent −2,30 Prozent, Xiaomi −2,50 Prozent. Der Shanghai Composite gab 0,34 Prozent auf rund 3.939 nach, der CSI 300 verlor 0,50 Prozent. Belastend wirkte, dass die Vorgespräche zwischen Washington und Peking am Sonntag in New York keine Verlängerung des im November auslaufenden Zollwaffenstillstands gebracht haben.
Tokio bleibt den dritten und letzten Tag geschlossen – morgen kehrt der japanische Kassamarkt nach der „Silver Week" zurück, und zwar in ein Umfeld mit deutlich höheren Renditen und einem wieder steigenden Ölpreis als vor der Pause.
Der Dienstag war arithmetisch flach und in Wahrheit alles andere als ruhig. Der S&P 500 schloss mit 7.764,64 Punkten sechs Hundertstel unter dem Vortag – rechnerisch unverändert. Darunter lief eine handfeste Rotation: Fünf Sektoren im Plus, sechs im Minus, Grundstoffe rund zwei Prozent fester, Finanzwerte 1,9 Prozent schwächer. Der Nasdaq Composite gewann 122,19 Punkte bzw. 0,45 Prozent auf 27.244,28 und markierte damit den zweiten Rekordschluss in Folge; der Nasdaq 100 stieg 250,05 Punkte bzw. 0,82 Prozent auf 30.732,40 und erreichte erstmals seit Juni wieder ein Rekordhoch. Der Dow verlor 185,14 Punkte bzw. 0,36 Prozent auf 51.863,69.
Die Halbleiter trugen den Tag – der Philadelphia Semiconductor Index gewann rund zwei Prozent, Micron etwa fünf, SanDisk 6,29 Prozent. Die größte Einzelbewegung kam aus der Biotechnologie: Viking Therapeutics sprang 31,55 Prozent, nachdem eine Adipositas-Studie 22 Prozent Gewichtsverlust gezeigt hatte – eine Nachricht, die zugleich den Druck auf die etablierten Anbieter von Abnehmpräparaten erhöht. Ebenfalls fest: Lennar +5,29 Prozent, AutoZone rund +5 Prozent nach den Quartalszahlen. Auf der Verliererseite standen Expedia mit −22,59 Prozent, Medpace mit −21,82 Prozent sowie die Banken mit Charles Schwab (−5,70 Prozent) und JPMorgan (−3,35 Prozent), die bereits unter dem beginnenden Renditeanstieg litten.
(a) Verlauf – ein Tag, der von oben nach unten lief: Der DAX eröffnete bei 25.724,13 Punkten, nahm damit das Vortageshoch ins Visier und fiel danach über den gesamten Tag zurück. Kurz vor dem Xetra-Schluss standen um 17:28 Uhr 25.442,94 Punkte, 135,91 Punkte bzw. 0,53 Prozent unter dem Dienstagsschluss von 25.578,85; die Tagesspanne reicht von 25.365,21 bis 25.729,05. Der MDAX verlor rund 0,8 Prozent auf etwa 31.284, der Euro Stoxx 50 zwischen 0,2 und 0,4 Prozent. Zur Klarstellung in eigener Sache: Der amtliche Xetra-Schluss vom Dienstag lautet 25.578,85 und nicht die 25.600,01, die uns der Agenturbericht gestern nannte; alle heutigen Prozentwerte beziehen sich auf den korrigierten Wert.
Zwei Gründe für die Schwäche, und beide sind Zinsgründe. Erstens der Ölpreis, der nach fünf Verlusttagen wieder über 100 Dollar gestiegen ist – der DAX hängt seit Tagen am Gängelband des Ölpreises. Zweitens die starken Einkaufsmanagerindizes, die zwar für die Konjunktur gute Nachrichten sind, aber die Renditen nach oben treiben. Hinzu kommt ein hausgemachter Faktor: Marktbeobachter verweisen darauf, dass internationale Investoren deutsche Aktien derzeit wegen der politischen Unsicherheit nach den Landtagswahlen meiden.
(b) Gewinner und Verlierer (Stand 16:20 Uhr): Vorn lagen SAP mit +2,17 Prozent, Rheinmetall mit +2,02 Prozent – die Rüstungswerte holen zurück, was sie gestern bei der Entspannungshoffnung verloren hatten – und MTU Aero Engines mit +1,42 Prozent. Am Ende des Index standen Scout24 mit −4,02 Prozent, die Allianz mit −3,56 Prozent und Mercedes-Benz mit −2,89 Prozent. Für die Allianz ist es der zweite schwache Tag in Folge nach −3,35 Prozent am Dienstag, und wieder ohne auffindbare Unternehmensnachricht; die deutschen Finanzwerte leiden insgesamt, während die Schweizer Banken nach strengeren Kapitalanforderungen sogar zulegten.
(c) Weitere Meldungen: Die stärksten Bewegungen fanden in der zweiten und dritten Reihe statt. Secunet sprang rund 16 Prozent nach einem Bericht, der Bund wolle seine militärischen Kommunikationsnetze für 1,7 Milliarden Euro mit Verschlüsselungstechnik modernisieren. LPKF gewann rund 12 Prozent nach einem Großauftrag eines asiatischen Halbleiter-Packaging-Herstellers, ams-OSRAM rund 9 Prozent nach einer Kurszielanhebung durch Jefferies. Auf der anderen Seite verlor KWS Saat 9 bis 10 Prozent nach verfehlten Jahreszahlen, Siltronic 3 bis 5 Prozent, weil Wacker Chemie die Beteiligung reduziert. In Wien legte die Raiffeisen Bank International 2,6 Prozent zu, nachdem ein Wiener Gericht ihr rund 3,15 Milliarden Euro Schadenersatz zugesprochen hatte.
(d) Devisen und Anleihen: Der Euro gab auf rund 1,1415 bis 1,1427 US-Dollar nach, USD/JPY stieg auf 157,54. Die zehnjährige US-Rendite sprang um rund 7 Basispunkte auf 5,04 Prozent und damit erstmals seit der Vorwoche wieder über die Fünf-Prozent-Marke, die dreißigjährige auf 5,35 Prozent. Die zehnjährige Bundrendite legte rund 7 Basispunkte auf 3,52 Prozent zu. EZB-Chefvolkswirt Lane warnte, die Energiepreise könnten die Inflation länger hoch halten; der Markt preist bis Dezember eine weitere Anhebung ein.
Die Wall Street ist eingeknickt – und zwar nach den Konjunkturdaten, nicht davor. Drei Minuten nach Handelsbeginn lagen S&P 500, Nasdaq Composite und Dow nur zwischen 0,10 und 0,30 Prozent im Minus, der Russell 2000 sogar 0,51 Prozent im Plus. Um 15:46 Uhr MESZ kamen die amerikanischen Einkaufsmanagerindizes, und das Bild drehte deutlich.
Um 17:09 Uhr MESZ stand der Nasdaq Composite bei 27.027,01 Punkten und damit 217,27 Punkte bzw. 0,80 Prozent im Minus. Vier Minuten später meldeten die Agenturen den Nasdaq 100 mit rund 30.402 Punkten (−1,1 Prozent) als schwächsten Index, den S&P 500 bei rund 7.720 Punkten (−0,6 Prozent) und den Dow Jones bei rund 51.742 Punkten (−0,2 Prozent). Die Rangfolge ist damit exakt umgekehrt zum Dienstag: Was am Vortag die Rekorde getragen hat, verliert heute am meisten. Nur Indexstände, keine Einzelwerte.
Die Mechanik ist dieselbe wie in Europa, nur schärfer. Die Agenturen nennen als Grund ausdrücklich die wieder steigenden Ölpreise, die als Stütze weggefallen sind; dazu kommt der Sprung der zehnjährigen Rendite über fünf Prozent. Wachstumswerte sind die zinssensitivste Gruppe des Marktes – deshalb trifft es den Nasdaq 100 fünfmal so hart wie den Dow.
Bei den Einzelwerten führte IonQ mit +11,35 Prozent nach einem Durchbruch bei der Quanten-Fehlerkorrektur, gefolgt von Worthington Enterprises mit rund +16 Prozent und Cracker Barrel mit +7,88 Prozent, beide nach Quartalszahlen über Erwartung. KB Home verlor rund 3 Prozent: Der Gewinn lag über der Erwartung, der Ausblick wegen der hohen Hypothekenzinsen aber nicht.
Die Verlustserie beim Öl ist nach fünf Tagen gerissen. Brent stieg um 1,86 Dollar bzw. 1,87 Prozent auf 101,18 US-Dollar – im Tagesverlauf lag der Preis zeitweise über 101,40 Dollar –, WTI um 1,27 Dollar bzw. 1,40 Prozent auf 91,79 Dollar. Der Tag begann noch schwächer – am Vormittag notierte Brent bei rund 98 Dollar –, drehte dann aber klar nach oben. Zwei Meldungen stehen dahinter: In der Straße von Hormus wurde erneut ein Frachter beschossen, und in Libyen wurde das Ölfeld El Sharara blockiert, das rund ein Drittel der libyschen Förderung ausmacht. Gegenläufig wirkt, dass Saudi-Arabien über die wieder angefahrene Ost-West-Pipeline seine Exporte am Roten Meer binnen Stunden hochfahren kann.
Am Nachmittag kam die Rede, auf die der Markt gewartet hatte – und sie war kämpferisch. Irans Präsident Pezeshkian erklärte vor der UN-Vollversammlung, sein Land werde sich Trump nicht beugen: „Wir haben uns nur verteidigt. Wir sind keine Terroristen." Er warf den USA und Israel den Angriff auf sein Land vor, verwies auf über 150 getötete Schulkinder in den ersten Kriegstagen und bekräftigte, Teheran strebe Kernenergie an, keine Bombe. Eine konkrete Zusage zur Straße von Hormus enthielt die Rede nicht. Das ist der Grund, warum der Ölpreis heute steigt, obwohl gestern noch von einer Öffnung „binnen sieben Tagen" die Rede war.
Bei den Edelmetallen war der Tag brutal. Gold verlor 69,90 Dollar bzw. 1,60 Prozent auf 4.287,10 Dollar, Silber 2,32 Dollar bzw. 3,47 Prozent auf 64,60 Dollar, Platin 75,00 Dollar bzw. 4,09 Prozent auf 1.757,00 Dollar. Der Auslöser ist eindeutig und wird von den Handelsplätzen auch so benannt: die amerikanischen Einkaufsmanagerindizes. Eine stärker als erwartete Konjunktur heißt höhere Zinsen, und höhere Zinsen sind für zinslose Metalle das schlechteste denkbare Umfeld.
Bemerkenswert ist die Gleichzeitigkeit. Öl steigt wegen der Geopolitik, Gold fällt wegen der Konjunktur – beides an einem Tag, obwohl beide Anlagen normalerweise gemeinsam auf die Nahost-Lage reagieren. Wer die Kriegsprämie für den entscheidenden Treiber hält, bekommt heute ein Gegenbeispiel: Der Zins schlägt die Geopolitik, jedenfalls beim Metall. Bei Platin kommt hinzu, dass es als Industriemetall mit 4,1 Prozent am stärksten verliert, obwohl es gestern noch als einziges Edelmetall zugelegt hatte.
| Datum | Ereignis | Ist | Erwartung | Vorher |
|---|---|---|---|---|
| Mi 23.09. | USA · S&P Global Composite PMI, vorläufig ★ Hohe Relevanz | 58,4 | — | 56,0 |
| Mi 23.09. | USA · Dienstleistungs-PMI ★ Hohe Relevanz | 58,7 | 56,0 | 56,5 |
| Mi 23.09. | USA · Industrie-PMI ★ Hohe Relevanz | 57,0 | 53,6 | 53,9 |
| Mi 23.09. | Eurozone · Composite PMI ★ Hohe Relevanz | 53,1 | 51,5 | 52,0 |
| Mi 23.09. | Deutschland · Composite PMI ★ Hohe Relevanz | 53,8 | — | 51,8 |
| Mi 23.09. | Deutschland · Dienstleistungs-PMI | 52,9 | — | 49,7 |
| Mi 23.09. | Deutschland · Industrie-PMI | 53,8 | 54,5 | 54,3 |
| Mi 23.09. | Frankreich · Dienstleistungs-PMI | 51,4 | 48,3 | 48,0 |
| Mi 23.09. | Frankreich · Industrie-PMI | 50,3 | 50,9 | — |
| Mi 23.09. | Großbritannien · Composite PMI | 51,7 | 52,0 | 52,5 |
| Do 24.09. | ifo-Geschäftsklima · SNB · Riksbank · Norges Bank ★ Hohe Relevanz | — | — | — |
| Do 24.09. | US Erstanträge · Neubauverkäufe · Leistungsbilanz · Costco Q4 | — | — | — |
| Fr 25.09. | GfK-Konsumklima DE · EZB-Geldmenge M3 · US langlebige Güter | — | — | — |
Das ist der wichtigste Datensatz seit Wochen – und er hat zwei Seiten. Die USA erreichen mit einem Composite von 58,4 den höchsten Stand seit 62 Monaten, die Dienstleistungen mit 58,7 den höchsten seit 59 Monaten, die Industrie mit 57,0 den höchsten seit 53 Monaten; alle drei Teilindizes liegen deutlich über der Erwartung. Die zweite Seite steht im Kleingedruckten und erklärt die Marktreaktion besser als der Wachstumswert: Laut S&P Global stiegen die Einkaufspreise der Unternehmen im September so stark wie seit vier Jahren nicht mehr, die Inflation der Inputpreise erreichte den höchsten Stand seit Oktober 2022 – getrieben von Energie- und Transportkosten. Chefvolkswirt Chris Williamson verweist zudem auf wachsende Auftragsrückstände, durch die Unternehmen „mehr Preissetzungsmacht entwickeln", und nennt das ausdrücklich eine „Sorge für den Inflationsausblick". Es sind also nicht die guten Wachstumszahlen, die die Renditen treiben, sondern die Preiskomponente darin. In Deutschland kehrt der Dienstleistungssektor nach fünf Monaten des Rückgangs mit 52,9 in den Wachstumsbereich zurück, der Gesamtindex springt um zwei volle Punkte auf ein Elfmonatshoch, und die Beschäftigung steigt den zweiten Monat in Folge. Einziger Wermutstropfen: Die deutsche Industrie verfehlt mit 53,8 als einziger Wert die Erwartung. Am auffälligsten ist Frankreich, wo die Dienstleister mit 51,4 statt der erwarteten 48,3 aus der Schrumpfung herauskommen. Die OECD hat parallel ihren Zwischenbericht vorgelegt und die Weltwachstumsprognose für 2026 auf 2,9 Prozent angehoben, Deutschland von 0,7 auf 1,1 Prozent, die Eurozone auf 1,0 und die USA auf 2,2 Prozent. Die Begründung ist bemerkenswert: Die Weltwirtschaft habe den Energieschock aus dem Nahostkonflikt besser verkraftet als erwartet. Die Warnung der OECD passt allerdings exakt zur heutigen Marktreaktion – die steigenden Anleiherenditen erforderten „mehr denn je" Ausgabendisziplin.
Die Börse Tokio ist heute den dritten und letzten Tag geschlossen und kehrt morgen aus der „Silver Week" zurück. Unmittelbar danach reißt die nächste Lücke auf: Seoul handelt wegen des Chuseok-Festes am Donnerstag und Freitag nicht, Shanghai bleibt am Freitag geschlossen. Deutschland, Großbritannien, Frankreich, die Schweiz und die USA handeln durchgehend.
Wichtiger als diese Woche ist die kommende: Shanghai schließt zur „Golden Week" nicht nur am 1. und 2. Oktober, sondern vom 1. bis einschließlich 7. Oktober, Hongkong am 1. Oktober, Seoul am 5. und zusätzlich am 9. Oktober. Der chinesische Markt fällt also für eine volle Handelswoche aus – unmittelbar nach dem Trump-Xi-Gipfel und damit genau in der Phase, in der dessen Ergebnisse verarbeitet werden müssten.
KWS Saat lieferte die schlechteste Zahl des Tages. Der Saatguthersteller meldete für das Geschäftsjahr 2025/26 ein EBITDA von 343,1 Millionen Euro und damit 2,1 Prozent weniger als im Vorjahr; Umsatz und operatives Ergebnis blieben unter den Analystenerwartungen. Die Aktie verlor 9 bis 10 Prozent. Ebenfalls heute veröffentlichte Bosch seine Halbjahreszahlen.
McDonald's hat auf seinem Investor Day in Chicago die Strategie „McDonald's > NEXT" vorgestellt, mit Finanzzielen bis 2030 und dem erklärten Schwerpunkt, die Wachstumsdynamik im amerikanischen Heimatmarkt zurückzugewinnen. Der Druck ist erheblich: Die Aktie notiert mit einem Xetra-Schluss von 216,70 Euro nur knapp über ihrem Zweiundfünfzig-Wochen-Tief von 215,00 Euro und liegt seit Jahresbeginn rund 17 Prozent im Minus. RBC Capital Markets senkte das Kursziel im Vorfeld von 295 auf 290 Dollar.
Der Termin des Abends ist die Entwicklerkonferenz Meta Connect, deren Keynote um 19:00 Uhr MESZ und damit nach Redaktionsschluss beginnt. Erwartet werden kameralose Smart Glasses, Aktualisierungen der Ray-Ban-Meta-Brille und das Headset „Phoenix". Die Erwartungshaltung ist hoch: Die Aktie war am Montag um 11 bis 12 Prozent gesprungen – der stärkste Tag seit April 2025 –, nachdem der KI-Agent „Muse" 2,8 Millionen Downloads in zwölf Tagen erreicht und Platz eins im App Store belegt hatte. Adidas hielt zudem seine Investoren- und Analystenpräsentation „Home of Innovation" ab.
Für den Chipsektor ist morgen der entscheidende Tag. Nvidias eigene Prognose unterstellt bislang keinerlei Verkäufe von Rechenzentrumschips nach China – genau das könnte sich beim Treffen zwischen Trump und Xi Jinping ändern, an dessen Staatsbankett Jensen Huang teilnimmt. Micron legt seine Zahlen am 30. September vor.
Live-Kurse (Crypto.com, Stand 16:21 Uhr MESZ): Nach der Pause vom Dienstag dreht der Kryptomarkt nun klar nach unten. Ethereum verliert 3,02 Prozent auf 2.664,60 $, Solana 2,84 Prozent auf 113,99 $, Bitcoin 1,86 Prozent auf 84.548 $. Bitcoin hatte in den vergangenen 24 Stunden noch 87.287 Dollar erreicht und damit den höchsten Stand seit Januar – davon sind über 3.000 Dollar wieder abgegeben.
Die Erklärung steht im Anleihemarkt. Die zehnjährige US-Rendite ist über fünf Prozent gesprungen, und Krypto reagiert auf Zinsen ebenso empfindlich wie Gold – das heute 1,6 Prozent verloren hat. Beide Anlageklassen werfen keinen Ertrag ab, beide verlieren an Attraktivität, sobald risikoarme Alternativen über fünf Prozent bieten. Der Rückenwind der vergangenen drei Tage kam genau aus der Gegenrichtung, nämlich aus fallenden Renditen; damit ist die Grundlage der Bewegung vorerst entfallen.
| Sektor | Bewertung | Momentum |
|---|---|---|
| Halbleiter | teuer | stark (Philadelphia-Index +2 % am Dienstag) |
| Software / Unternehmens-IT | fair | fest (SAP +2,17 %, stärkster DAX-Wert) |
| Rüstung | teuer | dreht wieder nach oben (Rheinmetall +2,02 %) |
| Energie / Öl | fair | Verlustserie gerissen (Brent +1,87 %) |
| Edelmetalle | teuer | Einbruch (Gold −1,6 %, Platin −4,1 %) |
| Krypto | teuer | dreht mit den Renditen (BTC −1,9 %, ETH −3,0 %) |
| Versicherungen | fair | zweiter Einbruchstag (Allianz −3,56 %) |
| Banken / Finanzen | günstig | schwach (US-Finanzsektor −1,9 % am Dienstag) |
| Automobil | günstig | schwach (Mercedes-Benz −2,89 %) |
| Immobilien / Bau | günstig | Renditesprung über 5 % belastet |
| Anleihen (Duration) | günstig | US 10J über 5 %, Bund 3,52 % |
| Nebenwerte (SDAX/Russell) | günstig | stark (Secunet +16 %, Russell 2000 +0,5 %) |
Zur Orientierung: Heute liefert der Markt ein Lehrbuchbeispiel dafür, dass gute Konjunkturdaten schlechte Börsennachrichten sein können. Alle drei amerikanischen Einkaufsmanagerindizes übertreffen die Erwartung deutlich, der Composite erreicht den höchsten Stand seit 62 Monaten – und die Folge ist ein Renditesprung über fünf Prozent, der Gold, Krypto, Immobilien und Banken gleichzeitig trifft. Der eigentliche Auslöser steckt dabei nicht im Wachstum, sondern in den Einkaufspreisen der Unternehmen, die so stark gestiegen sind wie seit vier Jahren nicht mehr. Der interessanteste Widerspruch des Tages sitzt zwischen Öl und Gold: Öl steigt wegen eines Frachterbeschusses in der Straße von Hormus, Gold fällt trotzdem um 1,6 Prozent. Normalerweise bewegen beide sich bei Nahost-Nachrichten in dieselbe Richtung. Dass sie es heute nicht tun, zeigt, wie stark der Zinsfaktor derzeit dominiert. Bei der Allianz bleibt die Lage rätselhaft: zweiter Tag mit über drei Prozent Minus, und weiterhin keine auffindbare Unternehmensnachricht. Auffällig ist die Breite bei den deutschen Nebenwerten – Secunet plus 16, LPKF plus 12 Prozent. In den USA hatte der Russell 2000 zur Eröffnung ebenfalls vorn gelegen, bevor die Zahlen kamen; nach der Veröffentlichung traf es die zinssensitiven Wachstumswerte am härtesten, der Nasdaq 100 verlor 1,1 Prozent gegen 0,2 Prozent beim Dow. Keine Anlageberatung.
Der vorläufige S&P-Global-Composite für die USA stieg im September auf 58,4 nach 56,0 im August – der höchste Stand seit 62 Monaten. Die Dienstleistungen kamen auf 58,7 statt erwarteter 56,0 (Vormonat 56,5), die Industrie auf 57,0 statt 53,6 (Vormonat 53,9). Alle drei Werte übertrafen die Erwartung deutlich. Entscheidend für die Märkte war jedoch die Preiskomponente: Die Einkaufspreise der Unternehmen stiegen so stark wie seit vier Jahren nicht mehr, die Inputpreisinflation erreichte den höchsten Stand seit Oktober 2022. Die Reaktion an den Märkten kam binnen Minuten: Die zehnjährige US-Rendite sprang um rund sieben Basispunkte auf 5,04 Prozent, der Markt preist nun rund 60 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Erhöhung im Oktober ein, und Gold verlor 1,6 Prozent. Für die Konjunktur ist das eine gute Nachricht, für die Bewertung von Aktien und zinslosen Anlagen nicht.
S&P Global / Kitco / Trading EconomicsDer Composite-Index der Eurozone stieg auf 53,1 nach 52,0 und über die erwarteten 51,5 – das stärkste Wachstumstempo seit April 2023. In Deutschland kletterte der Gesamtindex um zwei volle Punkte auf 53,8 und damit auf ein Elfmonatshoch; der Dienstleistungssektor kehrte mit 52,9 nach fünf Rückgangsmonaten in den Wachstumsbereich zurück, und die Beschäftigung stieg den zweiten Monat in Folge. Einzig die deutsche Industrie verfehlte mit 53,8 die Erwartung von 54,5. Auch Frankreich überraschte: Die Dienstleister kamen auf 51,4 statt erwarteter 48,3 und verließen damit die Schrumpfungszone.
HCOB / S&P Global / dpa-AFXDie Talfahrt ist beendet: Brent stieg 1,87 Prozent auf 101,18 US-Dollar, WTI 1,40 Prozent auf 91,79 Dollar. Zwei Ereignisse stehen dahinter – in der Straße von Hormus wurde erneut ein Frachter beschossen, und in Libyen ist das Ölfeld El Sharara blockiert, das rund ein Drittel der Landesförderung stellt. Am Vormittag hatte Brent noch bei rund 98 Dollar notiert. Gegenläufig wirkt die wieder angefahrene saudische Ost-West-Pipeline, über die das Königreich seine Exporte am Roten Meer binnen Stunden hochfahren kann. Die amerikanischen Rohölbestände stiegen um 2,969 Millionen Barrel und damit stärker als erwartet – was den Preisanstieg eigentlich dämpfen müsste und zeigt, wie klar die Geopolitik hier die Angebotsdaten überlagert.
Trading Economics / oilprice.comAm Rande der UN-Vollversammlung trafen sich amerikanische und iranische Vertreter drei Stunden lang; Trump sprach anschließend von einem „sehr produktiven" Gespräch und erklärte, eine Einigung nähere sich – möglicherweise nach den Zwischenwahlen im November. Ein hoher iranischer Regierungsvertreter stellte in Aussicht, die Straße von Hormus binnen sieben Tagen zu öffnen, wenn die USA den militärischen Druck reduzieren, die Blockade iranischer Häfen aufheben und einem Verhandlungsfahrplan zustimmen. Irans Außenministerium betonte zugleich, es seien keine Vorbedingungen fallengelassen worden. Am Nachmittag setzte Präsident Pezeshkian vor der Vollversammlung einen deutlich schärferen Ton: Sein Land werde sich Trump nicht beugen, „wir haben uns nur verteidigt, wir sind keine Terroristen"; er warf den USA und Israel den Angriff vor und bekräftigte, Teheran strebe Kernenergie an, keine Bombe. Eine Zusage zur Straße von Hormus machte er nicht. Das letzte direkte Treffen beider Seiten lag im Juli; das damalige Interimsabkommen scheiterte wenige Wochen nach der Unterzeichnung.
CNBC / KSL / dpa-AFXDie OECD hat in ihrem Zwischenbericht die Prognose für das Weltwirtschaftswachstum 2026 um 0,1 Punkte auf 2,9 Prozent angehoben, die USA auf 2,2, die Eurozone auf 1,0, Japan auf 0,8 und Deutschland von 0,7 auf 1,1 Prozent; China bleibt bei 4,5, Südkorea steigt auf 3,7 Prozent. Die Begründung ist bemerkenswert: Die Weltwirtschaft habe den Energieschock aus dem Nahostkonflikt besser verkraftet als erwartet – dank Ölreserven, alternativer Lieferanten am Golf, staatlicher Stützung und fester Aktienmärkte. Die Warnung der Organisation passt allerdings exakt zum heutigen Handelstag: Die steigenden Anleiherenditen erforderten „mehr denn je" Ausgabendisziplin.
OECD / EuronewsDer Nasdaq Composite schloss am Dienstag 0,45 Prozent höher bei 27.244,28 Punkten – der zweite Rekordschluss hintereinander; der Nasdaq 100 erreichte mit 30.732,40 erstmals seit Juni ein Rekordhoch. Der S&P 500 blieb mit 7.764,64 Punkten rechnerisch unverändert, der Dow verlor 0,36 Prozent. Unter der flachen Oberfläche lief eine Rotation: Grundstoffe rund zwei Prozent im Plus, Finanzwerte 1,9 Prozent im Minus. Die größte Einzelbewegung kam von Viking Therapeutics mit +31,55 Prozent nach einer Adipositas-Studie mit 22 Prozent Gewichtsverlust – eine Nachricht, die den Wettbewerbsdruck im Markt für Abnehmpräparate weiter erhöht.
Business Standard / Yahoo Finance / dpa-AFXNach dem Wahlsieg der Linken in Berlin macht die Partei die Umsetzung des Volksentscheids von 2021 zur Koalitionsbedingung; im Fokus stehen rund 130.000 Wohnungen. Bundeskanzler Merz drängt nun auf ein Bundesgesetz, das Vergesellschaftungsgesetze auf Landesebene dauerhaft unterbinden soll – Analysten verweisen darauf, dass das Immobilienrecht im Wesentlichen Bundeszuständigkeit ist und eine Vergesellschaftung damit auf erhebliche rechtliche Hürden stieße. Vonovia war am Dienstag auf den tiefsten Stand seit Sommer 2023 gefallen und liegt im Jahresverlauf rund 34 Prozent im Minus; Exane BNP Paribas senkte das Kursziel von 19 auf 16 Euro. Marktbeobachter führen die relative Schwäche deutscher Aktien insgesamt auf die politische Unsicherheit zurück.
boersennews / dpa / ConsorsbankAuf dem Investor Day in Chicago hat McDonald's die Strategie „McDonald's > NEXT" mit Finanzzielen bis 2030 vorgestellt. Schwerpunkt ist die Rückgewinnung der Wachstumsdynamik im amerikanischen Heimatmarkt, flankiert von internationaler Expansion. Der Handlungsdruck ist sichtbar: Die Aktie notiert bei einem Xetra-Schluss von 216,70 Euro nur knapp über dem Zweiundfünfzig-Wochen-Tief von 215,00 Euro und liegt seit Jahresbeginn rund 17 Prozent im Minus. RBC Capital Markets hatte das Kursziel im Vorfeld von 295 auf 290 Dollar gesenkt. Am Abend folgt mit der Keynote von Meta Connect um 19:00 Uhr MESZ der zweite große Unternehmenstermin des Tages.
McDonald's / RBC / Börse ExpressHeute Abend (23.09.): Keynote der Entwicklerkonferenz Meta Connect um 19:00 Uhr MESZ – erwartet werden kameralose Smart Glasses, Ray-Ban-Meta-Updates und das Headset „Phoenix". Die Erwartungshaltung ist nach dem Kurssprung von 11 bis 12 Prozent am Montag hoch. Die mit Spannung erwartete Rede von Irans Präsident Pezeshkian vor der UN-Vollversammlung ist am Nachmittag bereits gehalten worden – kämpferisch und ohne Zusage zur Straße von Hormus.
Donnerstag (24.09.): Der Tag der Woche. Xi Jinping trifft mit Donald Trump zusammen, abends das Staatsbankett mit Satya Nadella, Jensen Huang, Sam Altman, Sundar Pichai, Tim Cook, Elon Musk, Jeff Bezos und Michael Dell. Themen sind Zölle, seltene Erden, KI und Chip-Exportbeschränkungen. In Deutschland das ifo-Geschäftsklima, dazu die Zinsentscheide von SNB, Riksbank und Norges Bank. Aus den USA Erstanträge, Neubauverkäufe und Leistungsbilanz sowie die Quartalszahlen von Costco. Tokio kehrt aus der Silver Week zurück, Seoul bleibt wegen Chuseok geschlossen.
Freitag (25.09.): GfK-Konsumklima für Deutschland, Geldmenge M3 und Kreditvergabe der EZB, aus den USA der Auftragseingang für langlebige Güter und die zweite Lesung des Michigan-Verbrauchervertrauens. Seoul und Shanghai bleiben geschlossen.
Worauf es ankommt: Die heutigen Zahlen haben die Zinsfrage zurück auf den Tisch gelegt. Wenn das ifo-Geschäftsklima morgen die Linie der Einkaufsmanagerindizes bestätigt, ist die Konjunkturerholung in Europa belegt – und zugleich das Argument für weiter steigende Renditen. Der zweite Faden ist das Treffen mit Xi Jinping: Eine Einigung im Chipstreit wäre für Nvidia und den gesamten Halbleitersektor ein erheblicher Zusatzertrag, denn dessen Prognosen unterstellen bislang keinerlei Verkäufe nach China. Und drittens bleibt der Ölpreis, der heute gezeigt hat, wie schnell fünf Tage Entspannung an einem einzigen Vormittag zurückgenommen werden können.
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