Es ist ein weltweiter Anleiheausverkauf, und er hat heute gleich drei Rekordmarken gerissen. Die dreißigjährige US-Rendite stieg auf 5,438 Prozent – den höchsten Stand seit 2004. Die zehnjährige Bundrendite kletterte auf 3,57 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Mitte 2009. Und in Japan sprang die zehnjährige Rendite um zehn Basispunkte auf 3,087 Prozent – so hoch wie zuletzt im August 1996. Die zehnjährige US-Rendite hält sich mit 5,14 Prozent klar über der Fünf-Prozent-Marke.
Der Auslöser kommt vom Ölmarkt. Brent sprang um 4,02 Dollar bzw. 3,90 Prozent auf 107,10 US-Dollar, WTI um 3,56 Dollar bzw. 3,87 Prozent auf 95,72 Dollar. In Libyen hat eine bewaffnete Gruppe das Ventil der Pipeline vom größten Ölfeld des Landes geschlossen – die Förderung von El Sharara ist von rund 340.000 auf etwa 120.000 Barrel je Tag eingebrochen. Dazu erwägt die US-Regierung, Dieselexporte zu beschränken. Beides treibt die Inflationserwartung, und die treibt die Renditen.
Der eigentlich erwartete Tagesordnungspunkt ging darin unter. Xi Jinping wurde heute mit militärischen Ehren im Weißen Haus empfangen – der erste Staatsbesuch eines chinesischen Präsidenten dort seit 2015. Finanzminister Bessent gab bereits bei der Ankunft bekannt, dass der Zollwaffenstillstand vom 10. November auf den 10. Januar 2027 verlängert wird. Die Märkte quittierten es mit einem Achselzucken: Die Verlängerung war eingepreist, und zu den eigentlichen Streitpunkten – Chip-Exportkontrollen, seltene Erden, Taiwan – gibt es bislang nichts.
Die Folge ist eine klassische Flucht in die Defensive. Der DAX fiel bis auf 25.164 Punkte und erholte sich am Nachmittag auf 25.259,95 (−0,59 Prozent); im Index führten Beiersdorf, Münchener Rück und Hannover Rück, während Infineon 4,22 Prozent verlor. In den USA geben alle vier Leitindizes nach. Und das an einem Tag, an dem das ifo-Geschäftsklima zum fünften Mal in Folge gestiegen ist – auf den höchsten Stand seit über drei Jahren.
Tokio ist nach drei Feiertagen zurück – und hat die Rally nachgeholt, die es verpasst hatte. Der Nikkei 225 gewann 846,69 Punkte bzw. 1,30 Prozent auf 65.865,64 gegenüber dem letzten Schluss vom 18. September. Er eröffnete bei 65.476,44, stieg im Tageshoch auf 66.249,11 und gab die Marke von 66.000 durch Gewinnmitnahmen wieder ab. Der Grund liegt in der Zwischenzeit: Während der japanische Kassamarkt geschlossen war, legte der Philadelphia Semiconductor Index um 8,06 Prozent zu. Entsprechend trugen Advantest und Tokyo Electron den Großteil des Indexgewinns, dazu Ibiden mit rund 14,6 Prozent, Socionext, Renesas und Kioxia.
Der Topix erzählt allerdings eine andere Geschichte. Er verlor 15,84 Punkte bzw. 0,39 Prozent auf 4.075,30 – das ist die schärfste denkbare Illustration dafür, wie schmal diese Rally war. Der Nikkei ist kursgewichtet und wird von einer Handvoll teurer Technologiewerte dominiert; der breite Topix zeigt, dass Value- und Finanzwerte unter Druck standen. Der Grund dafür steht im Anleihemarkt: Die zehnjährige japanische Rendite sprang auf ein Dreißigjahreshoch, und der Yen notiert trotz der Zinserhöhung der Bank of Japan auf 1,25 Prozent bei rund 158 je Dollar und tendiert Richtung 160.
China gab nach. Der Hang Seng verlor rund 72 Punkte bzw. 0,29 Prozent auf etwa 24.761, der Shanghai Composite 1,22 Prozent auf rund 3.888, der Shenzhen Component sogar 2,34 Prozent. Anleger wogen das Ergebnis des Trump-Xi-Treffens ab und fanden es dünn. Gefragt waren die Energiewerte im Sog des Ölpreises – PetroChina +2,8 Prozent, CNOOC +2,1 Prozent –, während CATL mit 3,6 Prozent der größte Verlierer war. Seoul blieb wegen des Chuseok-Festes geschlossen und bleibt es auch morgen.
Der Mittwoch endete schwächer, als er am Nachmittag ausgesehen hatte. Im gestrigen Bericht standen hier die Stände von 17:09 und 17:13 Uhr MESZ. Bis zum Schluss bauten alle vier Indizes ihre Verluste aus: Der S&P 500 verlor 58,61 Punkte bzw. 0,75 Prozent auf 7.706,03, der Nasdaq Composite 308,24 Punkte bzw. 1,13 Prozent auf 26.936,04, der Nasdaq 100 279,28 Punkte bzw. 0,91 Prozent auf 30.453,12 und der Dow 352,10 Punkte bzw. 0,68 Prozent auf 51.511,59. Am härtesten traf es die zweite Reihe: Der Russell 2000 gab 51,25 Punkte bzw. 1,77 Prozent auf 2.838,66 ab.
Der Grund war der Renditesprung. Die zehnjährige Rendite kletterte auf 5,11 bis 5,13 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2007; die fünfjährige überschritt erstmals seit 2007 die Fünf-Prozent-Marke. Entsprechend litten die zinssensitiven Gruppen am stärksten – Versorger und Immobilienwerte –, während Energiewerte zulegten. Über 51 Prozent der Werte im S&P 500 notieren inzwischen unter ihrer 200-Tage-Linie. Die größte Einzelbewegung kam von Oracle mit rund 6,4 Prozent Minus. Gegen den Trend legte Meta 2,12 Prozent auf ein Plus von 15,64 Dollar zu – am Tag der Entwicklerkonferenz Connect. Nvidia verlor 1,47 Prozent auf 225,51 Dollar bei einer Börsenbewertung von 5,445 Billionen Dollar.
(a) Verlauf – der Tiefpunkt lag am Vormittag: Der DAX eröffnete 0,58 Prozent schwächer, rutschte gegen 10:44 Uhr auf das Tagestief von 25.164,20 Punkten und arbeitete sich danach zurück. Um 17:20 Uhr standen 25.259,95 Punkte, 150,68 Punkte bzw. 0,59 Prozent unter dem Mittwochsschluss von 25.410,63; die Tagesspanne reicht bis 25.424,21. Der MDAX verlor deutlich mehr: 419,69 Punkte bzw. 1,34 Prozent auf 30.796,08, der Euro Stoxx 50 0,46 Prozent auf 6.270,63. Dass die zweite Reihe mehr als doppelt so stark nachgibt wie der Leitindex, ist das Kennzeichen eines Zinstages: Nebenwerte sind höher verschuldet und binnenkonjunkturell empfindlicher.
(b) Eine lehrbuchmäßige Defensivrotation: Vorn lagen Beiersdorf mit +2,79 Prozent, die Münchener Rück mit +1,99 Prozent und die Hannover Rück mit +1,74 Prozent – Konsumgüter und Rückversicherer, also genau die Gruppen, in die Anleger bei Zinsstress gehen. Am anderen Ende standen Infineon mit −4,22 Prozent, Rheinmetall mit −3,39 Prozent und Scout24 mit −3,04 Prozent. Infineon litt unter der anhaltenden Schwäche der Halbleiterwerte rund um den Trump-Xi-Gipfel. Die Autowerte gerieten erneut unter Druck – BMW rund 3 Prozent, Volkswagen und Mercedes-Benz je rund 2 Prozent im Minus, alle nahe ihren Jahrestiefs.
(c) Die Allianz-Frage der vergangenen Tage ist beantwortet. Nach zwei Tagen mit jeweils über drei Prozent Minus ohne erkennbaren Anlass gibt es nun eine plausible Erklärung: Das Aktienrückkaufprogramm läuft aus. Von den für 2026 vorgesehenen 2,5 Milliarden Euro waren bis zum 18. September bereits 2,42 Milliarden Euro verbraucht – der regelmäßige Kaufdruck im Markt fällt damit praktisch weg. Charttechnisch ist die 50-Tage-Linie bei 438,62 Euro gebrochen, die 100-Tage-Linie um 416 Euro wird getestet; der RSI steht bei 20 und damit klar im überverkauften Bereich.
(d) Weitere Meldungen: Der Übernahmefall des Tages kommt aus Bulgarien: Schneider Electric bietet 70 Euro je Aktie für die Shelly Group, der Kurs sprang vorbörslich um 8,5 Prozent auf 69,90 Euro. MTU Aero Engines gewann rund 3 Prozent, nachdem Citigroup die Aktie gleich zwei Stufen von „Verkaufen" auf „Kaufen" hochgestuft hatte. Im MDAX verloren Schaeffler 6,46 Prozent, Nordex 5,94 Prozent und Jenoptik 4,73 Prozent, während Sartorius 3,75 Prozent zulegte. Europaweit fiel UBS 2,3 Prozent, nachdem das Schweizer Parlament die Eigenkapitalanforderungen für systemrelevante Banken verschärft hat; H&M verlor 2 bis 4 Prozent nach durchwachsenen Quartalszahlen mit hohen Lagerbeständen, Asos gewann 8 Prozent auf ein Dreijahreshoch nach einer Prognoseanhebung.
(e) Devisen und Anleihen – hier spielt die Musik: Die zehnjährige Bundrendite stieg um rund 2 Basispunkte auf 3,57 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Mitte 2009; die französische zehnjährige Rendite erreichte mit 4,70 Prozent den höchsten Wert seit Ende Juli 2008. In den USA liegt die zehnjährige bei 5,14 Prozent (+3 Basispunkte), die dreißigjährige bei 5,438 Prozent – höchster Stand seit 2004 –, die zweijährige bei 4,897 Prozent. Der Euro notierte bei 1,1378 US-Dollar (EZB-Referenz 1,1367 nach 1,1411 am Vortag), USD/JPY bei rund 158,85. Der Markt preist für die Fed inzwischen eine Oktober-Erhöhung mit 64 bis 70 Prozent Wahrscheinlichkeit ein, nach rund 60 Prozent am Vortag.
Die Wall Street setzt die Talfahrt fort – den dritten Tag in Folge. Um 17:26 Uhr MESZ stand der Nasdaq Composite bei 26.734,76 Punkten und damit 201,28 Punkte bzw. 0,75 Prozent im Minus, der S&P 500 bei 7.683,00 Punkten (−23,03 Punkte bzw. −0,30 Prozent). Die Agenturen meldeten parallel den Nasdaq 100 bei rund 30.305 Punkten und den Dow Jones bei rund 51.260 Punkten, beide etwa 0,5 Prozent schwächer. Die Tagesspanne des Nasdaq Composite reicht von 26.706,14 bis 26.820,64 – der Index notiert also nahe seinem Tagestief. Nur Indexstände, keine Einzelwerte.
Die Kausalkette ist an diesem Tag ungewöhnlich sauber nachvollziehbar: Der Ölpreis springt um fast vier Prozent, daraufhin verkaufen Anleger Anleihen, die dreißigjährige Rendite erreicht den höchsten Stand seit 2004 – und erst daraus folgt der Druck auf Aktien. Ein Analyst formulierte es so, daraus werde „spürbarer Gegenwind für Aktien". Der verlängerte Zollwaffenstillstand mit China stützte nur kurz.
Bei den Einzelwerten dominierten Unternehmensnachrichten. MGM Resorts brach rund 10 Prozent ein, nachdem People Inc. sein Übernahmeangebot für die restlichen Anteile zurückgezogen hat. Oracle verlor erneut 5 bis 6 Prozent – nach Berichten über „Force Majeure" beim Rechenzentrumsprojekt in New Mexico. Everpure sprang rund 18 Prozent nach einer Mittelfristprognose über Erwartung. Meta gab 1,7 Prozent ab und nahm damit einen Teil der Connect-Rally zurück.
Der Ölpreis ist der Taktgeber dieses Handelstages. Brent stieg um 4,02 Dollar bzw. 3,90 Prozent auf 107,10 US-Dollar, WTI um 3,56 Dollar bzw. 3,87 Prozent auf 95,72 Dollar. Damit liegt Brent gut sieben Dollar über dem Stand von Dienstag – die gesamte Entspannung der vergangenen Woche ist in zwei Tagen zurückgenommen.
Der konkrete Auslöser kommt diesmal aus Libyen. Eine bewaffnete Gruppe hat am 22. September das Ventil Nummer 7 der Pipeline vom Ölfeld El Sharara zum Exporthafen Zawiya geschlossen. Die Förderung des größten libyschen Feldes ist daraufhin von rund 340.000 auf etwa 120.000 Barrel je Tag gefallen – ein Ausfall von 220.000 Barrel täglich. Die nationale Ölgesellschaft warnt, bei anhaltender Schließung kämen Förderung, Transport und Export vollständig zum Erliegen; auch die Raffinerie Zawiya ist blockiert.
Dazu kommt ein zweiter, inflationsrelevanter Faktor. Die US-Regierung erwägt, Dieselexporte zu beschränken, um den heimischen Preis zu dämpfen – die amerikanischen Dieselpreise stehen auf Rekordniveau. Russland prüft parallel eine Verlängerung seines eigenen Dieselexportverbots. Für den Weltmarkt bedeutet beides dasselbe: Das ohnehin knappste Segment wird noch knapper. Beim Iran bewegt sich derweil wenig – Teheran prüft die Antwort Washingtons auf sein Angebot, die Straße von Hormus binnen sieben Tagen zu öffnen, doch die Frage, wer zuerst liefert, bleibt der Kernstreitpunkt.
Die Edelmetalle geben den dritten Tag in Folge nach. Gold verlor 28,90 Dollar bzw. 0,67 Prozent auf 4.257,10 Dollar, Silber 0,75 Dollar bzw. 1,16 Prozent auf 63,58 Dollar, Platin 7,00 Dollar bzw. 0,40 Prozent auf 1.742,00 Dollar. Der Grund ist unverändert das Zinsumfeld: Bei Renditen auf Zwanzigjahreshochs verliert zinsloses Metall an Reiz, auch wenn die geopolitische Lage dagegenspricht. Bemerkenswert zur Einordnung: Golds Zwölfmonatsplus ist auf rund 14 Prozent geschrumpft – im Januar dieses Jahres lag es noch bei über 95 Prozent.
| Datum | Ereignis | Ist | Erwartung | Vorher |
|---|---|---|---|---|
| Do 24.09. | Deutschland · ifo-Geschäftsklima September ★ Hohe Relevanz | 89,9 | 89,0 | 88,8 |
| Do 24.09. | Deutschland · ifo Lagebeurteilung | 89,5 | 88,7 | 88,5 |
| Do 24.09. | Deutschland · ifo Erwartungen | 90,4 | 89,2 | 89,0 |
| Do 24.09. | Norges Bank · Leitzins ★ Hohe Relevanz | 4,50 % | — | 4,25 % |
| Do 24.09. | Schweizerische Nationalbank · Leitzins | 0,00 % | 0,00 % | 0,00 % |
| Do 24.09. | Riksbank · Leitzins | 1,75 % | 1,75 % | 1,75 % |
| Do 24.09. | USA · Erstanträge Arbeitslosenhilfe ★ Hohe Relevanz | 197.000 | 201.000 | 198.000 |
| Do 24.09. | USA · Neubauverkäufe August, annualisiert | 684.000 | 620.000 | 643.000 |
| Do 24.09. | USA · Leistungsbilanz Q2 | −246,0 Mrd. $ | −255 Mrd. $ | −212,6 Mrd. $ |
| Do 24.09. | Frankreich · Geschäftsklima September | 96 | — | 98 |
| Fr 25.09. | GfK-Konsumklima DE · US Auftragseingang langlebige Güter · Uni Michigan ★ Hohe Relevanz | — | — | — |
| Fr 25.09. | Eurozone · Geldmenge M3 und Kreditvergabe August | — | — | — |
Das ifo-Geschäftsklima bestätigt, was die Einkaufsmanagerindizes gestern gezeigt haben. Mit 89,9 Punkten liegt es über der Erwartung von 89,0 und steigt den fünften Monat in Folge – der höchste Stand seit über drei Jahren. Beide Teilkomponenten verbessern sich: die Lagebeurteilung auf 89,5, die Erwartungen auf 90,4. Parallel hat die Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsinstitute ihre Wachstumsprognose für 2026 von 0,6 auf 1,3 Prozent mehr als verdoppelt. Die deutsche Konjunktur dreht also tatsächlich – nur hilft das den Kursen an einem Tag nicht, an dem die Renditen davonlaufen. Bei den Notenbanken zeigt sich ein gemeinsames Muster: Die Norges Bank erhöhte um 25 Basispunkte auf 4,50 Prozent, die Riksbank hielt bei 1,75 Prozent, signalisierte aber eine Erhöhung noch im vierten Quartal, und die SNB beließ den Leitzins bei 0,00 Prozent, hob aber ihre Inflationsprognosen für 2026 bis 2028 an. Alle drei begründen das mit dem kriegsbedingten Energiepreisschock. Aus den USA kamen durchweg starke Zahlen: Die Erstanträge fielen mit 197.000 unter die Erwartung, die Neubauverkäufe übertrafen sie mit 684.000 deutlich – ein Plus von 6,4 Prozent zum Vormonat. Genau diese Stärke ist es, die den Markt derzeit beunruhigt.
Seoul bleibt heute und morgen geschlossen – Chuseok, das koreanische Erntedankfest, sorgt zusammen mit dem Wochenende für eine viertägige Pause. Shanghai und Shenzhen schließen morgen zum Mittherbstfest, ebenso die Handelsverbindungen des Stock Connect in beide Richtungen. Eine Korrektur zu unserer bisherigen Angabe: Hongkong handelt morgen regulär – der dortige Feiertag fällt auf Samstag, es entfällt also kein Handelstag. Deutschland, Japan, die USA und das übrige Europa handeln durchgehend.
Wichtiger ist die Woche darauf: Festlandchina handelt nur von Montag bis Mittwoch und schließt dann vom 1. bis einschließlich 7. Oktober zur „Golden Week". Hongkong bleibt am 1. Oktober geschlossen, Seoul am 5. und am 9. Oktober. Für asienbezogene Positionen heißt das: eine volle Woche ohne chinesischen Kassamarkt, und zwar genau in der Phase, in der die Ergebnisse des Trump-Xi-Gipfels verarbeitet werden müssten.
Meta hat auf der Entwicklerkonferenz Connect gestern Abend breit ausgeliefert. Vorgestellt wurden die Ray-Ban Meta Gen 3 für 449 Dollar (sofort verfügbar), die kameralose Ray-Ban Meta Audio für 349 Dollar (ab 13. Oktober), die ultradünnen Meta VR Glasses für 1.299 Dollar mit Auslieferung im Frühjahr 2027 und über 75 Titeln sowie der Muse Charm – ein Anhänger mit dem KI-Agenten Muse und Fingerabdrucksensor, der ohne Telefon funktioniert. Dazu kommen Muse-Integrationen bei Walmart, Best Buy, Sephora und Instacart, eine von der FDA zugelassene Hörunterstützung für einmalig 149,99 Dollar und holografische WhatsApp-Videoanrufe. Die Aktie legte am Mittwoch 2,12 Prozent zu, gibt heute aber 1,7 Prozent ab – Analysten führen den Kurssprung der vergangenen Tage ohnehin eher auf die Software Muse als auf die Hardware zurück.
Costco legt heute nach US-Börsenschluss die Zahlen für das vierte Geschäftsquartal vor. Der Konsens erwartet ein Ergebnis je Aktie von 6,54 Dollar bei einem Umsatz von 94,86 Milliarden Dollar; die Aktie notierte vor den Zahlen bei rund 895 Dollar. Ebenfalls heute berichtet Darden Restaurants.
Novo Nordisk verarbeitet weiter den Kapitalmarkttag. Am Montag war die Aktie um 7,65 Prozent auf 260,00 dänische Kronen eingebrochen, nachdem das Unternehmen für die Jahre 2027 bis 2030 nur rund vier Prozent jährliches Umsatzwachstum in Aussicht gestellt hatte – über den Analystenschätzungen von zwei bis drei Prozent, aber zu wenig angesichts der auslaufenden Semaglutid-Patente. Im zweiten Quartal war bereits eine Pipeline-Abschreibung von 6,3 Milliarden Kronen angefallen.
Live-Kurse (Crypto.com, Stand 17:34 Uhr MESZ): Der Kryptomarkt stabilisiert sich nach dem Einbruch vom Mittwoch. Solana gewinnt 0,98 Prozent auf 115,95 $, Ethereum 0,20 Prozent auf 2.674,11 $, Bitcoin gibt 0,23 Prozent auf 84.241 $ ab. Bitcoin war in den vergangenen 24 Stunden bis auf 82.867 Dollar gefallen und hat sich von dort wieder erholt.
Bemerkenswert ist, dass Krypto heute nicht mitfällt. An den Aktienmärkten geben alle Leitindizes nach, Gold verliert den dritten Tag, die Renditen erreichen Mehrjahreshochs – und ausgerechnet die zinsempfindlichste aller Anlageklassen hält sich seitwärts. Nach dem Minus von 1,86 Prozent am Mittwoch sieht das nach Stabilisierung auf niedrigerem Niveau aus, nicht nach einer neuen Bewegung. Belastbar deuten lässt sich das an einem einzelnen Tag nicht.
| Sektor | Bewertung | Momentum |
|---|---|---|
| Versicherungen / Rückversicherer | fair | stark (MüRück +1,99 %, HanRück +1,74 %) |
| Konsumgüter / Defensive | fair | stark (Beiersdorf +2,79 %) |
| Energie / Öl | fair | sehr stark (Brent +3,90 %, PetroChina +2,8 %) |
| Halbleiter | teuer | schwach (Infineon −4,22 %, US-Chips weiter unter Druck) |
| Rüstung | teuer | schwach (Rheinmetall −3,39 %) |
| Automobil | günstig | nahe Jahrestief (BMW −3 %, VW und Mercedes je −2 %) |
| Nebenwerte (MDAX) | günstig | sehr schwach (−1,34 %, Schaeffler −6,46 %) |
| Immobilien / Versorger | günstig | Renditen auf Mehrjahreshochs |
| Edelmetalle | teuer | dritter Verlusttag (Gold −0,67 %) |
| Krypto | fair | stabilisiert sich seitwärts |
| Anleihen (Duration) | günstig | US 30J höchster Stand seit 2004 |
| Japan (Nikkei-Schwergewichte) | teuer | Nachholrally (+1,30 %), Topix aber −0,39 % |
Zur Orientierung: Heute ist alles ein Zinstag, und die Sektorliste liest sich wie das Lehrbuch dazu. Oben stehen Rückversicherer und Konsumgüter, unten Halbleiter, Rüstung, Automobil und Nebenwerte – exakt die Reihenfolge, die man bei steigenden Renditen erwartet. Der interessanteste Befund steckt in Japan: Der Nikkei gewinnt 1,30 Prozent, der breite Topix verliert 0,39 Prozent. Dieselbe Marktkapitalisierung, dasselbe Land, entgegengesetzte Richtung – der Unterschied ist allein die Gewichtung. Was hier steigt, sind ein paar teure Technologiewerte, die eine verpasste Chiprally nachholen; alles andere fällt. Zwei Dinge widersprechen dem Zinsnarrativ. Erstens Krypto, das als zinsempfindlichste Anlage heute nicht mitfällt. Zweitens die Realwirtschaft selbst: Das ifo steigt den fünften Monat, die Institute verdoppeln ihre Wachstumsprognose, die US-Erstanträge liegen unter der Erwartung. Die Kurse fallen also nicht, weil es der Wirtschaft schlechtgeht, sondern weil es ihr zu gut geht – und weil ein libysches Ventil den Ölpreis um vier Prozent bewegt. Keine Anlageberatung.
Die dreißigjährige US-Rendite stieg auf 5,438 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2004; die zehnjährige hält sich mit 5,14 Prozent über der Fünf-Prozent-Marke, die zweijährige steht bei 4,897 Prozent. In Europa kletterte die zehnjährige Bundrendite auf 3,57 Prozent – höchster Stand seit Mitte 2009 –, die französische auf 4,70 Prozent und damit auf den höchsten Wert seit Ende Juli 2008. In Japan sprang die zehnjährige Rendite um zehn Basispunkte auf 3,087 Prozent, so hoch wie zuletzt im August 1996. Treiber sind der Ölpreisanstieg und starke Konjunkturdaten beiderseits des Atlantiks. Für eine Fed-Erhöhung im Oktober liegt die eingepreiste Wahrscheinlichkeit inzwischen bei 64 bis 70 Prozent.
Trading Economics / dpa-AFX / TheStreetXi Jinping wurde heute mit militärischen Ehren auf dem South Lawn empfangen – der erste Staatsbesuch eines chinesischen Präsidenten im Weißen Haus seit 2015. Finanzminister Scott Bessent gab bereits bei der Ankunft die Verlängerung des Zollwaffenstillstands vom 10. November auf den 10. Januar 2027 bekannt. Am Abend folgt das Staatsbankett mit Jensen Huang, Sam Altman, Jeff Bezos, Elon Musk, Tim Cook, Sundar Pichai und Michael Dell. Zu den eigentlichen Streitpunkten – KI- und Chip-Exportkontrollen, seltene Erden, Taiwan, Fentanyl – liegt bislang kein Ergebnis vor; die USA haben einen Meldemechanismus für sicherheitsrelevante KI-Vorfälle vorgeschlagen. Folgegipfel sind für November in China und Dezember in Florida geplant. Die Marktreaktion blieb verhalten: Die Verlängerung war weitgehend eingepreist.
CNBC / NBC News / Al JazeeraBrent stieg 3,90 Prozent auf 107,10 US-Dollar, WTI 3,87 Prozent auf 95,72 Dollar. Auslöser ist ein konkreter Angebotsausfall: Eine bewaffnete Gruppe hat am 22. September das Ventil Nummer 7 der Pipeline vom Ölfeld El Sharara zum Exporthafen Zawiya geschlossen. Die Förderung des größten libyschen Feldes fiel von rund 340.000 auf etwa 120.000 Barrel je Tag; die nationale Ölgesellschaft warnt vor einem vollständigen Stillstand von Förderung, Transport und Export und erwägt höhere Gewalt. Verstärkend wirkt, dass die US-Regierung Beschränkungen für Dieselexporte prüft – die amerikanischen Dieselpreise stehen auf Rekordniveau, und Russland erwägt parallel eine Verlängerung seines Exportverbots.
OilPrice / Euronews / dpa-AFXDas ifo-Geschäftsklima kletterte im September auf 89,9 Punkte nach 88,8 und über die erwarteten 89,0 – der höchste Stand seit über drei Jahren und der fünfte Anstieg hintereinander. Beide Komponenten verbesserten sich: die Lagebeurteilung auf 89,5, die Erwartungen auf 90,4. Das ifo schreibt, die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage positiver. Parallel hat die Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsinstitute ihre Wachstumsprognose für 2026 von 0,6 auf 1,3 Prozent mehr als verdoppelt. Zusammen mit den Einkaufsmanagerindizes vom Mittwoch ist die Konjunkturwende damit an zwei unabhängigen Indikatoren belegt – nur hilft das den Kursen an einem Zinstag nicht.
ifo Institut / dpa-AFXDrei europäische Notenbanken, ein gemeinsames Motiv. Die Norges Bank hob den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,50 Prozent an; Gouverneurin Ida Wolden Bache erklärte, es werde „wahrscheinlich nötig sein, den Leitzins eine Zeit lang erhöht zu halten". Die Riksbank beließ ihn bei 1,75 Prozent, signalisierte aber eine Straffung noch vor Jahresende. Die SNB hielt an 0,00 Prozent fest – seit Juni 2025 unverändert –, hob jedoch ihre Inflationsprognosen für 2026 bis 2028 an; der Franken gab daraufhin nach. Alle drei begründen ihre Haltung mit dem kriegsbedingten Energiepreisschock. Der Markt preist inzwischen weitere Erhöhungen in Norwegen und vier in Schweden bis zum Frühjahr ein.
Norges Bank / Riksbank / SNB / cash.chDer Nikkei 225 stieg um 846,69 Punkte bzw. 1,30 Prozent auf 65.865,64 und markierte im Tageshoch 66.249,11 Punkte. Grund ist eine Nachholbewegung: Während der japanische Kassamarkt drei Tage geschlossen war, legte der Philadelphia Semiconductor Index um 8,06 Prozent zu. Entsprechend trugen Advantest, Tokyo Electron und Ibiden den Gewinn. Der breite Topix verlor dagegen 0,39 Prozent auf 4.075,30 – die Rally beschränkte sich auf wenige schwere Technologiewerte, während Value- und Finanztitel unter der auf ein Dreißigjahreshoch gesprungenen Anleiherendite litten. Der Yen notiert trotz der Zinserhöhung der Bank of Japan bei rund 158 je Dollar und tendiert Richtung 160.
Nikkei Inc. / Trading Economics / News On JapanNach zwei Handelstagen mit jeweils über drei Prozent Minus ohne erkennbaren Anlass gibt es nun eine belastbare Erklärung: Von den für 2026 vorgesehenen 2,5 Milliarden Euro Aktienrückkäufe waren bis zum 18. September bereits 2,42 Milliarden Euro verbraucht. Der regelmäßige Kaufdruck, der den Kurs über Monate gestützt hat, fällt damit praktisch weg. Sekundär werden Gewinnmitnahmen nach starkem Jahresverlauf genannt. Charttechnisch ist die 50-Tage-Linie bei 438,62 Euro gebrochen und die 100-Tage-Linie um 416 Euro im Test; der RSI steht bei 20 und damit klar im überverkauften Bereich. Die übrigen Versicherer zählten heute zu den Tagesgewinnern.
Börse OnlineAuf der Entwicklerkonferenz stellte Meta die Ray-Ban Meta Gen 3 für 449 Dollar, die kameralose Ray-Ban Meta Audio für 349 Dollar und die Meta VR Glasses für 1.299 Dollar vor, dazu den Muse Charm – einen Anhänger mit dem KI-Agenten Muse, der ohne Telefon funktioniert. Die Aktie gewann am Mittwoch 2,12 Prozent und gibt heute 1,7 Prozent ab. In Europa bietet Schneider Electric 70 Euro je Aktie für die bulgarische Shelly Group; der Kurs sprang vorbörslich um 8,5 Prozent auf 69,90 Euro. MTU Aero Engines legte rund 3 Prozent zu, nachdem Citigroup die Aktie gleich zwei Stufen von „Verkaufen" auf „Kaufen" hochgestuft hatte. Costco berichtet heute nach US-Börsenschluss; erwartet werden 6,54 Dollar je Aktie bei 94,86 Milliarden Dollar Umsatz.
Tom's Guide / dpa-AFX / TipRanksHeute Abend (24.09.): Staatsbankett im Weißen Haus mit Xi Jinping und der versammelten US-Technologiespitze. Nachbörslich in den USA die Quartalszahlen von Costco (erwartet 6,54 $ je Aktie bei 94,86 Mrd. $ Umsatz) und Darden Restaurants.
Freitag (25.09.): GfK-Konsumklima für Oktober um 8:00 Uhr sowie Auftragseingang und Umsatz im Bauhauptgewerbe, um 10:00 Uhr Geldmenge M3 und Kreditvergabe der EZB für August. Aus den USA um 14:30 Uhr der Auftragseingang für langlebige Güter und um 16:00 Uhr die zweite Erhebung des Michigan-Verbrauchervertrauens. Seoul und Festlandchina bleiben geschlossen, Hongkong handelt regulär.
Wochenende: Der Trump-Xi-Besuch klingt mit Tee und einem Besuch des Nationalarchivs aus. Am Sonntag stehen Schweizer Volksabstimmungen und französische Senatswahlen an.
Kommende Woche: Festlandchina handelt nur von Montag bis Mittwoch und geht dann in die Golden Week vom 1. bis 7. Oktober; Hongkong schließt am 1. Oktober, Seoul am 5. Oktober.
Worauf es ankommt: Der Markt hat heute gezeigt, woran er derzeit hängt – nicht an der Konjunktur, sondern am Ölpreis und den Renditen. Solange ein blockiertes Ventil in Libyen den Brent-Preis um vier Prozent bewegt und die dreißigjährige US-Rendite Zwanzigjahreshochs markiert, bleibt jede gute Konjunkturzahl zweischneidig. Die eigentliche Frage der kommenden Tage lautet deshalb, ob aus dem iranischen Hormus-Angebot eine Einigung wird. Zweitens bleibt offen, ob der Gipfel in Washington über die Zollverlängerung hinaus etwas zu den Chip-Exportkontrollen liefert – für den Halbleitersektor wäre das der einzige neue Impuls.
Zum Durchblättern wischen oder die Pfeile ‹ › nutzen. Ein Klick auf ein Vorschaubild öffnet die neuesten Videos des jeweiligen Kanals direkt bei YouTube.