Tagesbericht

Börsen-Nachrichten – wer steigt, wer fällt

◆ Top-Thema des Tages

Der wichtigste Markttreiber

Drei Kontinente, drei Renditehochs – der Gipfel in Washington geht darin unter

Es ist ein weltweiter Anleiheausverkauf, und er hat heute gleich drei Rekordmarken gerissen. Die dreißigjährige US-Rendite stieg auf 5,438 Prozent – den höchsten Stand seit 2004. Die zehnjährige Bundrendite kletterte auf 3,57 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Mitte 2009. Und in Japan sprang die zehnjährige Rendite um zehn Basispunkte auf 3,087 Prozent – so hoch wie zuletzt im August 1996. Die zehnjährige US-Rendite hält sich mit 5,14 Prozent klar über der Fünf-Prozent-Marke.

Der Auslöser kommt vom Ölmarkt. Brent sprang um 4,02 Dollar bzw. 3,90 Prozent auf 107,10 US-Dollar, WTI um 3,56 Dollar bzw. 3,87 Prozent auf 95,72 Dollar. In Libyen hat eine bewaffnete Gruppe das Ventil der Pipeline vom größten Ölfeld des Landes geschlossen – die Förderung von El Sharara ist von rund 340.000 auf etwa 120.000 Barrel je Tag eingebrochen. Dazu erwägt die US-Regierung, Dieselexporte zu beschränken. Beides treibt die Inflationserwartung, und die treibt die Renditen.

Der eigentlich erwartete Tagesordnungspunkt ging darin unter. Xi Jinping wurde heute mit militärischen Ehren im Weißen Haus empfangen – der erste Staatsbesuch eines chinesischen Präsidenten dort seit 2015. Finanzminister Bessent gab bereits bei der Ankunft bekannt, dass der Zollwaffenstillstand vom 10. November auf den 10. Januar 2027 verlängert wird. Die Märkte quittierten es mit einem Achselzucken: Die Verlängerung war eingepreist, und zu den eigentlichen Streitpunkten – Chip-Exportkontrollen, seltene Erden, Taiwan – gibt es bislang nichts.

Die Folge ist eine klassische Flucht in die Defensive. Der DAX fiel bis auf 25.164 Punkte und erholte sich am Nachmittag auf 25.259,95 (−0,59 Prozent); im Index führten Beiersdorf, Münchener Rück und Hannover Rück, während Infineon 4,22 Prozent verlor. In den USA geben alle vier Leitindizes nach. Und das an einem Tag, an dem das ifo-Geschäftsklima zum fünften Mal in Folge gestiegen ist – auf den höchsten Stand seit über drei Jahren.

① Übernacht & Asien

Nikkei 225
65.865,64
+1,30 %
Topix
4.075,30
−0,39 %
Hang Seng
24.761
−0,29 %
Shanghai Comp.
3.888
−1,22 %

Tokio ist nach drei Feiertagen zurück – und hat die Rally nachgeholt, die es verpasst hatte. Der Nikkei 225 gewann 846,69 Punkte bzw. 1,30 Prozent auf 65.865,64 gegenüber dem letzten Schluss vom 18. September. Er eröffnete bei 65.476,44, stieg im Tageshoch auf 66.249,11 und gab die Marke von 66.000 durch Gewinnmitnahmen wieder ab. Der Grund liegt in der Zwischenzeit: Während der japanische Kassamarkt geschlossen war, legte der Philadelphia Semiconductor Index um 8,06 Prozent zu. Entsprechend trugen Advantest und Tokyo Electron den Großteil des Indexgewinns, dazu Ibiden mit rund 14,6 Prozent, Socionext, Renesas und Kioxia.

Der Topix erzählt allerdings eine andere Geschichte. Er verlor 15,84 Punkte bzw. 0,39 Prozent auf 4.075,30 – das ist die schärfste denkbare Illustration dafür, wie schmal diese Rally war. Der Nikkei ist kursgewichtet und wird von einer Handvoll teurer Technologiewerte dominiert; der breite Topix zeigt, dass Value- und Finanzwerte unter Druck standen. Der Grund dafür steht im Anleihemarkt: Die zehnjährige japanische Rendite sprang auf ein Dreißigjahreshoch, und der Yen notiert trotz der Zinserhöhung der Bank of Japan auf 1,25 Prozent bei rund 158 je Dollar und tendiert Richtung 160.

China gab nach. Der Hang Seng verlor rund 72 Punkte bzw. 0,29 Prozent auf etwa 24.761, der Shanghai Composite 1,22 Prozent auf rund 3.888, der Shenzhen Component sogar 2,34 Prozent. Anleger wogen das Ergebnis des Trump-Xi-Treffens ab und fanden es dünn. Gefragt waren die Energiewerte im Sog des Ölpreises – PetroChina +2,8 Prozent, CNOOC +2,1 Prozent –, während CATL mit 3,6 Prozent der größte Verlierer war. Seoul blieb wegen des Chuseok-Festes geschlossen und bleibt es auch morgen.

② US-Vorabend · Vortagesschluss

Nasdaq Comp. (Mi-Schluss)
26.936,04
−1,13 %
Nasdaq 100 (Mi-Schluss)
30.453,12
−0,91 %
S&P 500 (Mi-Schluss)
7.706,03
−0,75 %
Dow Jones (Mi-Schluss)
51.511,59
−0,68 %

Der Mittwoch endete schwächer, als er am Nachmittag ausgesehen hatte. Im gestrigen Bericht standen hier die Stände von 17:09 und 17:13 Uhr MESZ. Bis zum Schluss bauten alle vier Indizes ihre Verluste aus: Der S&P 500 verlor 58,61 Punkte bzw. 0,75 Prozent auf 7.706,03, der Nasdaq Composite 308,24 Punkte bzw. 1,13 Prozent auf 26.936,04, der Nasdaq 100 279,28 Punkte bzw. 0,91 Prozent auf 30.453,12 und der Dow 352,10 Punkte bzw. 0,68 Prozent auf 51.511,59. Am härtesten traf es die zweite Reihe: Der Russell 2000 gab 51,25 Punkte bzw. 1,77 Prozent auf 2.838,66 ab.

Der Grund war der Renditesprung. Die zehnjährige Rendite kletterte auf 5,11 bis 5,13 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2007; die fünfjährige überschritt erstmals seit 2007 die Fünf-Prozent-Marke. Entsprechend litten die zinssensitiven Gruppen am stärksten – Versorger und Immobilienwerte –, während Energiewerte zulegten. Über 51 Prozent der Werte im S&P 500 notieren inzwischen unter ihrer 200-Tage-Linie. Die größte Einzelbewegung kam von Oracle mit rund 6,4 Prozent Minus. Gegen den Trend legte Meta 2,12 Prozent auf ein Plus von 15,64 Dollar zu – am Tag der Entwicklerkonferenz Connect. Nvidia verlor 1,47 Prozent auf 225,51 Dollar bei einer Börsenbewertung von 5,445 Billionen Dollar.

③ Europa / DE · Stand 17:20 Uhr

DAX · 17:20 Uhr
25.259,95
−0,59 %
MDAX · Xetra-Schluss
30.796,08
−1,34 %
Euro Stoxx 50
6.270,63
−0,46 %
DAX Tagesspanne
25.164–25.424
Erholung vom Tief

(a) Verlauf – der Tiefpunkt lag am Vormittag: Der DAX eröffnete 0,58 Prozent schwächer, rutschte gegen 10:44 Uhr auf das Tagestief von 25.164,20 Punkten und arbeitete sich danach zurück. Um 17:20 Uhr standen 25.259,95 Punkte, 150,68 Punkte bzw. 0,59 Prozent unter dem Mittwochsschluss von 25.410,63; die Tagesspanne reicht bis 25.424,21. Der MDAX verlor deutlich mehr: 419,69 Punkte bzw. 1,34 Prozent auf 30.796,08, der Euro Stoxx 50 0,46 Prozent auf 6.270,63. Dass die zweite Reihe mehr als doppelt so stark nachgibt wie der Leitindex, ist das Kennzeichen eines Zinstages: Nebenwerte sind höher verschuldet und binnenkonjunkturell empfindlicher.

(b) Eine lehrbuchmäßige Defensivrotation: Vorn lagen Beiersdorf mit +2,79 Prozent, die Münchener Rück mit +1,99 Prozent und die Hannover Rück mit +1,74 Prozent – Konsumgüter und Rückversicherer, also genau die Gruppen, in die Anleger bei Zinsstress gehen. Am anderen Ende standen Infineon mit −4,22 Prozent, Rheinmetall mit −3,39 Prozent und Scout24 mit −3,04 Prozent. Infineon litt unter der anhaltenden Schwäche der Halbleiterwerte rund um den Trump-Xi-Gipfel. Die Autowerte gerieten erneut unter Druck – BMW rund 3 Prozent, Volkswagen und Mercedes-Benz je rund 2 Prozent im Minus, alle nahe ihren Jahrestiefs.

(c) Die Allianz-Frage der vergangenen Tage ist beantwortet. Nach zwei Tagen mit jeweils über drei Prozent Minus ohne erkennbaren Anlass gibt es nun eine plausible Erklärung: Das Aktienrückkaufprogramm läuft aus. Von den für 2026 vorgesehenen 2,5 Milliarden Euro waren bis zum 18. September bereits 2,42 Milliarden Euro verbraucht – der regelmäßige Kaufdruck im Markt fällt damit praktisch weg. Charttechnisch ist die 50-Tage-Linie bei 438,62 Euro gebrochen, die 100-Tage-Linie um 416 Euro wird getestet; der RSI steht bei 20 und damit klar im überverkauften Bereich.

(d) Weitere Meldungen: Der Übernahmefall des Tages kommt aus Bulgarien: Schneider Electric bietet 70 Euro je Aktie für die Shelly Group, der Kurs sprang vorbörslich um 8,5 Prozent auf 69,90 Euro. MTU Aero Engines gewann rund 3 Prozent, nachdem Citigroup die Aktie gleich zwei Stufen von „Verkaufen" auf „Kaufen" hochgestuft hatte. Im MDAX verloren Schaeffler 6,46 Prozent, Nordex 5,94 Prozent und Jenoptik 4,73 Prozent, während Sartorius 3,75 Prozent zulegte. Europaweit fiel UBS 2,3 Prozent, nachdem das Schweizer Parlament die Eigenkapitalanforderungen für systemrelevante Banken verschärft hat; H&M verlor 2 bis 4 Prozent nach durchwachsenen Quartalszahlen mit hohen Lagerbeständen, Asos gewann 8 Prozent auf ein Dreijahreshoch nach einer Prognoseanhebung.

(e) Devisen und Anleihen – hier spielt die Musik: Die zehnjährige Bundrendite stieg um rund 2 Basispunkte auf 3,57 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Mitte 2009; die französische zehnjährige Rendite erreichte mit 4,70 Prozent den höchsten Wert seit Ende Juli 2008. In den USA liegt die zehnjährige bei 5,14 Prozent (+3 Basispunkte), die dreißigjährige bei 5,438 Prozent – höchster Stand seit 2004 –, die zweijährige bei 4,897 Prozent. Der Euro notierte bei 1,1378 US-Dollar (EZB-Referenz 1,1367 nach 1,1411 am Vortag), USD/JPY bei rund 158,85. Der Markt preist für die Fed inzwischen eine Oktober-Erhöhung mit 64 bis 70 Prozent Wahrscheinlichkeit ein, nach rund 60 Prozent am Vortag.

④ Erste Marktreaktion nach US-Börsenstart

Nasdaq Comp. · 17:26 Uhr
26.734,76
−0,75 %
Nasdaq 100 · Nachmittag
~30.305
−0,5 %
Dow Jones · Nachmittag
~51.260
−0,5 %
S&P 500 · 17:26 Uhr
7.683,00
−0,30 %

Die Wall Street setzt die Talfahrt fort – den dritten Tag in Folge. Um 17:26 Uhr MESZ stand der Nasdaq Composite bei 26.734,76 Punkten und damit 201,28 Punkte bzw. 0,75 Prozent im Minus, der S&P 500 bei 7.683,00 Punkten (−23,03 Punkte bzw. −0,30 Prozent). Die Agenturen meldeten parallel den Nasdaq 100 bei rund 30.305 Punkten und den Dow Jones bei rund 51.260 Punkten, beide etwa 0,5 Prozent schwächer. Die Tagesspanne des Nasdaq Composite reicht von 26.706,14 bis 26.820,64 – der Index notiert also nahe seinem Tagestief. Nur Indexstände, keine Einzelwerte.

Die Kausalkette ist an diesem Tag ungewöhnlich sauber nachvollziehbar: Der Ölpreis springt um fast vier Prozent, daraufhin verkaufen Anleger Anleihen, die dreißigjährige Rendite erreicht den höchsten Stand seit 2004 – und erst daraus folgt der Druck auf Aktien. Ein Analyst formulierte es so, daraus werde „spürbarer Gegenwind für Aktien". Der verlängerte Zollwaffenstillstand mit China stützte nur kurz.

Bei den Einzelwerten dominierten Unternehmensnachrichten. MGM Resorts brach rund 10 Prozent ein, nachdem People Inc. sein Übernahmeangebot für die restlichen Anteile zurückgezogen hat. Oracle verlor erneut 5 bis 6 Prozent – nach Berichten über „Force Majeure" beim Rechenzentrumsprojekt in New Mexico. Everpure sprang rund 18 Prozent nach einer Mittelfristprognose über Erwartung. Meta gab 1,7 Prozent ab und nahm damit einen Teil der Connect-Rally zurück.

⑤ Rohstoffe

Brent
107,10 $
+3,90 %
WTI
95,72 $
+3,87 %
Gold
4.257,10 $
−0,67 %
Silber
63,58 $
−1,16 %
Platin
1.742,00 $
−0,40 %

Der Ölpreis ist der Taktgeber dieses Handelstages. Brent stieg um 4,02 Dollar bzw. 3,90 Prozent auf 107,10 US-Dollar, WTI um 3,56 Dollar bzw. 3,87 Prozent auf 95,72 Dollar. Damit liegt Brent gut sieben Dollar über dem Stand von Dienstag – die gesamte Entspannung der vergangenen Woche ist in zwei Tagen zurückgenommen.

Der konkrete Auslöser kommt diesmal aus Libyen. Eine bewaffnete Gruppe hat am 22. September das Ventil Nummer 7 der Pipeline vom Ölfeld El Sharara zum Exporthafen Zawiya geschlossen. Die Förderung des größten libyschen Feldes ist daraufhin von rund 340.000 auf etwa 120.000 Barrel je Tag gefallen – ein Ausfall von 220.000 Barrel täglich. Die nationale Ölgesellschaft warnt, bei anhaltender Schließung kämen Förderung, Transport und Export vollständig zum Erliegen; auch die Raffinerie Zawiya ist blockiert.

Dazu kommt ein zweiter, inflationsrelevanter Faktor. Die US-Regierung erwägt, Dieselexporte zu beschränken, um den heimischen Preis zu dämpfen – die amerikanischen Dieselpreise stehen auf Rekordniveau. Russland prüft parallel eine Verlängerung seines eigenen Dieselexportverbots. Für den Weltmarkt bedeutet beides dasselbe: Das ohnehin knappste Segment wird noch knapper. Beim Iran bewegt sich derweil wenig – Teheran prüft die Antwort Washingtons auf sein Angebot, die Straße von Hormus binnen sieben Tagen zu öffnen, doch die Frage, wer zuerst liefert, bleibt der Kernstreitpunkt.

Die Edelmetalle geben den dritten Tag in Folge nach. Gold verlor 28,90 Dollar bzw. 0,67 Prozent auf 4.257,10 Dollar, Silber 0,75 Dollar bzw. 1,16 Prozent auf 63,58 Dollar, Platin 7,00 Dollar bzw. 0,40 Prozent auf 1.742,00 Dollar. Der Grund ist unverändert das Zinsumfeld: Bei Renditen auf Zwanzigjahreshochs verliert zinsloses Metall an Reiz, auch wenn die geopolitische Lage dagegenspricht. Bemerkenswert zur Einordnung: Golds Zwölfmonatsplus ist auf rund 14 Prozent geschrumpft – im Januar dieses Jahres lag es noch bei über 95 Prozent.

⑥ Wirtschaftsdaten

DatumEreignisIstErwartungVorher
Do 24.09.Deutschland · ifo-Geschäftsklima September ★ Hohe Relevanz89,989,088,8
Do 24.09.Deutschland · ifo Lagebeurteilung89,588,788,5
Do 24.09.Deutschland · ifo Erwartungen90,489,289,0
Do 24.09.Norges Bank · Leitzins ★ Hohe Relevanz4,50 %—4,25 %
Do 24.09.Schweizerische Nationalbank · Leitzins0,00 %0,00 %0,00 %
Do 24.09.Riksbank · Leitzins1,75 %1,75 %1,75 %
Do 24.09.USA · Erstanträge Arbeitslosenhilfe ★ Hohe Relevanz197.000201.000198.000
Do 24.09.USA · Neubauverkäufe August, annualisiert684.000620.000643.000
Do 24.09.USA · Leistungsbilanz Q2−246,0 Mrd. $−255 Mrd. $−212,6 Mrd. $
Do 24.09.Frankreich · Geschäftsklima September96—98
Fr 25.09.GfK-Konsumklima DE · US Auftragseingang langlebige Güter · Uni Michigan ★ Hohe Relevanz———
Fr 25.09.Eurozone · Geldmenge M3 und Kreditvergabe August———

Das ifo-Geschäftsklima bestätigt, was die Einkaufsmanagerindizes gestern gezeigt haben. Mit 89,9 Punkten liegt es über der Erwartung von 89,0 und steigt den fünften Monat in Folge – der höchste Stand seit über drei Jahren. Beide Teilkomponenten verbessern sich: die Lagebeurteilung auf 89,5, die Erwartungen auf 90,4. Parallel hat die Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsinstitute ihre Wachstumsprognose für 2026 von 0,6 auf 1,3 Prozent mehr als verdoppelt. Die deutsche Konjunktur dreht also tatsächlich – nur hilft das den Kursen an einem Tag nicht, an dem die Renditen davonlaufen. Bei den Notenbanken zeigt sich ein gemeinsames Muster: Die Norges Bank erhöhte um 25 Basispunkte auf 4,50 Prozent, die Riksbank hielt bei 1,75 Prozent, signalisierte aber eine Erhöhung noch im vierten Quartal, und die SNB beließ den Leitzins bei 0,00 Prozent, hob aber ihre Inflationsprognosen für 2026 bis 2028 an. Alle drei begründen das mit dem kriegsbedingten Energiepreisschock. Aus den USA kamen durchweg starke Zahlen: Die Erstanträge fielen mit 197.000 unter die Erwartung, die Neubauverkäufe übertrafen sie mit 684.000 deutlich – ein Plus von 6,4 Prozent zum Vormonat. Genau diese Stärke ist es, die den Markt derzeit beunruhigt.

⑦ Börsenfeiertage

Seoul bleibt heute und morgen geschlossen – Chuseok, das koreanische Erntedankfest, sorgt zusammen mit dem Wochenende für eine viertägige Pause. Shanghai und Shenzhen schließen morgen zum Mittherbstfest, ebenso die Handelsverbindungen des Stock Connect in beide Richtungen. Eine Korrektur zu unserer bisherigen Angabe: Hongkong handelt morgen regulär – der dortige Feiertag fällt auf Samstag, es entfällt also kein Handelstag. Deutschland, Japan, die USA und das übrige Europa handeln durchgehend.

Wichtiger ist die Woche darauf: Festlandchina handelt nur von Montag bis Mittwoch und schließt dann vom 1. bis einschließlich 7. Oktober zur „Golden Week". Hongkong bleibt am 1. Oktober geschlossen, Seoul am 5. und am 9. Oktober. Für asienbezogene Positionen heißt das: eine volle Woche ohne chinesischen Kassamarkt, und zwar genau in der Phase, in der die Ergebnisse des Trump-Xi-Gipfels verarbeitet werden müssten.

⑧ Quartalsberichte & Unternehmen

Meta hat auf der Entwicklerkonferenz Connect gestern Abend breit ausgeliefert. Vorgestellt wurden die Ray-Ban Meta Gen 3 für 449 Dollar (sofort verfügbar), die kameralose Ray-Ban Meta Audio für 349 Dollar (ab 13. Oktober), die ultradünnen Meta VR Glasses für 1.299 Dollar mit Auslieferung im Frühjahr 2027 und über 75 Titeln sowie der Muse Charm – ein Anhänger mit dem KI-Agenten Muse und Fingerabdrucksensor, der ohne Telefon funktioniert. Dazu kommen Muse-Integrationen bei Walmart, Best Buy, Sephora und Instacart, eine von der FDA zugelassene Hörunterstützung für einmalig 149,99 Dollar und holografische WhatsApp-Videoanrufe. Die Aktie legte am Mittwoch 2,12 Prozent zu, gibt heute aber 1,7 Prozent ab – Analysten führen den Kurssprung der vergangenen Tage ohnehin eher auf die Software Muse als auf die Hardware zurück.

Costco legt heute nach US-Börsenschluss die Zahlen für das vierte Geschäftsquartal vor. Der Konsens erwartet ein Ergebnis je Aktie von 6,54 Dollar bei einem Umsatz von 94,86 Milliarden Dollar; die Aktie notierte vor den Zahlen bei rund 895 Dollar. Ebenfalls heute berichtet Darden Restaurants.

Novo Nordisk verarbeitet weiter den Kapitalmarkttag. Am Montag war die Aktie um 7,65 Prozent auf 260,00 dänische Kronen eingebrochen, nachdem das Unternehmen für die Jahre 2027 bis 2030 nur rund vier Prozent jährliches Umsatzwachstum in Aussicht gestellt hatte – über den Analystenschätzungen von zwei bis drei Prozent, aber zu wenig angesichts der auslaufenden Semaglutid-Patente. Im zweiten Quartal war bereits eine Pipeline-Abschreibung von 6,3 Milliarden Kronen angefallen.

⑨ Krypto

Bitcoin · live
84.241 $
−0,23 %
Ethereum · live
2.674,11 $
+0,20 %
Solana · live
115,95 $
+0,98 %
BTC 24h-Spanne
82.867–84.958 $
live, Crypto.com

Live-Kurse (Crypto.com, Stand 17:34 Uhr MESZ): Der Kryptomarkt stabilisiert sich nach dem Einbruch vom Mittwoch. Solana gewinnt 0,98 Prozent auf 115,95 $, Ethereum 0,20 Prozent auf 2.674,11 $, Bitcoin gibt 0,23 Prozent auf 84.241 $ ab. Bitcoin war in den vergangenen 24 Stunden bis auf 82.867 Dollar gefallen und hat sich von dort wieder erholt.

Bemerkenswert ist, dass Krypto heute nicht mitfällt. An den Aktienmärkten geben alle Leitindizes nach, Gold verliert den dritten Tag, die Renditen erreichen Mehrjahreshochs – und ausgerechnet die zinsempfindlichste aller Anlageklassen hält sich seitwärts. Nach dem Minus von 1,86 Prozent am Mittwoch sieht das nach Stabilisierung auf niedrigerem Niveau aus, nicht nach einer neuen Bewegung. Belastbar deuten lässt sich das an einem einzelnen Tag nicht.

⑨b Sektor-Kompass · Über- & Unterbewertung

SektorBewertungMomentum
Versicherungen / Rückversichererfairstark (MüRück +1,99 %, HanRück +1,74 %)
Konsumgüter / Defensivefairstark (Beiersdorf +2,79 %)
Energie / Ölfairsehr stark (Brent +3,90 %, PetroChina +2,8 %)
Halbleiterteuerschwach (Infineon −4,22 %, US-Chips weiter unter Druck)
Rüstungteuerschwach (Rheinmetall −3,39 %)
Automobilgünstignahe Jahrestief (BMW −3 %, VW und Mercedes je −2 %)
Nebenwerte (MDAX)günstigsehr schwach (−1,34 %, Schaeffler −6,46 %)
Immobilien / VersorgergünstigRenditen auf Mehrjahreshochs
Edelmetalleteuerdritter Verlusttag (Gold −0,67 %)
Kryptofairstabilisiert sich seitwärts
Anleihen (Duration)günstigUS 30J höchster Stand seit 2004
Japan (Nikkei-Schwergewichte)teuerNachholrally (+1,30 %), Topix aber −0,39 %

Zur Orientierung: Heute ist alles ein Zinstag, und die Sektorliste liest sich wie das Lehrbuch dazu. Oben stehen Rückversicherer und Konsumgüter, unten Halbleiter, Rüstung, Automobil und Nebenwerte – exakt die Reihenfolge, die man bei steigenden Renditen erwartet. Der interessanteste Befund steckt in Japan: Der Nikkei gewinnt 1,30 Prozent, der breite Topix verliert 0,39 Prozent. Dieselbe Marktkapitalisierung, dasselbe Land, entgegengesetzte Richtung – der Unterschied ist allein die Gewichtung. Was hier steigt, sind ein paar teure Technologiewerte, die eine verpasste Chiprally nachholen; alles andere fällt. Zwei Dinge widersprechen dem Zinsnarrativ. Erstens Krypto, das als zinsempfindlichste Anlage heute nicht mitfällt. Zweitens die Realwirtschaft selbst: Das ifo steigt den fünften Monat, die Institute verdoppeln ihre Wachstumsprognose, die US-Erstanträge liegen unter der Erwartung. Die Kurse fallen also nicht, weil es der Wirtschaft schlechtgeht, sondern weil es ihr zu gut geht – und weil ein libysches Ventil den Ölpreis um vier Prozent bewegt. Keine Anlageberatung.

⑨c ETF-Ampel

Grün = günstig & überverkauft (antizyklischer Einstieg) Gelb = gemischt/neutral – abwarten Rot = teuer & überkauft (überhitzt)
Wie die Ampel entsteht: Jede Position wird auf zwei Achsen bewertet – (A) Bewertung (KGV relativ zum Markt bzw. Preisniveau) und (B) Momentum/Charttechnik (MACD, Kurs vs. EMA200). Daraus folgt zwingend die Farbe: teuer + überkauft → Rot, günstig + überverkauft → Grün, alle gemischten/neutralen Fälle → Gelb. Ergänzend fließen Mittelzu-/-abflüsse, relative Stärke ggü. Index und Kosten (TER) ein; bei Dividenden-ETFs zusätzlich Rendite & Ausschüttungskontinuität. Momentaufnahme, keine Anlageberatung.
Regionen & Märkte
iShares Core DAX UCITS
Deutsche Standardwerte
Bewertung günstig, Momentum überverkauft – der Index verliert den zweiten Tag und steht mit 25.259,95 rund 1,9 % unter dem Dienstagsstand, obwohl das ifo-Geschäftsklima den fünften Monat in Folge steigt und die Institute ihre Wachstumsprognose auf 1,3 % verdoppelt haben. Die Erholung vom Tagestief bei 25.164 zeigt, dass Käufer auf diesem Niveau da sind. Belastend ist ausschließlich das Zinsumfeld, nicht die Unternehmenslage. → günstig + überverkauft bei verbesserten Fundamentaldaten = Grün.
iShares MDAX UCITS
Deutsche Nebenwerte
Bewertung günstig, Momentum deutlich überverkauft – minus 1,34 % und damit mehr als doppelt so viel wie der DAX, mit Schaeffler −6,46 %, Nordex −5,94 % und Jenoptik −4,73 %. Nebenwerte sind höher verschuldet und reagieren deshalb am stärksten auf steigende Renditen; genau sie profitieren aber auch am meisten von einer anziehenden Binnenkonjunktur, die das ifo jetzt anzeigt. Diese Schere ist die Gelegenheit. → günstig + stark überverkauft = Grün.
iShares NASDAQ 100 UCITS
US-Tech-Schwergewichte
Bewertung ambitioniert, Momentum gebrochen – nach dem Rekordhoch vom Dienstag verlor der Index am Mittwoch 0,91 % und gibt heute weitere 0,5 % ab. Entscheidend ist der Rahmen: Die dreißigjährige US-Rendite steht auf dem höchsten Stand seit 2004, die Oktober-Erhöhung ist zu 64 bis 70 % eingepreist, und über die Hälfte der S&P-500-Werte notiert unter der 200-Tage-Linie. Für die zinssensitivste Gruppe des Marktes ist das kein Umfeld. → teuer + gebrochenes Momentum = Rot.
iShares Core MSCI Emerging Markets
Schwellenländer
Bewertung günstig, Momentum gespalten und die Liquidität bröckelt – Hongkong −0,29 %, Shanghai −1,22 %, Shenzhen −2,34 %, Seoul geschlossen. Die Verlängerung des Zollwaffenstillstands bis zum 10. Januar nimmt kurzfristig Druck, löst aber keinen der Streitpunkte. Dazu die Feiertagslücke: Morgen fehlt Festlandchina, kommende Woche eine ganze Handelswoche. → günstig + ausgedünntes Momentum = Gelb.
Branchen & Themen
VanEck Semiconductor UCITS
Halbleiter
Bewertung hoch, Momentum zweigeteilt und darum trügerisch – in Tokio holten Advantest, Tokyo Electron und Ibiden eine Rally nach, die der Philadelphia Semiconductor Index während der japanischen Feiertage mit 8,06 % vorgelegt hatte. Gleichzeitig ist Infineon mit −4,22 % der schwächste DAX-Wert und die US-Chipwerte geben weiter nach. Vom Trump-Xi-Gipfel gibt es zu den Exportkontrollen bislang nichts. Wer hier kauft, kauft eine Nachholbewegung, keine neue Nachricht. → teuer + widersprüchliches Momentum = Rot.
STOXX Europe 600 Oil & Gas
Energie
Bewertung fair, Momentum sehr stark – Brent +3,90 % auf 107,10 $, getrieben von einem konkreten Angebotsausfall: Das libysche Feld El Sharara fördert nach der Ventilschließung statt 340.000 nur noch rund 120.000 Barrel täglich. Das ist real und nicht wegverhandelbar. Die Kehrseite: Der Sektor hat in zwei Tagen die gesamte Entspannung der Vorwoche zurückgeholt, und das iranische Hormus-Angebot liegt weiter auf dem Tisch. Auf diesem Niveau ist das Chancen-Risiko-Verhältnis nicht mehr günstig. → fair + überkauft nach Angebotsschock = Gelb.
STOXX Europe 600 Automobiles & Parts
Automobil
Bewertung seit Jahren günstig, Momentum klar überverkauft – BMW rund −3 %, Volkswagen und Mercedes-Benz je rund −2 %, alle nahe ihren Jahrestiefs. Hinzu kommt die Debatte über EU-Zölle und Local-Content-Auflagen gegen chinesische Fahrzeuge. Die Branche leidet gleichzeitig unter Zinsen, Handelspolitik und Ölpreis – drei Gegenwinde, die alle politisch sind und sich entsprechend schnell drehen können. → günstig + überverkauft = Grün.
iShares STOXX Europe 600 Insurance
Versicherungen
Bewertung fair, Momentum als einzige Gruppe klar positiv – Münchener Rück +1,99 %, Hannover Rück +1,74 %. Versicherer profitieren doppelt: Sie gelten als defensiv, und höhere Renditen verbessern die Erträge ihrer Kapitalanlagen. Der Sonderfall ist die Allianz, deren Schwäche sich jetzt erklärt: Das Aktienrückkaufprogramm ist mit 2,42 von 2,5 Mrd. € praktisch ausgeschöpft, der Kaufdruck fällt weg. Ein technischer, kein fundamentaler Grund. → fair + positives Momentum = Gelb.
Rohstoffe & Edelmetalle
EUWAX Gold II DE000EWG2LD7
Physisch besichertes Gold-ETC
Preisniveau mit 4.257,10 $ nach drei Verlusttagen spürbar unter den Höchstständen, Momentum negativ – und genau das macht die Position erstmals seit Wochen wieder interessant. Die Begründung des Rückgangs ist rein zinsgetrieben; fundamental hat sich nichts verbessert, im Gegenteil: In Libyen wird ein Ölfeld blockiert, in der Straße von Hormus wird geschossen, und die Inflationserwartungen steigen. Wir stufen von Gelb auf Grün. → korrigiert + zinsbedingt überverkauft = Grün.
WisdomTree Brent Crude Oil JE00B78CGV99
Öl / Brent-ETC
Preisniveau mit 107,10 $ nach zwei starken Tagen wieder deutlich über 100 $, Momentum sehr stark. Der Treiber ist ein realer Ausfall von 220.000 Barrel täglich in Libyen, ergänzt um mögliche US-Dieselexportbeschränkungen. Dagegen steht das iranische Angebot, die Straße von Hormus binnen sieben Tagen zu öffnen – eine einzige Einigung würde mehrere Dollar aus dem Preis nehmen. Ein Markt, der in beide Richtungen zweistellig gehen kann. → fair + maximal zweiseitiges Risiko = Gelb.
L&G All Commodities
Breiter Rohstoffkorb
Bewertung fair, Momentum klar positiv – der Energieanteil steigt um fast vier Prozent, die Edelmetalle geben weniger als einen Prozentpunkt nach. In einem Umfeld steigender Inflationserwartungen ist ein breiter Rohstoffkorb strukturell im Vorteil gegenüber Anleihen und zinssensitiven Aktien. Die Konzentration auf Energie ist derzeit allerdings auch das Hauptrisiko. → fair + positives, aber konzentriertes Momentum = Gelb.
Krypto
Fidelity Physical Bitcoin (ETP)
Bitcoin physisch
Preisniveau mit 84.241 $ nach dem Einbruch vom Mittwoch stabilisiert, Momentum neutral – minus 0,23 % an einem Tag, an dem Aktien und Gold beide fallen und die Renditen Mehrjahreshochs erreichen. Dass die zinsempfindlichste Anlageklasse gerade nicht mitfällt, ist bemerkenswert, aber nach einem einzigen Tag kein Signal. Die Spanne von 82.867 bis 84.958 $ zeigt, dass Käufer auf dem tieferen Niveau zugegriffen haben. → fair + neutrales Momentum = Gelb.
Dividenden-ETFs
iShares STOXX Global Select Dividend 100 ~5 % · TER ~0,46 %
Globale Hochdividende · quartalsw. Jan/Apr/Jul/Okt
Bewertung günstig, Momentum erstmals seit Tagen gemischt statt schlecht – Versicherer und Energie sind hier stark vertreten und gehören heute zu den Gewinnern, Immobilien und Versorger dagegen zu den Verlierern. Der strukturelle Gegenwind verschärft sich allerdings weiter: Bei einer dreißigjährigen US-Rendite von 5,44 Prozent bietet die risikoärmste Anlage der Welt inzwischen mehr als dieser Index. → günstig + gemischtes Momentum bei verschärfter Konkurrenz = Gelb.
Fidelity US Quality Income UCITS ~1,4 % · TER ~0,25 %
US-Qualität · quartalsw. Feb/Mai/Aug/Nov
Bewertung moderat, und das Umfeld spricht weiter klar für diesen Ansatz – der Russell 2000 verlor am Mittwoch 1,77 % gegenüber 0,75 % beim S&P 500, und über die Hälfte der Indexwerte notiert unter der 200-Tage-Linie. Wenn die Zinsen auf Zwanzigjahreshochs stehen, trennt sich die verschuldete von der soliden Bilanz, und genau das filtert dieser Ansatz. → fair + günstiges relatives Umfeld = Grün.
iShares EURO STOXX 50 (DE) ~2,4 % · TER ~0,10 %
Euro-Blue-Chips · quartalsw. Mär/Jun/Sep/Dez
Bewertung günstig, Momentum überverkauft – der Index gibt 0,46 % ab, an einem Tag, an dem das ifo-Geschäftsklima auf den höchsten Stand seit über drei Jahren steigt und die Institute die deutsche Wachstumsprognose verdoppeln. Diese Diskrepanz zwischen Konjunkturbild und Kursverlauf besteht nun den zweiten Tag. Europa handelt weiter mit doppeltem Bewertungsabschlag bei sehr niedrigen Kosten. → günstig + überverkauft = Grün.
💡 Monatlicher Cashflow: Die drei Dividenden-ETFs zahlen dank versetzter Termine zusammen in jedem Monat aus: Jan/Apr/Jul/Okt (Global Select Dividend) + Feb/Mai/Aug/Nov (US Quality Income) + Mär/Jun/Sep/Dez (EURO STOXX 50) = alle 12 Monate. Ausschüttungsrenditen, TER und Termine sind indikativ.

⑩ Die wichtigsten Meldungen

Anleihen

Weltweiter Anleiheausverkauf – drei Mehrjahreshochs an einem Tag

Die dreißigjährige US-Rendite stieg auf 5,438 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2004; die zehnjährige hält sich mit 5,14 Prozent über der Fünf-Prozent-Marke, die zweijährige steht bei 4,897 Prozent. In Europa kletterte die zehnjährige Bundrendite auf 3,57 Prozent – höchster Stand seit Mitte 2009 –, die französische auf 4,70 Prozent und damit auf den höchsten Wert seit Ende Juli 2008. In Japan sprang die zehnjährige Rendite um zehn Basispunkte auf 3,087 Prozent, so hoch wie zuletzt im August 1996. Treiber sind der Ölpreisanstieg und starke Konjunkturdaten beiderseits des Atlantiks. Für eine Fed-Erhöhung im Oktober liegt die eingepreiste Wahrscheinlichkeit inzwischen bei 64 bis 70 Prozent.

Trading Economics / dpa-AFX / TheStreet
Geopolitik

Xi im Weißen Haus – Zollwaffenstillstand bis zum 10. Januar verlängert

Xi Jinping wurde heute mit militärischen Ehren auf dem South Lawn empfangen – der erste Staatsbesuch eines chinesischen Präsidenten im Weißen Haus seit 2015. Finanzminister Scott Bessent gab bereits bei der Ankunft die Verlängerung des Zollwaffenstillstands vom 10. November auf den 10. Januar 2027 bekannt. Am Abend folgt das Staatsbankett mit Jensen Huang, Sam Altman, Jeff Bezos, Elon Musk, Tim Cook, Sundar Pichai und Michael Dell. Zu den eigentlichen Streitpunkten – KI- und Chip-Exportkontrollen, seltene Erden, Taiwan, Fentanyl – liegt bislang kein Ergebnis vor; die USA haben einen Meldemechanismus für sicherheitsrelevante KI-Vorfälle vorgeschlagen. Folgegipfel sind für November in China und Dezember in Florida geplant. Die Marktreaktion blieb verhalten: Die Verlängerung war weitgehend eingepreist.

CNBC / NBC News / Al Jazeera
Rohstoffe

Öl springt vier Prozent – bewaffnete Gruppe blockiert Libyens größtes Ölfeld

Brent stieg 3,90 Prozent auf 107,10 US-Dollar, WTI 3,87 Prozent auf 95,72 Dollar. Auslöser ist ein konkreter Angebotsausfall: Eine bewaffnete Gruppe hat am 22. September das Ventil Nummer 7 der Pipeline vom Ölfeld El Sharara zum Exporthafen Zawiya geschlossen. Die Förderung des größten libyschen Feldes fiel von rund 340.000 auf etwa 120.000 Barrel je Tag; die nationale Ölgesellschaft warnt vor einem vollständigen Stillstand von Förderung, Transport und Export und erwägt höhere Gewalt. Verstärkend wirkt, dass die US-Regierung Beschränkungen für Dieselexporte prüft – die amerikanischen Dieselpreise stehen auf Rekordniveau, und Russland erwägt parallel eine Verlängerung seines Exportverbots.

OilPrice / Euronews / dpa-AFX
Deutschland

ifo-Geschäftsklima steigt zum fünften Mal in Folge – Institute verdoppeln Prognose

Das ifo-Geschäftsklima kletterte im September auf 89,9 Punkte nach 88,8 und über die erwarteten 89,0 – der höchste Stand seit über drei Jahren und der fünfte Anstieg hintereinander. Beide Komponenten verbesserten sich: die Lagebeurteilung auf 89,5, die Erwartungen auf 90,4. Das ifo schreibt, die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage positiver. Parallel hat die Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsinstitute ihre Wachstumsprognose für 2026 von 0,6 auf 1,3 Prozent mehr als verdoppelt. Zusammen mit den Einkaufsmanagerindizes vom Mittwoch ist die Konjunkturwende damit an zwei unabhängigen Indikatoren belegt – nur hilft das den Kursen an einem Zinstag nicht.

ifo Institut / dpa-AFX
Notenbanken

Norwegen erhöht, Schweden signalisiert, die Schweiz hält still

Drei europäische Notenbanken, ein gemeinsames Motiv. Die Norges Bank hob den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,50 Prozent an; Gouverneurin Ida Wolden Bache erklärte, es werde „wahrscheinlich nötig sein, den Leitzins eine Zeit lang erhöht zu halten". Die Riksbank beließ ihn bei 1,75 Prozent, signalisierte aber eine Straffung noch vor Jahresende. Die SNB hielt an 0,00 Prozent fest – seit Juni 2025 unverändert –, hob jedoch ihre Inflationsprognosen für 2026 bis 2028 an; der Franken gab daraufhin nach. Alle drei begründen ihre Haltung mit dem kriegsbedingten Energiepreisschock. Der Markt preist inzwischen weitere Erhöhungen in Norwegen und vier in Schweden bis zum Frühjahr ein.

Norges Bank / Riksbank / SNB / cash.ch
Asien

Tokio holt nach drei Feiertagen auf – Nikkei +1,30 Prozent, Topix aber im Minus

Der Nikkei 225 stieg um 846,69 Punkte bzw. 1,30 Prozent auf 65.865,64 und markierte im Tageshoch 66.249,11 Punkte. Grund ist eine Nachholbewegung: Während der japanische Kassamarkt drei Tage geschlossen war, legte der Philadelphia Semiconductor Index um 8,06 Prozent zu. Entsprechend trugen Advantest, Tokyo Electron und Ibiden den Gewinn. Der breite Topix verlor dagegen 0,39 Prozent auf 4.075,30 – die Rally beschränkte sich auf wenige schwere Technologiewerte, während Value- und Finanztitel unter der auf ein Dreißigjahreshoch gesprungenen Anleiherendite litten. Der Yen notiert trotz der Zinserhöhung der Bank of Japan bei rund 158 je Dollar und tendiert Richtung 160.

Nikkei Inc. / Trading Economics / News On Japan
Aktien

Die Allianz-Schwäche ist erklärt – das Rückkaufprogramm läuft aus

Nach zwei Handelstagen mit jeweils über drei Prozent Minus ohne erkennbaren Anlass gibt es nun eine belastbare Erklärung: Von den für 2026 vorgesehenen 2,5 Milliarden Euro Aktienrückkäufe waren bis zum 18. September bereits 2,42 Milliarden Euro verbraucht. Der regelmäßige Kaufdruck, der den Kurs über Monate gestützt hat, fällt damit praktisch weg. Sekundär werden Gewinnmitnahmen nach starkem Jahresverlauf genannt. Charttechnisch ist die 50-Tage-Linie bei 438,62 Euro gebrochen und die 100-Tage-Linie um 416 Euro im Test; der RSI steht bei 20 und damit klar im überverkauften Bereich. Die übrigen Versicherer zählten heute zu den Tagesgewinnern.

Börse Online
Unternehmen

Meta Connect liefert Hardware – Schneider Electric bietet 70 Euro für Shelly

Auf der Entwicklerkonferenz stellte Meta die Ray-Ban Meta Gen 3 für 449 Dollar, die kameralose Ray-Ban Meta Audio für 349 Dollar und die Meta VR Glasses für 1.299 Dollar vor, dazu den Muse Charm – einen Anhänger mit dem KI-Agenten Muse, der ohne Telefon funktioniert. Die Aktie gewann am Mittwoch 2,12 Prozent und gibt heute 1,7 Prozent ab. In Europa bietet Schneider Electric 70 Euro je Aktie für die bulgarische Shelly Group; der Kurs sprang vorbörslich um 8,5 Prozent auf 69,90 Euro. MTU Aero Engines legte rund 3 Prozent zu, nachdem Citigroup die Aktie gleich zwei Stufen von „Verkaufen" auf „Kaufen" hochgestuft hatte. Costco berichtet heute nach US-Börsenschluss; erwartet werden 6,54 Dollar je Aktie bei 94,86 Milliarden Dollar Umsatz.

Tom's Guide / dpa-AFX / TipRanks

⑪ Kurz notiert

Anleihen
US 30 Jahre 5,438 % – höchster Stand seit 2004; Bund 3,57 % (seit 2009), Japan 3,087 % (seit 1996).
Öl
Brent +3,90 % auf 107,10 $ – Libyens größtes Ölfeld fördert nach Ventilblockade nur noch ein Drittel.
China
Zollwaffenstillstand vom 10. November auf den 10. Januar 2027 verlängert – Xi im Weißen Haus empfangen.
ifo
89,9 Punkte, fünfter Anstieg in Folge, höchster Stand seit über drei Jahren; Institute verdoppeln Prognose auf 1,3 %.
DAX
25.259,95 (−0,59 %) nach Erholung vom Tagestief 25.164; MDAX mit −1,34 % deutlich schwächer.
Rotation
Beiersdorf, Münchener Rück und Hannover Rück vorn – Infineon (−4,22 %) und Rheinmetall (−3,39 %) hinten.
Allianz
Die Schwäche ist erklärt: 2,42 von 2,5 Mrd. € Rückkaufvolumen verbraucht, der Kaufdruck fällt weg.
Tokio
Nikkei +1,30 % nach drei Feiertagen – der breite Topix verliert dagegen 0,39 %.
Notenbanken
Norwegen erhöht auf 4,50 %, Schweden signalisiert Q4-Schritt, die SNB bleibt bei 0,00 %.
USA
Erstanträge 197.000 unter Erwartung, Neubauverkäufe 684.000 mit +6,4 % deutlich darüber.
Wall Street
Dritter Verlusttag in Folge: Nasdaq Composite −0,75 %, S&P 500 −0,30 %, Dow und Nasdaq 100 je rund −0,5 %.
Feiertage
Seoul heute und morgen zu, Shanghai morgen – Hongkong handelt entgegen früheren Angaben regulär.

◆ Wochenausblick · 25.–30. September

Heute Abend (24.09.): Staatsbankett im Weißen Haus mit Xi Jinping und der versammelten US-Technologiespitze. Nachbörslich in den USA die Quartalszahlen von Costco (erwartet 6,54 $ je Aktie bei 94,86 Mrd. $ Umsatz) und Darden Restaurants.

Freitag (25.09.): GfK-Konsumklima für Oktober um 8:00 Uhr sowie Auftragseingang und Umsatz im Bauhauptgewerbe, um 10:00 Uhr Geldmenge M3 und Kreditvergabe der EZB für August. Aus den USA um 14:30 Uhr der Auftragseingang für langlebige Güter und um 16:00 Uhr die zweite Erhebung des Michigan-Verbrauchervertrauens. Seoul und Festlandchina bleiben geschlossen, Hongkong handelt regulär.

Wochenende: Der Trump-Xi-Besuch klingt mit Tee und einem Besuch des Nationalarchivs aus. Am Sonntag stehen Schweizer Volksabstimmungen und französische Senatswahlen an.

Kommende Woche: Festlandchina handelt nur von Montag bis Mittwoch und geht dann in die Golden Week vom 1. bis 7. Oktober; Hongkong schließt am 1. Oktober, Seoul am 5. Oktober.

Worauf es ankommt: Der Markt hat heute gezeigt, woran er derzeit hängt – nicht an der Konjunktur, sondern am Ölpreis und den Renditen. Solange ein blockiertes Ventil in Libyen den Brent-Preis um vier Prozent bewegt und die dreißigjährige US-Rendite Zwanzigjahreshochs markiert, bleibt jede gute Konjunkturzahl zweischneidig. Die eigentliche Frage der kommenden Tage lautet deshalb, ob aus dem iranischen Hormus-Angebot eine Einigung wird. Zweitens bleibt offen, ob der Gipfel in Washington über die Zollverlängerung hinaus etwas zu den Chip-Exportkontrollen liefert – für den Halbleitersektor wäre das der einzige neue Impuls.

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