Der Dienstag bringt die Entlastung, auf die die Märkte seit Tagen warten, aber nur an einer Stelle. Brent fiel von 107,33 US-Dollar am Morgen auf rund 103,20 bis 103,50 Dollar und damit um 1,7 bis 2,0 Prozent unter das Montags-Settlement von 105,28 Dollar. Auslöser sind die indirekten Gespräche zwischen den USA und Iran über katarische Vermittler und die Nachricht, dass die saudische Ost-West-Pipeline wieder mit rund der Hälfte ihrer Kapazität läuft – mindestens 3,5 Millionen Barrel täglich.
Der Anleihemarkt nimmt diese Entlastung nicht an. Die zehnjährige US-Rendite hatte am Montag bei 5,24 Prozent geschlossen – das ist der höchste Stand seit Juni 2007 – und liegt heute unverändert bei rund 5,25 Prozent. Die dreißigjährige steht bei rund 5,56 Prozent. In Europa pausiert der Ausverkauf auf hohem Niveau: Die Bundrendite liegt bei 3,60 bis 3,61 Prozent, die französische mit 4,77 Prozent auf dem höchsten Stand seit Juli 2008. Für die Fed-Sitzung am 28. Oktober sind weiterhin rund 70 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung eingepreist.
Die Konjunkturdaten des Nachmittags zeigen, was diese Zinsen anrichten. Das Verbrauchervertrauen des Conference Board stürzte auf 81,9 Punkte – erwartet waren 89,2, der revidierte Vormonat lag bei 88,6. Das ist der tiefste Stand seit April 2014. Der Erwartungsindex fiel auf 63,6, die Inflationserwartung der Haushalte auf Jahressicht liegt bei 6,1 Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl der offenen Stellen (JOLTS) auf 7,079 Millionen und blieb unter der Erwartung von 7,228 Millionen. Nach dem GfK-Einbruch am Freitag und dem Michigan-Tief ist das die dritte Verbraucherumfrage binnen drei Handelstagen, die dasselbe Bild zeigt.
An den Aktienmärkten ist das Bild deshalb zweigeteilt. Der DAX liegt mit 25.453,36 Punkten um 0,31 Prozent im Plus, getragen von einer kräftigen Erholung der Chipwerte – Infineon gewinnt rund 4,6 Prozent. An der Wall Street dagegen herrscht Stillstand: Der Dow gibt leicht nach, der Nasdaq 100 legt leicht zu. Alle warten auf den Arbeitsmarktbericht am Freitag.
In Tokio sieht der Tag schlimmer aus, als er war. Der Nikkei 225 verlor 396,35 Punkte bzw. 0,60 Prozent auf 65.481,27, der Topix 70,87 Punkte bzw. 1,72 Prozent auf 4.041,13. Der größte Teil davon ist Technik: Heute wurden die Aktien ex Halbjahresdividende gehandelt, und dieser Abschlag allein kostet den Nikkei rund 380 Punkte. Die Marktbreite war dennoch schwach – im Prime-Segment standen 170 Gewinnern 1.318 Verlierer gegenüber. Öl-, Kohle- und Stahlwerte gaben mit dem Rohölpreis jeweils mehr als vier Prozent ab, SoftBank verlor 3,35 Prozent, MUFG und Toyota jeweils rund 3,5 Prozent. Nur die Elektrotechnik lag im Plus. Bereits am Montag hatte der Nikkei 0,73 Prozent auf 65.877,62 nachgegeben und damit seine fünftägige Gewinnserie beendet. Der Topix schloss am Montag bei 4.112,00 (−0,40 Prozent); sein Freitagsschluss lautet 4.128,59 und nicht 4.123,73, wie in unserem Freitagsbericht angegeben.
Hongkong schwankt, Festlandchina hält sich vor der Golden Week. Der Hang Seng gab 118,94 Punkte bzw. 0,48 Prozent auf 24.523,57 ab, nachdem er am Montag noch 0,54 Prozent zugelegt hatte. Schwach waren die Technologiewerte mit Tencent (−1,8 Prozent), Xiaomi (−2,6 Prozent) und Meituan (−2,0 Prozent), stark dagegen die Immobilienentwickler – Vanke gewann 9,1 Prozent, Country Garden 5,1 Prozent. Der Shanghai Composite legte 0,18 Prozent auf 3.830,45 zu; die Anleger setzen auf beschleunigte Staatsanleiheemissionen im vierten Quartal. Mittwoch ist der letzte Handelstag vor der einwöchigen Pause. In Seoul, das nach Chuseok wieder handelt, gab der Kospi 0,27 Prozent auf 6.870,81 ab; Samsung gewann 0,9 Prozent.
Der Yen bleibt schwach, die Zinsen hoch. Der Dollar notiert bei rund 157,4 Yen, die zehnjährige japanische Rendite bei 3,09 Prozent und damit knapp unter dem Hoch seit 1996 vom Freitag. Das am Montag veröffentlichte Protokoll der Bank of Japan enthält den Satz, das Zinstempo könne schneller ausfallen, als der Markt erwartet.
Der Freitag endete stark, der Montag nahm fast alles wieder zurück. Am Freitag schlossen der S&P 500 mit +0,51 Prozent bei 7.743,41, der Dow mit +0,93 Prozent bei 51.828,62, der Nasdaq Composite mit +0,48 Prozent bei 27.068,72 und der Nasdaq 100 mit +0,42 Prozent bei 30.608,13. Auf Wochensicht stand damit für den S&P 500 ein Plus von rund 1,2 Prozent, für den Nasdaq 100 von gut drei Prozent. Am Montag folgte der Rückschlag: Der S&P 500 verlor 59,72 Punkte bzw. 0,77 Prozent auf 7.683,69, der Dow 347,11 Punkte bzw. 0,67 Prozent auf 51.481,51, der Nasdaq Composite 248,34 Punkte bzw. 0,92 Prozent auf 26.820,38 und der Nasdaq 100 331,32 Punkte bzw. 1,08 Prozent auf 30.276,81. Der Volatilitätsindex VIX stieg um acht Prozent auf 16,07.
Drei Belastungen kamen zusammen. Präsident Trump hatte am Wochenende den iranischen Vorschlag zur Öffnung der Straße von Hormus abgelehnt, der Ölpreis sprang zeitweise um mehr als vier Dollar. Die Renditen zogen an. Und aus dem KI-Sektor kamen zwei schlechte Nachrichten: OpenAI setzt nach einem Sicherheitsvorfall das Training seiner leistungsfähigsten Modelle aus, und bei Oracle wachsen die Sorgen um die Finanzierung der Rechenzentrumsprojekte. Die schwersten Verluste hatten MongoDB mit −18,5 Prozent nach dem Wechsel des Vorstandschefs zu Meta, Arm mit −8,7 Prozent und Intel mit −5,7 Prozent; Qualcomm und Boeing verloren je nach Quelle zwischen fünf und sieben Prozent – Boeing wegen eines Softwarefehlers in der Autoland-Funktion der 737 MAX. Gegen den Trend gewann Nvidia 1,7 Prozent nach der Ankündigung eines Aktienrückkaufs über 150 Milliarden Dollar, des größten der US-Geschichte.
(a) Verlauf – früh stark, dann die Hälfte abgegeben: Der DAX eröffnete mit 25.374,34 Punkten praktisch auf dem Montagsschluss und stieg bis zum frühen Nachmittag auf ein Tageshoch von 25.617,31. Im Umfeld der schwachen US-Konjunkturdaten um 16:00 Uhr bröckelte der Gewinn ab: Um 16:53 Uhr standen 25.453,36 Punkte, 78,94 Punkte bzw. 0,31 Prozent über dem Montagsschluss von 25.374,42; das Tagestief lag bei 25.338,03. Der TecDAX gewann gut ein Prozent, der MDAX rund 0,7 Prozent, der Euro Stoxx 50 0,53 Prozent auf 6.334,44. Paris und London traten mit dem schwachen Energiesektor auf der Stelle.
(b) Nachtrag zu Freitag und Montag: Der DAX schloss am Freitag amtlich bei 25.408,64 Punkten (+0,56 Prozent) und beendete mit einem Wochenplus von 0,4 Prozent eine dreiwöchige Verlustserie; in unserem Freitagsbericht stand noch der Stand von 16:53 Uhr. Am Montag rutschte der Index erst im späten Handel mit der US-Schwäche ins Minus und schloss bei 25.374,42 Punkten (−0,13 Prozent), der MDAX bei 30.895,59 (−0,44 Prozent). Die 100-Tage-Linie hielt.
(c) Gewinner und Verlierer (Stand 15:40 Uhr): Vorn lag Infineon mit +4,60 Prozent – die Chipwerte erholten sich breit von der Montagsschwäche, gestützt vom Nvidia-Rückkauf und dem Vorlauf zu den Micron-Zahlen am Mittwoch. Dahinter gewannen Siemens Energy 3,39 Prozent und Vonovia 2,52 Prozent; bei beiden ließ sich kein Unternehmensanlass finden, bei Vonovia liegt der Zusammenhang mit der leicht nachgebenden Bundrendite nahe. In der zweiten Reihe fiel der Halbleitersektor noch deutlicher aus: Siltronic +8,4 Prozent, Aixtron +5,2 Prozent, Süss MicroTec +5,2 Prozent.
Schlusslicht war Bayer mit −3,13 Prozent, ohne dass sich ein konkreter Auslöser finden ließ. Dahinter verloren Fresenius Medical Care 1,75 Prozent – Berenberg senkte das Kursziel von 60 auf 42 Euro – und Fresenius 1,74 Prozent. Autowerte standen ebenfalls unter Druck, Mercedes-Benz gab 1,7 Prozent ab.
(d) Weitere Meldungen: Die Nachricht des Tages in der Chemie: Laut „Financial Times" hat Evonik ein Übernahmeangebot der BASF über 22,15 Euro je Aktie abgelehnt – rund 10,3 Milliarden Euro und etwa 23 Prozent Aufschlag auf den Kurs vor Bekanntwerden der Sondierung. Gespräche gebe es derzeit keine. Evonik lag am Nachmittag nur noch knapp im Plus, BASF leicht fester. Hornbach legte nach Quartalszahlen rund 3,5 Prozent zu (Details unter ⑧). Unter Druck standen Renk mit −3,9 Prozent, nachdem JPMorgan ein enttäuschendes drittes Quartal erwartet, sowie OHB (−6,5 Prozent) und Verbio (−5,9 Prozent). RWE verlor knapp ein Prozent auf Berichte über ein Bieterkonsortium mit KKR für Uniper. Europaweit belasteten die Ölwerte: BP −2,6 Prozent, Eni −2,0 Prozent.
(e) Anleihen und Devisen: Die zehnjährige Bundrendite liegt bei 3,60 bis 3,61 Prozent und damit nahe dem höchsten Stand seit 2009; die französische bei 4,77 Prozent, so hoch wie seit Juli 2008 nicht mehr. EZB-Präsidentin Lagarde sagte am Montag vor dem EU-Parlament, es gebe „höhere Inflation vor uns, aber noch keine Anzeichen, dass sie sich verfestigt", und plädierte für eine maßvolle Reaktion – höhere Renditen erledigten bereits einen Teil der Straffung. Ökonomen lesen daraus eine mögliche Pause im Oktober und einen Schritt im Dezember. Der Euro gab auf 1,1344 US-Dollar nach (EZB-Referenzkurs 1,1355). Spanien lieferte dazu die unangenehmste Zahl des Vormittags: Die Inflation stieg überraschend auf 4,9 Prozent, nach europäischer Rechnung auf 5,0 Prozent – so hoch wie seit Februar 2023 nicht mehr.
Die Wall Street wartet ab. Zum Handelsstart um 15:42 Uhr MESZ lag der Nasdaq Composite mit 26.903,14 Punkten 82,76 Punkte bzw. 0,31 Prozent im Plus, der S&P 500 mit 7.690,83 Punkten knapp darüber, der Dow mit 51.430,67 Punkten leicht darunter. Nach den Konjunkturdaten um 16:00 Uhr kippte das Bild leicht: Gegen 16:58 Uhr meldeten die Agenturen den Dow bei rund 51.305 Punkten (−0,3 Prozent), den S&P 500 bei rund 7.679 Punkten (−0,06 Prozent) und den Nasdaq 100 bei rund 30.393 Punkten (+0,4 Prozent). Nur Indexstände.
Zwei Kräfte heben sich gegenseitig auf. Der fallende Ölpreis stützt, das Verbrauchervertrauen auf dem tiefsten Stand seit zwölf Jahren und die rückläufigen offenen Stellen belasten. Dass die Technologiewerte trotzdem vorn liegen, ist die Gegenbewegung zum Montag, an dem der Nasdaq 100 mehr als ein Prozent verloren hatte. Die eigentliche Richtungsentscheidung vertagen die Anleger auf den Arbeitsmarktbericht am Freitag, für den nur noch 80.000 bis 90.000 neue Stellen erwartet werden.
Der Ölpreis dreht im Tagesverlauf deutlich. Am Morgen stieg Brent noch auf 107,33 US-Dollar, am Nachmittag notierte die Nordseesorte zwischen 103,18 und 103,51 Dollar und damit 1,7 bis 2,0 Prozent unter dem Montags-Settlement von 105,28 Dollar. WTI fiel um 2,2 bis 2,4 Prozent auf 90,39 bis 90,76 Dollar. Die Spanne ergibt sich aus zwei unabhängigen Quellen zu leicht unterschiedlichen Zeitpunkten.
Die Angebotsseite entspannt sich schneller als die Diplomatie. Die saudische Ost-West-Pipeline läuft wieder mit rund der Hälfte ihrer Kapazität, die Rohölexporte aus dem Golf liegen bei etwa 80 Prozent des Vorkriegsniveaus. Politisch ist die Lage unklarer: Trump hatte am Wochenende den iranischen Hormus-Vorschlag abgelehnt, seither laufen indirekte Gespräche über Katar. Trump bestreitet, Iran eine Lockerung der Sanktionen angeboten zu haben – „I have offered them NOTHING!". Iranische Vertreter zeigen sich skeptisch, dass vor den US-Wahlen im November eine Einigung gelingt. In Libyen bleibt offen, ob das Feld El Sharara wieder fördert. Die OPEC+ trifft sich am Sonntag, 4. Oktober; die US-Lagerdaten des API folgen heute Abend.
Gold erholt sich vom schwersten Tag seit Wochen. Am Montag war der Preis um drei bis vier Prozent auf rund 4.115 Dollar gefallen, den tiefsten Stand seit August. Heute notiert Gold mit 4.168,90 Dollar um 53,80 Dollar bzw. 1,31 Prozent fester (Kitco, 17:02 Uhr MESZ). Silber tritt mit 60,91 Dollar auf der Stelle, nachdem es am Montag 4,3 Prozent verloren hatte; Platin gibt weitere 1,9 Prozent auf 1.684,35 Dollar ab.
| Datum | Ereignis | Ist | Erwartung | Vorher |
|---|---|---|---|---|
| Di 29.09. | USA · Conference-Board-Verbrauchervertrauen September ★ Hohe Relevanz | 81,9 | 89,2 | 88,6 |
| Di 29.09. | USA · Erwartungsindex / Lageindex | 63,6 / 109,3 | — | 69,5 / 117,2 |
| Di 29.09. | USA · Offene Stellen (JOLTS) August ★ Hohe Relevanz | 7,079 Mio. | 7,228 Mio. | 7,335 Mio. |
| Di 29.09. | USA · Case-Shiller-Hauspreise Juli, 20 Städte j/j | +2,5 % | — | +2,2 % |
| Di 29.09. | Eurozone · Wirtschaftsstimmung (ESI) September | 97,9 | 99,0 | 98,4 |
| Di 29.09. | Spanien · Verbraucherpreise September j/j (vorläufig) | 4,9 % | 4,6 % | — |
| Di 29.09. | Spanien · HVPI September j/j | 5,0 % | 4,9 % | 4,6 % |
| Mi 30.09. | Deutschland · Verbraucherpreise September (vorläufig) ★ Hohe Relevanz | — | 3,2 % | 2,9 % |
| Mi 30.09. | China-Einkaufsmanagerindex · USA PCE-Deflator August · Micron-Zahlen | — | — | — |
| Do 01.10. | Japan Tankan · ISM Industrie USA · Nike-Zahlen | — | 55,0 (ISM) | 54,6 (ISM) |
| Fr 02.10. | USA · Arbeitsmarktbericht September · Eurozone-Verbraucherpreise ★ Hohe Relevanz | — | 80–90 Tsd. | 162 Tsd. |
Das Conference-Board-Vertrauen ist die Zahl des Tages. Mit 81,9 Punkten verfehlt es die Erwartung um mehr als sieben Punkte und fällt auf den tiefsten Stand seit April 2014. Beide Teilindizes gaben nach: Die Einschätzung der aktuellen Lage sank um 7,9 auf 109,3 Punkte, die Erwartungen um 5,9 auf 63,6 Punkte – ein Wert, der historisch häufig einer Rezession vorausging. Die Haushalte erwarten auf Jahressicht eine Inflation von 6,1 Prozent im Mittel. Der Arbeitsmarkt kühlt parallel ab. Die offenen Stellen fielen auf 7,079 Millionen und damit unter die Erwartung; der Vormonat wurde auf 7,335 Millionen revidiert. Für die Fed ist das eine unbequeme Mischung: Die Inflationserwartungen steigen, die Nachfrage nach Arbeitskräften sinkt. In Europa kam die Verbraucherschwäche in der Wirtschaftsstimmung an. Der ESI fiel nach vier Anstiegen erstmals wieder, auf 97,9 Punkte; Industrie und Dienstleister verbesserten sich, das Konsumklima zog den Index nach unten. Spanien meldete mit 5,0 Prozent nach europäischer Rechnung die höchste Inflationsrate seit Februar 2023 – ein Vorgeschmack auf die deutschen Zahlen am Mittwoch, für die der Konsens mit 3,2 Prozent den höchsten Wert seit Ende 2023 erwartet.
Heute handelten alle großen Börsen regulär. Seoul ist nach den Chuseok-Feiertagen vom 24. und 25. September zurück, Taiwan war am Montag wegen des Lehrertags geschlossen. Deutschland, Japan, die USA und das übrige Europa handeln die ganze Woche durch. Der 3. Oktober fällt in diesem Jahr auf einen Samstag; an Xetra und der Frankfurter Börse entfällt dadurch kein Handelstag.
Ab Donnerstag wird es in Asien dünn: Festlandchina schließt vom 1. bis einschließlich 7. Oktober zur „Golden Week", letzter Handelstag ist Mittwoch, der 30. September; wieder gehandelt wird am 8. Oktober. Hongkong bleibt am 1. Oktober geschlossen und öffnet am Freitag wieder. Indien schließt am Freitag, 2. Oktober. Seoul pausiert am Montag, 5. Oktober, als Ersatz für den auf den Samstag fallenden Nationalfeiertag, und erneut am Freitag, 9. Oktober.
Carnival liefert das Kontrastprogramm zur Verbraucherumfrage. Der Kreuzfahrtkonzern meldete vor Börsenstart einen bereinigten Gewinn von 1,43 Dollar je Aktie (Konsens 1,35) bei einem Umsatz von 8,44 Milliarden Dollar (Konsens 8,35 Milliarden) und hob die Jahresprognose an – auf nun rund 2,24 Dollar je Aktie im Mittel. Das Unternehmen verweist auf eine Rekordnachfrage. Die Aktie stieg um rund elf bis zwölf Prozent. Dass Amerikaner ihrer Wirtschaftslage so wenig trauen wie seit 2014 nicht mehr und zugleich Kreuzfahrten in Rekordzahl buchen, ist kein Widerspruch, sondern das bekannte Muster einer zweigeteilten Konsumkonjunktur.
Im Technologiesektor bestimmen drei Meldungen den Tag. AMD übernimmt das KI-Start-up World Labs für 8,2 Milliarden Dollar; Gründerin Fei-Fei Li wird Chefwissenschaftlerin, die Aktie gewann 1,6 Prozent. Nvidia legte nach dem am Montag angekündigten Rückkauf über 150 Milliarden Dollar weitere 0,6 Prozent zu. Micron gewann 1,7 Prozent vor den Zahlen am Mittwochabend – der Konsens erwartet rund 50,8 Milliarden Dollar Umsatz und 31,4 Dollar Gewinn je Aktie, das Unternehmen selbst hatte 50 Milliarden (± 1 Milliarde) in Aussicht gestellt. Dazu berichten Agenturen von einem durchgesickerten Börsenprospekt von Anthropic mit einer Zielbewertung von rund zwei Billionen Dollar sowie von einem geplanten KI-Gipfel im Weißen Haus; beides ist bislang nicht offiziell bestätigt. Deutlich unter Druck stand FICO, das vorbörslich mehr als 20 Prozent verlor, weil Änderungen bei der Hypothekenbepreisung seine Stellung beim Kredit-Scoring schwächen.
Hornbach bestätigt die Prognose. Im zweiten Geschäftsquartal stieg der Umsatz um 7,3 Prozent auf 1,81 Milliarden Euro, das bereinigte operative Ergebnis wuchs zweistellig, der Überschuss um knapp 13 Prozent. Die Jahresprognose wurde bestätigt, die Aktie gewann rund 3,5 Prozent. BMW hält heute und morgen in München seinen Kapitalmarkttag ab; die Aktie notierte am Vormittag knapp ein Prozent fester, nachdem sie zuvor ein Jahrestief markiert hatte. Neue Mittelfristziele lagen bis Redaktionsschluss nicht vor. Am Montag war Redcare nach einem angehobenen Umsatzausblick um 12,7 Prozent gestiegen.
Termine der Woche: Micron am Mittwoch nach US-Börsenschluss, Nike am Donnerstag nachbörslich (Konsens 11,33 Milliarden Dollar Umsatz, 0,44 Dollar je Aktie), Accenture und McCormick am Donnerstag vorbörslich.
Live-Kurse (Crypto.com, Stand 17:09 Uhr MESZ): Der Kryptomarkt bewegt sich leicht nach oben. Bitcoin gewinnt 0,66 Prozent auf 83.570 $, Ethereum 1,17 Prozent auf 2.699,71 $ und Solana 1,21 Prozent auf 119,56 $. Bitcoin schwankte in den vergangenen 24 Stunden zwischen 82.765 und 84.563 Dollar und liegt damit fast exakt auf dem Niveau vom Freitag.
Die Zuflüsse sind klein, aber positiv. Die US-Spot-ETFs auf Bitcoin verbuchten am Montag rund 31 Millionen Dollar Zuflüsse, die Ether-ETFs rund 17 Millionen. Gemessen an dem Umfeld – Renditen auf dem höchsten Stand seit 2007, eingepreiste Fed-Erhöhung – ist die Seitwärtsbewegung eine relative Stärke. Einen Trend lässt sich daraus nicht ableiten.
| Sektor | Bewertung | Momentum |
|---|---|---|
| Halbleiter Europa | fair | sehr stark (Infineon +4,6 %, Siltronic +8,4 %, Aixtron +5,2 %) |
| Kreuzfahrt / Freizeit | fair | stark (Carnival +11 bis +12 % nach Prognoseanhebung) |
| Immobilien | günstig | fest (Vonovia +2,5 %, Hongkong-Entwickler stark) |
| Nebenwerte (MDAX) | günstig | fest (+0,7 % nach −0,44 % am Montag) |
| Chemie | günstig | abwartend (Evonik lehnt BASF-Offerte ab) |
| Japan (Nikkei und Topix) | teuer | Topix −1,72 %, schwache Breite |
| Energie / Öl | fair | schwach (BP −2,6 %, Eni −2,0 %) |
| Gesundheit Deutschland | günstig | schwach (Bayer −3,1 %, FMC und Fresenius je −1,7 %) |
| Rüstung | teuer | schwach (Renk −3,9 %) |
| Autos | günstig | schwach (Mercedes −1,7 %) |
| Edelmetalle | fair | Gold erholt sich nach −3 bis −4 % am Montag |
| Anleihen (Duration) | günstig | US 10J höchster Stand seit Juni 2007 |
Zur Orientierung: Heute führen die Chipwerte, und der Grund liegt in den USA. Nvidias Rückkauf über 150 Milliarden Dollar und die Erwartungen an die Micron-Zahlen am Mittwoch tragen die gesamte Lieferkette, von Infineon bis Siltronic. Das ist eine Erholung von einem schwachen Montag, keine Trendwende – der Sektor bleibt anfällig für jede Nachricht über die Finanzierbarkeit der KI-Investitionen, wie der Montag mit OpenAI und Oracle gezeigt hat. Die Verlierer des Tages sind die Profiteure des hohen Ölpreises. BP, Eni und die japanischen Öl- und Kohlewerte geben nach, weil die Golf-Exporte schneller zurückkommen als erwartet. Bei den Immobilienwerten reicht bereits eine stabile Bundrendite für ein Plus – das zeigt, wie stark der Sektor auf die Zinsen reagiert und wie weit er schon gefallen ist. Keine Anlageberatung.
Das Verbrauchervertrauen des Conference Board fiel im September auf 81,9 Punkte nach revidierten 88,6 und verfehlte die Erwartung von 89,2 deutlich. Beide Teilindizes gaben nach: Die Lageeinschätzung um 7,9 auf 109,3 Punkte, die Erwartungen um 5,9 auf 63,6 Punkte. Die Inflationserwartung der Haushalte auf Jahressicht liegt bei 6,1 Prozent im Mittel und 5,1 Prozent im Median. Parallel meldete das Arbeitsministerium einen Rückgang der offenen Stellen auf 7,079 Millionen, erwartet waren 7,228 Millionen. Es ist die dritte große Verbraucherumfrage binnen drei Handelstagen – nach GfK und Uni Michigan am Freitag –, die denselben Befund liefert: Die hohen Energiepreise und Zinsen kommen bei den Haushalten an.
Conference Board / US-Arbeitsministerium / ReutersBrent fiel von 107,33 Dollar am Morgen auf 103,18 bis 103,51 Dollar am Nachmittag, WTI auf rund 90,40 bis 90,80 Dollar. Die Entlastung kommt vor allem von der Angebotsseite: Die saudische Ost-West-Pipeline läuft wieder mit rund 50 Prozent ihrer Kapazität, mindestens 3,5 Millionen Barrel täglich, die Golf-Exporte insgesamt liegen bei etwa 80 Prozent des Vorkriegsniveaus. Politisch bleibt die Lage offen. Trump hatte am Wochenende den iranischen Vorschlag zur Öffnung der Straße von Hormus abgelehnt; seither laufen indirekte Gespräche über Katar. Eine Lockerung der Sanktionen habe er nicht angeboten, schrieb Trump: „I have offered them NOTHING!" Am Sonntag tagt die OPEC+.
dpa-AFX / Trading Economics / ReutersDie zehnjährige US-Rendite schloss am Montag bei 5,24 Prozent, im Hoch lag sie bei 5,274 Prozent – so hoch wie seit Juni 2007 nicht mehr. Heute verharrt sie bei rund 5,25 Prozent, die zweijährige bei 4,94 Prozent. Fed-Gouverneurin Lisa Cook erwartet anhaltenden Inflationsdruck durch den Ausbau der KI-Infrastruktur und die Weitergabe höherer Ölpreise. In Europa zeigte sich EZB-Präsidentin Lagarde zurückhaltender: Es gebe höhere Inflation vor uns, aber noch keine Anzeichen einer Verfestigung oder einer Übertragung auf die Löhne; höhere Renditen erledigten bereits einen Teil der Straffung. Der Markt preist für die Fed im Oktober rund 70 Prozent Erhöhungswahrscheinlichkeit ein.
dpa-AFX / Reuters / 24/7 Wall St.Seit Montag liegen die angekündigten Details aus dem Trump-Xi-Gipfel vor. Beide Seiten senken Zölle auf Waren im Wert von jeweils 30 Milliarden Dollar. Auf der amerikanischen Exportseite umfasst die Liste mehr als 1.600 Positionen, darunter Mais, Weizen, Tiefkühlfleisch, Meeresfrüchte, Kosmetik und Medizintechnik; auf der Importseite Spielzeug, Sportartikel, Kindersitze und Weihnachtsdekoration. Sojabohnen sind nicht enthalten, ebenso wenig die Chip-Exportkontrollen. Der Zollwaffenstillstand gilt bis Januar 2027. Wann die Senkungen in Kraft treten, ist noch offen.
UPI / CNN / Agri-PulseLaut „Financial Times" hat BASF Evonik 22,15 Euro je Aktie geboten – insgesamt rund 10,3 Milliarden Euro und etwa 23 Prozent Aufschlag auf den Kurs vor Bekanntwerden der Sondierungen. Evonik lehnte ab, Gespräche gebe es derzeit nicht. Die RAG-Stiftung hält rund 44 Prozent an Evonik und wollte ihren Anteil perspektivisch auf etwa 25 Prozent senken – sie ist damit der Schlüssel für jede weitere Annäherung. Evonik hatte am Freitag zeitweise elf Prozent und am Montag weitere 2,4 Prozent zugelegt; heute lag die Aktie am Nachmittag nur noch knapp im Plus.
Financial Times / dpa-AFXDer Kreuzfahrtkonzern übertraf mit einem bereinigten Gewinn von 1,43 Dollar je Aktie und einem Umsatz von 8,44 Milliarden Dollar beide Konsenswerte (1,35 Dollar bzw. 8,35 Milliarden) und hob die Jahresprognose auf rund 2,24 Dollar je Aktie an. Das Management verweist auf eine Rekordnachfrage. Die Aktie gewann rund elf bis zwölf Prozent. Ebenfalls gefragt: AMD mit +1,6 Prozent nach der Übernahme von World Labs für 8,2 Milliarden Dollar und Micron mit +1,7 Prozent vor den Zahlen am Mittwoch. FICO brach vorbörslich um mehr als 20 Prozent ein.
Carnival / dpa-AFX / StockStoryDer Montag lieferte die beiden Extreme der KI-Debatte an einem Tag. Nvidia kündigte ein Rückkaufprogramm über 150 Milliarden Dollar an, das größte der US-Geschichte; die Aktie gewann 1,7 Prozent und heute weitere 0,6 Prozent. Zugleich wurde bekannt, dass OpenAI das Training seiner leistungsfähigsten Modelle nach einem Sicherheitsvorfall ausgesetzt hat; dazu kamen Sorgen um die Finanzierung der Rechenzentren von Oracle. Arm verlor daraufhin 8,7 Prozent, Intel 5,7 Prozent, MongoDB nach dem Wechsel seines Vorstandschefs zu Meta sogar 18,5 Prozent. Heute folgte die Gegenbewegung bei den Chipwerten – in Europa angeführt von Infineon und Siltronic.
dpa-AFX / Reuters / investing.comDie spanische Inflation stieg im September überraschend auf 4,9 Prozent, nach europäischer Rechnung auf 5,0 Prozent – der höchste Wert seit Februar 2023; erwartet waren 4,6 bzw. 4,9 Prozent. Der Anstieg geht vor allem auf Energie zurück. Parallel fiel die Wirtschaftsstimmung der Eurozone auf 97,9 Punkte nach 98,4 und damit erstmals nach vier Anstiegen; die Erwartung lag bei 99,0. Industrie und Dienstleister verbesserten sich, das Verbrauchervertrauen zog den Index nach unten. Am Mittwoch folgen die deutschen Verbraucherpreise, für die ein Anstieg auf 3,2 Prozent erwartet wird.
INE / EU-Kommission / dpa-AFXMittwoch (30.09.): Deutsche Verbraucherpreise für September – erwartet werden 3,2 Prozent nach 2,9 Prozent, der höchste Wert seit Ende 2023. Dazu Einzelhandelsumsatz August, Inflationsdaten aus Frankreich und Italien, der chinesische Einkaufsmanagerindex und in den USA der PCE-Deflator für August. Nach US-Börsenschluss legt Micron Zahlen vor. Letzter Handelstag in Festlandchina vor der Golden Week.
Donnerstag (01.10.): Tankan-Umfrage der Bank of Japan in der Nacht, danach die endgültigen Einkaufsmanagerindizes der Industrie und der ISM-Index für die USA (erwartet 55,0 nach 54,6). Nachbörslich berichtet Nike. Festlandchina und Hongkong geschlossen.
Freitag (02.10.): Der US-Arbeitsmarktbericht – erwartet werden nur noch 80.000 bis 90.000 neue Stellen nach 162.000 – und die Verbraucherpreise der Eurozone. Indien geschlossen.
Sonntag (04.10.): Treffen der OPEC+ zur Förderpolitik.
Worauf es ankommt: Die Woche prüft, welche der beiden Kräfte stärker ist. Auf der einen Seite stehen fallende Ölpreise und eine sich erholende Versorgung, auf der anderen Inflationsraten, die in Spanien bereits fünf Prozent erreicht haben und in Deutschland auf über drei Prozent steigen dürften. Die Verbraucherumfragen zeigen, dass die Haushalte die Last spüren; die Anleihemärkte zeigen, dass die Notenbanken sie nicht ignorieren werden. Der Arbeitsmarktbericht am Freitag ist deshalb der Termin der Woche – fällt er schwach aus, gerät die eingepreiste Fed-Erhöhung im Oktober ins Wanken, fällt er stark aus, dürften die Renditen ihre Mehrjahreshochs weiter ausbauen.
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