Tagesbericht

Börsen-Nachrichten – wer steigt, wer fällt

◆ Top-Thema des Tages

Der wichtigste Markttreiber

Die Renditen brechen die nächste Marke – und überdecken die besten Chipzahlen des Jahres

Der Anleihemarkt ist zum Quartalsauftakt wieder das Maß aller Dinge. Die zehnjährige US-Rendite stieg in der Spitze auf 5,34 Prozent – den höchsten Stand seit 2002. Die dreißigjährige erreichte rund 5,67 Prozent, ebenfalls ein Hoch seit Juli 2002. In Großbritannien kletterte die dreißigjährige Rendite zeitweise auf 6,00 Prozent, erstmals seit 1998. Die Bundrendite lag je nach Quelle bei 3,61 bis 3,65 Prozent, die französische zeitweise bei 4,95 Prozent – der Abstand zu den Bundesanleihen ist so groß wie seit 2012 nicht mehr.

Der Auslöser liegt diesmal in Europa und beim Öl. Gestern meldeten Deutschland, Frankreich und Italien jeweils höhere Inflationsraten als erwartet: Deutschland 3,3 Prozent – erstmals seit Ende 2023 über drei Prozent –, Frankreich 3,4 und Italien 4,1 Prozent. Heute zog der Ölpreis wieder an: Brent stieg um 2 bis 3 Prozent auf rund 100 bis 101 US-Dollar, nachdem chinesische Raffinerien Berichten zufolge ihre Treibstoffexporte für Oktober aussetzen. Und um 16:00 Uhr kam die nächste Bestätigung: Im ISM-Index der US-Industrie sprang die Preiskomponente von 71,1 auf 77,9 Punkte.

Bemerkenswert ist, was die Renditen nicht treibt: die Fed. Nach den weicher als erwartet ausgefallenen PCE-Preisdaten vom Mittwoch – Kernrate 3,0 statt erwarteter 3,3 Prozent – ist eine Zinserhöhung im Oktober nur noch zu rund 35 bis 39 Prozent eingepreist; vor einer Woche waren es rund 70 Prozent. Die langen Zinsen steigen also, obwohl die kurzfristigen Erwartungen sinken. Das ist ein Zeichen, dass Anleger für Inflation, Ölpreis und Staatsdefizite eine höhere Prämie verlangen.

Das trifft auf ein Rekordquartal von Micron, das kaum jemand belohnt. Der Speicherchiphersteller meldete 54,23 Milliarden Dollar Umsatz (erwartet rund 51,5 Milliarden) und stellte für das laufende Quartal 61,5 Milliarden in Aussicht. Tokio feierte mit einem Nikkei-Plus von 3,30 Prozent, in Europa und den USA verpuffte die Nachricht. Der DAX rutschte am Vormittag auf den tiefsten Stand seit Ende Juli, erholte sich zwischenzeitlich und lag um 16:48 Uhr mit 24.993,96 Punkten 0,81 Prozent im Minus – wieder knapp unter der Marke von 25.000.

① Übernacht & Asien

Nikkei 225
68.956,72
+3,30 %
Topix
4.131,98
+0,57 %
Kospi
6.971,35
+1,95 %
Hang Seng · Shanghai
Feiertag
China bis 7.10. geschlossen

Tokio feiert Micron, und zwar mit Wucht. Der Nikkei 225 stieg um 2.203,00 Punkte bzw. 3,30 Prozent auf 68.956,72 und erreichte damit den höchsten Schlussstand seit dem 18. August. Bereits am Mittwoch hatte der Index 1,94 Prozent auf 66.753,72 zugelegt. Getragen wurde der Sprung fast ausschließlich von den Halbleiterwerten: Lasertec gewann 11,1 Prozent, Advantest 9,8 Prozent, Murata 8,4 Prozent und Kioxia 5,6 Prozent; Tokyo Electron legte im Handelsverlauf knapp fünf Prozent zu. Wie einseitig die Bewegung war, zeigt der breite Topix mit nur +0,57 Prozent auf 4.131,98. Banken, Versicherer sowie Öl- und Kohlewerte verloren jeweils zwei bis drei Prozent.

Die Tankan-Umfrage blieb knapp unter den Erwartungen. Die Stimmung der großen Industrieunternehmen verbesserte sich auf +24 Punkte (Prognose +25, zuvor +22), bei den großen Dienstleistern sank sie auf +35 (Prognose +36, zuvor +37). Die Zusammenfassung der Meinungen aus der September-Sitzung der Bank of Japan zeigt Offenheit für schnellere Zinserhöhungen, falls die Inflation deutlich über zwei Prozent hinauszuschießen droht; einige Mitglieder plädierten allerdings fürs Abwarten. Der Dollar notiert bei rund 158 Yen.

Seoul zieht mit, China pausiert. In Südkorea, das heute regulär handelte, stieg der Kospi um 1,95 Prozent auf 6.971,35, der technologielastige Kosdaq sogar um 4,48 Prozent. Dazu passt eine bemerkenswerte Zahl: Die südkoreanischen Exporte erreichten im September laut Korea Times 120,9 Milliarden Dollar, die Chipausfuhren haben sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdreifacht. Festlandchina und Hongkong blieben geschlossen. Am Mittwoch, dem letzten Handelstag vor der Golden Week, hatten der Hang Seng 0,37 Prozent auf 24.613,27 und der Shanghai Composite 0,31 Prozent auf 3.842,19 zugelegt.

② US-Vorabend · Vortagesschluss

S&P 500 (Mi-Schluss)
7.651,54
−0,25 %
Dow Jones (Mi-Schluss)
50.906,05
−0,86 %
Nasdaq Comp. (Mi-Schluss)
26.861,06
+0,24 %
Nasdaq 100 (Mi-Schluss)
30.408,50
+0,23 %

Zwei ruhige Tage, ein schwacher Quartalsabschluss für den Dow. Am Dienstag schlossen der S&P 500 mit −0,17 Prozent bei 7.670,84, der Dow mit −0,26 Prozent bei 51.349,92 und der Nasdaq Composite mit −0,09 Prozent bei 26.797,54; nur der Nasdaq 100 gewann 0,21 Prozent auf 30.339,33. Gefragt waren die Kreuzfahrtwerte – Carnival stieg nach seinen Zahlen um 13,4 Prozent, Royal Caribbean um 7,5 Prozent. Am Mittwoch verlor der S&P 500 19,30 Punkte bzw. 0,25 Prozent auf 7.651,54, der Dow 443,87 Punkte bzw. 0,86 Prozent auf 50.906,05. Der Nasdaq Composite legte 63,52 Punkte bzw. 0,24 Prozent auf 26.861,06 zu, der Nasdaq 100 69,17 Punkte bzw. 0,23 Prozent auf 30.408,50. In den letzten Handelsminuten drehten die Kurse noch einmal nach unten.

Gute Konjunkturdaten waren am Mittwoch schlechte Nachrichten. Das US-Wachstum im zweiten Quartal wurde auf 2,2 Prozent nach oben revidiert, der Chicagoer Einkaufsmanagerindex sprang auf 58,8 Punkte, und die Privatwirtschaft schuf laut ADP 90.000 Stellen – mehr als erwartet. Das hielt die Renditen oben, obwohl die Inflation nachgab. Im Dow belastete Northrop Grumman mit −4 Prozent, nachdem ein Kampfjet-Auftrag an Boeing ging; gefragt waren Intel (+3,7 Prozent) und Hewlett Packard Enterprise (+3,9 Prozent) nach einem AMD-Auftrag über 1,2 Milliarden Dollar.

Die Quartalsbilanz fällt gespalten aus. Der S&P 500 gewann im dritten Quartal rund 2,0 Prozent, der Nasdaq Composite rund 2,5 Prozent – der Dow dagegen verlor rund 2,7 Prozent. Im September gab der Dow 4,3 Prozent ab, sein erster Monatsverlust nach fünf Gewinnmonaten; der S&P 500 verlor 0,4 Prozent. Laut einer Sektorauswertung legte im September nur der Technologiesektor zu.

③ Europa / DE · Stand 16:48 Uhr

DAX · 16:48 Uhr
24.993,96
−0,81 %
MDAX · 14:55 Uhr
~30.635
−0,7 %
TecDAX · 12:26 Uhr
3.979,98
−0,53 %
Euro Stoxx 50 · 13:42 Uhr
~6.231
−0,6 %
Stoxx 600 · 10:40 Uhr
626,29
−1,4 %
FTSE 100 · 11:08 Uhr
10.448,78
−1,48 %
SMI · 16:20 Uhr
13.643,20
−1,35 %

(a) Verlauf – unter 25.000, zurück und wieder runter: Der DAX eröffnete mit 25.058,08 Punkten bereits 0,56 Prozent unter dem Mittwochsschluss und fiel am Vormittag bis auf 24.831,60 Punkte – den tiefsten Stand seit Ende Juli. Bis zum frühen Nachmittag holte er alles auf und notierte gegen 14:50 Uhr mit gut 25.210 Punkten sogar knapp im Plus; das Tageshoch lag bei 25.232,18. Danach ging es mit dem steigenden Ölpreis erneut abwärts, zuletzt auch nach den US-Industriedaten: Um 16:48 Uhr standen 24.993,96 Punkte, 205,23 Punkte bzw. 0,81 Prozent unter dem Mittwochsschluss von 25.199,19 – der Index kämpft damit erneut um die Marke von 25.000. Europaweit war das Bild schwächer: Der Stoxx Europe 600 fiel am Vormittag auf den tiefsten Stand seit über drei Monaten, Zürich und London verloren zeitweise deutlich mehr als Frankfurt.

(b) Nachtrag zu Dienstag und Mittwoch: Der DAX schloss am Dienstag amtlich bei 25.399,21 Punkten (+0,10 Prozent) – in unserem Dienstagsbericht stand noch der Stand von 16:53 Uhr mit 25.453,36 Punkten. Am Mittwoch verlor der Index 0,79 Prozent auf 25.199,19 Punkte und durchbrach dabei die 100-Tage-Linie. Damit endete ein schwacher September mit rund vier Prozent Minus; das dritte Quartal schloss der DAX mit einem Plus von rund 0,8 Prozent ab. Der MDAX beendete den Mittwoch bei 30.842,53 Punkten (−0,13 Prozent).

(c) Gewinner und Verlierer (Stand 15:40 Uhr): Vorn lag Heidelberg Materials mit +3,39 Prozent nach einer Kaufempfehlung von Jefferies, die ein Ergebniswachstum im dritten Quartal erwartet. Dahinter folgten SAP mit +1,79 Prozent – zur Eröffnung noch 1,8 Prozent im Minus; Rückenwind dürften die starken Accenture-Zahlen gegeben haben – und Scout24 mit +1,49 Prozent, für das sich kein Anlass fand.

Schlusslicht war erneut Bayer mit −3,15 Prozent, nachdem die Aktie schon am Mittwoch 2,7 Prozent verloren hatte; laut dpa-AFX gelten die Markterwartungen an das dritte Quartal als zu hoch. Dahinter verloren Volkswagen Vorzüge 2,19 Prozent ohne erkennbaren Einzelanlass und die Deutsche Bank 1,93 Prozent im Sog eines europaweiten Bankenausverkaufs – der Sektor verlor am Morgen zeitweise mehr als drei Prozent, HSBC, UniCredit und UBS jeweils rund drei Prozent.

(d) Weitere Meldungen: Die Chipwerte gaben ihre Micron-Gewinne weitgehend ab: Infineon eröffnete gut drei Prozent fester und lag am Nachmittag nur noch knapp im Plus, Aixtron verlor gut drei Prozent. Bei den Rüstungswerten sorgte eine Studie der Bank of America für Bewegung: Renk verlor bis zu 3,4 Prozent, nachdem die Bank ihre Kaufempfehlung strich, Hensoldt gewann bis zu 2,5 Prozent nach der Aufnahme in die Liste der besten Ideen. Fresenius gab nach, nachdem der Konzern die Übernahme des Biosimilar-Herstellers mAbxience für bis zu 750 Millionen Euro angekündigt hatte. Am Mittwoch war die Commerzbank um 4 Prozent gefallen, nachdem die Deutsche Bank sie auf „Hold" abgestuft hatte; BMW gewann nach seinem Kapitalmarkttag 1,5 Prozent (Details unter ⑧).

(e) Anleihen und Devisen: Die zehnjährige Bundrendite stieg auf 3,61 bis 3,65 Prozent – die Angaben von dpa-AFX und Reuters weichen hier voneinander ab; Reuters spricht vom höchsten Stand seit Juni 2009. Deutlich stärker unter Druck standen französische Staatsanleihen: Die Rendite erreichte zeitweise 4,95 Prozent, der Abstand zu den Bundesanleihen weitete sich auf rund 127 bis 130 Basispunkte und damit auf den höchsten Wert seit 2012 – belastet von einem Haushaltsentwurf für 2027 mit 54 Milliarden Euro Konsolidierungsbedarf. Bundesbankpräsident Nagel sagte, das EZB-Schutzinstrument TPI werde nur aus geldpolitischen Gründen eingesetzt; zu den französischen Aufschlägen wollte er sich nicht äußern. Der Euro fiel auf 1,1285 US-Dollar (−0,4 Prozent), der Dollar erreichte ein Dreimonatshoch.

④ Erste Marktreaktion nach US-Börsenstart

Dow Jones · 16:01 Uhr
50.726,31
−0,35 %
S&P 500 · 16:01 Uhr
7.640,11
−0,15 %
Nasdaq Comp. · 16:01 Uhr
26.857,30
−0,01 %
Nasdaq 100 · 15:43 Uhr
30.520,83
+0,37 %

Die Wall Street startet fest – und kippt mit dem ISM. Um 15:43 Uhr MESZ lagen alle vier Indizes im Plus: der Dow mit 50.989,64 Punkten (+0,16 Prozent), der S&P 500 mit 7.664,59 Punkten (+0,17 Prozent), der Nasdaq Composite mit 26.964,34 Punkten (+0,38 Prozent) und der Nasdaq 100 mit 30.520,83 Punkten (+0,37 Prozent). Unmittelbar nach den Industriedaten um 16:00 Uhr drehte das Bild: Um 16:01 Uhr standen der Dow bei 50.726,31 Punkten (−179,74 bzw. −0,35 Prozent), der S&P 500 bei 7.640,11 Punkten (−11,43 bzw. −0,15 Prozent) und der Nasdaq Composite bei 26.857,30 Punkten (−3,77 bzw. −0,01 Prozent). Für den Nasdaq 100 lag kein späterer verifizierter Stand vor. Nur Indexstände.

Der Grund für die Wende steht im Kleingedruckten. Der ISM-Gesamtindex fiel nur leicht auf 54,5 Punkte, aber die Preiskomponente sprang auf 77,9 Punkte – nach Angaben des ISM zurück auf das Niveau zu Beginn des Iran-Kriegs. Zusammen mit der zehnjährigen Rendite auf dem höchsten Stand seit 2002 lässt das wenig Spielraum für höhere Bewertungen. Gestützt werden die Technologieindizes von der Erholung der IT-Dienstleister nach den Accenture-Zahlen; der Dow leidet unter seinen zins- und konsumabhängigen Schwergewichten.

⑤ Rohstoffe

Brent (Dez.)
100,02–101,14 $
+2,0 bis +3,2 %
WTI (Nov.)
91,44–92,11 $
+1,1 bis +1,9 %
Gold
4.157,80 $
+0,04 %
Silber
60,80 $
+0,85 %
Platin
1.701,00 $
−0,06 %

Zuerst eine wichtige Einordnung zum Brentpreis. Der November-Kontrakt, auf den sich unser Dienstagsbericht mit 103,18 bis 103,51 Dollar bezog, ist am Mittwoch bei 103,50 Dollar ausgelaufen. Der neue Frontmonat Dezember notiert rund 5,50 Dollar tiefer. Der scheinbare Rückgang von 103 auf rund 100 Dollar ist also ein Effekt des Kontraktwechsels und kein Preisrutsch. Der Dezember-Kontrakt schloss am Mittwoch bei 98,03 Dollar und legt heute je nach Quelle und Zeitpunkt 2,0 bis 3,2 Prozent auf 100,02 bis 101,14 Dollar zu. WTI steigt um 1,1 bis 1,9 Prozent auf 91,44 bis 92,11 Dollar.

Der Auftrieb kommt diesmal aus China. Laut Reuters setzen chinesische Raffinerien ihre Treibstoffexporte für Oktober aus, PetroChina hat bereits geplante Ladungen storniert. Das verknappt ein Angebot, das ohnehin durch die Lage am Golf gestört ist. Die Diplomatie kommt dagegen kaum voran: US-Außenminister Rubio hat die iranische Delegation um Außenminister Araghchi am Montag aus New York ausgewiesen, nachdem die indirekten Gespräche über Katar kaum Fortschritte brachten. Am Donnerstag erklärte Iran laut Reuters, eine Antwort der USA auf einen Vorschlag zur Wiederherstellung der Waffenruhe erhalten zu haben – Einzelheiten sind nicht bekannt. Auf der Angebotsseite läuft die saudische Ost-West-Pipeline wieder; die Rohölexporte aus dem Nahen Osten liegen laut JPMorgan inzwischen bei rund 98 Prozent des Vorkriegsniveaus. Die US-Rohölvorräte stiegen in der vergangenen Woche um 0,9 Millionen Barrel, Benzin und Destillate gingen zurück. Die OPEC+ trifft sich am Sonntag; erwartet werden unveränderte Förderziele für November.

Die Edelmetalle treten auf der Stelle. Gold notiert mit 4.157,80 Dollar praktisch unverändert (Kitco, 16:26 Uhr MESZ) und schwankte zwischen 4.138,50 und 4.193,90 Dollar. Gegenüber unserem Dienstagsbericht hat sich der Preis damit kaum bewegt. Der stärkere Dollar und die steigenden Realzinsen verhindern eine Erholung. Silber gewinnt 0,85 Prozent auf 60,80 Dollar, Platin hält sich mit 1.701,00 Dollar knapp unter dem Vortag.

⑥ Wirtschaftsdaten

DatumEreignisIstErwartungVorher
Mi 30.09.Deutschland · Verbraucherpreise September j/j (vorläufig) ★ Hohe Relevanz3,3 %3,2 %2,9 %
Mi 30.09.Frankreich · HVPI September j/j3,4 %3,1 %2,6 %
Mi 30.09.Italien · HVPI September j/j4,1 %3,8 %3,2 %
Mi 30.09.USA · PCE-Kernrate August j/j ★ Hohe Relevanz3,0 %3,3 %—
Mi 30.09.USA · PCE gesamt August j/j3,4 %3,7 %—
Mi 30.09.USA · PCE-Kernrate August m/m0,2 %0,3 %—
Mi 30.09.USA · BIP Q2, dritte Schätzung (annualisiert)2,2 %—1,5 %
Mi 30.09.USA · ADP-Beschäftigung September+90 Tsd.49–75 Tsd.+36 Tsd.
Mi 30.09.USA · Chicago-Einkaufsmanagerindex September58,851,247,1
Mi 30.09.China · NBS-Einkaufsmanagerindex Industrie September50,150,149,8
Do 01.10.USA · ISM-Index Industrie September ★ Hohe Relevanz54,555,054,6
Do 01.10.USA · ISM-Preisindex ★ Hohe Relevanz77,9—71,1
Do 01.10.USA · Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe197 Tsd.200 Tsd.198 Tsd.
Do 01.10.Eurozone · Einkaufsmanagerindex Industrie (final)52,952,752,7
Do 01.10.Deutschland · Einkaufsmanagerindex Industrie (final)53,953,854,3
Do 01.10.Japan · Tankan Großunternehmen Industrie+24+25+22
Do 01.10.Japan · Tankan Großunternehmen Dienstleister+35+36+37
Fr 02.10.USA · Arbeitsmarktbericht September ★ Hohe Relevanz—+84 Tsd.—
Fr 02.10.Eurozone · HVPI September, Schnellschätzung ★ Hohe Relevanz—3,6 %3,2 %

Europa und die USA senden gegensätzliche Inflationssignale. In Deutschland stiegen die Verbraucherpreise im September um 3,3 Prozent und damit stärker als erwartet; gegenüber dem Vormonat zogen sie um 0,6 Prozent an. Den Ausschlag gab die Energie mit einem Plus von 14,9 Prozent, die Kernrate liegt bei 2,4 Prozent. In Frankreich und Italien fiel der Anstieg noch deutlicher aus. Für die Schnellschätzung der Eurozone am Freitag rechnen Volkswirte inzwischen mit 3,6 Prozent. In den USA dagegen ließ der Preisdruck nach: Die von der Fed bevorzugte PCE-Kernrate sank auf 3,0 Prozent und blieb damit drei Zehntel unter der Erwartung. Die Konjunktur bleibt dabei robust. Das Wachstum im zweiten Quartal wurde auf 2,2 Prozent nach oben revidiert, die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sanken die vierte Woche in Folge auf 197.000. Der ISM-Index der Industrie blieb mit 54,5 Punkten knapp unter der Erwartung, der Auftragseingang verbesserte sich auf 55,3 Punkte. Der Haken ist die Preiskomponente: Mit 77,9 Punkten melden fast sechs von zehn Unternehmen höhere Einkaufspreise – genannt werden Stahl, Aluminium, Zölle und Ölprodukte. In der Eurozone stieg der Einkaufsmanagerindex der Industrie auf 52,9 Punkte, den höchsten Wert seit Mai 2022.

⑦ Börsenfeiertage

Heute fehlte China. Festlandchina ist vom 1. bis einschließlich 7. Oktober zur „Golden Week" geschlossen und handelt erst am 8. Oktober wieder. Hongkong blieb heute zum Nationalfeiertag geschlossen und soll am Freitag wieder öffnen. Seoul handelte regulär, ebenso Tokio, Europa und die USA.

Die kommenden Tage: Indien schließt am Freitag, 2. Oktober. Der 3. Oktober fällt auf einen Samstag, an Xetra entfällt kein Handelstag. Seoul pausiert am Montag, 5. Oktober, und am Freitag, 9. Oktober. Am Montag, 12. Oktober, ist in Japan Feiertag; in den USA wird an diesem Tag (Columbus Day) an der Börse gehandelt, der Anleihemarkt bleibt aber geschlossen.

⑧ Quartalsberichte & Unternehmen

Micron liefert ein Rekordquartal – und die Aktie bewegt sich kaum. Der Speicherchiphersteller meldete für das vierte Geschäftsquartal einen Umsatz von 54,23 Milliarden Dollar (erwartet rund 51,5 Milliarden) und einen bereinigten Gewinn von 33,42 Dollar je Aktie (erwartet 31,83). Die eigene Prognose hatte bei 50 Milliarden Dollar gelegen. Für das laufende Quartal stellt das Unternehmen 61,5 Milliarden Dollar Umsatz (± 1,5 Milliarden) und rund 38 Dollar Gewinn je Aktie in Aussicht – Analysten hatten mit rund 57 Milliarden gerechnet. Treiber sind die Hochleistungsspeicher für KI-Rechenzentren. Dass die Aktie trotzdem nur um den Vortagesschluss pendelt, hat zwei Gründe: Die Zahlen galten nach der Rally der vergangenen Wochen als eingepreist, und Micron kündigte höhere Investitionen für das kommende Geschäftsjahr an.

Accenture überrascht am stärksten. Der IT-Dienstleister übertraf mit einem Umsatz von 18,68 Milliarden Dollar (erwartet 18,04) und einem Gewinn von 3,29 Dollar je Aktie (erwartet 3,18) beide Konsenswerte und stellte für das neue Geschäftsjahr ein Umsatzwachstum von 3 bis 6 Prozent in Aussicht. Die Aktie sprang um rund 21,7 Prozent und zog andere IT-Dienstleister mit. McCormick verdiente mit 0,86 Dollar je Aktie deutlich mehr als erwartet (0,76) und bestätigte die Jahresprognose. Broadcom will Anthropic laut Dow Jones einen Kredit von bis zu 42 Milliarden Dollar gewähren. Heute Abend nach US-Börsenschluss berichtet Nike; erwartet wird ein Gewinn von 0,44 Dollar je Aktie.

BMW senkt die Messlatte. Auf dem Kapitalmarkttag am Dienstag stellte der Konzern für das Autogeschäft bis 2028 nur noch eine operative Marge von 3 bis 5 Prozent in Aussicht; die früher üblichen 8 bis 10 Prozent sollen erst Anfang der 2030er-Jahre wieder erreicht werden. Für 2026 gelten 1 bis 3 Prozent. Die Anleger nahmen es gelassen – die Aktie stieg am Dienstag um 2,9 und am Mittwoch um 1,5 Prozent. Bei Ceconomy hat die EU-Kommission ihre Prüffrist für die Übernahme durch JD.com erneut verlängert; entschieden werden soll nun bis zum 4. November.

⑨ Krypto

Bitcoin · live
83.924 $
−0,07 %
Ethereum · live
2.686,17 $
+0,12 %
Solana · live
117,25 $
−1,59 %
BTC 24h-Spanne
83.168–84.482 $
live, Crypto.com

Live-Kurse (Crypto.com, Stand 16:56 Uhr MESZ): Der Kryptomarkt bewegt sich seitwärts. Bitcoin notiert mit 83.924 $ praktisch unverändert (−0,07 Prozent), Ethereum mit 2.686,17 $ ebenfalls (+0,12 Prozent), Solana gibt 1,59 Prozent auf 117,25 $ ab. Die 24-Stunden-Spanne von Bitcoin reichte von 83.168 bis 84.482 Dollar – eine der engsten seit Wochen.

Hinter der Ruhe steht ein starkes Quartal. Bitcoin hat laut Cointelegraph im dritten Quartal rund 43 Prozent zugelegt, das beste dritte Quartal seit 2017; die US-Spot-ETFs verbuchten in diesem Zeitraum Zuflüsse von rund 6,3 Milliarden Dollar. Am Mittwoch endete allerdings eine neuntägige Zuflussserie mit Abflüssen von rund 149 Millionen Dollar. Dass der Markt die Renditen auf dem höchsten Stand seit 2002 bislang ignoriert, ist bemerkenswert – belastbar ist diese Entkopplung nicht.

⑨b Sektor-Kompass · Über- & Unterbewertung

SektorBewertungMomentum
IT-Dienstleister / Softwarefairstark (Accenture +21,7 %, SAP +1,8 %)
Halbleiter Japan / Koreateuersehr stark (Advantest +9,8 %, Lasertec +11,1 %, Kosdaq +4,5 %)
Baustoffefairfest (Heidelberg Materials +3,4 %)
Halbleiter Europa / USAteuerMicron-Effekt verpufft (Infineon knapp im Plus, Aixtron −3 %)
Energie / Ölfairfest (Brent Dez. +2 bis +3 %)
Rüstungteuergespalten (Renk −3,4 %, Hensoldt +2,5 %)
Bankengünstigschwach (Dt. Bank −1,9 %, HSBC und UBS rund −3 %)
Immobiliengünstigschwach (Renditen auf Mehrjahreshochs)
Pharma / Chemie Deutschlandgünstigschwach (Bayer −3,2 %)
Autosgünstigschwach (VW Vz. −2,2 %, BMW-Margen bis 2028 nur 3–5 %)
Edelmetallefairseitwärts (Gold 4.158 $, starker Dollar bremst)
Anleihen (Duration)günstigUS 10J höchster Stand seit 2002, OAT-Bund-Spread seit 2012

Zur Orientierung: Der Tag zeigt, wie stark die Zinsen derzeit die Aktienmärkte dominieren. Micron liefert das stärkste Quartal seiner Geschichte und hebt den Ausblick deutlich an – in Tokio steigen die Zulieferer um bis zu elf Prozent, in Europa und den USA reicht es nicht einmal für ein Prozent. Der Unterschied liegt im Umfeld: In Japan bleiben die Realzinsen niedrig, in Europa und den USA steigen die langen Renditen auf Mehrjahrzehnthochs. Die Verlierer des Tages sind die zinssensitiven Branchen – Banken trotz höherer Margen, weil die Sorge um Kreditausfälle und Anleiheverluste überwiegt, dazu Immobilien und Versorger. Die Gewinner haben konkrete Anlässe: Accenture zieht die IT-Dienstleister mit, Heidelberg Materials profitiert von einer Kaufempfehlung. Keine Anlageberatung.

⑨c ETF-Ampel

Grün = günstig & überverkauft (antizyklischer Einstieg) Gelb = gemischt/neutral – abwarten Rot = teuer & überkauft (überhitzt)
Wie die Ampel entsteht: Jede Position wird auf zwei Achsen bewertet – (A) Bewertung (KGV relativ zum Markt bzw. Preisniveau) und (B) Momentum/Charttechnik (MACD, Kurs vs. EMA200). Daraus folgt zwingend die Farbe: teuer + überkauft → Rot, günstig + überverkauft → Grün, alle gemischten/neutralen Fälle → Gelb. Ergänzend fließen Mittelzu-/-abflüsse, relative Stärke ggü. Index und Kosten (TER) ein; bei Dividenden-ETFs zusätzlich Rendite & Ausschüttungskontinuität. Momentaufnahme, keine Anlageberatung.
Regionen & Märkte
iShares Core DAX UCITS
Deutsche Standardwerte
Bewertung günstig, Momentum überverkauft – der Index ist seit Dienstag von 25.399 auf rund 24.994 Punkte gefallen, hat die 100-Tage-Linie durchbrochen und am Vormittag mit 24.831,60 Punkten den tiefsten Stand seit Ende Juli markiert. Die schnelle Erholung bis über 25.200 Punkte am Mittag hat gezeigt, dass unter 25.000 Käufer bereitstehen – ob sie es ein zweites Mal tun, ist offen. Der Gegenwind bleibt erheblich: Renditen auf Mehrjahrzehnthochs und eine deutsche Inflation von 3,3 Prozent. → günstig + überverkauft = Grün.
iShares MDAX UCITS
Deutsche Nebenwerte
Bewertung günstig, Momentum schwach – rund −0,7 % am Nachmittag nach −0,13 % am Mittwoch. Die zweite Reihe reagiert empfindlich auf die Finanzierungskosten, und die steigen mit jeder neuen Renditemarke. Positiv ist der Einkaufsmanagerindex der deutschen Industrie mit 53,9 Punkten, der weiterhin klares Wachstum anzeigt. → günstig + schwaches Momentum = Gelb.
iShares NASDAQ 100 UCITS
US-Tech-Schwergewichte
Bewertung ambitioniert, Momentum neutral – zwei kleine Gewinntage in Folge und heute zum Start +0,37 %, aber kein Durchbruch. Dass selbst ein Micron-Rekordquartal mit deutlich angehobenem Ausblick kaum Kursgewinne bringt, zeigt, wie viel bereits eingepreist ist. Die zehnjährige Rendite auf dem höchsten Stand seit 2002 erhöht den Druck auf die Bewertungen. → teuer + kraftloses Momentum = Rot.
iShares Core MSCI Emerging Markets
Schwellenländer
Bewertung günstig, Momentum gespalten – Seoul +1,95 % mit einer Exportzahl, die die Stärke des Chipzyklus belegt, China dagegen eine Woche lang geschlossen. Der starke Dollar auf einem Dreimonatshoch ist für Schwellenländer traditionell ein Belastungsfaktor. → günstig + gespaltenes Momentum = Gelb.
Branchen & Themen
iShares STOXX Europe 600 Banks
Banken
Bewertung günstig, Momentum gedreht – der Sektor verlor am Morgen zeitweise mehr als drei Prozent, HSBC, UniCredit und UBS jeweils rund drei Prozent, die Deutsche Bank am Nachmittag 1,9 %. Steigende Renditen erhöhen zwar die Zinsmarge, aber bei diesem Tempo überwiegen die Sorgen um Bewertungsverluste in den Anleihebeständen und um die Kreditqualität. → günstig + negatives Momentum = Gelb.
VanEck Semiconductor UCITS
Halbleiter
Bewertung hoch, Momentum regional gespalten – in Tokio Kursgewinne bis elf Prozent, in Europa und den USA praktisch nichts. Fundamental hat Micron das Argument für den Sektor gerade deutlich gestärkt: Umsatz 54,23 Mrd. $, Ausblick 61,5 Mrd. $, Südkoreas Chipexporte mehr als verdreifacht. Das Problem ist der Preis, nicht das Geschäft. → teuer + fundamental bestätigt = Gelb.
STOXX Europe 600 Oil & Gas
Energie
Bewertung fair, Momentum wieder positiv – Brent im Dezember-Kontrakt +2 bis +3 % auf rund 100 bis 101 $, nachdem chinesische Raffinerien ihre Treibstoffexporte aussetzen. Gegenläufig wirkt die Normalisierung am Golf mit Exporten nahe dem Vorkriegsniveau. Am Sonntag tagt die OPEC+. → fair + Nachrichtenrisiko in beide Richtungen = Gelb.
STOXX Europe 600 Chemicals
Chemie
Bewertung günstig, Momentum schwach, aber mit sichtbarer Untergrenze – das abgelehnte BASF-Angebot von 22,15 € je Evonik-Aktie zeigt, welche Preise strategische Käufer für deutsche Chemiewerte zu zahlen bereit sind. Belastend wirken der wieder steigende Ölpreis und die hohen Finanzierungskosten. → günstig + gestützte Bewertung = Grün.
Rohstoffe & Edelmetalle
EUWAX Gold II DE000EWG2LD7
Physisch besichertes Gold-ETC
Preisniveau mit rund 4.158 $ deutlich unter den Höchstständen, Momentum seitwärts. Seit Dienstag hat sich der Preis kaum bewegt – der Dollar auf einem Dreimonatshoch und die steigenden Realzinsen verhindern jede Erholung, obwohl die Inflationsdaten in Europa für Gold sprechen. Wir stufen von Grün auf Gelb, bis der Preis auf die Inflationssignale reagiert. → korrigiert + fehlende Gegenbewegung = Gelb.
WisdomTree Brent Crude Oil JE00B78CGV99
Öl / Brent-ETC
Preisniveau mit rund 100 $ im Dezember-Kontrakt weiter hoch, Momentum wieder aufwärts. Beim Rollen vom November- in den Dezember-Kontrakt entsteht derzeit ein Rollgewinn, weil spätere Kontrakte deutlich günstiger notieren. Kurzfristig entscheiden die China-Exporte, die Iran-Gespräche und die OPEC+ am Sonntag. → fair + binäres Risiko = Gelb.
L&G All Commodities
Breiter Rohstoffkorb
Bewertung fair, Momentum neutral bis positiv – Energie zieht an, Edelmetalle treten auf der Stelle. Mit Inflationsraten von 3,3 % in Deutschland, 3,4 % in Frankreich und 4,1 % in Italien bleibt die Anlageklasse strukturell im Vorteil gegenüber nominal verzinsten Anlagen. → fair + neutral = Gelb.
Krypto
Fidelity Physical Bitcoin (ETP)
Bitcoin physisch
Preisniveau mit 83.924 $ seit Tagen nahezu unverändert, Momentum neutral – 24-Stunden-Spanne nur 83.168 bis 84.482 $. Das starke dritte Quartal mit rund 43 % Plus und 6,3 Mrd. $ ETF-Zuflüssen steht gegen die erste Abflussmeldung nach neun Zuflusstagen. → fair + neutral = Gelb.
Dividenden-ETFs
iShares STOXX Global Select Dividend 100 ~5 % · TER ~0,46 %
Globale Hochdividende · quartalsw. Jan/Apr/Jul/Okt
Bewertung günstig, Momentum negativ – Banken und Versorger sind stark gewichtet und gehören heute zu den schwächsten Gruppen. Die zehnjährige US-Rendite liegt mit über 5,3 % inzwischen über der Ausschüttungsrendite. Im Oktober steht die nächste Ausschüttung an. → günstig + harte Konkurrenz durch Anleihen = Gelb.
Fidelity US Quality Income UCITS ~1,4 % · TER ~0,25 %
US-Qualität · quartalsw. Feb/Mai/Aug/Nov
Bewertung moderat, Umfeld günstig für den Ansatz – Renditen auf dem höchsten Stand seit 2002 treffen hoch verschuldete Unternehmen am härtesten; der Dow verlor im dritten Quartal rund 2,7 %, der Russell 2000 mit seinen kleineren, stärker verschuldeten Werten deutlich mehr. Bilanzqualität ist in diesem Umfeld der beste Schutz. → fair + günstiges relatives Umfeld = Grün.
iShares EURO STOXX 50 (DE) ~2,4 % · TER ~0,10 %
Euro-Blue-Chips · quartalsw. Mär/Jun/Sep/Dez
Bewertung günstig, Momentum negativ – rund −0,6 % am Mittag nach −0,81 % am Mittwoch. Der wachsende Renditeabstand zwischen Frankreich und Deutschland ist ein neues Risiko für die Eurozone-Blue-Chips, weil französische Werte ein großes Gewicht im Index haben. → günstig + neues Länderrisiko = Gelb.
💡 Monatlicher Cashflow: Die drei Dividenden-ETFs zahlen dank versetzter Termine zusammen in jedem Monat aus: Jan/Apr/Jul/Okt (Global Select Dividend) + Feb/Mai/Aug/Nov (US Quality Income) + Mär/Jun/Sep/Dez (EURO STOXX 50) = alle 12 Monate. Ausschüttungsrenditen, TER und Termine sind indikativ.

⑩ Die wichtigsten Meldungen

Anleihen

US-Rendite auf höchstem Stand seit 2002 – britische 30-Jahres-Rendite erstmals seit 1998 bei sechs Prozent

Der weltweite Anleiheausverkauf hat zum Quartalsauftakt neue Marken gesetzt. Die zehnjährige US-Rendite stieg in der Spitze auf 5,34 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2002, die dreißigjährige auf rund 5,67 Prozent. In Großbritannien erreichte die dreißigjährige Rendite zeitweise 6,00 Prozent, erstmals seit 1998. Die Bundrendite stieg auf 3,61 bis 3,65 Prozent, die französische zeitweise auf 4,95 Prozent; der Abstand zwischen beiden ist so groß wie seit 2012 nicht mehr. Getrieben wird die Bewegung von den hohen Inflationsraten in Europa, dem wieder steigenden Ölpreis und Sorgen um die Staatshaushalte – nicht von der Fed, deren Zinserhöhung im Oktober der Markt inzwischen für weniger wahrscheinlich hält.

Reuters / dpa-AFX / Dow Jones
Unternehmen

Micron: 54 Milliarden Dollar Umsatz und ein Ausblick weit über den Erwartungen

Micron meldete für das vierte Geschäftsquartal einen Umsatz von 54,23 Milliarden Dollar und einen bereinigten Gewinn von 33,42 Dollar je Aktie – beides deutlich über dem Konsens von rund 51,5 Milliarden bzw. 31,83 Dollar. Für das laufende Quartal erwartet das Unternehmen 61,5 Milliarden Dollar Umsatz, Analysten hatten mit rund 57 Milliarden gerechnet. Die Bruttomarge lag bei rund 87 Prozent. Die Reaktion fiel regional sehr unterschiedlich aus: In Tokio stiegen Zulieferer wie Advantest und Lasertec um rund zehn Prozent, die Micron-Aktie selbst pendelte in New York um den Vortagesschluss, Infineon gab seine Eröffnungsgewinne weitgehend ab.

Micron / Yahoo Finance / Dow Jones
Deutschland

Inflation steigt auf 3,3 Prozent – erstmals seit Ende 2023 über drei Prozent

Die Verbraucherpreise in Deutschland stiegen im September um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach 2,9 Prozent im August; erwartet waren 3,2 Prozent. Gegenüber dem Vormonat zogen die Preise um 0,6 Prozent an. Treiber war die Energie mit einem Plus von 14,9 Prozent, die Kernrate lag bei 2,4 Prozent. Auch Frankreich (3,4 Prozent) und Italien (4,1 Prozent) meldeten höhere Raten als erwartet. Für die gesamte Eurozone werden am Freitag 3,6 Prozent erwartet. Die Zahlen erhöhen den Druck auf die EZB, deren Präsidentin Lagarde noch am Montag für eine maßvolle Reaktion plädiert hatte.

Destatis / dpa-AFX
USA

PCE-Inflation schwächer als erwartet – Fed-Erhöhung im Oktober nur noch zu gut einem Drittel eingepreist

Die von der Fed bevorzugte PCE-Kernrate sank im August auf 3,0 Prozent, erwartet waren 3,3 Prozent; gegenüber dem Vormonat stieg sie um 0,2 Prozent. Zusammen mit einer zurückhaltenden Rede von New-York-Fed-Präsident Williams am Dienstag – es gebe „keine Eile" – hat das die Erwartungen deutlich verschoben: Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung am 28. Oktober liegt nur noch bei rund 35 bis 39 Prozent, vor einer Woche waren es rund 70 Prozent. Goldman Sachs erwartet den nächsten Schritt nun im Dezember. Der heutige ISM-Preisindex von 77,9 Punkten zeigt allerdings, dass der Preisdruck in der Industrie nicht nachlässt.

BEA / CME FedWatch / Dow Jones
Rohstoffe

Brent wieder bei rund 100 Dollar – China stoppt Treibstoffexporte

Der Brentpreis stieg im Dezember-Kontrakt um 2 bis 3 Prozent auf rund 100 bis 101 Dollar. Auslöser ist ein Reuters-Bericht, wonach chinesische Raffinerien ihre Treibstoffexporte für Oktober aussetzen; PetroChina hat bereits geplante Ladungen storniert. Die Gespräche zwischen den USA und Iran stocken: US-Außenminister Rubio wies die iranische Delegation am Montag aus New York aus. Am Donnerstag meldete Iran, eine US-Antwort auf einen Vorschlag zur Wiederherstellung der Waffenruhe erhalten zu haben. Wichtig für den Vergleich mit früheren Angaben: Der November-Kontrakt ist am Mittwoch bei 103,50 Dollar ausgelaufen, der Dezember-Kontrakt notiert rund 5,50 Dollar tiefer.

Reuters / Trading Economics / AP
Wall Street

Accenture springt fast 22 Prozent nach Zahlen über den Erwartungen

Der IT-Dienstleister Accenture übertraf mit einem Quartalsumsatz von 18,68 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 3,29 Dollar je Aktie beide Konsenswerte (18,04 Milliarden bzw. 3,18 Dollar) und stellte für das neue Geschäftsjahr 3 bis 6 Prozent Wachstum in Aussicht. Die Aktie stieg um rund 21,7 Prozent. Das Ergebnis wirkt über die Branche hinaus, weil Accenture als Gradmesser dafür gilt, ob Unternehmen ihre Ausgaben für KI-Projekte tatsächlich in Aufträge umsetzen. Auch IBM und Cognizant legten deutlich zu, in Europa drehte SAP ins Plus.

Accenture / Dow Jones / dpa-AFX
Autos

BMW: Zweistellige Margen erst in den 2030er-Jahren

Auf seinem Kapitalmarkttag hat BMW die Erwartungen für das Autogeschäft deutlich gedämpft. Bis 2028 peilt der Konzern nur noch eine operative Marge von 3 bis 5 Prozent an, die früher üblichen 8 bis 10 Prozent sollen erst Anfang der 2030er-Jahre zurückkehren. Für das laufende Jahr gelten 1 bis 3 Prozent; im Juni hatte BMW die Spanne bereits von 4 bis 6 Prozent gesenkt. Belastend wirkt vor allem das China-Geschäft mit einem Absatzrückgang von rund 30 Prozent. Die Aktie stieg dennoch an beiden Tagen; Bernstein und die Deutsche Bank sehen Kursziele von 82 bzw. 78 Euro.

BMW / dpa-AFX / investing.com
Japan

Nikkei springt 3,3 Prozent – höchster Schluss seit Mitte August

Der Nikkei 225 stieg um 2.203,00 Punkte auf 68.956,72 und erreichte damit den höchsten Schlussstand seit dem 18. August. Getragen wurde der Sprung von den Halbleiterwerten nach den Micron-Zahlen – Lasertec +11,1 Prozent, Advantest +9,8 Prozent. Der breite Topix gewann dagegen nur 0,57 Prozent; Banken, Versicherer und Ölwerte gaben nach. Die Tankan-Umfrage der Bank of Japan fiel gemischt aus: Die Stimmung der großen Industrieunternehmen verbesserte sich leicht auf +24 Punkte, bei den Dienstleistern sank sie auf +35 Punkte. Der Yen bleibt mit rund 158 je Dollar schwach.

Nikkei / Fisco / Bank of Japan

⑪ Kurz notiert

Renditen
US 10 Jahre bis 5,34 % – höchster Stand seit 2002; UK 30 Jahre erstmals seit 1998 bei 6,00 %.
DAX
Zeitweise unter 25.000 (Tief 24.831,60), um 16:48 Uhr 24.993,96 (−0,81 %); Dienstagsschluss 25.399,21, Mittwochsschluss 25.199,19.
Inflation
Deutschland 3,3 %, Frankreich 3,4 %, Italien 4,1 % – alle über den Erwartungen.
Fed
Oktober-Erhöhung nur noch zu rund 35 bis 39 % eingepreist – nach rund 70 % vor einer Woche.
Micron
Umsatz 54,23 Mrd. $, Ausblick 61,5 Mrd. $ – Aktie trotzdem kaum verändert.
Accenture
+21,7 % nach Zahlen über Konsens; SAP dreht in Frankfurt ins Plus.
ISM
Industrie 54,5 Punkte, Preisindex springt von 71,1 auf 77,9.
Öl
Brent (Dezember) +2 bis +3 % auf rund 100 bis 101 $ – chinesische Raffinerien setzen Treibstoffexporte aus.
Tokio
Nikkei +3,30 % auf 68.956,72 – höchster Schluss seit 18. August, Chipwerte bis +11 %.
Banken
Europaweiter Ausverkauf – HSBC, UniCredit, UBS rund −3 %, Deutsche Bank −1,9 %.
BMW
Automarge bis 2028 nur 3 bis 5 % – Aktie steigt trotzdem an zwei Tagen.
KI-Gipfel
Das Treffen im Weißen Haus fand am Dienstag statt; die Teilnehmer unterzeichneten eine freiwillige Vereinbarung zur Superintelligenz.

◆ Ausblick · 02.10.–13.10.

Freitag (02.10.): Der US-Arbeitsmarktbericht für September – erwartet werden rund 84.000 neue Stellen und eine Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent – sowie die Schnellschätzung der Eurozone-Inflation mit erwarteten 3,6 Prozent. Dazu die Verbraucherpreise aus Tokio und die Auslieferungszahlen von Tesla für das dritte Quartal. Indien geschlossen, Hongkong soll wieder handeln.

Sonntag (04.10.): Treffen der OPEC+ – erwartet werden unveränderte Förderziele für November.

Montag bis Mittwoch (05.–07.10.): ISM-Index für den US-Dienstleistungssektor, deutscher Auftragseingang (Dienstag) und Industrieproduktion (Mittwoch); am Mittwochabend das Protokoll der letzten Fed-Sitzung. Seoul am Montag geschlossen.

Donnerstag und Freitag (08./09.10.): Festlandchina handelt nach der Golden Week wieder; PepsiCo und Delta legen Zahlen vor, am Freitag folgt das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan.

Dienstag (13.10.): Start der US-Berichtssaison mit JPMorgan, Wells Fargo und Goldman Sachs.

Worauf es ankommt: Die Märkte stehen vor einer ungewöhnlichen Konstellation. Die kurzfristigen Zinserwartungen sinken, weil die US-Inflation nachlässt – die langfristigen Renditen steigen trotzdem, weil Ölpreis, europäische Inflation und Haushaltsdefizite eine höhere Prämie verlangen. Der Arbeitsmarktbericht am Freitag entscheidet, welche Seite die Oberhand gewinnt: Ein schwacher Bericht dürfte die Oktober-Erhöhung weiter unwahrscheinlicher machen und die langen Renditen entlasten; ein starker würde den Druck auf die Anleihemärkte noch erhöhen. Für Europa ist die Inflationsschätzung am selben Vormittag fast ebenso wichtig – bei 3,6 Prozent dürfte die Debatte über eine EZB-Zinserhöhung schon im Oktober neu aufflammen.

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