Die amerikanische Wirtschaft hat im September nur 29.000 neue Stellen geschaffen – erwartet waren 84.000. Dazu kamen kräftige Abwärtsrevisionen: Der Juli wurde von +21.000 auf −10.000 Stellen korrigiert, der August von +162.000 auf +133.000. Zusammen fehlen damit 60.000 Stellen gegenüber den bisherigen Angaben. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,2 Prozent, die Stundenlöhne legten nur um 0,1 Prozent zu, auf Jahressicht um 3,0 Prozent – beides weniger als erwartet.
Für die Märkte ist das eine gute Nachricht. Eine Zinserhöhung der Fed im Oktober ist laut den Fed-Funds-Futures nur noch zu rund 16 Prozent eingepreist, vor dem Bericht waren es 22 Prozent und Ende September noch rund 70 Prozent. Der DAX erholte sich um 1,17 Prozent auf 25.231,20 Punkte, nachdem er am Donnerstag erstmals seit Juli unter die Marke von 25.000 Punkten gefallen war. An der Wall Street erreichte der Nasdaq 100 im Handelsverlauf mit 31.017,53 Punkten ein Rekordhoch, getragen von Nvidia; in Frankfurt sprang Infineon um 8,8 Prozent.
Der Haken liegt in Europa. Die Inflation in der Eurozone stieg im September auf 3,8 Prozent – nach 3,2 Prozent im August und mehr als die erwarteten 3,6 bis 3,7 Prozent. Treiber ist die Energie mit einem Plus von 18,8 Prozent; die Kernrate blieb mit 2,5 Prozent stabil. Die EZB steht damit vor der umgekehrten Lage wie die Fed: In Europa steigt die Teuerung, in den USA lässt der Druck nach.
Gegen den Energiepreisschock greift jetzt die Politik ein. Die G7-Staaten wollen innerhalb von vier Monaten bis zu 100 Millionen Barrel Öl und Ölprodukte aus ihren Notreserven freigeben, mit einem Schwerpunkt auf Diesel in den ersten 20 Tagen. Brent fiel am Vormittag zeitweise unter 99 Dollar und lag am Abend mit rund 101,40 Dollar knapp ein Prozent im Minus. Am Anleihemarkt hielt die Entlastung dagegen nicht lange: Die zehnjährige US-Rendite fiel nach dem Bericht zunächst auf 5,19 Prozent, lag aber am Mittag (US-Zeit) mit 5,26 Prozent wieder über dem Vortag.
Tokio nimmt Gewinne mit. Der Nikkei 225 verlor 647,26 Punkte bzw. 0,94 Prozent auf 68.309,46, nachdem er am Donnerstag noch 3,30 Prozent zugelegt hatte. Der breite Topix gab 0,99 Prozent auf 4.091,00 ab. Auf Wochensicht steht für den Nikkei dennoch ein Plus von rund 1.945 Punkten bzw. 2,9 Prozent – der dritte Wochengewinn in Folge. Für Gesprächsstoff sorgten die Verbraucherpreise aus Tokio: Die Kernrate ohne frische Lebensmittel sprang im September auf 2,7 Prozent (erwartet 2,4, zuvor 1,8 Prozent), ohne Energie sogar auf 3,0 Prozent. Das stärkt die Argumente für eine weitere Zinserhöhung der Bank of Japan. Der Dollar notierte am Abend bei 157,75 Yen.
Hongkong mit dem größten Tagesverlust seit März. Der Hang Seng fiel um 640,98 Punkte bzw. 2,60 Prozent auf 23.972,29 – der größte Tagesverlust seit dem 23. März. Der Technologieindex verlor 2,26 Prozent. Ein einzelner Auslöser ließ sich nicht belegen; Hongkong war am Donnerstag geschlossen, als die westlichen Börsen unter den steigenden Renditen litten, und handelte heute ohne die Festlandanleger, da der Börsenverbund mit Shanghai und Shenzhen während der Golden Week ruht. In Seoul legte der Kospi um 0,46 Prozent auf 7.003,74 zu und schloss damit über der Marke von 7.000 Punkten.
Der Donnerstag endete besser, als er am Nachmittag ausgesehen hatte. In unserem gestrigen Bericht standen hier die Stände von 16:01 Uhr MESZ, als alle drei großen Indizes nach den ISM-Daten im Minus lagen. Zum Schluss reichte es knapp für ein Plus: Der S&P 500 gewann 14,91 Punkte bzw. 0,19 Prozent auf 7.666,45 und beendete damit eine Serie von drei Verlusttagen. Der Dow legte 20,51 Punkte auf 50.926,56 zu, der Nasdaq Composite 10,53 Punkte auf 26.871,59, der Nasdaq 100 93,06 Punkte bzw. 0,31 Prozent auf 30.501,56. Der Russell 2000 gewann 9,76 Punkte auf 2.806,63.
Die Wende kam vom Anleihemarkt. Die Renditen stiegen am Donnerstag zunächst kräftig – die zehnjährige bis auf 5,34 Prozent – und gaben im Verlauf deutlich nach. Rechnerisch schloss die zehnjährige US-Rendite am Donnerstag bei rund 5,23 bis 5,24 Prozent und damit rund zehn Basispunkte unter ihrem Tageshoch. Die Technologiewerte profitierten zusätzlich von den Micron-Zahlen.
(a) Verlauf – die Erholung kam mit dem Arbeitsmarktbericht: Der DAX eröffnete mit 24.995,29 Punkten knapp über dem Donnerstagsschluss, das Tagestief lag bei 24.970,91. Mit den US-Daten um 14:30 Uhr zog der Index an und erreichte ein Tageshoch von 25.303,60. Zum Xetra-Schluss standen 25.231,20 Punkte, ein Plus von 291,85 Punkten bzw. 1,17 Prozent. Auf Wochensicht bleibt ein Minus von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorwochenschluss von 25.408,64. Der MDAX gewann 0,66 Prozent auf 30.450,00, der technologielastige TecDAX sogar 2,38 Prozent, der Euro Stoxx 50 1,02 Prozent.
(b) Nachtrag zum Donnerstag: Der DAX schloss am Donnerstag amtlich bei 24.939,35 Punkten (−1,03 Prozent) und damit unter der Marke von 25.000 Punkten; in unserem Donnerstagsbericht stand noch der Stand von 16:48 Uhr mit 24.993,96 Punkten. Die 200-Tage-Linie hielt. Der MDAX verlor am Donnerstag 1,92 Prozent auf 30.251,37 Punkte, der Euro Stoxx 50 1,49 Prozent auf 6.175,45. Schlusslicht im DAX war Bayer mit −5,3 Prozent, nachdem JPMorgan vor zu hohen Erwartungen an das dritte Quartal gewarnt hatte; der europäische Bankensektor verlor 3,7 Prozent.
(c) Gewinner und Verlierer (Schlusskurse): Mit großem Abstand vorn lag Infineon mit +8,78 Prozent auf 64,64 Euro – getragen von der KI-Fantasie und der Stärke der US-Chipwerte, die den Nasdaq 100 auf ein Rekordhoch hoben. Dahinter folgten Qiagen mit +5,80 Prozent, für das sich kein konkreter Anlass belegen ließ, und Hochtief mit +2,83 Prozent, das ebenfalls als Profiteur des Rechenzentrumsbaus gilt. Europaweit erreichte der Technologiesektor den höchsten Stand seit September 2000; STMicroelectronics gewann 6,5 Prozent, ASML 3,5 Prozent. In der zweiten Reihe zogen Aixtron (+7,6 Prozent) und Siltronic (+6,7 Prozent) deutlich an.
Am Ende des Feldes lagen Daimler Truck mit −2,00 Prozent, SAP mit −1,51 Prozent und Bayer mit −1,01 Prozent; konkrete Auslöser ließen sich für keinen der drei belegen. Bayer setzte seine Talfahrt vom Vortag in abgeschwächter Form fort.
(d) Weitere Meldungen: Den schwersten Tag im MDAX hatte Kion mit −7,7 Prozent, nachdem ein Vorab-Gespräch zum dritten Quartal enttäuscht hatte – vor allem beim Auftragseingang. Auto1 verlor aus ähnlichem Anlass 4,8 Prozent. Hensoldt stieg um 3,1 Prozent, nachdem Kepler Cheuvreux eine Kaufgelegenheit sah. Die Commerzbank gab nach einer Abstufung durch RBC nach. Außerhalb Deutschlands brachen IG Group um 23 Prozent nach einem enttäuschenden Ausblick und Volvo Cars um rund 7 Prozent nach einer Prognosesenkung ein.
(e) Anleihen und Devisen: Am Anleihemarkt hat sich das Bild seit Donnerstagmorgen deutlich gedreht. Die zehnjährige Bundrendite liegt bei rund 3,43 bis 3,44 Prozent und damit weit unter den 3,61 bis 3,65 Prozent, die am Donnerstagvormittag gemeldet worden waren – bereits am Donnerstagnachmittag setzte eine kräftige Gegenbewegung ein. Gegenüber dem vergangenen Freitag (3,60 Prozent) liegt die Rendite damit spürbar tiefer. Der Bund-Future stieg am Freitag auf 121,16 Punkte. Der Euro notierte am Abend bei 1,1257 US-Dollar (+0,1 Prozent).
Die Wall Street startet fest – und bleibt es. Der Dow eröffnete mit 51.008,36 Punkten (+0,16 Prozent), der Nasdaq 100 lag zum Start 1,21 Prozent im Plus; um 15:58 Uhr MESZ stand er bei 30.902,46 Punkten (+1,31 Prozent). Bis zum Abend hielten die Indizes ihre Gewinne: Um 19:16 Uhr notierten der S&P 500 bei 7.723,17 Punkten (+56,72 bzw. +0,74 Prozent), der Dow bei 51.157,97 Punkten (+231,41 bzw. +0,45 Prozent) und der Nasdaq Composite bei 27.196,94 Punkten (+325,34 bzw. +1,21 Prozent). Der Nasdaq 100 lag um 18:21 Uhr bei 30.859,18 Punkten (+1,17 Prozent) und hatte im Verlauf mit 31.017,53 Punkten ein Rekordhoch markiert. Nur Indexstände.
Die Logik des Tages ist eindeutig: Weniger Stellen bedeuten weniger Inflationsdruck und damit eine geringere Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen – davon profitieren vor allem die wachstumsstarken Technologiewerte. Der Dow hinkt hinterher. Auf Wochensicht liegt der S&P 500 damit knapp im Minus (−0,3 Prozent gegenüber dem Vorwochenschluss), der Dow rund 1,3 Prozent im Minus, die beiden Nasdaq-Indizes dagegen im Plus.
Die Politik greift in den Ölmarkt ein. Die G7-Staaten haben sich nach einer Videokonferenz unter Vorsitz des französischen Präsidenten Macron darauf verständigt, über vier Monate bis zu 100 Millionen Barrel Öl und Ölprodukte aus ihren Reserven freizugeben, koordiniert von der Internationalen Energieagentur. In den ersten 20 Tagen soll vor allem Diesel auf den Markt kommen. US-Präsident Trump hatte zuvor mit Exportbeschränkungen für amerikanischen Diesel gedroht, falls Europa seine Reserven nicht anzapft; Deutschland und Frankreich halten zusammen rund 35 Prozent der strategischen Dieselreserven der EU. Trump schrieb anschließend, Europa habe der Freigabe einer „massiven Menge" Diesel zugestimmt. In den USA kostet eine Gallone Diesel im Schnitt 6,37 Dollar, das Rekordhoch lag am 22. September bei 6,52 Dollar.
Der Preis reagierte heftig, aber nicht nachhaltig. Brent fiel am Vormittag bis auf 98,69 Dollar, nachdem erste Berichte über eine Freigabe die Runde gemacht hatten, und erholte sich bis zum Abend auf 101,43 Dollar (−0,9 Prozent). Am Donnerstag hatte der Dezember-Kontrakt noch bei rund 102,30 Dollar geschlossen – deutlich über den Ständen vom Donnerstagnachmittag in unserem gestrigen Bericht. WTI gab um 2,2 Prozent auf 90,80 Dollar nach. Am Sonntag tagt die OPEC+.
Die Edelmetalle drehen ins Minus. Gold stieg im Tagesverlauf zunächst bis auf 4.226,20 Dollar, fiel dann aber zurück und notierte am Abend mit 4.136,60 Dollar 0,96 Prozent im Minus (Kitco, 19:13 Uhr MESZ). Gegenüber dem vergangenen Freitag (rund 4.278 Dollar) hat Gold damit gut drei Prozent verloren. Silber fiel um 1,53 Prozent auf 59,94 Dollar, Platin um 1,87 Prozent auf 1.682,00 Dollar.
| Datum | Ereignis | Ist | Erwartung | Vorher |
|---|---|---|---|---|
| Fr 02.10. | USA · Stellenaufbau September ★ Hohe Relevanz | +29 Tsd. | +84 Tsd. | +133 Tsd. |
| Fr 02.10. | USA · Stellenaufbau Juli (revidiert) | −10 Tsd. | — | +21 Tsd. |
| Fr 02.10. | USA · Arbeitslosenquote ★ Hohe Relevanz | 4,2 % | 4,1 % | — |
| Fr 02.10. | USA · Stundenlöhne m/m | +0,1 % | +0,3 % | — |
| Fr 02.10. | USA · Stundenlöhne j/j | 3,0 % | 3,1 % | — |
| Fr 02.10. | Eurozone · Verbraucherpreise September j/j (Schnellschätzung) ★ Hohe Relevanz | 3,8 % | 3,6–3,7 % | 3,2 % |
| Fr 02.10. | Eurozone · Kernrate j/j | 2,5 % | 2,5 % | — |
| Fr 02.10. | Eurozone · Energiepreise j/j | +18,8 % | — | +14,3 % |
| Fr 02.10. | Japan · Verbraucherpreise Tokio ohne Frischwaren j/j | 2,7 % | 2,4 % | 1,8 % |
| Fr 02.10. | Japan · Arbeitslosenquote August | 2,5 % | 2,4 % | — |
| Fr 02.10. | USA · Auftragseingang Industrie August m/m | +0,1 % | +0,1 % | +0,8 % |
| Mo 05.10. | USA · ISM-Index Dienstleister ★ Hohe Relevanz | — | — | — |
| Mi 07.10. | USA · Protokoll der Fed-Sitzung ★ Hohe Relevanz | — | — | — |
| Do 08.10. | Eurozone · Protokoll der EZB-Sitzung | — | — | — |
Der Arbeitsmarktbericht ist schwächer, als die Kopfzahl vermuten lässt. Mit 29.000 neuen Stellen verfehlte der September die Erwartung um mehr als die Hälfte, und die Revisionen machen das Bild noch trüber: Der Juli weist nun einen Stellenabbau von 10.000 aus, der August wurde um 29.000 auf 133.000 gesenkt. Im Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate entstanden laut Arbeitsministerium nur noch 45.000 Stellen pro Monat. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,2 Prozent, bewegt sich aber seit März in einer engen Spanne von 4,1 bis 4,3 Prozent. Die Stundenlöhne legten nur um 0,1 Prozent auf 37,81 Dollar zu. Für die Fed ist das die Bestätigung, dass sie sich Zeit lassen kann. In der Eurozone zeigt die Inflation in die Gegenrichtung. Mit 3,8 Prozent liegt sie fast doppelt so hoch wie das EZB-Ziel von 2 Prozent, getrieben von Energiepreisen, die um 18,8 Prozent über dem Vorjahr liegen. Die Kernrate blieb mit 2,5 Prozent stabil – ein Hinweis, dass der Energieschock noch nicht breit auf andere Preise durchschlägt. In Japan zogen die Tokioter Verbraucherpreise deutlich stärker an als erwartet.
Hongkong war zurück, Festlandchina fehlte weiter. Die Börse Hongkong handelte nach dem Nationalfeiertag am Donnerstag wieder regulär, allerdings ohne den Handelsverbund mit Shanghai und Shenzhen. Festlandchina bleibt zur „Golden Week" bis einschließlich 7. Oktober geschlossen und handelt ab dem 8. Oktober wieder. In Indien ruhte der Handel heute wegen des Gandhi-Jayanti-Feiertags. Tokio, Seoul, Europa und die USA handelten regulär. Der Tag der Deutschen Einheit fällt in diesem Jahr auf den Samstag, an Xetra entfällt also kein Handelstag.
Die kommende Woche: Seoul schließt am Montag, 5. Oktober, und am Freitag, 9. Oktober. Am Montag, 12. Oktober, ist in Japan Feiertag; in den USA wird an diesem Tag (Columbus Day) an der Börse gehandelt, der Anleihemarkt bleibt geschlossen.
Nike enttäuscht mit dem Ausblick. Im ersten Geschäftsquartal sank der Umsatz um rund 4 Prozent auf 11,21 Milliarden Dollar und blieb damit leicht unter den erwarteten 11,32 Milliarden; der Gewinn je Aktie lag mit 0,48 Dollar dagegen über dem Konsens von 0,43 bis 0,44 Dollar. Belastend wirkt China: Der Umsatz in Greater China brach um 22 Prozent ein, währungsbereinigt um 26 Prozent. Für das Gesamtjahr erwartet Nike einen Umsatzrückgang im hohen einstelligen Prozentbereich und einen bereinigten Gewinn von 1,15 bis 1,35 Dollar je Aktie – Analysten hatten mit 1,61 Dollar gerechnet. Ein neues Sparprogramm namens „Pace" soll bis 2031 rund 2,5 Milliarden Dollar einsparen, kostet aber zunächst rund 1 Milliarde Dollar, überwiegend für Stellenabbau. Die Aktie verlor rund 5 bis 6 Prozent.
Tesla liefert mehr als erwartet. Der Elektroautobauer übergab im dritten Quartal 486.532 Fahrzeuge an Kunden – rund 2 Prozent weniger als vor einem Jahr, aber deutlich mehr als die rund 462.000, die Analysten erwartet hatten. Produziert wurden 464.391 Fahrzeuge. Beim Energiespeichergeschäft blieb Tesla mit 13,7 Gigawattstunden unter den Erwartungen. Die Aktie stieg um rund 5 Prozent.
Nvidia auf Rekordhoch, ON Semiconductor kauft zu. Die Nvidia-Aktie erreichte im Handelsverlauf ein Allzeithoch von 237,88 Dollar, der Börsenwert stieg auf über 5,7 Billionen Dollar; Morgan Stanley erhöhte das Kursziel. ON Semiconductor übernimmt den Chipentwickler Synaptics für 5,7 Milliarden Dollar in bar – ON stieg um 7,7 Prozent, Synaptics um 14,2 Prozent. In Europa meldete Volvo Cars eine Prognosesenkung, Julius Bär gewann nach einem Aktienrückkaufprogramm rund 2 Prozent.
Termine: In der kommenden Woche berichten unter anderem Constellation Brands (Dienstag), PepsiCo (Donnerstag) und Delta Air Lines (Freitag). Am 13. Oktober startet mit JPMorgan, Wells Fargo und Goldman Sachs die US-Berichtssaison für das dritte Quartal.
Live-Kurse (Crypto.com, Stand 19:21 Uhr MESZ): Bitcoin notiert mit 84.874 $ kaum verändert (+0,13 Prozent), Ethereum gibt 0,59 Prozent auf 2.683,38 $ nach, Solana gewinnt 1,38 Prozent auf 119,87 $. Auffällig ist die Spanne: Bitcoin stieg in den vergangenen 24 Stunden bis auf 87.250 Dollar, gab den Gewinn aber wieder ab und liegt jetzt am unteren Rand.
Auf Wochensicht ist Bitcoin leicht im Plus – gegenüber dem vergangenen Freitag (83.800 Dollar) rund 1,3 Prozent. Der schwache Arbeitsmarktbericht hätte für Krypto Rückenwind bedeuten können, weil geringere Zinserwartungen riskante Anlagen begünstigen; der kurze Ausschlag nach oben wurde jedoch nicht gehalten.
| Sektor | Bewertung | Momentum |
|---|---|---|
| Halbleiter Europa | teuer | sehr stark (Infineon +8,8 %, Aixtron +7,6 %, STMicro +6,5 %) |
| Technologie Europa | teuer | höchster Stand seit September 2000 |
| US-Technologie | teuer | Nasdaq 100 mit Rekordhoch, Nvidia auf Allzeithoch |
| Bau / Infrastruktur | fair | fest (Hochtief +2,8 %) |
| Nebenwerte (MDAX) | günstig | Erholung (+0,7 %) nach −1,9 % am Donnerstag |
| Japan (Nikkei und Topix) | teuer | Gewinnmitnahmen (−0,9 %), Woche +2,9 % |
| Hongkong / China | günstig | schwach (Hang Seng −2,6 %) |
| Sportartikel | fair | schwach (Nike −5 bis −6 % nach Ausblick) |
| Energie / Öl | fair | G7-Reservefreigabe drückt (WTI −2,2 %) |
| Intralogistik / Maschinenbau | günstig | schwach (Kion −7,7 %) |
| Edelmetalle | fair | Gold −1 %, Woche gut −3 % |
| Anleihen (Duration) | günstig | Bund-Rendite deutlich gesunken, US-Rendite wieder höher |
Zur Orientierung: Die Woche endet mit einem klaren Rollenwechsel. Am Donnerstag dominierten die Renditen und drückten den DAX unter 25.000 Punkte, am Freitag nahm der schwache US-Arbeitsmarkt genau diesen Druck heraus – und die Anleger griffen sofort wieder zu den Technologiewerten. Dass der europäische Technologiesektor den höchsten Stand seit dem Jahr 2000 erreicht, zeigt, wie stark der KI-Zyklus inzwischen auch Europa erfasst hat. Die Kehrseite ist die Konzentration: Der Gewinn des Tages kommt vor allem aus den Chip- und Technologiewerten, während Konsumwerte wie Nike und Industriewerte wie Kion unter Druck stehen. Beim Öl wirkt die Politik: Die G7-Freigabe bremst den Preisanstieg kurzfristig, ändert aber nichts an der Lage am Golf. Keine Anlageberatung.
Die US-Wirtschaft hat im September nur 29.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen, erwartet waren 84.000. Die Vormonate wurden um zusammen 60.000 Stellen nach unten korrigiert: Der Juli weist nun einen Abbau von 10.000 Stellen aus, der August ein Plus von 133.000 statt 162.000. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,2 Prozent, die Stundenlöhne legten nur um 0,1 Prozent zu, auf Jahressicht um 3,0 Prozent. Im Zwölfmonatsschnitt entstanden nur noch 45.000 Stellen pro Monat. Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im Oktober sank auf rund 16 Prozent, nach 22 Prozent vor dem Bericht.
US-Arbeitsministerium (BLS) / Dow JonesDie Verbraucherpreise in der Eurozone lagen im September um 3,8 Prozent über dem Vorjahr, nach 3,2 Prozent im August; erwartet waren 3,6 bis 3,7 Prozent. Hauptgrund ist die Energie, die sich um 18,8 Prozent verteuerte – nach 14,3 Prozent im Vormonat. Die Kernrate ohne Energie und Lebensmittel blieb mit 2,5 Prozent im Rahmen der Erwartungen. Für die EZB ist das eine schwierige Konstellation: Die Gesamtinflation entfernt sich weiter vom Ziel, die Kernrate liefert aber noch keinen Beleg für breite Zweitrundeneffekte. Zuvor hatten bereits Deutschland (3,3 Prozent), Frankreich (3,4 Prozent) und Italien (4,1 Prozent) höhere Raten gemeldet.
Eurostat / finanzmarktwelt / Dow JonesDie G7-Staaten und ihre Partner wollen über vier Monate bis zu 100 Millionen Barrel Öl und Ölprodukte freigeben, koordiniert von der Internationalen Energieagentur. In den ersten 20 Tagen soll vor allem Diesel auf den Markt kommen. Die Einigung fiel in einer Videokonferenz unter Vorsitz von Frankreichs Präsident Macron, an der sich auch US-Präsident Trump beteiligte. Trump hatte zuvor mit Beschränkungen für amerikanische Dieselexporte gedroht, falls Europa seine Reserven nicht anzapft. Brent fiel am Vormittag zeitweise auf 98,69 Dollar, lag am Abend aber wieder bei rund 101,40 Dollar.
BNN Bloomberg / Al Jazeera / Dow JonesDer Nasdaq 100 erreichte im Handelsverlauf mit 31.017,53 Punkten ein Rekordhoch und lag am Abend rund 1,2 Prozent im Plus. Treiber war die Nvidia-Aktie, die bis auf 237,88 Dollar stieg und einen Börsenwert von über 5,7 Billionen Dollar erreichte; Morgan Stanley erhöhte das Kursziel. Dazu kam eine Übernahme: ON Semiconductor kauft Synaptics für 5,7 Milliarden Dollar in bar. Der S&P 500 gewann bis zum Abend rund 0,7 Prozent, der Dow rund 0,5 Prozent.
TheStreet / Dow Jones / dpa-AFXNike setzte im ersten Geschäftsquartal 11,21 Milliarden Dollar um, rund 4 Prozent weniger als im Vorjahr und leicht unter den Erwartungen; der Gewinn je Aktie übertraf mit 0,48 Dollar den Konsens. Der Umsatz in Greater China fiel um 22 Prozent. Für das Gesamtjahr stellt der Konzern einen Gewinn von 1,15 bis 1,35 Dollar je Aktie in Aussicht – Analysten hatten mit 1,61 Dollar gerechnet – und kündigte ein Sparprogramm mit rund 2,5 Milliarden Dollar Einsparungen bis 2031 an. Die Aktie verlor rund 5 bis 6 Prozent.
Nike / stocktitan / Dow JonesTesla hat im dritten Quartal 486.532 Fahrzeuge ausgeliefert – rund 2 Prozent weniger als vor einem Jahr, aber deutlich mehr als die rund 462.000, die der vom Unternehmen gesammelte Analystenkonsens erwartet hatte. Die Produktion lag bei 464.391 Fahrzeugen. Schwächer fiel das Energiespeichergeschäft aus. Die Aktie stieg um rund 5 Prozent.
Tesla / electrek / TheStreetDer DAX gewann am Freitag 1,17 Prozent auf 25.231,20 Punkte, nachdem er am Donnerstag mit 24.939,35 Punkten unter die Marke von 25.000 gefallen war und die 200-Tage-Linie getestet hatte. Auf Wochensicht bleibt ein Minus von 0,7 Prozent. Die Erholung trugen die Technologiewerte: Infineon stieg um 8,78 Prozent, in der zweiten Reihe legten Aixtron und Siltronic jeweils um mehr als sechs Prozent zu. Europaweit erreichte der Technologiesektor den höchsten Stand seit September 2000. Belastet wurde der MDAX von Kion, das nach einem enttäuschenden Ausblick auf das dritte Quartal 7,7 Prozent verlor.
dpa-AFX / XetraZum Wiedereinstieg nach dem Feiertag fiel der Hang Seng um 2,60 Prozent auf 23.972,29 Punkte – der größte Tagesverlust seit dem 23. März. Der Handel lief ohne Festlandanleger, da der Börsenverbund während der chinesischen Golden Week ruht. In Tokio gab der Nikkei nach dem Sprung vom Donnerstag 0,94 Prozent nach, schloss die Woche aber mit einem Plus von rund 2,9 Prozent ab. Die Kernrate der Tokioter Verbraucherpreise stieg im September auf 2,7 Prozent und damit deutlich stärker als erwartet; das stützt die Erwartung einer weiteren Zinserhöhung der Bank of Japan.
Nikkei / Kabutan / investingliveSonntag (04.10.): Treffen der OPEC+ – nach der G7-Entscheidung zur Freigabe von Reserven mit besonderer Aufmerksamkeit.
Montag (05.10.): Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor und der ISM-Index der US-Dienstleister; EZB-Chefvolkswirt Lane spricht. Seoul geschlossen.
Dienstag und Mittwoch (06./07.10.): Deutscher Auftragseingang und deutsche Industrieproduktion für August, Zahlen von Constellation Brands. Am Mittwochabend folgt das Protokoll der letzten Fed-Sitzung – nach dem schwachen Arbeitsmarktbericht mit neuer Brisanz.
Donnerstag und Freitag (08./09.10.): Protokoll der EZB-Sitzung, Rede von BoE-Chef Bailey, Zahlen von PepsiCo und Delta. Festlandchina handelt nach der Golden Week wieder, Seoul ist am Freitag erneut geschlossen.
Dienstag (13.10.): Start der US-Berichtssaison mit JPMorgan, Wells Fargo und Goldman Sachs.
Worauf es ankommt: Die Woche hat die Lage auf beiden Seiten des Atlantiks verschoben. In den USA kühlt der Arbeitsmarkt deutlich ab, die Inflation lässt nach, und eine Zinserhöhung im Oktober ist weitgehend ausgepreist. In Europa steigt die Inflation auf 3,8 Prozent, während die Konjunkturindikatoren der Industrie auf Mehrjahreshochs stehen – die EZB gerät damit stärker unter Druck als die Fed. Für die Aktienmärkte heißt das: Solange die Renditen nicht erneut ausbrechen, haben die Technologiewerte Rückenwind. Ob die G7-Freigabe den Ölpreis nachhaltig drückt, entscheidet sich an der OPEC+ am Sonntag und an der weiteren Entwicklung in der Straße von Hormus.
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