Nach einer Woche, in der steigende Renditen und hohe Ölpreise die Märkte dominiert haben, lässt der Druck an beiden Fronten nach. Brent fiel um gut 2 Prozent auf rund 98 US-Dollar. Die Gründe laut dpa-AFX: Durch die Straße von Hormus fließt wieder mehr Öl, Saudi Aramco senkt den Preis für seine Sorte Arab Light in Asien auf ein Sechsjahrestief, Kuwait fördert wieder rund drei Viertel seines Vorkriegsniveaus, und die G7 geben bis zu 100 Millionen Barrel aus ihren Reserven frei. Die OPEC+ hatte am Sonntag ihre Förderziele für November unverändert gelassen.
Am Anleihemarkt kam die Wende nach einem neuen Hoch. Die zehnjährige US-Rendite stieg am Montag zeitweise auf 5,35 Prozent – den höchsten Stand seit April 2002 – und schloss bei rund 5,31 Prozent. Heute liegt sie mit 5,27 bis 5,29 Prozent wieder darunter. In Europa sorgte Frankreich für Entlastung: Nach einem Haushaltsplan von Marine Le Pen, der das Defizit bis 2032 unter drei Prozent drücken soll, fiel die Rendite französischer Staatsanleihen auf 4,75 Prozent, der Abstand zu Bundesanleihen schrumpfte von zuvor über 160 auf rund 130 Basispunkte.
Die Aktienmärkte nehmen das dankbar auf. Der S&P 500 erreichte mit 7.839,28 Punkten ein Rekordhoch, nachdem Nasdaq Composite und Nasdaq 100 bereits am Montag auf Rekordniveau geschlossen hatten. In Tokio schloss der Nikkei 225 über der Marke von 70.000 Punkten. Der DAX legte bis 16:59 Uhr um 0,76 Prozent auf 25.445,57 Punkte zu, getragen von Übernahmefantasie bei Pharma- und Gesundheitswerten nach einer Reihe großer Deals in den USA und Europa.
Ein Dämpfer kam aus der deutschen Industrie. Der Auftragseingang brach im August um 10,6 Prozent ein – erwartet war ein Minus von 1,0 Prozent. Der Grund sind ausgebliebene Großaufträge aus der Rüstung: Im sonstigen Fahrzeugbau – Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge – fielen die Bestellungen um 61,5 Prozent. Ohne Großaufträge lag der Auftragseingang mit −0,1 Prozent nahezu stabil, an der Börse spielte die Zahl deshalb kaum eine Rolle.
Tokio springt über 70.000 Punkte. Der Nikkei 225 gewann am Montag 1.637,40 Punkte bzw. 2,40 Prozent auf 69.946,86 und legte heute noch einmal 737,12 Punkte bzw. 1,05 Prozent auf 70.683,98 zu; im Tageshoch standen 70.798,62 Punkte. Der breite Topix stieg auf 4.183,56 (+0,92 Prozent) nach 4.145,22 am Montag. Getragen wurde der Anstieg erneut von den Chipzulieferern: Am Montag gewannen Tokyo Electron 5,2 und Advantest 4 Prozent, heute legten Advantest um 3,8 und der Kabelhersteller Fujikura um 5,2 Prozent zu. Der Dollar notiert bei rund 158 Yen.
Hongkong erholt sich, Seoul fällt zurück. Der Hang Seng stieg am Montag um 0,28 Prozent auf 24.040,34 und heute um 1,00 Prozent auf 24.280,56, nachdem er am Freitag noch 2,6 Prozent verloren hatte. In Seoul, das am Montag feiertagsbedingt geschlossen war, gab der Kospi um 0,89 Prozent auf 6.941,39 nach; Samsung verlor 1,5 Prozent, SK Hynix 3,7 Prozent. Gegen den Trend stieg LG Electronics um 7,6 Prozent nach einem Auftrag für Kühlsysteme in US-Rechenzentren. In Taiwan hatte der Taiex am Montag 2,6 Prozent zugelegt, TSMC 3 Prozent. Festlandchina bleibt wegen der Golden Week bis einschließlich Mittwoch geschlossen.
Zwei starke Tage, zwei Rekordschlüsse für die Technologie. Am Freitag schlossen der S&P 500 mit +0,73 Prozent bei 7.722,72, der Dow mit +0,49 Prozent bei 51.176,96, der Nasdaq Composite mit +1,19 Prozent bei 27.190,86 und der Nasdaq 100 mit +1,00 Prozent bei 30.807,93 – getragen vom schwachen Arbeitsmarktbericht, der die Erwartung weiterer Zinserhöhungen dämpfte. Am Montag legte der S&P 500 um 51,23 Punkte bzw. 0,66 Prozent auf 7.773,95 zu, der Dow um 90,94 Punkte auf 51.267,90. Der Nasdaq Composite gewann 286,45 Punkte bzw. 1,05 Prozent auf 27.477,31, der Nasdaq 100 268,51 Punkte bzw. 0,87 Prozent auf 31.076,44 – beides Rekordschlüsse. Der Russell 2000 stieg auf 2.847,14 Punkte.
Getragen wurde der Montag von einer Übernahmewelle. Der französische Elektrokonzern Schneider Electric bietet rund 20 Milliarden Euro für den US-Softwareanbieter PTC; die Schneider-Aktie fiel daraufhin um rund 10 Prozent, Softwarewerte in Europa legten zu. GE HealthCare kauft Sofie Biosciences für 945 Millionen Dollar, McKesson übernimmt gemeinsam mit dem Finanzinvestor CD&R den Infusionsdienstleister Option Care Health. Bemerkenswert ist, dass die Aktien trotz steigender Renditen zulegten: Die zehnjährige US-Rendite markierte am Montag mit 5,35 Prozent den höchsten Stand seit April 2002.
(a) Verlauf – fester Start, Widerstand bei 25.500: Der DAX eröffnete mit 25.390,75 Punkten deutlich über dem Montagsschluss und stieg bis auf ein Tageshoch von 25.522,09; die Marke von 25.500 Punkten erwies sich als Widerstand. Um 16:59 Uhr standen 25.445,57 Punkte, ein Plus von 191,36 Punkten bzw. 0,76 Prozent gegenüber dem Montagsschluss von 25.254,21. Die zweite Reihe lief besser: Der MDAX gewann am frühen Nachmittag rund 1 Prozent, der TecDAX 1,35 Prozent. Europaweit waren Pharma- und Gesundheitswerte gesucht.
(b) Nachtrag zum Montag: Der DAX schloss am Montag mit 25.254,21 Punkten nahezu unverändert (+0,09 Prozent); der MDAX gab 0,08 Prozent auf 30.426,98 nach. Hohe Ölpreise, steigende Renditen und politische Unsicherheit in mehreren europäischen Ländern bremsten. Gefragt waren Softwarewerte nach dem Übernahmeangebot von Schneider für PTC: Nemetschek stieg um 4,3 Prozent, Teamviewer um 4,2 Prozent. Continental gewann nach einer Hochstufung durch Morgan Stanley 1,3 Prozent; Auto1 verlor 4,7 Prozent, Carl Zeiss Meditec nach einer Abstufung durch Goldman Sachs 2,8 Prozent. Zum Rekordhoch vom August bei 26.618 Punkten fehlen dem DAX weiterhin rund 4,6 Prozent.
(c) Gewinner und Verlierer (Stand 15:58 Uhr): An der Spitze standen Merck mit +4,19 Prozent, Qiagen mit +3,47 Prozent und Siemens Healthineers mit +2,64 Prozent. Auslöser war laut Dow Jones die Übernahmefantasie im Gesundheitssektor nach der Übernahme von Option Care durch McKesson und CD&R; eine eigene Unternehmensnachricht zu Merck ließ sich nicht finden. Europaweit zogen Genmab (+7,8 Prozent), Sartorius, bioMérieux und Schott Pharma (jeweils rund +4,7 Prozent) mit.
Am Ende des Feldes lag Rheinmetall mit −3,07 Prozent – die Rüstungswerte waren insgesamt schwach, auch Hensoldt und Renk gaben deutlich nach. Dahinter folgten die Deutsche Telekom mit −1,12 Prozent und Airbus mit −0,74 Prozent. Rheinmetall meldete am selben Tag den Start einer Serienfertigung von Satelliten und die Übernahme des Alstom-Lokwerks in Kassel mit rund 750 Beschäftigten.
(d) Weitere Meldungen: Thyssenkrupp gewann rund 3 Prozent nach Berichten über japanisches Interesse an TK Elevator. Flatexdegiro fiel um rund 7 Prozent auf den tiefsten Stand seit über einem Jahr, ein Anlass ließ sich nicht belegen. Nordex meldete Aufträge über 228 Megawatt, United Internet stärkt das Eigenkapital seiner Tochter 1&1.
(e) Anleihen, Devisen, Notenbanken: Die zehnjährige Bundrendite lag am Morgen bei 3,44 Prozent nach 3,49 Prozent am Montag; vor einer Woche hatte sie mit 3,653 Prozent noch den höchsten Stand seit 2009 erreicht. Die französische Rendite fiel von knapp 5 Prozent am Freitag auf 4,75 Prozent. Der Euro war am Montag auf den tiefsten Stand seit rund anderthalb Jahren gefallen (1,1177 US-Dollar am Morgen) und erholte sich heute auf 1,125 bis 1,126 Dollar. EZB-Chefvolkswirt Lane sagte am Montag, die hohen Energiepreise könnten die Nachfrage dämpfen, eine Wiederholung von 2022 erwarte er nicht; angemessen sei eine maßvolle Reaktion. Bundesbankpräsident Nagel forderte „Flexibilität, nicht Untätigkeit".
Die Wall Street setzt die Rekordjagd fort. Der S&P 500 eröffnete bei 7.805,96 Punkten, der Nasdaq 100 lag zum Start 0,58 Prozent im Plus, der Nasdaq Composite 0,60 Prozent. Um 15:59 Uhr MESZ notierte der Nasdaq 100 bei 31.305,26 Punkten (+0,74 Prozent), nachdem er kurz zuvor mit 31.312,58 Punkten ein Rekordhoch markiert hatte. Bis 17:14 Uhr stieg der S&P 500 auf 7.839,21 Punkte (+65,26 bzw. +0,84 Prozent) und damit auf ein Rekordhoch, der Nasdaq Composite auf 27.715,77 Punkte (+238,46 bzw. +0,87 Prozent). Der Dow lag um 17:13 Uhr bei 51.611,37 Punkten (+343,47 bzw. +0,67 Prozent). Nur Indexstände.
Zwei Kräfte schieben gleichzeitig: Sinkende Ölpreise und nachgebende Renditen nehmen den Druck von der Bewertung, und die KI-Rally geht weiter. Anders als am Montag profitiert heute auch die Breite des Marktes – der Dow, der seit Wochen hinterherhinkt, legt im Gleichschritt mit den Technologieindizes zu.
Der Ölpreis fällt unter 100 Dollar – und diesmal kommt die Entlastung vom Angebot. Brent notierte um 17:04 Uhr MESZ bei 98,11 Dollar (−2,21 Dollar bzw. −2,20 Prozent), im Tagestief bei 97,08 Dollar; dpa-AFX meldete um 13:47 Uhr 97,61 Dollar. Am Montag hatte die Nordseesorte bei rund 100,30 Dollar geschlossen. WTI fiel bis 16:38 Uhr um 1,7 Prozent auf 87,91 Dollar. Durch die Straße von Hormus fahren wieder mehr Tanker, Kuwait fördert rund 75 Prozent seines Vorkriegsniveaus, und Saudi Aramco hat den Offizialpreis für Arab Light in Asien auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren gesenkt. Dazu kommt die Freigabe von bis zu 100 Millionen Barrel aus den Reserven der G7-Staaten.
Die OPEC+ hält still, im Jemen dreht sich die Lage. Die Ölallianz ließ ihre Förderziele für November am Sonntag unverändert, das war erwartet. Im Jemen haben Regierungstruppen mit saudischer Unterstützung die Hafenstadt Mokka am Roten Meer von den Huthis zurückerobert; zugleich wurden laut Berichten die saudischen Flughäfen Jazan und Najran angegriffen. Für die Schifffahrt im Roten Meer ist die Entwicklung wichtig, eine Entwarnung ist sie nicht.
Gold stabilisiert sich. Nach den Verlusten der Vorwoche notierte Gold um 17:08 Uhr mit 4.158,80 Dollar 0,47 Prozent im Plus (Kitco), in einer Spanne von 4.105,50 bis 4.180,50 Dollar. Silber hielt sich mit 61,04 Dollar knapp über dem Vortag, Platin verlor 1,64 Prozent auf 1.684 Dollar.
| Datum | Ereignis | Ist | Erwartung | Vorher |
|---|---|---|---|---|
| Di 06.10. | Deutschland · Auftragseingang August m/m ★ Hohe Relevanz | −10,6 % | −1,0 % | +3,2 % |
| Di 06.10. | Deutschland · Auftragseingang ohne Großaufträge m/m | −0,1 % | — | — |
| Di 06.10. | Deutschland · Auftragseingang j/j | +2,7 % | — | — |
| Mo 05.10. | USA · ISM-Index Dienstleister September ★ Hohe Relevanz | 54,9 | 55,0 | 55,4 |
| Mo 05.10. | Eurozone · Einkaufsmanagerindex Dienste (final) | 53,0 | 53,0 | 51,6 |
| Mo 05.10. | Deutschland · Einkaufsmanagerindex gesamt (final) | 53,8 | — | 51,8 |
| Mo 05.10. | Eurozone · Sentix-Konjunkturindex Oktober | 2,7 | 4,2 | 5,1 |
| Mo 05.10. | Eurozone · Erzeugerpreise August j/j | +8,2 % | +7,6 % | +5,8 % |
| Mi 07.10. | Deutschland · Industrieproduktion August (08:00) | — | — | — |
| Mi 07.10. | USA · Protokoll der Fed-Sitzung (20:00) ★ Hohe Relevanz | — | — | — |
| Do 08.10. | Deutschland · Handelsbilanz · USA · Erstanträge · TSMC-Umsatz | — | — | — |
| Fr 09.10. | USA · Verbraucherstimmung Uni Michigan Oktober (16:00) | — | — | — |
| Mi 14.10. | USA · Verbraucherpreise September (14:30) ★ Hohe Relevanz | — | — | — |
Der Einbruch beim Auftragseingang ist ein Sondereffekt. Mit −10,6 Prozent fiel der deutsche Auftragseingang im August deutlich – aber fast ausschließlich, weil Großaufträge aus der Rüstung wegfielen; der Juli wurde zugleich auf +3,2 Prozent nach oben revidiert. Ohne Großaufträge lagen die Bestellungen mit −0,1 Prozent nahezu stabil, gegenüber dem Vorjahr steht ein Plus von 2,7 Prozent. Die Inlandsaufträge sanken um 17,3 Prozent, die Auslandsaufträge um gut 5 Prozent. Ökonomen verweisen auf volle Auftragsbücher, die rund neun Monate Produktion absichern. In den USA kühlt der Dienstleistungssektor leicht ab: Der ISM-Index fiel auf 54,9 Punkte, bleibt aber klar im Wachstumsbereich; die Preiskomponente stieg laut Dow Jones auf den höchsten Stand seit Juli 2022. In Europa zeigt sich ein gemischtes Bild: Der Einkaufsmanagerindex für die Dienstleister der Eurozone stieg auf den höchsten Stand seit November 2025, die Sentix-Konjunkturerwartungen fielen dagegen erstmals seit April. Die Erzeugerpreise der Eurozone lagen im August um 8,2 Prozent über dem Vorjahr – ein Vorlaufindikator für die Verbraucherpreise.
Asien handelt noch eingeschränkt. Festlandchina bleibt zur Golden Week bis einschließlich Mittwoch, 7. Oktober, geschlossen und öffnet am Donnerstag wieder. Seoul war am Montag geschlossen und handelte heute regulär; am Freitag, 9. Oktober, pausiert die Börse erneut zum Hangeul-Tag. Tokio, Hongkong, Europa und die USA handeln regulär.
Kommende Woche: Am Montag, 12. Oktober, ist in Japan Feiertag (Tag des Sports). In den USA wird an diesem Tag (Columbus Day) an der Börse gehandelt, der Anleihemarkt bleibt geschlossen; in Kanada ruht der Handel wegen Thanksgiving.
Die Übernahmewelle rollt. Schneider Electric bietet rund 20 Milliarden Euro für den US-Softwareanbieter PTC, der Spezialist für Konstruktions- und Produktlebenszyklus-Software ist; die Schneider-Aktie verlor am Montag rund 10 Prozent. In den USA übernehmen der Pharmagroßhändler McKesson und der Finanzinvestor CD&R gemeinsam Option Care Health – dessen Aktie sprang um 32,9 Prozent. GE HealthCare kauft Sofie Biosciences für 945 Millionen Dollar. In Europa löste das heute eine Rally bei Pharma- und Gesundheitswerten aus, von Merck über Qiagen bis Genmab.
Strom für Rechenzentren bleibt das Thema. Constellation Energy stieg um 12,5 Prozent, nachdem der Versorger einen Atomstromvertrag mit Google über 890 Megawatt und 20 Jahre Laufzeit geschlossen hat. Applied Digital sicherte sich 1 Gigawatt Stromkapazität für ein Rechenzentrum in Finnland. Bei den Chipwerten gewannen Marvell (+9,7 Prozent) und Astera Labs (+8,9 Prozent), während die Speicherhersteller Seagate (−5,7 Prozent) und Western Digital (−5,1 Prozent) nachgaben. Laut dpa-AFX sammelt der chinesische KI-Entwickler Deepseek umgerechnet 10,6 Milliarden Euro ein; ein Börsengang wird für 2027 erwartet.
Termine: Constellation Brands legt heute nach US-Börsenschluss Zahlen vor. Am Mittwoch hält Porsche einen Kapitalmarkttag ab, am Donnerstag berichten PepsiCo und TSMC (Monatsumsatz), am Freitag Delta Air Lines. Am 13. Oktober startet mit JPMorgan, Wells Fargo und Goldman Sachs die US-Berichtssaison, am 14. Oktober folgen ASML, BlackRock und die Bank of America.
Live-Kurse (Crypto.com, Stand 17:14 Uhr MESZ): Der Kryptomarkt zieht mit den Aktienmärkten an. Bitcoin gewinnt 1,21 Prozent auf 86.590 $ und notiert damit am oberen Rand der 24-Stunden-Spanne von 84.975 bis 86.705 Dollar. Ethereum legt 0,79 Prozent auf 2.723,17 $ zu, Solana 1,70 Prozent auf 121,74 $. Gegenüber unserem Freitagsbericht (84.874 Dollar) liegt Bitcoin rund 2 Prozent höher.
Die Fondsflüsse spielen nicht mit. Die US-Spot-ETFs auf Bitcoin verbuchten am Montag laut fxstreet Abflüsse von rund 90 Millionen Dollar, die Ether-ETFs von rund 51 Millionen Dollar. Der Kursanstieg wird also derzeit nicht von institutionellen Zuflüssen getragen.
| Sektor | Bewertung | Momentum |
|---|---|---|
| Pharma / Gesundheit Europa | günstig | stark (Merck +4,2 %, Genmab +7,8 %) – Übernahmefantasie |
| US-Technologie | teuer | Rekorde bei S&P 500, Nasdaq Composite und Nasdaq 100 |
| Japan (Nikkei und Topix) | teuer | Nikkei über 70.000, zwei Gewinntage in Folge |
| Software Europa | fair | fest nach Schneider/PTC (Nemetschek +4,3 % am Montag) |
| Strom / Versorger mit Rechenzentrumsbezug | fair | stark (Constellation Energy +12,5 %) |
| Nebenwerte (MDAX) | günstig | fest (rund +1 %) |
| Rüstung | teuer | schwach (Rheinmetall −3,1 %, Hensoldt und Renk im Minus) |
| Energie / Öl | fair | Brent unter 100 $, Angebot erholt sich |
| Speicherhersteller USA | teuer | Gewinnmitnahmen (Seagate −5,7 %) |
| Telekommunikation | fair | schwach (Deutsche Telekom −1,1 %) |
| Edelmetalle | fair | Gold stabilisiert sich (+0,5 %) |
| Anleihen (Duration) | günstig | Entspannung nach US-Hoch seit 2002, Frankreich-Aufschlag sinkt |
Zur Orientierung: Die Märkte haben einen neuen Treiber gefunden – Übernahmen. Allein seit Montag wurden mehrere Übernahmen angekündigt, die größte davon über rund 20 Milliarden Euro, und die Anleger suchen bereits die nächsten Kandidaten. In Europa trifft das vor allem den Gesundheitssektor, der im Vergleich zum Gesamtmarkt als günstig bewertet gilt. Gleichzeitig verliert der Rüstungssektor an Schwung: Rheinmetall, Hensoldt und Renk geben nach, und der deutsche Auftragseingang zeigt, wie unregelmäßig die Großaufträge hereinkommen. Der wichtigste Faktor bleibt aber der Zins: Solange die Renditen nachgeben und der Ölpreis unter 100 Dollar bleibt, haben die Technologiewerte freie Bahn – ein erneuter Anstieg der zehnjährigen US-Rendite über 5,35 Prozent wäre der größte Risikofaktor. Keine Anlageberatung.
Der Brentpreis fiel um gut 2 Prozent auf rund 98 Dollar und damit unter die Marke von 100 Dollar. Laut dpa-AFX fließt wieder mehr Öl durch die Straße von Hormus, Kuwait fördert rund 75 Prozent seines Vorkriegsniveaus, und Saudi Aramco senkt den Preis für Arab Light in Asien auf ein Sechsjahrestief. Dazu kommt die Freigabe von bis zu 100 Millionen Barrel aus den Reserven der G7. Die OPEC+ hatte am Sonntag beschlossen, ihre Förderziele für November nicht zu verändern. WTI gab um 1,7 Prozent auf 87,91 Dollar nach.
dpa-AFX / CNBC / Dow JonesDer S&P 500 stieg bis 17:14 Uhr MESZ auf 7.839,21 Punkte und damit auf ein Rekordhoch, der Nasdaq 100 markierte mit 31.312,58 Punkten ebenfalls einen neuen Höchststand. Bereits am Montag hatten der Nasdaq Composite (27.477,31) und der Nasdaq 100 (31.076,44) auf Rekordniveau geschlossen. Getragen wird die Rally von sinkenden Renditen, dem fallenden Ölpreis und der anhaltenden KI-Begeisterung; Constellation Energy sprang nach einem Atomstromvertrag mit Google um 12,5 Prozent.
AP / Dow Jones / awp / Yahoo FinanceDie zehnjährige US-Rendite erreichte am Montag zeitweise 5,35 Prozent, den höchsten Stand seit April 2002, und lag heute mit 5,27 bis 5,29 Prozent wieder darunter. In Europa beruhigte sich die Lage in Frankreich: Nach einem Haushaltsplan von Marine Le Pen, der das Defizit bis 2032 unter drei Prozent senken soll, fiel die französische Zehnjahresrendite auf 4,75 Prozent; der Abstand zu Bundesanleihen sank von über 160 auf rund 130 Basispunkte. Die Bundrendite lag am Morgen bei 3,44 Prozent. Laut CME FedWatch ist eine Fed-Zinserhöhung im Oktober zu rund 22 Prozent eingepreist, bis Dezember zu rund 86 Prozent.
Dow Jones / dpa-AFX / BenzingaSchneider Electric will den US-Softwareanbieter PTC für rund 20 Milliarden Euro übernehmen; die Schneider-Aktie fiel am Montag um rund 10 Prozent, europäische Softwarewerte wie Nemetschek und Teamviewer stiegen. In den USA übernehmen McKesson und CD&R den Infusionsspezialisten Option Care Health (Aktie +32,9 Prozent), GE HealthCare kauft Sofie Biosciences für 945 Millionen Dollar. Heute griffen die Anleger in Europa deshalb bei Pharma- und Gesundheitswerten zu: Merck, Qiagen und Siemens Healthineers führten den DAX an.
Dow Jones / dpa-AFXDer Auftragseingang der deutschen Industrie sank im August um 10,6 Prozent gegenüber dem Vormonat; erwartet war ein Minus von 1,0 Prozent. Hauptgrund sind fehlende Großaufträge im sonstigen Fahrzeugbau – Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge –, wo die Bestellungen um 61,5 Prozent einbrachen. Ohne Großaufträge lag der Auftragseingang mit −0,1 Prozent nahezu stabil, gegenüber dem Vorjahr bleibt ein Plus von 2,7 Prozent. Der Juli wurde auf +3,2 Prozent nach oben revidiert. Die Auftragsbücher sichern laut Ökonomen rund neun Monate Produktion ab.
Destatis / dpa-AFXDer Nikkei 225 stieg am Montag um 2,40 Prozent auf 69.946,86 Punkte und heute um weitere 1,05 Prozent auf 70.683,98 Punkte. Treiber sind die Halbleiterzulieferer, die seit den Micron-Zahlen der Vorwoche kräftig zulegen – am Montag Tokyo Electron mit 5,2 Prozent, heute Advantest mit 3,8 Prozent. Der breite Topix stieg auf 4.183,56 Punkte. In Seoul fiel der Kospi nach dem Feiertag dagegen um 0,89 Prozent, belastet von Samsung und SK Hynix.
Nikkei / RTTNews / Dow JonesJemenitische Regierungstruppen haben mit saudischer Unterstützung die Hafenstadt Mokka am Roten Meer von den Huthi-Rebellen zurückerobert; die Gegenoffensive läuft seit dem 4. Oktober. Zugleich wurden laut Berichten die saudischen Flughäfen Jazan und Najran angegriffen. Für den Ölmarkt und die Schifffahrt durch das Rote Meer ist die Entwicklung bedeutsam: Die Huthis hatten in den vergangenen Monaten wiederholt Ziele in Saudi-Arabien und die Schifffahrt angegriffen.
Al Jazeera / CNN / CNBCEZB-Chefvolkswirt Philip Lane sagte am Montag, die hohen Energiepreise könnten die Nachfrage dämpfen; eine Wiederholung der Inflationswelle von 2022 erwarte er nicht. Angemessen sei eine maßvolle Reaktion. Bundesbankpräsident Joachim Nagel betonte dagegen, die Unsicherheit erfordere „Flexibilität, nicht Untätigkeit". Die Erzeugerpreise der Eurozone lagen im August um 8,2 Prozent über dem Vorjahr – deutlich mehr als erwartet. Am Donnerstag veröffentlicht die EZB das Protokoll ihrer letzten Sitzung.
finanzen.ch / onvista / EurostatMittwoch (07.10.): Deutsche Industrieproduktion für August (08:00 Uhr) – nach dem Einbruch beim Auftragseingang mit besonderer Aufmerksamkeit. Am Abend um 20:00 Uhr folgt das Protokoll der letzten Fed-Sitzung, auf der die Notenbank die Zinsen erhöht hatte. Porsche hält einen Kapitalmarkttag ab.
Donnerstag (08.10.): Festlandchina öffnet nach der Golden Week wieder. Dazu die deutsche Handelsbilanz, die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, der Septemberumsatz von TSMC und die Quartalszahlen von PepsiCo. Die EZB veröffentlicht das Protokoll ihrer letzten Sitzung.
Freitag (09.10.): Verbraucherstimmung der Uni Michigan (16:00 Uhr) und Zahlen von Delta Air Lines. Seoul geschlossen.
Montag bis Mittwoch (12.–14.10.): Feiertag in Japan, in den USA ruht am Montag der Anleihemarkt. Am Dienstag startet mit JPMorgan, Wells Fargo und Goldman Sachs die US-Berichtssaison, am Mittwoch folgen ASML und die US-Verbraucherpreise für September.
Worauf es ankommt: Die Märkte haben in wenigen Tagen von Zinssorgen auf Rekordlaune umgeschaltet – ausgelöst durch einen schwachen Arbeitsmarkt, sinkende Ölpreise und eine Welle von Übernahmen. Der Test kommt mit den US-Verbraucherpreisen am 14. Oktober: Bestätigen sie, dass der Preisdruck nachlässt, dürfte die Fed im Oktober stillhalten und die Rally Rückenwind behalten. Bis dahin entscheiden das Fed-Protokoll am Mittwoch und der Ölpreis über die Richtung. Für Europa bleibt die Frage, ob die Entspannung in Frankreich anhält und ob die Industrieproduktion den Einbruch beim Auftragseingang bestätigt oder als Sondereffekt entlarvt.
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