Nachschlagewerk · Begriffe

Glossar für Anleger.

Begriffe aus dem Optionshandel und der Geldanlage — verständlich erklärt. Damit du beim Lesen unserer Beiträge nicht jedes Mal nachschlagen musst.

A

AktieAnteilsschein

Eine Aktie verbrieft einen Anteil am Eigenkapital einer Aktiengesellschaft. Der Inhaber wird Mit­eigentümer des Unternehmens und hat Anspruch auf einen Anteil am Gewinn (Dividende) sowie ein Stimmrecht in der Hauptversammlung.

Der Aktienkurs schwankt mit Angebot und Nachfrage und spiegelt die Erwartungen der Marktteilnehmer an die zukünftige Entwicklung des Unternehmens wider.

AktienoptionStillhaltergeschäft

Ein Vertrag, der dem Käufer das Recht (nicht die Pflicht) gibt, eine bestimmte Aktie zu einem festgelegten Preis innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Der Verkäufer der Option erhält dafür eine Prämie und übernimmt die entsprechende Verpflichtung.

All-Time-HighATH

Der höchste jemals erreichte Kurs einer Aktie, eines Index oder einer anderen Anlage. Wird oft als psychologischer Widerstandspunkt wahrgenommen, ist aber kein verlässlicher Indikator für künftige Bewegungen.

AnleiheBond, festverzinsliches Wertpapier

Ein Schuldverschreibung, mit der ein Staat oder Unternehmen Geld bei Anlegern aufnimmt. Der Anleger erhält über die Laufzeit Zinsen und am Ende seinen Einsatz zurück. Im Gegensatz zur Aktie ist man Gläubiger, nicht Mit­eigentümer.

AssignmentZuteilung

Wenn der Käufer einer Option sein Recht ausübt, wird dem Verkäufer (Stillhalter) die zugrunde liegende Aktie automatisch ins Depot gebucht (bei einem Put) oder daraus entnommen (bei einem Call). Das passiert üblicherweise, wenn die Option am Verfallstag im Geld ist.

B

BasiswertUnderlying

Der Wert, auf den sich eine Option oder ein Derivat bezieht. Bei einer Aktienoption ist das die zugehörige Aktie; bei einem ETF-Optionsschein der ETF; bei einer Index-Option der Index selbst (z. B. SPX = S&P 500).

BrokerBörsenmakler

Ein Dienstleister, über den Privatanleger Wertpapiere kaufen und verkaufen können. Brokerwahl beeinflusst Gebühren, verfügbare Märkte und steuerliche Behandlung. Für Optionshandel werden spezielle Broker mit Margin-Konto benötigt.

Bull / BearHausse / Baisse

Bullisch (steigend) und bärisch (fallend) bezeichnen die Erwartung an Marktrichtungen. Ein Bull-Markt zeigt anhaltend steigende Kurse, ein Bear-Markt anhaltend fallende. Definitionen variieren, gebräuchlich ist −20 % vom Hoch als Schwelle für einen Bärenmarkt.

C

Call-OptionKaufoption

Ein Vertrag, der dem Käufer das Recht gibt, einen Basiswert (z. B. eine Aktie) zu einem festgelegten Preis innerhalb einer bestimmten Frist zu kaufen. Der Verkäufer (Stillhalter) verpflichtet sich im Gegenzug, die Aktie auf Verlangen zu liefern, und erhält dafür die Optionsprämie.

Cost-Average-EffektDurchschnittskosten

Wenn du regelmäßig den gleichen Geldbetrag in eine Anlage investierst, kaufst du bei niedrigen Kursen automatisch mehr Anteile, bei hohen Kursen weniger. Über die Zeit entsteht ein Durchschnitts­einstand, der mathematisch günstiger liegt als der arithmetische Durchschnitt der Kurse.

Mehr dazu im Beitrag zum Cost-Average-Effekt.

D

DeltaKennzahl der Optionspreis-Sensitivität

Eine der „Greeks" — Kennzahlen, die das Verhalten einer Option beschreiben. Delta gibt an, um wie viel sich der Optionspreis ändert, wenn sich der Basiswert um einen Euro/Dollar bewegt. Werte zwischen −1 und +1.

DepotWertpapierkonto

Das Konto bei einem Broker oder einer Bank, auf dem Wertpapiere wie Aktien, ETFs und Anleihen verwahrt werden. Im Gegensatz zum Girokonto enthält das Depot keine Geldbestände, sondern Wertpapierbestände.

DividendeGewinnausschüttung

Der Anteil am Unternehmensgewinn, der an Aktionäre ausgezahlt wird. Die Dividenden­höhe wird auf der Hauptversammlung beschlossen und liegt bei deutschen Aktien typischerweise zwischen 1 und 5 % des Aktienkurses pro Jahr.

Mehr dazu im Beitrag zu ETFs und Dividenden.

E

ETFExchange Traded Fund

Ein börsengehandelter Investmentfonds, der typischerweise einen Index nachbildet (z. B. den DAX oder den MSCI World). Vorteile gegenüber aktiven Fonds: niedrige Kosten, hohe Transparenz, einfache Handelbarkeit.

F

FreibetragSparer-Pauschbetrag

Der Betrag an Kapitalerträgen, der jährlich steuerfrei bleibt: derzeit 1.000 € für Alleinstehende und 2.000 € für Verheiratete. Dafür muss ein Freistellungsauftrag beim Broker eingerichtet werden, sonst zieht dieser pauschal Kapitalertragsteuer ab.

Mehr dazu im Beitrag zu Steuern für Anleger.

G

GreeksOptionspreis-Kennzahlen

Sammelbegriff für eine Reihe von Kennzahlen, die das Verhalten einer Option beschreiben: Delta (Sensitivität gegenüber Kursbewegung), Gamma (Veränderung des Delta), Theta (Zeitwertverfall), Vega (Volatilitäts­sensitivität) und Rho (Zinssensitivität).

I

Im Geld / Aus dem GeldIn-the-Money / Out-of-the-Money

Im Geld heißt: Die Option hat einen inneren Wert. Bei einer Call-Option, wenn der Aktienkurs über dem Strike liegt; bei einer Put-Option, wenn er darunter liegt.

Aus dem Geld heißt umgekehrt: Die Option hat keinen inneren Wert mehr — sie würde wertlos verfallen, wenn der Verfallstag heute wäre.

IndexMarktindikator

Eine gewichtete Zusammenstellung von Aktien, die einen Markt oder Marktausschnitt repräsentiert. Beispiele: DAX (40 deutsche Bluechips), S&P 500 (500 große US-Unternehmen), MSCI World (rund 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern).

K

KapitalertragsteuerAbgeltungssteuer

Pauschale Steuer auf Kapitalerträge in Deutschland: 25 % plus Solidaritäts­zuschlag plus ggf. Kirchensteuer. Der Broker führt diese automatisch ab — du musst sie nicht selbst veranlagen, wenn du in Deutschland steuer­ansässig bist.

L

Long / ShortPosition kaufen / verkaufen

Long: Du besitzt das Wertpapier oder die Option und profitierst von steigenden Preisen.
Short: Du hast verkauft, was du nicht hast (Leerverkauf bei Aktien) oder eine Option geschrieben — du profitierst von fallenden Preisen oder dem Zeitwertverfall.

M

MarginSicherheits­hinterlegung

Beim Verkauf von Optionen oder beim Halten gehebelter Positionen verlangt der Broker eine Sicherheits­hinterlegung — die Margin. Sie schützt vor Zahlungsausfall, falls die Position ins Negative dreht.

O

OptionsprämiePreis der Option

Der Preis, den der Käufer einer Option an den Verkäufer bezahlt. Sie setzt sich aus innerem Wert und Zeitwert zusammen und steigt mit höherer Volatilität, längerer Restlaufzeit und tieferem In-the-Money-Niveau.

Mehr dazu im Beitrag zu Aktienoptionen als Einkommensstrategie.

P

PortfolioAnlage­bestand

Die Gesamtheit aller Anlagen einer Person oder Institution. Ein gut diversifiziertes Portfolio verteilt das Kapital auf verschiedene Anlageklassen, Branchen und Regionen, um das Risiko zu streuen.

Put-OptionVerkaufsoption

Ein Vertrag, der dem Käufer das Recht gibt, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis innerhalb einer bestimmten Frist zu verkaufen. Der Verkäufer (Stillhalter) verpflichtet sich, die Aktie auf Verlangen zu kaufen, und erhält dafür die Optionsprämie. Wer einen Put schreibt, signalisiert: „Ich würde diese Aktie zu diesem Preis kaufen."

R

RenditeErtrag pro Jahr

Der prozentuale Ertrag einer Anlage in einem bestimmten Zeitraum. Wird üblicherweise auf ein Jahr normiert (Rendite p. a.). Wichtig: Rendite vor Kosten, vor Steuern und vor Inflation kann deutlich höher liegen als das, was am Ende übrig bleibt.

RisikoVerlust­wahrscheinlichkeit

An den Märkten meistens als Volatilität (Schwankungsbreite) gemessen. Höhere Renditen sind langfristig mit höheren Schwankungen verbunden. Echtes Risiko bedeutet aber: dauerhafter Kapitalverlust — nicht nur kurzzeitige Schwankung.

S

SparplanRegelmäßige Investition

Eine automatisierte Anlage­vereinbarung: monatlich (oder in anderem Rhythmus) wird ein fester Betrag in eine vordefinierte Position investiert. Sparpläne nutzen den Cost-Average-Effekt und sind ein bewährter Weg zum langfristigen Vermögensaufbau.

Mehr dazu im Beitrag zur Altersvorsorge in Eigenregie.

StillhalterOptionsverkäufer

Wer Optionen verkauft (also schreibt, statt sie zu kaufen), nimmt die Stillhalter-Rolle ein. Er erhält die Prämie sofort und nimmt die Verpflichtung in Kauf, dass die Option ggf. gegen ihn ausgeübt wird. Stillhalter profitieren vom Zeitwertverfall.

Strike-PreisAusübungspreis

Der vorab festgelegte Preis, zu dem der Käufer einer Option den Basiswert kaufen (Call) oder verkaufen (Put) kann. Bei einem Put auf eine Aktie zu Strike 250 $: Der Stillhalter würde die Aktie für 250 $ kaufen, falls die Option ausgeübt wird.

T

ThetaZeitwertverfall

Eine der Greeks. Theta gibt an, wie viel Wert die Option pro Tag durch reines Vergehen der Zeit verliert. Für Stillhalter ist Theta positiv: Sie verdienen, je länger nichts passiert. Für Optionskäufer ist Theta negativ — die Zeit arbeitet gegen sie.

Total ReturnGesamtertrag

Die Wertentwicklung einer Anlage inklusive aller Erträge — also Kursgewinne plus Dividenden bzw. Zinsen. Der DAX ist ein Total-Return-Index (Performance-Index); der Dow Jones Industrial Average dagegen ein Kurs-Index, der Dividenden ignoriert.

V

VerfallstagExpiry, Expiration

Der Tag, an dem eine Option ausläuft. Bis dahin kann der Käufer ausüben oder die Option durch Gegen­geschäft glattstellen. Nach dem Verfall ist die Option entweder ausgeübt worden oder wertlos verfallen — typische Verfälle sind monatlich (3. Freitag) oder wöchentlich.

VolatilitätSchwankungs­breite

Maß für die Stärke der Kursschwankungen einer Anlage. Hohe Volatilität bedeutet starke Ausschläge nach oben und unten — was Optionen teurer macht (höhere Prämien), weil das Risiko-Profil unsicherer wird. Der bekannteste Volatilitätsindex ist der VIX (S&P 500).

W

WheelRolling-Strategie mit Puts und Calls

Eine Stillhalter-Strategie: Du verkaufst regelmäßig Puts auf eine Aktie, die du gerne besitzen würdest. Wirst du ausgeübt, bekommst du die Aktie ins Depot und schreibst dann Calls auf diese Aktie. Wirst du wieder ausgeübt, wird die Aktie verkauft — und du fängst wieder mit Puts an. Daher der Name „Wheel": ein sich wiederholender Kreislauf.

Z

ZeitwertTime Value einer Option

Der Anteil der Optionsprämie, der nicht durch den inneren Wert (also dem Abstand vom Strike) gedeckt ist, sondern allein durch die Möglichkeit, dass sich der Kurs bis zum Verfall noch zugunsten des Käufers bewegt. Der Zeitwert nimmt mit zunehmender Nähe zum Verfallstag ab — und ist am Verfallstag null.

ZinseszinsCompound Interest

Wenn Erträge nicht entnommen, sondern wieder angelegt werden, entsteht ein selbst­verstärkender Effekt: Du verdienst Zinsen auf Zinsen, Dividenden auf Dividenden. Über lange Zeiträume ist das der mächtigste Hebel beim Vermögensaufbau — Albert Einstein soll ihn als „achtes Weltwunder" bezeichnet haben.

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